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Jens Weidner, Rainer Kilb (Hrsg.): Gewalt im Griff

Rezensiert von Prof. Dr. Wolfgang Tischner, 19.03.2024

Cover Jens Weidner, Rainer Kilb (Hrsg.): Gewalt im Griff ISBN 978-3-7799-7570-0

Jens Weidner, Rainer Kilb (Hrsg.): Gewalt im Griff. Konfrontative Ansätze in der Anti-Gewalt-Pädagogik. Neuausgabe. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2023. 246 Seiten. ISBN 978-3-7799-7570-0. D: 35,00 EUR, A: 36,00 EUR.

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Thema

Als Antwort auf die Frage zum Thema: „Was ist Gewalt?“ äußert sich Rainer Kilb, in Abgrenzung von den Begriffen „Aggression“ und „Aggressivität“, folgendermaßen:

„Gewalt stellt vor allem eine physische, in bestimmten Fällen auch psychische Form von Willensbrechung eines anderen Menschen/​einer anderen Gruppe dar, die entweder in illegalen Formen, oder aber auch in gesellschaftlich und vom Rechtssystem tolerierten, und von diesem selbst ausgeführten Formen stattfinden kann. Gewalt kann dabei als extreme Form der Konfliktbearbeitung/​-eskalation, als instrumentelle Gewalt oder als Übertragungshandeln in diffuser Form auftreten und geht hierbei auf unterschiedliche Motive und Ursachen zurück“ (Kilb 2012, 21 f.; 2020, 36).

Gewalt wird von den meisten Menschen als bedrohlich empfunden, weshalb man ihr tunlichst aus dem Wege geht. Fühlt sich jemand durch Gewalt akut bedroht, so will er diese gewöhnlich unter Kontrolle, „im Griff“ haben und sich ihr nicht ausgeliefert fühlen. Ein griffiger Topos wie „Gewalt im Griff“ signalisiert nicht nur etwas Zupackendes, sondern er verleiht einem Menschen zudem meist ein beruhigendes und sicheres Gefühl der Souveränität und damit oftmals auch so etwas wie eine Aura der Unnahbarkeit.

Die von Jens Weidner und Rainer Kilb herausgegebenen Bände 1 und 3 der Reihe „Gewalt im Griff“ sollen in dieser Neuausgabe (6. Auflage) zusammengeführt und aktualisiert werden. Im Laufe der letzten 25 Jahre wurde nicht nur das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) etabliert und weiter ausgebaut, sondern es sind einige methodische Weiterentwicklungen dazugekommen wie das Coolness-Training (CT), das sich besonders im schulischen Bereich bewährt hat, das Einzel-AAT, die Anti-Gewalt-Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen und nicht zuletzt das Handlungsfeld „Häusliche Gewalt“. Gemeinsam firmieren sie unter der Überschrift „Konfrontative Pädagogik“.

Herausgeber

Weidner ist Professor für Kriminologie und Erziehungswissenschaft an der Fakultät Wirtschaft und Soziales der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg. Er arbeitete konfrontativ mit straffällig gewordenen Gang-Jugendlichen in Philadelphia, USA, und 10 Jahre lang mit Gewalttätern für die niedersächsische Justiz. 1987 entwickelte er in der Jugendstrafanstalt Hameln das AAT, das inzwischen auch international eine beachtliche Verbreitung gefunden hat. 

Kilb ist Professor (i.R.) für Erziehungs- und Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Mannheim, wo er von 2006 bis 2013 auch das Dekansamt ausübte. Zuvor war er als Sportlehrer an einer Hauptschule tätig und arbeitete danach sechs Jahre in einem Jugendfreizeitzentrum. Es folgten Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Institut für Jugendforschung und Jugendkultur und am ISS e.V. in Frankfurt am Main sowie Lehrtätigkeiten im Bereich der Sozialen Arbeit.

Beide Autoren haben sich große Verdienste als Autoren, Herausgeber, Wissenschaftler, Lehrer und organisierende Praktiker erworben.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in vier Hauptteile gegliedert: Im Anschluss an die „Einleitung“ kommt zunächst ein relativ kleiner Teil mit zwei Beiträgen, der mit dem Titel „Umgang mit Gewalt und Entwicklungen von AAT und CT“ überschrieben ist. Ein deutlich größerer zweiter Teil, bestehend aus 6 Beiträgen unter der Überschrift „Die Zielgruppen, Rahmenbedingungen und Curricula von AAT, CT und Konfrontativem Arbeiten im Bereich ‚häusliche Gewalt‘“ folgt dem ersten. Weitere 6 Beiträge schließen sich in einem dritten Teil an, überschrieben mit: „Verschiedene Anwendungsfelder und Konzeptionen“, dem wiederum der aus nur zwei Beiträgen bestehende Teil „Kompetenzanforderungen für AAT-Fachkräfte und Ausblicke“ abschließend folgt.

