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Jasmin Donlic (Hrsg.): Qualitative Methoden in der Forschungspraxis

Rezensiert von Mandy Hauser, 22.01.2024

Cover Jasmin Donlic (Hrsg.): Qualitative Methoden in der Forschungspraxis ISBN 978-3-8474-2663-9

Jasmin Donlic (Hrsg.): Qualitative Methoden in der Forschungspraxis. Perspektiven, Erfahrungen und Anwendungsfelder. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2023. 281 Seiten. ISBN 978-3-8474-2663-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

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Thema

Die Qualitative Sozialforschung „ist längst ein Methoden-Klassiker in den Erziehungs-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ (Donlic 2023, 7). Dabei sind qualitative Forschungsprozesse komplexe Unterfangen, die sich durch eine starke Subjektorientierung kennzeichnen – sowohl auf der Ebene der (potentiellen) Forschungsteilnehmer:innen und Daten als auch mit Blick auf die Forschenden selbst. Damit verbunden sind eine Vielzahl an methodischen, methodologischen und weiteren forschungspraktischen und -ethischen Überlegungen, die auch für die Forschungspraxis von Studierenden zur Herausforderung werden können. An diesem Punkt setzt die vorliegende Herausgeberschaft an und stellt sich die Aufgabe, eine Auswahl an Themen, Kontroversen und Hindernissen anhand konkreter Forschungsarbeiten nachzuzeichnen.

Herausgeber

Dr. Jasmin Donlic arbeitet am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Entstehungshintergrund

Der Band entstand in engem inhaltlichem Zusammenhang mit der Lehre des Herausgebers zur Qualitativen Sozialforschung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Auf der Basis der von Studierenden genannten Bedürfnisse und Themen wurde das vorliegende Buch konzipiert und schließt an die vorangegangene Publikation „Gegenstand und Methoden qualitativer Sozialforschung. Einblicke in die Forschungspraxis“ (Donlic, Strasser 2020) an.

Aufbau

Nach einem einleitenden Beitrag des Herausgebers gliedert sich der Band in drei große Teile: Methodologie und Forschungshaltung; Methodenwahl und Besonderheiten des Forschungsgegenstands, Audiovisuelle Medien in der Forschungspraxis. Die Teile vereinen je vier bis sechs Beiträge verschiedener Autor:innen unter sich.

Inhalt

Im einführenden Beitrag schreibt Jasmin Donlic zum Entstehungshintergrund des Bandes und beschreibt die Gestaltung und Durchführung des Seminars „Gegenstand und Methoden qualitativer Sozialforschung“ und den darin enthaltenen partizipativen Ansatz in der Zusammenarbeit mit den Studierenden. Zudem führt er in den Band ein und gibt kurze Erläuterungen zu den einzelnen Beiträgen.

