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Gernot Barth, Joachim Henseler (Hrsg.): Jugendliche in Krisen

Cover Gernot Barth, Joachim Henseler (Hrsg.): Jugendliche in Krisen. Über den pädagogischen Umgang mit Schulverweigerern. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2005. 130 Seiten. ISBN 978-3-89676-968-8. 12,00 EUR, CH: 21,90 sFr.

Reihe: Sozialpädagogik und Schulreform - Band 2.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8340-1473-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Der Sammelband befasst sich mit der Entstehung, der Verbreitung sowie den Ursachen von Schulschwänzen und Schulverweigerung und stellt präventive als auch reintegrative Maßnahmen zum Umgang mit schulmüden und schulverweigernden Kindern und Jugendlichen vor.

Inhalt

Schulaversives Verhalten deutet vielfach auf eine Krise des jugendlichen Aufwachsens in der modernen Gesellschaft hin. Es kann ein Indiz sein für persönliche oder familiäre Probleme, welche bei Nichterkennen präventive Maßnahmen oder re-integrative Hilfe wirkungslos bleiben lassen; massiv auftretendes Schulschwänzen bzw. Schulverweigerung kann aber auch auf institutionelle Probleme hinweisen, auf lebensweltfernen Unterricht, gestörte Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden oder auf mangelnde Perspektiven der Umsetzung des Gelernten in der Zukunft. Die vorliegenden - qualitativ sehr unterschiedlichen - Beiträge diskutieren das Thema aus der Perspektive von Schule, Unterricht und Sozialpädagogik und suchen nach Wegen zu einem pädagogischen Umgang mit Schulverweigerern.

Nora Gaupp und Irene Hofmann-Lun gehen der Frage nach, wie Hauptschüler, insbesondere Schulschwänzer, ihr letztes Schulbesuchsjahr bewältigen. Die Autorinnen stellen dazu Ergebnisse der ersten Basiserhebung zur Studie "Schule - und dann?"“ vor, die neben soziodemographischen Merkmalen von Schulschwänzern auch deren Verhältnis zur Schule und zum Lernen wiedergeben, abgefragt mit standardisierten Bögen.

Höchst interessant sehe ich dabei das Ergebnis an, dass es bei den befragten Personen kaum Gruppendifferenzen bezüglich der Schulleistungen von Schulschwänzern und Nichtschwänzern gibt. Leider wird hierauf überhaupt nicht eingegangen. Wichtig wäre m.E. ein Nachdenken darüber gewesen, was es damit auf sich haben kann, wenn bei den befragten 14jährigen bereits 14 %; bei den 16jährigen 22 % und bei den 18jährigen Schülerinnen und Schülern gar 32 % dem Unterricht schwänzend fern bleiben, die Schulleistungen im Vergleich zur jeweils nichtschwänzenden Gruppe jedoch nicht abweichen. Deutet ein solches Ergebnis vielleicht darauf hin, dass die Schülerinnen und Schüler mit zunehmendem Alter vermehrt begreifen, dass und wie sie gleiche Schulleistungen mit weniger Schulanwesenheitsaufwand erlangen können? Und weist dies vielleicht mehr in die Richtung eines Schul- bzw. Institutionenproblems? Hierzu erhalten wir keine Antwort sondern wir erfahren lediglich, dass differenzierende Merkmale zwischen den Schwänzenden und den Nichtschwänzenden in deren Einstellungen bezüglich ihrer Lernmotivation liegen. Auch hätten schwänzende Kinder und Jugendliche häufiger Ärger mit Lehrern und gingen insgesamt tendenziell weniger gerne in die Schule. Ein Ergebnis, das einen fragen lässt, warum es hierzu einer empirischen Untersuchung bedarf. Es ist daher zu vermuten, dass bei der Konstruktion der Befragung ein immer wieder begangener Fehler unterlaufen ist, nämlich mehr Fragen zur Wissensbestätigung des vorhandenen Wissensstandes zu stellen, als solche, deren Antworten die Hintergründe des vorfindlichen Wissens erschließen können.