1. Rainer Kilb eröffnet die Galerie der Beiträge des Sammelbands mit einer Studie zu der Frage, was unter „Gewalt“ zu verstehen sei und was sie von verwandten Begriffen unterscheidet (s.o.). Dabei rekurriert er auf „Begründungszusammenhänge aus der gesellschaftlichen Gewaltdebatte, den Theorien zur Entstehung von Gewalt und den sozialpädagogischen Bedarfen heraus“, unterscheidet verschiedene Gewaltebenen und Gewaltformen, setzt sich mit dem Begriff der „Häuslichen Gewalt“ auseinander und diskutiert kritisch die Unbestimmtheit des Rechtsbegriffs „Kindeswohlgefährdung“.

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Gewalttätigkeit spiele hier das Geschlecht, namentlich der männliche Habitus. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Feststellung der Soziologin Mechthild Bereswill, wonach die Delinquenz junger Männer sich nicht nur durch den männlichen Habitus erklärt, sondern umgekehrt – quasi in einer Art Wechselwirkung – gleichfalls eine Handlungsressource zur Stabilisierung von Männlichkeit darstellt. Entscheidend sei dabei, so Bereswill, dass „die situative ‚Bewerkstelligung von Männlichkeit‘ durch Gewalt […] in Gruppenprozessen stattfindet, in denen gemeinsame Ideale von Männlichkeit ausgekämpft werden“.

2. Auf eine historische Zeitreise begibt sich Wolfgang Fischer in seinem Beitrag und blickt dabei zurück auf 23 Jahre AGT-Praxis in der JSA Schifferstadt. 1996 beginnt er mit einer Ausbildung zum Anti-Aggressivitäts-Trainer beim ISS e.V. in Frankfurt am Main, die er im Jahre 1998 abschließt. Das erste AGT wurde mit 5 straffällig gewordenen Jugendlichen, vereinzelt mit sehr ungewöhnlichen Methoden, in der JSA Schifferstadt durchgeführt: Im Verlauf des Trainings nämlich wurde einem Teilnehmer, der sein Opfer mit einem Messerstich in die Leber lebensgefährlich verletzt hatte, die Möglichkeit nahegelegt, dieses Geschehen im Rahmen des AGT mittels einer frischen Schweineleber aufzuarbeiten. Als Fazit aus dieser Episode gelangte Fischer zu der Einschätzung, dass „kreative Tatkonfrontationen […] auch aus heutiger Sicht nach wie vor wichtig und wirkungsvoll“ seien.

Im Jahre 2005 startete Fischer eine Umfrage bei der Bewährungshilfe in Rheinland-Pfalz, weil man „nach 8 Jahren AGT-Praxis wissen [wollte], wie die tatsächliche Legal-Bewährung von AGT-Absolventen aussah.“ Die Erfolgsquote war erfreulich hoch, sie lag bei 81,25 %. Ab 2012 stand den AG-Trainern eine junge Medizinerin des Rechtsmedizinischen Instituts der Uni Mainz zur Verfügung. Im selben Jahr fand eine Fachtagung unter der Überschrift „15 Jahre Anti-Gewalt-Trainings in der JSA Schifferstadt“ statt. Viele weitere erfreuliche Entwicklungen in der JSA kamen ab Sommer 2020 aufgrund der COVID-19-Beschränkungen an ein jähes Ende. „Als Alternative wurde […] [von Fischer] ein Sozialer Trainingskurs ‚Gewalt-los‘ entwickelt, der im Seminarstil und auf Abstand gehalten, vollständig auf eine Straftatbearbeitung verzichtet, dafür aber das Thema Deeskalation breiter behandelt.“

3. Jens Weidner stellt in seinem Beitrag „Konzept und Curriculum des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) für gewalttätige Wiederholungstäter“ vor, wobei er kurz auch darauf eingeht, wann und wie dieses Training entstanden ist. Ferner definiert Weidner die Zielgruppe des Trainings und macht Angaben zu seiner Dauer und zeitlichen Taktung.

Die rechtliche Grundlage für das Anti-Aggressivitäts-Training bildet gewöhnlich die richterliche Weisung gem. § 10 JGG oder eine Resozialisierungsmaßnahme bspw. im Jugendvollzug. Voraussetzung sind wiederholte Verurteilungen wegen gefährlichen und schweren Körperverletzungs- bis hin zu Tötungsdelikten.

Um das Ziel einer Beschränkung von Gewalt durch die Konfrontation mit der/n begangenen Tat/en zu erreichen, lehnten die Jugendlichen die Auseinandersetzung mit Familiengeschichten und psychologischen Fragen (Psychokram“) kategorisch ab. Konnten sie dagegen mit ihren Gewalttaten vor anderen prahlen, so waren sie ganz in ihrem Element. Die Gewalt wurde verklärt und schöngeredet und es wurden die phantasievollsten Legenden gestrickt.