In Teil I des Bandes Methodologie und Forschungshaltung schreiben Paul Eisewicht und Roland Hitzler zur Relevanz und Nützlichkeit von Forschungsdesigns in einer pluralisierten Methodenlandschaft qualitativer Forschung. Sie erläutern zunächst, wodurch sich aus ihrer Perspektive die Pluralisierung kennzeichnet und besprechen die Nützlichkeit von Forschungsdesigns in der explorativ-interpretativen Sozialforschung. Daran anknüpfend gehen die Autoren der Frage nach, was gute Forschungsdesigns sind und beschreiben schrittweise den Weg von der Forschungsfrage zum Forschungsdesign und betonen die Notwendigkeit von Flexibilität in der nicht-standardisierter qualitativen Forschung. Den Abschluss findet der Beitrag in einer Auseinandersetzung mit dem Kontext eines Forschungsprojekts geprägt durch Forschungspraktiken, -ethik und Fragen der Güte und der Bedeutung dieser Kontextfaktoren für die Erstellung und Umsetzung von Forschungsdesigns. Den zweiten Beitrag des Kapitels schreibt Jasamin Kashaniepour zu Stolpersteinen (speed bumps) in der Forschung und welche Bedeutung diese so bezeichneten Abweichungen, Herausforderungen, Zwickmühlen und Dilemmata im Sinne einer Inspiration für die ethnografische Forschung haben können. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen kennzeichnet die Autorin ethnografisch Forschende als Homo Ludens, als spielende Menschen, die mit den Überraschungen, die ein ethnografscher Forschungsprozess mit sich bringen kann, umgehen und hierbei eine Balance finden müssen zwischen subjektiver Einsicht, Empathie für ihr Forschungsfeld und die darin agierenden Personen sowie wissenschaftlicher Sorgfalt. Besonderes Augenmerk legt sie auf die Reflexion subjektiver Einflüsse in der ethnografischen Feldforschung, indem sie Ethnografie als zutiefst persönliche Erfahrung beschreibt. Dabei spielt auch die Positionalität der Forschenden eine Rolle, die einen großen Einfluss auf die Interpretation dessen hat, was ethnografisch als Datenmaterial gesammelt wurde. Letztlich plädiert Jasemin Kasheniepour dafür, die Stolpersteine ebenso wie die damit verbundenen Unsicherheiten als Inspiration für die Forschung zu betrachten und entwirft mit dem Homo ludens ethnographicus eine forschende Person, die sich ihrem Feld nicht zweckrational handelnd, sondern entschleunigt nähert und sich auf die Unwegsamkeit eines Forschungsprozesses spielend einlassen kann. Im dritten Beitrag setzt sich Heidi Siller mit Reflexion und Reflexivität als Teil qualitativer Forschung auseinander. Versteht man wissenschaftliches Wissen und Erkenntnis grundlegend als situiert, dann führt das unweigerlich zu dem Erfordernis, als Forscher:in die eigene Verortung zu hinterfragen und transparent zu machen. Für ihre Argumentation klärt und differenziert die Autorin zunächst die Begriffe Reflexion und Reflexivität und definiert beide Elemente als prozesshaft. Anschließend erläutert sie Möglichkeiten der Umsetzung von Reflexion und Reflexivität und diskutiert abschließend die Sichtbarmachung persönlicher Anteile auch in ihren herausfordernden Facetten. Im vierten und letzten Beitrag des Kapitels erläutert Christina Ricarda Vedder die Bedeutung von Peer-to-Peer-Angeboten als Plattform des Austauschs für Studierende, die sich der qualitativen Forschung widmen. Zunächst kennzeichnet die Autorin ihren eigenen Weg zur qualitativen Forschung an der Alpen-Adria-Universität und zu ihrer Position als Tutorin für Qualitative Forschungsmethoden. Anschließend beschreibt sie ihre Arbeit in der sogenannten Quali-Runde entlang einiger Fragen, die ihr von ihrer Dozentin Heidi Siller gestellt wurden und geht dabei auf ihre Erfahrungen als Tutorin und qualitativ Forschende ein und berichtet von den Erfahrungen in der Peer-to-Peer-Zusammenarbeit mit den Studierenden.

