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Lisa Große, Nadine Schildt u.a.: "Bleib dran, bleib dran!"

Rezensiert von Alexander Parchow, 25.03.2024

Cover Lisa Große, Nadine Schildt u.a.: "Bleib dran, bleib dran!" ISBN 978-3-947502-67-7

Lisa Große, Nadine Schildt, Joachim Klein, Silke-Birgitta Gahleitner: "Bleib dran, bleib dran!" Leaving Care unter der Lupe. ZKS-Verlag für psychosoziale Medien (Höchberg) 2023. 152 Seiten. ISBN 978-3-947502-67-7. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR.

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Thema

Seit nunmehr einigen Jahren steht das Thema Leaving Care in der Kinder- und Jugendhilfe im Mittelpunkt der Interessen von Praxis und Wissenschaft. Der aus dem Englischen stammende Begriff bezeichnet den Übergansprozess von jungen Menschen, die in der stationären Erziehungshilfe leben (z.B. Pflegefamilie oder Wohngruppe) und diese in ein selbstständiges Leben ohne Unterstützungsleistung durch die Kinder- und Jugendhilfe verlassen (haben). Dementsprechend werden Menschen mit Unterbringungs- bzw. stationärer Jugendhilfeerfahrung als Careleaver bezeichnet. Das Leaving Care ist mit vielerlei Herausforderungen und Schwierigkeiten für die betroffenen Menschen verbunden. Unter anderem ist bereits durch mehrere Studien belegt, dass Careleaver früher als Gleichaltrige selbstständig leben müssen und dabei nur auf ein gering ausgeprägtes soziales Unterstützungsnetzwerk als andere Menschen zurückgreifen können. Mittlerweile liegen verschiedene Untersuchungen rund um Leaving Care und Careleaver vor, die das Thema gewissermaßen breit sowie auch unter spezifischen Aspekten beleuchten. In diese Fachdiskurs reiht sich das hier vorgestellte Werk von Lisa Große, Nadine Schildt, Joachim Klein und Silke Birgitta Gahleitner ein, indem es Erkenntnisse über die Lebenssituation von Careleavern nach Verlassen der stationären Erziehungshilfe liefert und Faktoren herausarbeitet, die zu einem langfristigen Erfolg der stationären Erziehungshilfe beitragen.

Autor:innen und Entstehungshintergrund

Das hier rezensierte Buch ist von einem vierköpfigen Autor:innenteam verfasst worden. Lisa Große promoviert gegenwärtig an der Universität Vechta zum Thema „Soziale Netzwerke und soziale Unterstützungsprozesse junger und junger erwachsener Geflüchteter“ und ist zudem wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesverband für Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. Nadine Schildt ist gegenwärtig als Fachbereichsleitung für die Hilfen zu Erziehung und öffentliche Verwaltung im Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) beschäftigt. Joachim Klein ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Instituts für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) beschäftigt und leitet dort das pädagogische Fachverfahren EVAS. Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der katholischen Hochschule Mainz. Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner besetzt gegenwärtig die Professur Klinische Psychologie und Sozialarbeit, Beratung und Therapie an der Alice Salomon Hochschule (ASH) Berlin.

Entstanden ist das Werk im Rahmen des Forschungsprojekts „Care Leaver – stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit“, das vom Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe (BVkE) und dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) gemeinsam durchgeführt wurde. Während zentrale Ergebnisse mit einem Schwerpunkt auf den quantitativen Teil des Projekts bereits in einem anderen, umfangreicheren Buch (Klein, Joachim/​Macsenaere, Michael/​Hiller, Stephan (2021): Care Leaver. Stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit. Freiburg: Lambertus) publiziert wurden, wollen die Autor:innen in diesem Werk den qualitativen Teil bzw. die Einzelfälle der Untersuchung stärker in den Blick rücken.

Aufbau und Inhalt

Das hier rezensierte Werk umfasst insgesamt 152 Seiten inklusive Inhalts- und Literatur- sowie Abbildungsverzeichnis. Die reinen Textseiten beziffern sich auf 131 Seiten, womit ein kompaktes Buch vorliegt. Auf der Internetseite des Verlages findet sich eine Leseprobe der ersten 29 Seiten.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung, in welcher der Careleaver-Begriff definiert und die Relevanz im Rahmen der Hilfen zur Erziehung erläutert wird. Gleichzeitig skizzieren die Autor:innen bereits erste Besonderheiten von Careleavern, die in der Vergangenheit in verschiedenen Studien bereits herausgearbeitet werden konnten und beschreiben den Kontext in dem das Buch entstanden ist.