Weidner betont jedoch, dass es nicht allein die Härte ist, die aus einem brutalen Schläger, sofern er sich auf dem „Heißen Stuhl“ einer rückhaltlosen Konfrontation unterzieht, einen zivilisierten Gentleman macht. Denn ohne einen Perspektivenwechsel vorübergehend weg von der manchmal erbarmungslosen Konfrontation hin zur vertrauensvollen Beziehung – der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber spricht hier von einer „unterirdischen Dialogik“, die selbst dann trage, wenn das Band des Vertrauens zum Du zeitweise nicht spürbar ist und an seine Grenzen stößt – werde das Anti-Aggressions-Training nur schwer zum Erfolg führen. Ähnliche Verschiebungen sind auch bei den Werthaltungen der AAT-Teilnehmer zu beachten: Es sollte ihnen unbedingt klargemacht werden, dass Friedfertigkeit als Souveränität und Stärke und nicht als Feigheit und Schwäche zu verstehen sind.

Besonderen Wert legt Weidner auf derzeit zehn in Geltung befindliche Rahmenbedingungen, die von den zwei Instituten IKD mit Sitz in Hamburg und dem Frankfurter ISS e.V. fixiert wurden, von denen das Non-Touch-Gebot, das 2005 eingeführt wurde, seitdem eine besondere Rolle für den „Heißen Stuhl“ spielt. Hintergrund ist, dass kein Teilnehmer Übergriffe in Form körperlicher Berührungen oder „Tätscheleien“ über sich ergehen lassen müsse. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit sei für jeden Menschen ein hohes Gut und deshalb auch für jeden Teilnehmer am AAT zu respektieren und zu wahren.

Abschließend kommt Weidner auf die Evaluationsergebnisse für das AAT zu sprechen, welche erstmals im Jahr 1989 (aktuellste Studie: 2009) erhoben worden sei, während, in Konkurrenz zu dieser Information, das Jahr 1987 als jenes des Beginns der bis 1997 laufenden Rückfallforschung zum AAT durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen benannt wird. Diese kleine Unstimmigkeit sorgt zwar für ein wenig Irritation, sollte aber keinesfalls überbewertet werden. Ebenso wie die Forschungsergebnisse des KFN kommen auch jene der Universität Mainz (2007) und anderer, unbedeutenden Abweichungen zum Trotz, durchgehend zu erfreulich niedrigen statistischen Rückfallquoten – und auf die kommt es schließlich an!

4. Das AAT ist gewöhnlich eine Veranstaltung, die im Rahmen eines Gruppen-Settings durchgeführt wird, wobei das Konfrontative auch hier maßgebend ist. Das gilt inzwischen nicht mehr uneingeschränkt und grundsätzlich. So setzt eine Konfrontation im Einzel-Setting eine vorherige Interventionserlaubnis voraus.

Horst Schawohl stellt als eine „dialogische Konfrontation mit Perspektive“ das „Einzel-AAT“ in weiten Teilen in Form eines Interviews zwischen Interviewer und Klient vor, wobei der Zugang in der Regel aufgrund eines Gerichtsurteils und einer daraus resultierenden Weisung, Auflage oder Anordnung erfolgt. Ein großer Vorteil des Einzel-AAT besteht in der Möglichkeit einer individuell abgestimmten und gezielten Einflussnahme.

Nachdem im Jahr 2021 die Historisch-Ökologische Bildungsstätte Emsland (HÖB Papenburg) in Kooperation mit dem IKD Hamburg zur 2. Papenburger AAT/CT-Fachtagung eingeladen hatte, erfolgten ein Jahr später die ersten Zertifizierungen für die berufsbegleitende Fortbildung für den Bereich Einzel-AAT.

Der Trainingsablauf im Einzel-AAT ist gegliedert 1. in eine Kennenlernphase, in welcher zunächst die Rahmenbedingungen geklärt werden und der Teilnehmer ein für ihn wichtiges Ziel formuliert, das er bis zum Ende des Trainings erreichen will, 2. in eine Konfrontationsphase, in der mit Aussagekarten gearbeitet wird, um Ansichten zu überprüfen und diese eventuell konträr zu hinterfragen, wobei hier u.a. auch die Gelegenheit genutzt wird, sowohl die Laschheit der Staatsanwaltschaft anzuprangern, als auch sich über die medizinischen wie auch rechtlichen und finanziellen Folgen eines langwierigen und schmerzhaften Behandlung eines Kieferbruchs Gedanken zu machen. Der 3. Gliederungspunkt betrifft schließlich die Kompetenzphase, die der Rückschau sowie der damit einhergehenden Aus- und Bewertung dient.

Abschließend erhält die teilnehmende Person einen bescheinigenden Bericht und ein Zertifikat.

5. Das Coolness-Training (CT), ein Abkömmling des AAT, hat eine längere Geschichte als die meisten anderen Beiträge dieses Buches und wurde entwickelt von Reiner Gall, der es bereits seit 1993 in Kombination mit dem AAT praktiziert und seit 1999 auch selber darin ausbildet. Sowohl im Band 1: „Neue Formen des Anti-Aggressivitäts-Trainings“ als auch im Band 3: „Weiterentwicklung des Coolness- und des Anti-Aggressivitäts-Trainings“ des vorliegenden Buches war Gall bereits jeweils mit einem bzw. zwei einschlägigen Beiträgen zum Thema Coolness-Training vertreten.