In Teil II des Herausgeberbandes Methodenwahl und Besonderheiten des Forschungsgegenstands schreiben im ersten Beitrag Anna Weinberger und Alban Knecht zum Entstehungsprozess und den Ergebnissen einer Masterarbeit zur subjektiven Bedeutung von Armut und Ausgrenzung, in der sie mit der Methode des Verstehenden Interviews gearbeitet haben. Dafür beschreiben die Autor:innen die Interviewmethode sowie ihr methodisches Vorgehen, die Durchführung und Erkenntnisse, die sich über die Anwendung der Methode ergeben. Anschließend stellen sie auf die Ergebnisse im Rahmen des Identitätskonzepts nach Kaufmann dar, um den Lesenden zu einem tieferen Verständnis der angewandten Interviewmethode und dessen Stärke zur Rekonstruktion von Identitätsaspekten zu verhelfen. Daran anknüpfend wird der Auswertungsprozess reflektiert und in einer Schlussbetrachtung ein Resümee zur Anwendung und Eignung interpretativer Interviews wie des Verstehenden Interviews für „das Erschließen gesellschaftlicher Bedingungen kollektiven Handelns über die Analyse von Alltagshandeln“ (Weinberger, Knecht, 95). Im zweiten Beitrag des Kapitels stellt Barbara Dieris ihr Dissertationsprojekt zu Aushandlungsprozessen des ‚Sich Kümmerns‘ um alte Eltern vor, welches mit der Reflexiv-Grounded-Theory bearbeitet wurde. Insbesondere geht es um Einblicke in den konkreten Forschungsprozess und um die Definition und Erläuterung von drei spezifischen Rahmenbedingungen und ihrer Einflüsse: Forschungsthema, Forschungsstil und Forscherinnenperson. Alle drei Rahmenbedingungen werden zunächst getrennt voneinander erarbeitet und anschließend in ihrer Verflechtung als „Schmelztiegel“ dargestellt, wobei die Autorin die Lesenden mit in ihre Forscherinnenwelt nimmt und ihr Vorgehen und ihre Gedanken beschreibt. Die Datengrundlage des Dissertationsprojekts bildeten literarische und wissenschaftliche Texten sowie Interviewtranskripte, die Barbara Dieris mittels Reflexiv-Grounded-Theory analysierte. Als Konklusion ihrer Arbeit stellt sie im Beitrag abschließend das von ihr entwickelte Modell des Sprechens und Schweigens in den untersuchten Aushandlungsprozessen vor und zieht ein Fazit zu ihrem Vorgehen und ihren Erkenntnissen. Der dritte Beitrag von Aikokul Maksutova und Stefan Rädiker behandelt die Arbeit mit analytischen Zusammenfassungen im Rahmen einer MAXQDA-gestützten qualitativen Inhaltsanalyse am Beispiel einer Studie zur sozialen Integration von Migrant:innen. Die Autor:innen geben Einblicke in den Umgang mit Datenmaterial nach dem Codieren in Form thematischer Zusammenfassungen für einzelne Fälle als sogenannte Fallübersichten. Dafür stellen sie zunächst ihr Forschungsbeispiel vor – von der Gewinnung von Forschungsteilnehmer:innen über die Erhebungsmethoden bis zur Auswertung der gewonnenen Daten. Anschließend beschreiben sie den Weg der Vorbereitung und Codierung der Daten mit MAXQDA und stellen die vier Schritte der Zusammenfassung des codierten Materials sowie die verwendete Software vor. Im Folgenden wird jeder Schritt einzeln dargestellt und mit Beispielen aus der Forschungsarbeit versehen. Als Resultat stellen die Autor:innen die Bildung von empirischen Typen in Bezug auf soziale Integrationsverläufe vor, die sie anhand ihrer thematischen Zusammenfassung erstellen konnten und gehen auf den am häufigsten vertreten Typ anhand verschiedener Dimensionen sozialer Integration detaillierter ein. Im Fazit werden die Inhalte des Beitrags noch einmal kurz zusammengefasst und die zentralen Aspekte des mehrstufigen Analyseprozesses hervorgehoben. Im vierten Beitrag werden von Yvonne Berger sprachliche und kulturelle Übersetzungsprozesse in der qualitativen Forschungspraxis thematisiert und anhand von Erfahrungen aus einem Forschungsprojekt verdeutlicht. Zunächst wird dafür das Forschungsprojekt zu bildungsbiografischen Orientierungen in der Volksrepublik China thematisch, methodisch und methodologisch umrissen und in den sozialwissenschaftlichen Begriff der Übersetzung bzw. Übersetzungsleistung eingeführt. Auf dieser Basis beschreibt die Autorin zunächst Herausforderungen auf der Ebene sprachlicher Übersetzungsprozesse und geht dabei auf folgende ausgewählte Aspekte genauer ein: Übersetzung der Erhebungsinstrumente, Mehrsprachigkeit im Erhebungsprozess, Code-Switching, der Einsatz von Dolmetschenden und der Umgang mit Translaten. Anschließend formuliert sie Herausforderungen auf der Ebene kultureller Übersetzungsprozesse und geht dabei auf Interpretationsprozesse und damit verbundene Fragen der Perspektivendifferenz und Standortverbundenheit, der Forschung mit kulturvertrauten Co-Interpret:innen und die Arbeit in Interpretationsgruppen ein. Auch wird hier entlang eines Beispiels die gesellschaftliche Bedingtheit biografischer Erzählungen dargestellt. Zudem widmet sich Yvonne Berger der Alltagskompetenz des Erzählens und ihre Bedeutung für die Methode narrativ-biografischer Interviews im Allgemeinen und im kulturellen Kontext. Im Fazit wird die Notwendigkeit einer reflexiven Praxis im Rahmen von Übersetzungsprozessen in der qualitativen Forschung erörtert. Im fünften Beitrag widmet sich Frauke Gerstenberg der qualitativen Kindheitsforschung und beleuchtet die Methode der Gruppendiskussion in der Durchführung mit Kindern. Eingangs wird in die Gruppendiskussion als Erhebungsmethode eingeführt und es werden grundlegende Prinzipien der Durchführung mit Kindern besprochen. Darauf basierend werden von der Autorin mit der Initiierung und dem Balancieren von Selbstläufigkeit zwei Fallstricke aufgeführt und anhand von Beispielen aus der Forschungspraxis eindrücklich verdeutlicht. Abschließend zieht die Autorin ein Resümee zu ihren Ausführungen. Im sechsten und letzten Beitrag des Kapitels stellt Verena Kumpusch ihr laufendes Promotionsprojekt vor, in der sie zur Frage arbeitet „Welche Wissensordnungen hinsichtlich Geschlecht werden durch diskursive Aushandlungsprozesse in Handreichungen für das österreichische Bildungssystem sichtbar und damit (re-)produziert?“. Die Autorin zielt in ihrer Forschungsarbeit darauf ab, Wissensbestände zu Geschlechterfragen im österreichischen Bildungssystem zu analysieren und einzuordnen. Im Beitrag skizziert sie theoretische Zugänge, Forschungsdesiderate sowie ausgehend von ihrer Forschungsfrage das Forschungsvorgehen, welches über eine Verbindung der wissenssoziologischen Diskursanalyse und der Grounded Theorie bestimmt ist. Weiterhin beschreibt sie Bestimmung und Auswahl des Datenkorpus, das Auswertungsvorgehen und gibt erste Einblicke in Auswertung und Erkenntnisse.

