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Katrin Macha, Gerlinde Ries-Schemainda u.a.: Kindorientierung in der pädagogischen Praxis

Rezensiert von Alexandra Großer, 08.01.2024

Cover Katrin Macha, Gerlinde Ries-Schemainda u.a.: Kindorientierung in der pädagogischen Praxis ISBN 978-3-451-39449-2

Katrin Macha, Gerlinde Ries-Schemainda, Nina-Sofia Schmidt: Kindorientierung in der pädagogischen Praxis. Aus Sicht der Kinder den Kita-Alltag gestalten. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2023. 96 Seiten. ISBN 978-3-451-39449-2. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 33,90 sFr.

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Thema

Das Buch beschreibt die praktische Umsetzung der Kindorientierung mit seinen sieben Grundprinzipien. Mit Praxisbeispielen, Kinderinterviews und Reflexionsimpulsen begleitet es pädagogische Fachkräfte und Teams auf den Weg zu einer kindorientierten Pädagogik. Die Autorinnen führen in das Thema ein und vermitteln eine kindorientierte Haltung anhand von Alltagssituationen, Abläufen und Routinen. Immer wieder lassen sie die Kinder zu wichtigen Themen in der Kita zu Wort kommen.

AutorIn oder HerausgeberIn

Katrin Macha ist Direktorin des Instituts für den Situationsansatz (ISTA) und Vizepräsidentin der INA (Internationalen Akademie Berlin gGmbH).

Gerlinde Ries-Schemainda ist Autorin pädagogischer Fachartikel und Bücher. Sie war Leiterin eines katholischen Familienzentrums, ist Dozentin für Fort- und Weiterbildung und Expertin für Qualität im Situationsansatz.

Nina-Sofia Schmidt ist Senior Projektmanagerin in der Robert Bosch Stiftung und war Projektleiterin am Institut für den Situationsansatz.

Aufbau

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel beinhaltet mehrere Unterkapitel. Darin finden sich farblich abgesetzte Kästen mit Reflexionsimpulsen, Praxisbeispielen und Kinderinterviews. In der Einleitung erklären die Autorinnen ihr Ziel des Buchs, die kindorientierte Haltung „den Kindern gegenüber zu verinnerlichen“ (S. 7). Sie regen die Leser*innen dazu an, sich die aufeinander aufbauenden Kapitel, „wie die Arbeit in einem Garten vorzustellen“ (ebd.). Diese Analogie findet sich in den Kapitelüberschriften und Ausführungen wieder. Vor jedem Hauptkapitel findet sich ein Kasten mit einer Übersicht zum Inhalts des Kapitels.

 Inhalt

Im ersten Kapitel „Die Basics – Den Boden bereiten“ gehen die Autorinnen auf die Bilder von Kindern ein, die sich durch die pädagogischen Ansätze der Kindorientierung ergeben. Denn alle Kinder sind „unterschiedlich in ihren Bedürfnissen, Themen und Kompetenzen“ (S. 10). Anhand eines Praxisbeispiels erläutert das Autorenteam die Rolle und Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte in der kindorientierten Pädagogik. Im Anschluss zeigen sie auf, welche Macht pädagogische Fachkräfte besitzen und wie sie diese mit Kindern teilen können. In der Kindorientierung geht es darum die Sichtweisen aller Beteiligten zu berücksichtigen, Aushandlungsprozesse zu starten und gemeinsam Lösungen zu finden. Kindorientierung braucht die Zusammenarbeit aller Akteure, daher verstehen sich pädagogische Fachkräfte als Fürsprecher der Kinder gegenüber den Kooperationspartner*innen der Kita.

Die Autorinnen geben im zweiten Teil „Prinzipien der Kindorientierung – Dünger für starke Wurzeln“ einen Überblick über die sieben Prinzipien der Kindorientierung. Im weiteren Verlauf erläutern sie diese ausführlich, sowie deren Bedeutung für die pädagogische Begleitung der Kinder. Mit Praxisbeispielen untermauern sie ihre Ausführungen.

Das dritte Kapitel „Kindorientierte Alltagsgestaltung – Kinder beim (Auf-)Wachsen in der Kita begleiten“ spürt die Bildungspotenziale, die in Alltagssituationen und Abläufen liegen, auf. Das Autorenteam plädiert dafür den Tagesablauf klar zu strukturieren, dennoch mit genügend Zeit und Flexibilität zu planen, sodass pädagogische Fachkräfte, „Lern- und Spielsituationen gemeinsam mit den Kindern nutzen können“ (S. 44), und Kinder sich in ihr Spiel vertiefen, den Moment genießen und die Zeit vergessen können (vgl. ebd.).