Im Jahre 1992 war das Thema Jugend und Gewalt in Oberhausen, bedingt durch zahlreiche Überfälle, Schlägereien, Erpressungen und andere Straftaten, eines der vorherrschenden Themen. Das Oberhausener Konzept unter dem Titel „Verstehen, aber nicht einverstanden sein“ erwies sich als überaus praxistauglich.

Vor den Erfahrungen des Anti-Aggressivitäts-Trainings wurde in Oberhausen das Coolness-Training entwickelt und in die bestehende Struktur und des AK-Jugendorientierung eingebunden. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das CT, bei welchem es sich um eine präventive Maßnahme in Schule und Jugendeinrichtungen handelt, zu einem wichtigen Instrument, das von allen Oberhausener Schulformen über das Jugendamt abgerufen werden konnte.

Im Gegensatz zum AAT, das die Täter deliktspezifisch anspricht, richtet sich das CT auch an scheinbar unbeteiligte Schüler (Zuschauer) und pädagogische Fachkräfte; ein „heißer Stuhl“ entfällt bewusst. Die Opfer tragen durch Gestik, Mimik und Körperhaltung ungewollt zur Geheimhaltung und zur Opferhaltung bei und schämen sich häufig ihres Opferseins. Oftmals ist die Gruppe von Angst und Hilflosigkeit gelähmt, während die Einrichtung (Schule) zu Problemverleugnung und Verdrängung neigt.

Die gewaltbereiten Jugendlichen sind in der Regel gut vernetzt und verfügen über einen Überblick darüber, was im Bereich Schule „abgeht“, während die Lehrkräfte und Sozialarbeiter meist ahnungslos und vereinzelt unbedarft sind und so von cleveren Jugendlichen leicht ausgespielt werden können.

Vor Beginn eines CT sollte eine richtungsweisende Auftragsklärung mit Schulleitung, Lehrkräften, Eltern und Schülern erfolgen. Denn alle Beteiligten haben ein Ziel: Die Schüler, deren Eltern, die Lehrkräfte und die Schulleitung wünschen den jungen Menschen einen erfolgreichen Schulabschluss.

6. Ahmet Toprak setzt sich in seinem Beitrag mit den „Grundlagen konfrontativer Gespräche am Beispiel salafistisch argumentierender Jugendlicher“ auseinander. Dazu versucht er sich zunächst an der Klärung des Begriffs „konfrontativ“, wobei er auf das Bild einer „Stirn gegen Stirn“ stößt. Darauf aufbauend geht Toprak der Frage nach, was eine Konfrontative Gesprächsführung von anderen Arten der Gesprächsführung unterscheidet und wo diese eingesetzt wird. Die Konfrontative Gesprächsführung sieht er als eine willkommene und sinnvolle Ergänzung im pädagogischen Methodenbereich.

Geachtet werden sollte bei der Konfrontativen Gesprächsführung auf die Einhaltung von 10 Prinzipien, wobei das oberste von ihnen die Akzeptanz der Person ist, an welches sich weitere anschließen wie Beziehungsaufbau, konfrontative Intervention, ritualisierte Grenzziehung und andere, bis hin zur Stärkung des Selbstwertgefühls des Jugendlichen. Vier „Kriterien und Voraussetzungen“ sowie ein „Roter Faden“, der sich in 7 Punkten auffächert, schließen sich an die genannten 10 Prinzipien an, die bei der Konfrontativen Gesprächsführung zu beachten sind.

Zum Kern der angesprochenen Thematik vordringend kommt Toprak auf die „Konfrontation im Kontext des Salafismus“ zu sprechen. Dazu greift er auf ein Fallbeispiel zurück: „Ein Jugendlicher will mit ‚Ungläubigen’ nicht diskutieren.“ Es geht dabei um solche Themen wie nicht-muslimische Freundin, Geschlechtertrennung, Alkoholgenuss u.a. Am Ende werden die „Grenzen der Konfrontativen Gesprächsführung“ im Kontext des Salafismus deutlich.

7. Die „Anti-Gewalt-Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen“, so die Verfasserin des Beitrags Anja Steingen, bildet den 7. Beitrag des Sammelbandes „Gewalt im Griff“. In der Anti-Gewalt-Arbeit machen Mädchen und junge Frauen im Vergleich zu männlichen Jugendlichen eine eher bescheidene Randgruppe aus. Beide Geschlechter brauchen jeweils eigenständige Angebote in der Anti-Gewalt-Arbeit, gebraucht wird ferner ein gesichertes Wissen über Geschlechtsunterschiede.