Teil III des Bandes Audiovisuelle Medien in der Forschungspraxis beginnt mit einem grundlegenden Beitrag von Peter Holzwarth, der sich zu Potenzialen und Formen visueller Forschung äußert und Herausforderungen im Auswertungs- bzw. Deutungsprozess visueller Daten skizziert. Zudem werden Beispiele für mögliche Forschungsszenarien und Erkenntnisinteressen insbesondere zu audio-visuellen Formen der Identitätskonstruktion und Selbstnarration aus Social Media dargelegt. Abschließend kennzeichnet Peter Holzwarth ethische Fragen in der qualitativen Sozialforschung allgemein und in der Arbeit mit visuellen Medien im Besonderen. Im zweiten Beitrag widmet sich Elisabeth Mayer der visuellen Biografieforschung. Sie stellt anhand eines Fallbeispiels aus dem Forschungsprojekt „Biografien in vernetzten Lebenswelten. Visuelle und sprachliche Konstruktionen von Lebensgeschichten“ das Forschungsvorgehen bei der Kombination visueller Analysen und biografischer Fallkonstruktionen vor. Die Autorin erläutert die einzelnen Analyseschritte und gibt insbesondere für Schritt 2: Rekonstruktion der visuellen Biografie auf Sozialen Medien und Schritt 3: Rekonstruktion des narrativen Interviews und biografische Fallrekonstruktion detailreiche Einblicke in die Forschungsarbeit. In ihrer Schlussreflexion geht die Autorin auf die Herausforderung ein, dass im Forschungsprozess gerade im Kontext Social Media mit einer großen Bildmenge als potentieller Datenkorpus umgegangen werden muss und erläutert, warum die systematische Analyse eine Strategie dafür sein kann. Im folgenden Beitrag stellt Ute Holfelder ein Forschungsprojekt vor, in dem die Methode der Fotoelizitation in Gruppendiskussionen angewendet wurde. Nach der Projektvorstellung gibt die Autorin einen Einblick in die methodischen Zugänge und deren Umsetzung. Dabei begründet sie die Wahl eines Selfies als Gesprächseinstieg in die Gruppendiskussionen und die Zusammenstellung der Gruppen und geht detailliert auf den Ablauf der Gruppendiskussionen ein. Im Fazit zieht die Autorin ein Resümee und reflektiert die Bedingungen und den Ablauf der Gruppendiskussionen. Abschließend werden die Methoden Fotoelizitation und Gruppendiskussion in Infoboxen vorgestellt. Im abschließenden Beitrag erarbeiten Ajit Singh und Leopold Meinert die Videographie Methode qualitativer Forschung mit Blick auf die Coronapandemie und die damit verbundenen besonderen Bedingungen. Eingangs skizzieren die Autoren die Grundannahmen der Videographie und gehen davon ausgehend auf den Forschungsprozess im Rahmen des deutschlandweiten Projekts „Social Distancing und neue Raumforschung der Interaktion“ ein. Sie beschreiben den Feldzugang und ihre Arbeit der videographischen Datenerhebung in einem Copyshop, mit den zentralen Fragen der Positionierung der Kamera und die Wahl des Raumausschnitts. Zur Auswertung der Daten wurde die Videointeraktionsanalyse genutzt und Ajit Singh und Leopold Meinert schreiben zur Auswahl geeigneter Sequenzen und zum Einsatz der Auswertungsmethode und ihren grundlegenden Prinzipien und erläutern sie anhand einer ausgewählten Sequenzanalyse. Zudem nehmen sie eine Deutung der Sequenz vor und ordnen sie theoretisch ein. Im Ausblick gehen die Autoren sowohl auf die Herausforderungen in der Umsetzung der Videographie als auch auf ihre Erkenntnisse mit Bezug auf den spezifischen gesellschaftlichen Kontext der Coronapandemie ein. Weiterhin beschreiben sie die Auswirkungen der Pandemiesituation auf ihr eigenes wissenschaftliches Arbeiten, besonders mit Blick auf die digitale Zusammenarbeit an audio-visuellen Daten.