Imke Dunkake, Michael Wagner, Bernd Weiss, Reebecca Frings und Thomas Weißbrodt ergründen und erklären unter Hinzuziehung von Theorien abweichenden Verhaltens und Untersuchungsergebnissen zur Verbreitung des Schulschwänzens in Köln das Phänomen "Schulverweigerung" aus soziologischer Perspektive. Die Autoren sehen 6 wichtige Gründe, sich mit Schulschwänzen zu befassen. Drei davon betreffen deren Folgen, nämlich keinen oder einen niedrigen Schulabschluss zu erreichen, mit der Folge einer lebenslangen Benachteiligung; den Beginn möglicher krimineller Karrieren, sowie eine Verschlechterung des Klassen- und Schulklimas. Die anderen drei Gründe betreffen den möglichen Handlungsbedarf, da Schulschwänzen Ausdruck psychischer Belastungen und Erkrankungen sein kann, oder strukturelle Probleme der Schule durch mangelhafte Integrationsmöglichkeiten aufzeige, oder eine Folge schwieriger familialer Verhältnisse sein könne.

Schulschwänzen wird von den Autoren als Form abweichenden Verhaltens gesehen, die sie mit Erklärungsansätzen aus der Kontrolltheorie, der Anomietheorie und dem Blick auf städtische Subkulturen zu begründen suchen. Und es ist schon beeindruckend, wie dann aus der Verknüpfung von Daten zu Schulverweigerung und Daten zum jeweiligen elterlichen Verhältnis und Daten zur Bewertung von Schulleistungen als möglichem Mittel zur Erlangung von Anerkennung und Wohlstand sowie Daten zu sozialer Desintegration in städtischen Wohnvierteln Ergebnisse herauskommen, die besagen, dass "eine niedrige schulische Kontrolle die Gefahr für Jugendliche kriminell zu werden um 56,4 %" erhöht, denn: "87,9 % der Kölner Schulverweigerer haben im Vergleich zu 29,3 % der Schüler ohne Schulverweigerung mehr kriminelle Freunde." Fazit ist dann folgerichtig auch, dass Schulverweigerung den "Aufbau von Kontakten zu kriminellen Peers" begünstigt (S. 35). Prozentzahlen aus einer Befragung, deren konzeptionellen Aufbau man sich sehr genau ansehen und mit denen man interpretativ sehr sensibel umgehen sollte.

Nun wäre zu vermuten, dass bei solchen Grundannahmen und den Inhalten der vorgestellten Ergebnisse - die ich hier erst einmal nicht bewerten möchte - dann bei den Vorschlägen zum möglichen Handlungs- und Interventionsbedarf wenigstens sozialpädagogische und sozialarbeiterische Aspekte berücksichtigt werden, wie z.B. methodische Ansätze einer aufsuchenden Sozialarbeit oder andere niedrigschwellige Angebote, die eher auf einer Geh- als auf der Komm-Struktur basieren. Doch es wird lediglich auf die Notwendigkeit einer zeitnahen elterlichen Information und auf deren Kontrollfunktion verwiesen - trotz des Wissens um die erfolgten erhöhten Angaben zum Streit mit den Eltern aus der vorgestellten Befragung - und eine gezielte Ansprache der Betroffenen durch die Lehrer angeregt - zu der diese sowieso verpflichtet sind - sowie allgemein die Idee eines erweiterten Lernangebotes für Schüler mit schwachen Leistungen aufgeworfen.     