Für wiederholt gewalttätige Mädchen ist die Prognose tendenziell ungünstig: Es ist mit einem hohen Risiko für eine antisoziale Entwicklung, psychische Erkrankungen und gesundheitliche Probleme zu rechnen, ebenso mit vorzeitigen Schwangerschaften und Schulabbrüchen. Gewalt hat für Jugendliche eine hohe Bedeutung, deshalb ist nicht von einer Änderungsmotivation auszugehen. Denn der Verzicht auf Gewalt bedeutet subjektiv Kontrollverlust, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, somit eine Rückführung in traumatisches Erleben.

Junge Männer haben ein hohes Risiko für Kriminalität im Erwachsenenalter, junge Frauen dagegen weitaus weniger, dafür sind sie häufig von gesundheitlichen, psychischen und sozialen Folgeproblemen betroffen. Mädchen bleiben im sozialen Nahraum häufig Opfer, besonders von Partnergewalt, speziell auch sexualisierter Gewalt.

In gemischtgeschlechtlichen Gruppen buhlen Mädchen oft um die Gunst statushoher Jungen. Von Männern akzeptiert und begehrt zu werden, bedeutet für gewalttätige junge Frauen gewöhnlich vermeintlichen Schutz und Erhöhung des Selbstwertes bzw. Status'.

Zur Frage nach gemischtgeschlechtlichen vs. geschlechterhomogenen Gruppensettings ist festzustellen: In gemischtgeschlechtlichen Gruppen überwiegen für beide Geschlechter die Nachteile. Für gewalttätige Mädchen und Frauen sind gewaltfreie und grenzachtende männliche Vorbilder sehr gefragt.

8. Mit „Konfrontierendes Arbeiten im Bereich ‚häusliche Gewalt‘ – Voraussetzungen, Konzepte, Erfahrungen“ ist der erste von zwei Buchbeiträgen von Monika Steinmeir überschrieben. Aus ihm sprechen Erfahrungen aus 20 Jahren Arbeit mit Männern in reinen Männergruppen, die zu Tätern häuslicher Gewalt wurden. Seit 2006 arbeitet die Autorin im Rhein-Main-Gebiet als AAT-Trainerin und ist seit 2008 als Fachkraft „Häusliche Gewalt“ im Angestelltenverhältnis und freiberuflich tätig. Das Team besteht aus 2 Fachkräften mit Studienabschluss Pädagogik oder Psychologie, von denen mindestens eine über ein Zertifikat FTHG (Fachkraft für Täterarbeit Häusliche Gewalt nach BAG TäHG) verfügen muss.

Die Arbeit ist auf männliche Täter ausgerichtet, weil 80 Prozent der Täter männlichen Geschlechts sind. Es kommen jedoch auch immer wieder Frauen, die gewalttätig sind. Die Täterarbeit hat es zu tun mit sexualisierter Gewalt, Gewalt mit Kindern, gegenüber Eltern, in homosexuellen und queeren Partnerschaften sowie mit Stalkern und Stalkerinnen.

Um an einer Maßnahme teilnehmen zu können, sind zuvor mindestens 5 Gespräche mit der Fachkraft zu absolvieren, mit welcher der Klient gemeinsam eine ausführliche „Lebenslinie“ zu erstellen hat. Nach den Einzelgesprächen findet die Gruppenarbeit mit maximal 10 Teilnehmern über 5–6 Monate hinweg in Form von 20 Gruppentreffen (insgesamt 60 Zeitstunden) statt. Die Gruppenarbeit ist in folgende Phasen eingeteilt: Kennenlernen – Intensivphase – Biographiearbeit – Ablösephase. Vorrangige Ziele sind Gewaltfreiheit und Sicherheit.

Täterarbeit im Bereich „häusliche Gewalt“ ist – so die Verfasserin – außerordentlich verantwortungsvoll, sie unterscheidet sich grundlegend von einer Täterarbeit im Bereich AAT. Der Tätertyp unterscheidet sich grundlegend vom „Straßenschläger“, ist relativ angepasst, hochmanipulativ, eher wenig sozial auffällig, scheinbar nicht gewalttätig, körperlich wenig präsent.

9. Auch Michael Stiels-Glenn ist im vorliegenden Buch mit zwei Beiträgen vertreten: „Das AGT in der Jugendgerichts- und Bewährungshilfe“ und: 13. „Konfrontierende und konfrontative Aspekte in Therapie und Anti-Aggressivität-Trainings“, der an späterer Stelle rezensiert werden soll. Auf eine Rezension des an 9. Stelle stehenden Beitrags Stiels-Glenns dagegen soll verzichtet werden, weil er – in erster Auflage bereits 1997 erschienen – gänzlich aus dem Rahmen einer „Neuausgabe“ herausfällt.

10. Mit einem besonders makaberen Titel ist der Beitrag von Ingo Bloeß und Marcus Laube überschrieben: „Das Mörderprojekt – Eine kurze Geschichte des längsten Anti-Aggressivitäts-Trainings“. Von 2003 bis 2013 fand im Hochsicherheitsgefängnis Celle das erste Training dieser Art mit Mördern und Totschlägern statt. 17 Jahre nachdem in der Jugendanstalt Hameln ein Behandlungsangebots für inhaftierte Mehrfach-Gewalttäter entwickelt und damit das AAT aus der Taufe gehoben war, interessierte sich ein Sozialpädagoge des Hochsicherheitsgefängnisses Celle für ein Behandlungsangebot für die Gefangenen.

