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Heike Becker, Kurzi Shortriver (Bilder): Leonie und das Foto im Netz

Rezensiert von Mareike Pfeiffer, 06.03.2024

Cover Heike Becker, Kurzi Shortriver (Bilder): Leonie und das Foto im Netz ISBN 978-3-942-12245-0

Heike Becker, Kurzi Shortriver (Bilder): Leonie und das Foto im Netz. ISB-Fachverlag (Oldenburg) 2023. 44 Seiten. ISBN 978-3-942-12245-0. 8,80 EUR.

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Thema

Mobbing ist leider seit vielen Jahren ein Thema im Schulalltag, egal in welcher Klassenstufe. Die selbstverständliche Nutzung von Smartphones, Smartwatches und Social Media schon bei Kindern in der ersten Grundschulklasse rückt auch immer mehr das Thema Cybermobbing in den Fokus. Viele Lehrkräfte kennen das Problem, denn sie müssen sich im Unterricht immer wieder mit Beschwerden über Beleidigungen in privaten Klassen-Chat-Gruppen oder das Verbreiten von heimlich aufgenommenen Videos oder Fotos in der Pause oder auf dem Schulweg beschäftigen.

Wie schnell es zu dieser Art des Mobbings kommen kann und welche Auswirkung es für ein betroffenes Kind hat, erzählt das Buch „Leonie und das Foto im Netz“ von Heike Becker. Unterstützt wird die Geschichte durch die Illustrationen von Kurzi Shortriver.

Entstehungshintergrund

Heike Becker greift nach ihrem letzten Buch „Leon sagt NEIN“ auch in hier wieder das Thema Mobbing unter Kindern auf. Aufgrund ihrer Arbeit als Kinderpflegerin ist es ihr ein Anliegen, auf die Not und die Gefühlslage dieser Kinder aufmerksam zu machen und mit ihren Geschichten zu helfen, das Thema Mobbing mehr in den Fokus zu rücken.

Inhalt

Ohne wirklich zu wissen warum, wird Leonie von einigen ihrer MitschülerInnen verspottet, ignoriert oder bloßgestellt. Liegt es wirklich nur an ihrer neuen Frisur? Als dann eine Mitschülerin in der Umkleidekabine heimlich ein Foto von Leonie macht und dieses im Netz verbreitet, wird Leonie zum Gespött der ganzen Schule. Niemand hält zu ihr und verteidigt sie. Leonie ist verzweifelt und vertraut sich schließlich ihrer Mutter an. Doch auch sie und der Schulleiter können ihr nur wenig Hoffnung machen, die Verbreitung des Fotos aufzuhalten.

Die einzige Lösung scheint für Leonie ein Schulwechsel zu sein. Ihre Eltern unterstützen sie dabei und schon nach wenigen Tagen kann Leonie einen Neuanfang an einer anderen Schule machen. Kann Leonie endlich das Mobbing aus ihrer alten Schule hinter sich lassen?

Nein, denn schon nach kurzer Zeit findet das Foto auch seinen Weg zu ihren neuen Mitschülerinnen und der Kreislauf scheint von vorne zu beginnen. Was soll Leonie jetzt tun? Sie ist verzweifelt und weiß nicht mehr weiter.

Auch ihre Mutter ist ratlos und sucht Hilfe bei der Schulleiterin. Diese geht einen anderen Weg, um die SchülerInnen an Leonies neuer Schule für die Situation und das Thema Cybermobbing zu sensibilisieren. In der von ihr einberufenen Schulversammlung geht es nicht um Vorwürfe, Beschuldigungen und Verbote, sondern darum, sich in Leonies Situation hineinzuversetzen. Dabei zeigt sich, dass Leonie nicht als Einzige Erfahrungen mit Cybermobbing machen musste.

Diskussion

Heike Becker zeigt durch Leonies Erlebnisse nicht nur, wie gravierend und weitreichend die Folgen von Cybermobbing unter Kindern sein können, sondern sie lässt die Lesenden auch nachempfinden, wie schwierig es für die Betroffenen gerade im Bereich Schule sein kann, sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Die Angst, dass durch ein Informieren Erwachsener und eine Bestrafung der Täter das Mobbing noch schlimmer werden könnte, wird aus Leonies Abwägungen deutlich. Auch die scheinbare Hilflosigkeit und Ratlosigkeit mancher Erwachsener in Anbetracht der viralen Verbreitung bei Cybermobbing-Vorfällen kann man erahnen.

Entgegen der leider immer noch häufig gewählten Methode, die Täter zur Rede und gegebenenfalls sogar vor der gesamten Klasse bloß zu stellen, wählt die Schulleiterin an Leonies neuer Schule einen anderen Ansatz. Ihre Intervention erinnert an den „No-blame-approach“ von Robinson & Maines (2008), in dem es nicht darum geht, Täter zu entlarven, sondern die Betroffenen durch ein Netzwerk von Unterstützenden zu schützen.

Sprachlich ist das Buch meistens in kurzen, einfachen Sätzen gehalten. Der Text ist sehr übersichtlich und in einer großen Schriftgröße gedruckt, sodass er auch für Leseanfänger oder Kinder mit Leseschwierigkeiten geeignet ist. Dennoch bietet der Text auch komplexere Formulierungen, die für manche Lesenden sicherlich einer weiteren Erklärung bedürfen. Damit ist das Buch, auch aufgrund der Thematik, nicht als Privatlektüre für Kinder geeignet, sondern sollte von einem Erwachsenem begleitet werden.

Hervorzuheben ist, dass weder der Text noch die Illustrationen auf ein genaues Alter der Protagonistin hinweisen. Daher eignet sich das Buch sowohl für den Einsatz in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe 1. Auch ein Einsatz bei älteren Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten wäre denkbar.

Fazit

Das Buch „Leonie und das Foto im Netz“ von Heike Becker bietet eine gute Basis dafür, mit Kindern und Jugendlichen über das Thema Mobbing ins Gespräch zu kommen. Es stellt in einfacher Sprache und mit ansprechenden Illustrationen dar, wie Leonie durch ein unvorteilhaftes Foto zum Gespött ihrer Schule wird und wie bedrohlich schnell sich dieses Foto im Netz verbreitet. Heike Becker und der Illustratorin Kurzi Shortriver geling es gut, die LeserInnen die Angst und Verzweiflung in dieser Situation aus der Perspektive Leonies miterleben zu lassen.

Literaturhinweis

Robinson, George, and Barbara Maines. Bullying: a Complete Guide to the Support Group Method, SAGE Publications, Limited, 2008.

Rezension von
Mareike Pfeiffer
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Es gibt 1 Rezension von Mareike Pfeiffer.

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Zitiervorschlag
Mareike Pfeiffer. Rezension vom 06.03.2024 zu: Heike Becker, Kurzi Shortriver (Bilder): Leonie und das Foto im Netz. ISB-Fachverlag (Oldenburg) 2023. ISBN 978-3-942-12245-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30861.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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