Andrea Michel befasst sich mit der Prävention von Schulmüdigkeit. Sie fragt nach der Bedeutung von Prävention in Abgrenzung zu intervenierenden und kurativen Strategien und differenziert nach primärer und sekundärer Prävention, wobei es ihr um letztere geht, da Schulmüdigkeit beinhaltet, dass hier ein Stadium der Schulkarriere erreicht ist, bei dem sich die Probleme bereits abzeichnen, und es vor allem um das rechtzeitige Eingreifen zum Schutz vor weiterer Verfestigung derselben gehe. Als nächstes wendet sich Michel den Hintergründen und Ursachen eines solchen Verhaltens zu. Im Vergleich zu den vorherigen Beiträgen ist die Beschreibung hier differenzierter, indem nicht nur Brüche und Instabilitäten der Jugendlichen in ihrem persönlichen Umfeld als die Ursachen angesehen werden, sondern diese krisenhafte Entwicklungen als ein ganzes Konstellationsgefüge benannt werden. Auch der oft lebensferne Unterricht spielt für Michel eine Rolle, oder Versagensängste durch Leistungsdruck in der Schule, durch problematische Gruppenkonstellationen in den Schulklassen und Ängsten vor anderen Jugendlichen oder den Lehrern. Ausgehend von der Vielfältigkeit der Ursachen und Hintergründe des Problems Schulmüdigkeit geht es in diesem Beitrag erst einmal um eine "Kultur des Hinschauens", um Risikofälle bereits im Vorfeld erkennen zu lernen. Hierzu gehören Leistungsveränderungen, entschuldigte ebenso wie nichtentschuldigte Fehlzeiten; auffällige Verhaltensweisen, wie Störungen des Unterrichts oder passives, zurückgezogenes Verhalten; Änderungen im Sozialverhalten ebenso wie mangelnde Integration in die Klasse durch Quereinsteiger oder Klassenwiederholer; wobei auch geschlechtsspezifische Unterschiede im Blick zu behalten sind. Prävention bedeute u.a. das Lerngruppenklima zu verbessern und die Kooperation von Schule und Jugendhilfe zu fördern, da die benötigte Hilfe im Einzelfall die Zusammenarbeit aller Beteiligter bedürfe. Hierzu zählen auch die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler, sowie die Kooperation mit den Eltern. Michel geht es darum, Unterricht neu zu denken, indem Schule als Lebensraum so gestalten wird, dass den Jugendlichen die Erfahrung positiver sozialer Unterstützung in Form einer stabilen Lerngruppe als ihre Bezugsgruppe ermöglicht wird. Es folgen höchst interessante Praxismodelle, die diese Gedanken bereits aufgenommen haben. Es wird ersichtlich, dass es nicht nur vielfältige Möglichkeiten gibt, erste Anzeichen einer beginnenden Schulmüdigkeit zu erkennen; es wird auch aufgezeigt, wie es durch integrierte Arbeitsansätze von Pädagogik und Arbeitsformen der Jugendsozialarbeit gelingen kann, diese Probleme kooperativ anzugehen. Innovative Schulkonzepte allein reichen heute nicht mehr aus, um den vielfältigen Anlässen und Hintergründen von Schulmüdigkeit begegnen zu können, wenn nicht gleichzeitig im Umfeld weitere Hilfen mit angeboten werden können.

Irene Hoffmann-Lun und Andrea Michel geben einen aufschlussreichen Überblick über die Vielfalt von bestehenden erfolgreichen Handlungsansätzen für schulmüde und schulverweigernde Jugendliche, die im Rahmen des Projektes "Netzwerk Prävention" am Deutschen Jugendinstitut erfasst wurden. Da Schulabsentismus an verschiedenen kritischen Punkten der Schullaufbahn beginnen kann, beschreibt der Beitrag sowohl schulische als auch außerschulische Maßnahmen. Interessant sind hier die bereits gemachten Erfahrungen, wie im Rahmen des initiierten Netzwerkes Synergieeffekte hergestellt und genutzt werden, dadurch, dass in diesem Verbund Handlungsstrategien gemeinsam weiterentwickelt, zentrale Problemfelder identifiziert, Lösungsmodelle erprobt und so auch neue Perspektiven aufgezeigt werden können. Ein Projekt, das sich jeder schulmüde Lehrer und jede schulmüde Lehrerin einmal genauer angucken sollten.

Franziska Goethe informiert über die auf Länder- bzw. regionaler Ebene durchgeführten empirischen Untersuchungen zum Thema und fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen. In diesem Kontext werden auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Erhebungsmethoden beleuchtet, die sowohl Implikationen für die Vergleichbarkeit von Untersuchungen als auch maßgeblichen Einfluss auf die Untersuchungsergebnisse haben.