Das Gesamt-Team, bestehend aus 14 zumeist interdisziplinären Profis, setzte sich zusammen u.a. aus 3 Psychologen sowie weiteren Justizmitarbeitern. Das größte Ass im Ärmel war ein ehemaliger Gewalttäter: Markus (Macho“). Er hatte die höchste Freiheitsstrafe bekommen, die nach dem Jugendstrafrecht möglich ist. Aber er kannte das Milieu und hatte den Durchblick, was das Team auf Augenhöhe mit den Klienten brachte. Das Training war angelegt auf 9 Monate, es ging über 32 Einheiten mit insgesamt 100 Stunden. Anspruch und Ziel war es auch, Erkenntnisse der modernen Hirnforschung in das Training miteinzubeziehen.

Die Modultechnik des AAT erstreckte sich über zwei lange Phasen, von denen die zweite in eine intensivere Konfrontation einer Tatrekonstruktion des Tötens eines Menschen ging. „Klaus“ (der Name wurde geändert) hatte bei der Tatrekonstruktion immer wieder betont, dass er seine Mutter aus Versehen getötet habe. Er hatte zwar das Haus in die Luft gesprengt, aber der Tod der Mutter war quasi ein Kollateralschaden. Dann der Zusammenbruch und das Geständnis: „Ich habe es mit Absicht getan.“

Auch in einem anderen Fall war der Täter zunächst nicht geständig. Er hatte eine Frau, nachdem er sie in einer Kneipe getroffen hatte, umgebracht. Das Problem, seine Schilderung war nicht logisch. Der Täter war für eine Einzeltat verurteilt worden. Aber es war klar, dass das Schema für einen Serientäter sprach.

Der Ritterschlag: Die Universität Tübingen tritt in das Geschehen ein: An diesem Abend waren alle im Team sehr betroffen. Mindestens zwei Serienmörder wurden durch das Team entlarvt. 

Der Film „Das Mörderprojekt“ hatte innerhalb der JVA für Furore gesorgt. Er sorgte außerdem für großes Interesse an der Maßnahme, sowohl bei den Insassen als auch bei den Beamten.

11. Der Beitrag: „Das CT in der stationären Jugendhilfe – ein Praxisbericht“ wurde verfasst von Christoph Budde und Ute Kolb. Dabei handelt es sich um ein Projekt der konfrontativen Pädagogik in der stationären Jugendhilfe durchgeführt im Jahr 1998 im Johannesheim Holzolling. Das Heim ist eine heilpädagogische, stationäre Jugendhilfeeinrichtung mit angegliederter Schule, in welcher insgesamt 39 männliche verhaltensauffällige, tw. lernbehinderte Kinder und Jugendliche im Alter von 10 –18 Jahren in festen Wohngruppen mit bis zu 9 Jugendlichen betreut werden.

Im Einverständnis mit Heim- und Schulleitung wurde das CT im Nachmittagsunterricht der Johann-Nepomuk-Werner-Schule wöchentlich für 2 Stunden über einen Zeitraum von 6 Monaten umgesetzt. Für die Zielgruppe hatte es verpflichtenden Charakter. Die Gruppenstärke lag bei 6 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, alle aus dem Johannesheim und wiederholt gewalttätig dissoziales Verhalten aufweisend. Ein Gremium aus Heimleitung, Fachpersonal, Gruppenleitern und Trainern entschied, wer am Training teilnahm.

Schlussbetrachtung: Deutlicher Rückgang körperlicher Gewalt seit Einführung des CT. Allerdings fielen viele Jugendliche nach Beendigung des CT wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Es empfiehlt sich daher eine dauerhaft konfrontative Grundhaltung.

Ein Blick zurück und eine veränderte Sichtweise 24 Jahre später: Aufgrund beruflicher Veränderungen verließen beide Trainer im Jahr 2000 die stationäre Einrichtung.

12. Mit „Das Anti-Gewalt-Gremium in der stationären Jugendhilfeeinrichtung“ ist der Beitrag von Bruno Steinhauer überschrieben. Unter der Überschrift „Das Anti-Gewalt-Gremium. Ein Versuch offensiver Pädagogik in der stationären Jugendhilfe“ war er, mit minimalen Abweichungen, in der ersten Auflage im Jahr 1997 bereits abgedruckt.