Diskussion

Die Herausgeberschaft verfolgt das Ziel, „als Anregungen zur Methodenreflexion und praktischer Ratgeber für die verschiedenen Disziplinen der Kultur- und Sozialwissenschaften [zu, d.A.] dienen und Studierenden wie Lehrenden die Vielfalt qualitativer Methoden [zu, d.A.] vermitteln“ (Donlic 2023, 7). Dafür werden insgesamt vierzehn Beiträge den drei genannten Teilkapiteln zugeordnet. Die Beiträge sind in ihrer inhaltlichen Ausrichtung äußerst spannend und erfassen und bearbeiten je unterschiedliche zentrale Fragen und Herausforderungen qualitativer Sozialforschung. Zudem lassen sie eine reflexive Auseinandersetzung der Autor:innen mit ihren forschungspraktischen Erfahrungen erkennen und bieten vielerlei Anhaltspunkte für methodisch-methodologische und wissenssoziologische Weiterentwicklungen im Feld der qualitativen Sozialforschung. So wird beispielsweise das Thema der Standpunktverortung der qualitativ Forschenden in Bezug auf ihren Forschungsgegenstand in mehreren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven besprochen.

Die Einleitung des Herausgebers trägt den Titel „Qualitatives Forschen lehren und lernen – ein partizipativer Ansatz“ und Jasmin Donlic hebt hier die partizipative Zusammenarbeit mit Studierenden in der Lehre im Kontext qualitativer Sozialforschung hervor und beschreibt die Herausgeber:innenschaft als Ergebnis dieses partizipativen Prozesses, da sie auf der Basis der von Studierenden genannten Bedürfnisse und Themen entstand. Die von den Studierenden genannten Aspekte spielen zwar in den Beiträgen in unterschiedlicher Gewichtung eine Rolle, aus meiner Sicht wäre aber auch die konsequente Weiterführung des partizipativen Ansatzes denkbar gewesen. Das hätte bedeuten können, sich im Buch noch stärker entlang der Impulse der Studierenden zu orientieren oder sie gar in dessen Entstehung einzubeziehen.

Das Buch wurde als Lehr- und Methodenbuch für ein breites Zielgruppenspektrum konzipiert und soll für Studierende ebenso Anknüpfungspunkte bieten wie für erfahrende akademisch Forschende. Dafür ist als positiv hervorzuheben, dass die Beiträge entlang forschungspraktischer Beispiele verfasst sind und auf diese Weise die gewählten Schwerpunkte nachvollziehbar darstellen und besprechen. Zudem arbeiten einige Autor:innen mit sogenannten Infoboxen, die einzelne methodologische Zugänge oder Methoden hervorheben und für die Lesenden erläutern. Mit Blick auf die Zielgruppe der Studierenden sind jedoch auch Zugangsbarrieren zu konstatieren, insbesondere markiert durch den voraussetzungsreichen akademischen Sprachgebrauch in manchen Beiträgen.

Fazit

Das Buch „Qualitative Methoden in der Forschungspraxis. Perspektiven, Erfahrungen, Anwendungsfelder“ wird dem Titel vollumfänglich gerecht. Es folgt keiner spezifischen thematischen Ausrichtung, sondern gibt durch die Zusammenstellung der Beiträge ausgewählte Einblicke in aktuelle Perspektiven, Erfahrungen und Anwendungsfelder der qualitativen Sozialforschung und leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieses Forschungszugangs. 

Rezension von
Mandy Hauser
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik/ Kompetenzbereich Geistige Entwicklung der Universität Leipzig
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Es gibt 7 Rezensionen von Mandy Hauser.

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Zitiervorschlag
Mandy Hauser. Rezension vom 22.01.2024 zu: Jasmin Donlic (Hrsg.): Qualitative Methoden in der Forschungspraxis. Perspektiven, Erfahrungen und Anwendungsfelder. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2023. ISBN 978-3-8474-2663-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30834.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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