Sigfried Uhl gibt einen Rück- bzw. Überblick über die in der Erziehungstheorie und Erziehungspraxis gewonnenen Erfahrungen der positiven und negativen Verstärkung im Umgang mit Schulverweigerern aus Sicht der empirischen Erziehungswissenschaft. Sein Fazit ist, dass es noch immer wenig empirisch gesichertes Wissen darüber gibt, mit welcher Strategie dem Problem der Schulverweigerung besser beizukommen ist. Zwar seien immer wieder die moralischen Gesichtspunkte behandelt, die Empirie in den Diskussionen über das Für und Wider von Belohungen und Strafen jedoch vernachlässigt und stattdessen mit Vermutungen und Annahmen argumentiert worden. Hier gebe es aber auch Grenzen einer empirischen Bearbeitung aufgrund des ungewissen Geltungsbereiches und der ungewissen Verallgemeinerbarkeit. Für Uhl sind die Feststellungen über bestimmte Variable und den Einfluss, den diese auf die Wirkung eines Erziehungsmittels haben, in ähnlicher Weise Abstraktionen wie die Feststellungen über physische Sachverhalten in den Naturwissenschaften. Hinzu kommt, dass es sich bei solchen Untersuchungen immer um statistische oder Wahrscheinlichkeitsaussagen und nicht um universelle Aussagen handeln wird. Uhl schließt an seine einleitenden Ausführungen einen differenzierten Forschungsüberblick zum Thema Strafe und Belohnung an mit umfangreichen, weiterführenden Literaturangaben.

Joachim Henseler geht es um die Frage, inwieweit Lehrerinnen und Lehrer sozialpädagogisch handeln können. Er stellt Erfahrungen aus einem Modellprojekt vor und diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen des sozialpädagogischen Auftrages der Schule. Für ihn kann Schule keinen Erziehungsauftrag außerhalb ihrer selbst annehmen, von daher seien auch gesellschaftliche und familienpolitische Probleme mit Hilfe der Schule nicht zu lösen. Schulsozialarbeit könne somit nur gelingen, wenn die Ziele der Schule, der Jugendhilfe und die der Schülerinnen und Schüler miteinander in Einklang gebracht werden können und nicht, wie mancherorts geschehen, konkurrent und unvermittelbar nebeneinander stehen. Henseler beschreibt erste Erfahrungen mit sozialpädagogisch ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern und die positive Wirkung im Kolleginnenkreis auf solche Weiterbildung, beharrt gleichzeitig aber auf der strikten Trennung innerschulischen sozialpädagogischen Handelns und den weitergehenden Hilfen, die allein der Jugendhilfe zuzuordnen sind. Etwas angehängt und unscharf wirkt dann sein Vorschlag zur Einführung eines universitären Studienganges Sozialwesen. Er schließt seinen Aufsatz mit einer nochmaligen Bekräftigung, dass Schule die Aufgaben der Jugendhilfe nicht übernehmen könne und von daher der sozialpädagogische Auftrag für die Schule abgelehnt werden müsse, dann nämlich, wenn man Sozialpädagogik als "Theorie der Jugendhilfe" bzw. als "Theorie der Sozialen Arbeit" begreife. Setzungen, die sicherlich zu Recht angeführt werden, m. E. dennoch genauerer Ausführungen bedürfen, um - entgegen allem Sparkurs - auch bildungspolitisch anerkannt zu werden.

Gernot Barth sieht Schulverweigerung als multifaktorielles Phänomen und unternimmt den Versuch, pädagogische Konstitutionsprinzipien zum Umgang mit Schulverweigerungen zu erarbeiten, ein Beitrag, der offensichtlich zum Ausklang des Bandes gedacht ist. Für ihn können Schülerinnen und Schüler "weder in noch an der Schule für das Leben lernen. Sie können aber - bestenfalls - an der Schule erfahren, was Leben heißt, wenn sie gleichzeitig erkennen, wie viel davon Schule ist" (S. 127).

Diskussion

Der Sammelband gibt ein warnendes und lehrreiches Beispiel, wie das Erfassen von Quantitäten zu Lasten von Qualität gehen kann, dann, wenn Zahlenergebnisse zu qualitativen Setzungen werden, die in der Folge zu Stigmatisierungen führen, dadurch dass Hintergründe lediglich plakativ in den Raum gestellt werden.