An den Beitrag schließt sich ein vierseitiger Anhang unter dem Titel: „Eine retrospektive Betrachtung mit Fazit zu diesem Ansatz 25 Jahre später“ an, in welchem Steinhauer darüber berichtet, „wie alles anfing“. Auf diesen Anhang soll im Rahmen der Rezension kurz eingegangen werden, nachdem der Hauptteil des Beitrags kaum etwas Neues bietet:

Auf ein Seminarangebot zum Thema „Gewalt in der Jugendhilfe – Anti-Aggressivitäts-Training“ des Landesjugendamtes Mainz aufmerksam geworden, entschied sich Steinhauer, zunächst zugeschnitten auf den Bereich Jugendhilfe/​Heimerziehung, für eine Fortbildung zum AAT-Trainer. Im Verlauf dieser Fortbildung entwickelte er das Konzept „Anti-Gewalt-Gremium“, das er in späteren Fortbildungen, überwiegend in der Jugendhilfe, vorstellte.

Zu Ansatz und Verständnis des AAT macht Steinhauer abschließend einige durchaus sinnvolle Vorschläge, wie bspw. zum nicht ganz treffenden Begriff des AAT oder zur Ergänzungsbedürftigkeit einer ausschließlich auf Konfrontation setzenden Vorgehensweise.

13. „Konfrontierende und konfrontative Aspekte in Therapie und Anti-Aggressivität-Trainings“ heißt der Buchbeitrag von Michael Stiels-Glenn, welcher einigen Tiefgang verheißt und möglicherweise für manche unerwartete (Selbst-)Erkenntnis sorgen könnte.

Umgang mit eigenen aggressiven Anteilen: Wer konfrontierend mit Gewalttätern arbeitet, sollte sich seiner eigenen Gewalterfahrungen als Opfer und als Täter, seiner Ängste und Befürchtungen bewusst sein.

Selbstkritik: Pädagogen und Therapeuten wollen oft Recht behalten und fürchten, das Eingeständnis eigener Fehler führe zum Verlust ihrer Autorität. Das Gegenteil ist der Fall! Mit Worten umzugehen, haben Pädagogen im Studium gelernt, damit sind sie vielen Klienten verbal überlegen; die meisten gewalttätigen Männer können sich mit Worten nicht durchsetzen, sie schlagen auch deshalb zu. Genau davor aber fürchten sich Pädagogen.

Konfrontation und Retraumatisierung: Wenn Pädagogen mit Gewalttätern arbeiten, werden zur eigenen Angstvermeidung häufig Täter zu Opfern umdefiniert. Sie hatten eine schlechte Kindheit, schlechte Bildungschancen, Drogenprobleme. Damit muss der beängstigende Täteranteil nicht mehr ertragen werden, er verschwindet. Man arbeitet wieder mit einem „Opfer“.

14. Auch im zweiten Beitrag von Monika Steinmeir: „Konfrontation in der Täterarbeit ‚Häusliche Gewalt‘ – Beispiele aus der Arbeit mit Tätern häuslicher Gewalt“ steht wieder die Gewalt im Kontext Familie im Mittelpunkt. Ein wesentliches Merkmal in der Arbeit mit Tätern und Täterinnen häuslicher Gewalt ist die gegenseitig bestehende emotionale Abhängigkeit der Partner voneinander. Auch wenn das Paar sich bereits getrennt hat, ist die Beziehung in der Regel weiterhin gestört, gewaltbelastet und hochemotional. Oft befinden sich Kinder in der Familie, die Opfer im gewalttätigen Streit zwischen den Beziehungspartnern sind.

In der ersten Phase der Klärungsarbeit wird die kompromisslose Beendigung der Gewaltausübung gefordert. Beide Streitpartner sind aufgefordert zu erklären, was ihnen noch an ihrer Beziehung liegt, was gut und was schlecht daran ist und ob sie sich lieber trennen wollen. Männer sind oft hilflos, wenn ihnen das Mittel der Gewaltausübung nicht mehr zur Verfügung steht. Anders als die meisten Frauen haben es viele von ihnen nicht gelernt, sich in einer verständlichen Beziehungssprache konstruktiv mit der anderen Seite auseinanderzusetzen und reagieren hilflos.

2 Beispiele aus der Praxis sollen das Ganze veranschaulichen:

1. Fall: Konfrontation mit Hilfe des eigenen Kindes

und

2. Fall: Konfrontation mit Hilfe eines Pferdes

Im Teil 4 des Buches werden zu dessen Ausklang „Kompetenzanforderungen für AAT-Fachkräfte und Ausblicke“ von Kilb und Weidner thematisiert:

15. Kilb spricht dazu von insbesondere ethischen Anforderungen für die konfrontierende Trainingsarbeit,

16. bei Weidner ist kurz und bündig von einem „Ausblick“ die Rede.