Im ersten Kapitel wird der theoretische Hintergrund der Studie erläutert. Genauer gesagt gehen die Autor:innen auf die Hilfen für junge Volljährige entlang entsprechender Paragrafen des SGB VIII ein und stellen die internationale Studienlage zum Thema dar. Dabei systematisieren sie die vorliegenden Forschungsarbeiten bzw. die daraus abzuleitenden Erkenntnisse in vier Bereiche: Unterstützung im Übergang, biografische Herausforderungen durch die Unterbringung, Bedeutung von Entwicklungserfahrungen im sozialen Umfeld, regionale Disparitäten bei der Bewilligung von Hilfe über das 18. Lebensjahr hinaus.

Im zweiten Kapitel erläutern die Autor:innen auf eineinhalb Seiten die Ziele des Forschungsprojekts „Care Leaver – stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit“.

Das dritte Kapitel widmet sich dem Forschungsdesign der Studie. Kurz und knapp gehen die Autor:innen auf die methodischen Aspekte einerseits des quantitativen Teils durch Erhebung mittels Fragebogen, Feldzugang, Sample, statistische Analysen ein. Andererseits wird auch auf den qualitativen Teil der Untersuchung eingegangen mittels: problemzentrierter Interviews, Auswertung via Qualitativer Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, Erarbeitung von fünf ausführlichen Einzelfällen – die das Spektrum der interviewten Careleaver anhand unterschiedlicher Aspekte und Besonderheiten veranschaulichen sollen.

Das vierte Kapitel beinhaltet die Ergebnisdarstellung der quantitativen Untersuchung. Die Autor:innen explizieren in einem ersten Teil die teilnehmenden Careleaver der Studie entlang verschiedener eher allgemeiner Aspekte (Alter, Bildung, Fähigkeiten), gehen auf erziehungshilfespezifische Besonderheiten ein (Vorbereitungsmaßnahmen vor Verlassen des stationären Settings, Beteiligung an der Übergansplanung) und erläutern die Lebenssituation nach Verlassen der stationären Erziehungshilfe (u.a. Wohnform, Kontakte zur ehemaligen Einrichtung, ambulante Hilfe). Im zweiten Teil des Kapitels stellen die Autor:innen die einzelnen Wirkfaktoren für eine gelingende und nachhaltige stationäre Erziehungshilfe dar.

Im fünften Kapitel stellen die Autor:innen auf rund 40 Seiten fünf Einzelfälle dar, die aus der Interviewanalyse ermitteltet wurden. Diese sollen laut der Autor:innen das Spektrum der Interviewten Careleaver in der Studie, anhand unterschiedlicher Aspekte und Besonderheiten veranschaulichen. Gegliedert sind die Einzelfälle in eine kurze Beschreibung der Situation zum Zeitpunkt des Interviews, den gesamten Hilfeverlauf, die Unterstützung während des Leaving Care bzw. nach Verlassen der stationären Erziehungshilfe, die sozialen Beziehungen sowie eine Bewertung der Jugendhilfe durch die Interviewten gefolgt von deren Wünsche für die Zukunft. Nach der Darstellung der fünf Einzelfälle werden auf weiteren rund 30 Seiten alle geführten Interviews entlang der Gliederungspunkte der ausführlich dargestellten Einzelfälle gegeneinandergestellt und gewissermaßen miteinander verglichen.

Das sechste Kapitel bildet das Abschlusskapitel des Buchs, in dem zentrale aus der Untersuchung abgeleitet Erkenntnisse zusammengefasst werden.

Diskussion

Die Autor:innen legen mit ihrem Werk eine kompakte, schwerpunktmäßig qualitative Studie für den Themenbereiche Leaving Care vor. Das Buch ist vom Umfang sowie vom Schreibstil für Lesende gut zugänglich. Leser:innen erfahren einige interessante Aspekte über die Herausforderungen, mit denen sich junge Menschen mit Unterbringungserfahrung konfrontiert sehen und welche die Jugendhilfe im Sinne gelingender Übergänge von Careleavern auf dem Weg in die Selbstständigkeit stärker in den Blick nehmen sollte. Das Buch reiht sich somit in eine Reihe unterschiedlicher Studien im Bereich der Übergangsforschung im Jugendhilfekontext ein.

Fazit

Bei dem Buch handelt es sich gewissermaßen um den qualitativen Teil des größeren kooperativen Forschungsprojekts „Care Leaver – stationäre Jugendhilfe und ihre Nachhaltigkeit“. Es ist als „klassische“ qualitative Studie aufgebaut und lässt sich gut als Einstiegslektüre in das Themengebiet Leaving Care nutzen.

Rezension von
Alexander Parchow
M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen
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Es gibt 5 Rezensionen von Alexander Parchow.

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Zitiervorschlag
Alexander Parchow. Rezension vom 25.03.2024 zu: Lisa Große, Nadine Schildt, Joachim Klein, Silke-Birgitta Gahleitner: "Bleib dran, bleib dran!" Leaving Care unter der Lupe. ZKS-Verlag für psychosoziale Medien (Höchberg) 2023. ISBN 978-3-947502-67-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30948.php, Datum des Zugriffs 16.04.2024.


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