Des Weiteren macht er aufmerksam auf die notwendige mehrperspektivische Betrachtungsweise von Schulmüdigkeit, die zum Teil in den Beiträgen überhaupt nicht berücksichtigt wurde. So verwundert schon, dass angesichts der "Noten", die Schule in den Pisareports erhalten hat, einige Beiträge das Problem von Schulverweigerung ausschließlich als ein Fehlverhalten der Jugendlichen diskutieren und diese gar in die kriminelle Ecke drängen. Bei einer solchen Verengung der Debatte kann die Chance zu strukturverändernden Maßnahmen vertan werden.

Denn Schulverweigerung kann auch als der offensichtliche Abbruch einer Kommunikation zwischen der jüngeren und der älteren Generation angesehen und gewertet werden, über einen Gegenstand - den Sinn und Inhalt von Schule - der offensichtlich einem Teil der Schülerinnen und Schüler nicht zu vermitteln ist. Vielleicht müsste hier einmal die Forschungsperspektive gewechselt und/oder erweitert und dabei das heutige Leitbild von Schule sowie die Kommunikation von Lehrenden und Lernenden mitsamt ihrer Vermittlung von oft realititätsfernen Inhalten mehr in den Blick genommen werden. 

Denn Kommunikationsabbrüche beschreiben zu wollen, indem nur ein Teil des kommunikativen Gegenübers in den Blick genommen wird, lässt die Frage gar nicht erst aufkommen, ob Schule, als der andere Teil des kommunikativen Gegenübers diese nicht vielleicht schon längst - weil überfordert oder keine Idee - eingestellt hat, da ihr der Sinn abhanden gekommen ist, angesichts der Wirklichkeiten, die ein Großteil der heutigen Jugend im realen Leben für sich vorfindet. Und lediglich das Sichtbare - die Schulmüdigkeit - als die Konsequenz eines Teils der nicht sichtbaren Fehl-Kommunikation in den Blick zu nehmen, um diese dann in ihren Auswirkungen auf die Betroffenen hin zu untersuchen, kann zwar beschreiben, aber keine wirklichen Lösungen anbieten.

Es ist ein einfaches Spiel, den betroffenen Subjekten die Schuld zuzuweisen für gesellschafts- und bildungspolitische Fehlentscheidungen. Ebenso einfach sind umgekehrt die Argumentationslinien, welche mangelhafte Eigenverantwortlichkeit mit gesellschafts- oder bildungspolitischen Umständen zu entschuldigen suchen. Ein Lichtblick sind dann aber doch die im Band vorgestellten Projekte um das Deutsche Jugendinstitut, die in alle Richtungen blicken und aufhorchen lassen. Hier entstehen m. E. gute Chancen, die oft lähmende Hilflosigkeit unter allen Beteiligten aufzubrechen. Diese Entwicklungen sollten aufmerksam beobachtet werden.

Fazit

Abgesehen von ärgerlichen Doppelungen der Inhalte einzelner Beiträge zu Ursachen und Umfang von Schulverweigerung, die durch eine sorgsamere Lektorierung des Bandes hätten vermieden werden können, ist dies ein lesenswerter Sammelband. Er fordert zum kritischen Nachdenken über die Anlage von Forschungsdesigns heraus, erweitert aber auch den Blick auf das Thema Schulmüdigkeit, indem herausgestrichen wird, dass der Umgang mit schulaversivem Verhalten nicht allein den Lehrerinnen und Lehrern in Kooperation mit den betroffenen Erziehungsberechtigten zu überlassen ist, sondern – über die Schulsozialarbeit hinaus – alle Institutionen und Träger der Kinder- und Jugendhilfe die in die Debatte um Lösungen mit einzubeziehen sind.


Rezensentin
Prof. Dr. Christine Huth-Hildebrandt
Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit


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Zitiervorschlag
Christine Huth-Hildebrandt. Rezension vom 30.05.2006 zu: Gernot Barth, Joachim Henseler (Hrsg.): Jugendliche in Krisen. Über den pädagogischen Umgang mit Schulverweigerern. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2005. ISBN 978-3-89676-968-8. Reihe: Sozialpädagogik und Schulreform - Band 2.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8340-1473-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3095.php, Datum des Zugriffs 18.08.2017.


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