Zielgruppen des Buches

Dieses Buch ist primär allen Fachkräften zu empfehlen, die mit gewaltbereiten Jugendlichen und jungen Männern daran arbeiten (wollen), der Gewalt abzuschwören und künftig einen friedvollen Weg einzuschlagen, oder sonst in irgendeiner Weise mit ihnen zu tun haben. Dazu zählen in erster Linie Sozialpädagogen, Psychologen, (Sonderschul-)Lehrer, Arbeitserzieher, Justizmitarbeiter, Jugendgerichts- und Bewährungshelfer u.a.m. Aufgrund der relativ neuen Aufgabenvielfalt in der konfrontativen Arbeit wie bspw. mit Mädchen und jungen Frauen sowie „häuslicher Gewalt“ sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass verstärkt auch weibliche Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Diskussion

Es steht vollkommen außer Frage, dass gewalttätigen Übergriffen, zumal wenn die Grenze zu gefährlichen und schweren Körperverletzungen überschritten wurde, nicht tatenlos zugeschaut werden darf, sondern dass bei derartigen Vorfällen entschieden, klar und wirkungsvoll reagiert werden muss. Ein antiautoritäres Laisser-faire im Gefolge der Studentenbewegung der 68er-Jahre hatte einstmals viel Zustimmung, ja Begeisterung bei liberalen Eltern und Lehrern ausgelöst, doch schon bald wurden die Schattenseiten des großzügigen Verzichts auf Führung und Kontrolle in der Erziehung deutlich. In der pädagogischen Debatte war schon bald die Rede davon, dass die „‚väterliche‘ Seite der Erziehung“, soweit es um Grenzsetzung und Autorität, um Gesetz und Ordnung, Leistung und Disziplin geht, erheblich geschwächt und im Begriff sei, vollständig in Vergessenheit zu geraten. Man hing antipädagogischen Ideen nach und sprach von einer „Abschaffung der Erziehung“, welche die „autoritäre“ Gangart früherer Jahre ablösen sollte. Die Zeiten von Konsequenz und Konfrontation schienen passé, mit der Folge, dass sich das Faustrecht nun mehr und mehr Raum verschaffen konnte.

Unter solchen Umständen war es einem so außergewöhnlich kreativen und tatkräftigen Pädagogen wie Jens Weidner, der vom Gründer und langjährigen Leiter der Glen Mills Schools Sam Ferrainola in Philadelphia einiges abschauen konnte, zu verdanken, dass mit Unterstützung engagierter und fachlich ausgewiesener Pädagogen wie Rainer Kilb, Reiner Gall und vielen anderen ein Konzept namens Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) aus der Taufe gehoben und weitergeführt werden konnte, das es erlaubt, die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen und jungen Männern (und inzwischen auch junger Frauen) mittels eines stringenten und konfrontativen Trainings ebenso beträchtlich wie auch nachhaltig herunterzufahren.

Die Wirksamkeitsuntersuchungen dazu ergeben einen guten bis sehr guten Befund und zeigen, dass Aggressivität als Teil unseres Menschseins seinen Schrecken verlieren kann, wenn wir klare Antworten auf Gewalt haben.

Es ist zu wünschen, dass all das, was bisher von vielen befähigten AAT-Trainern (ca. 50 Prozent von ihnen sind weiblichen Geschlechts) mit aufgebaut und weiterentwickelt wurde, bewahrt und weitergeführt wird und fortan neue Ideen mit einfließen.

Das AAT mit seinen diversen Ablegern hat sich in der Entstehungs- und Anfangszeit des Trainings relativ männlichkeitszentriert gezeigt, was darin begründet war, dass das männliche Geschlecht, wie Kriminalstatistiken fundiert belegen, häufiger und massiver zu Gewalt neigt als das weibliche.

Die Psychologin Anja Steingen hat in ihrem Buchbeitrag (s. dort, Pkt. 7) überzeugend dargelegt, dass beide von Gewaltproblemen betroffene Geschlechter keinesfalls über einen Kamm geschoren werden sollten. Vielmehr brauchen sie jeweils eigenständige Angebote in der Anti-Gewalt-Arbeit. Gleichfalls gebraucht wird ein verlässliches Wissen über Geschlechtsunterschiede und den jeweils passenden Umgang mit ihnen.

Fazit

Dieses Buch lohnt es sich zu lesen und über die neuen und neuesten Entwicklungen zum Thema AAT/CT und Konfrontativer Pädagogik zu informieren. Die konfrontative Pädagogik zählt mit Sicherheit zu den originellsten, profiliertesten und wichtigsten Zweigen der Erziehungswissenschaft der Nachkriegszeit, die dazu beigetragen hat das Zusammenleben in unserer Gesellschaft für unsere Kinder und Enkel und alle anderen Menschen ein gutes Stück sicherer, weniger gefährlich und rücksichtslos und damit deutlich angenehmer und erfreulicher zu machen.

Rezension von
Prof. Dr. Wolfgang Tischner
Hochschullehrer (i.R.) an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Fakultät Sozialwissenschaften. Lehr- und Arbeitsgebiete: Pädagogik, Sozialpädagogik, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialpädagogik, Konfrontative Pädagogik, Jungen- und Geschlechterpädagogik.
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Es gibt 7 Rezensionen von Wolfgang Tischner.

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Zitiervorschlag
Wolfgang Tischner. Rezension vom 19.03.2024 zu: Jens Weidner, Rainer Kilb (Hrsg.): Gewalt im Griff. Konfrontative Ansätze in der Anti-Gewalt-Pädagogik. Neuausgabe. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2023. ISBN 978-3-7799-7570-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30895.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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