Im weiteren Verlauf nehmen Macha, Ries-Schemainda und Schmidt verschiedene Alltagssituationen, pädagogische Angebote, Mikrotransitionen und die Raumgestaltung in den Fokus, die sie kindorientiert darstellen. Anhand von Reflexionsfragen fordern sie auf, z.B. die Ausruh- und Schlafsituation zu analysieren und fragen, ob Kindern auch andere Möglichkeiten geboten werden können, wie z.B. ein Hörbuch hören, um zur Ruhe zu kommen. In diesem Abschnitt erläutern sie die „Grundidee des Sustained Shared Thinking“, erklären, wie wichtig Dialoge zwischen Kindern und Erwachsenen sind und geben Gesprächstipps. Immer wieder geht es darum, Regeln in allen pädagogischen Bereichen zu prüfen und mit den verschiedenen Bedürfnissen der Kinder in Einklang zu bringen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob Morgen- und/oder Abschlusskreise von den Kindern freiwillig besucht werden können, und ob sie in der Zeit auch andere Räume nutzen dürfen, beziehungsweise Tätigkeiten nachgehen können.

Im letzten Kapitel „Rück- und Ausblick – den Samen weitertragen“ machen die Autorinnen den Leser*innen Mut sich auf den Weg zu mehr Kindorientierung zu machen. Wichtigste Hauptakteure dabei sind die Kinder und das Team. Doch auch Träger*innen und Fachberatungen sind als Unterstützer*innen und Begleiter*innen der Veränderungsprozesse wichtige Partner*innen. Eine kurze Zusammenfassung der Inhalte und weitere Reflexionsimpulse laden noch einmal zur Auseinandersetzung mit Aspekten der Kindorientierung ein. Im Anschluss gehen die Autor*innen auf Glaubenssätze ein, die auf individueller Ebene kindorientiertes Arbeiten verhindern. Abschließend nehmen sie die Rahmenbedingungen noch mal in den Blick und machen Mut in kleinen Schritten kleine Veränderungen anzugehen.

Diskussion

Die Autorinnen führen verständlich und unkompliziert in das Thema kindorientiertes Arbeiten ein. Anhand von Praxisimpulsen regen sie die Selbst- und Teamreflexion der eigenen Praxis, Handelns und Haltung an. Mit jedem Kapitel bekommen die Leser*innen Einblick, wie sich Kindorientierung in der Praxis umsetzen lässt. Gleichzeitig kann die eigene Praxis überprüft und analysiert werden. Bevor die Autorinnen konkret auf die Praxis eingehen beginnen sie mit der kindorientierten Haltung pädagogischer Fachkräfte. Immer wieder zeigen sie die Kinderperspektive, durch geführte Interviews mit den Kindern, zu einzelnen Themenbereichen. Damit wird die Sicht der Kinder in den Fokus gerückt und einbezogen. Den Autorinnen geht es darum eine kindorientierte Haltung zu vermitteln, was ihnen durchweg gelingt. Durch die vielen Reflexionsimpulse kann jede pädagogische Fachkraft, jede Kita, jedes Team individuell für sich analysieren, in welchen Bereichen sie noch kindorientierter arbeiten können. Wo es vielleicht noch Veränderungspotenzial gibt. Teams, die sich erst auf den Weg machen, halten mit dem Buch eine gute Einführung und Reflexionsinstrument in die Kindorientierung in der Hand und können individuell mit dem Bereich starten, der für sie am besten passt.

Fazit

Mit dem Buch erhalten pädagogische Fachkräfte und Teams einen „Reisebegleiter“ auf den Weg zur Kindorientierung. Ein Weg, der mit kleinen Schritten beginnt.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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Es gibt 24 Rezensionen von Alexandra Großer.

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Zitiervorschlag
Alexandra Großer. Rezension vom 08.01.2024 zu: Katrin Macha, Gerlinde Ries-Schemainda, Nina-Sofia Schmidt: Kindorientierung in der pädagogischen Praxis. Aus Sicht der Kinder den Kita-Alltag gestalten. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2023. ISBN 978-3-451-39449-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30909.php, Datum des Zugriffs 27.02.2024.


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