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Christina Filipe, Sandra Wöbeking: Handlungskompetenz in der Pflegeausbildung fördern

Rezensiert von Karin Sauerwein, 25.01.2024

Cover Christina Filipe, Sandra Wöbeking: Handlungskompetenz in der Pflegeausbildung fördern ISBN 978-3-8288-4850-4

Christina Filipe, Sandra Wöbeking: Handlungskompetenz in der Pflegeausbildung fördern. Konzeptionelle Entwicklung einer Ausbildungsstation. Tectum (Baden-Baden) 2023. 156 Seiten. ISBN 978-3-8288-4850-4. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
Reihe: Young academics - Pflegewissenschaft - Band 1.

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Thema

Um berufliche Handlungskompetenz zu erwerben, bedarf es prozessorientierter Anleitung während der Pflegeausbildung. Fachkräftemangel und fehlende Ausbildungsstrukturen erschweren häufig das Erreichen dieses Ausbildungsziels. Daher präsentieren die Autorinnen ein Konzept einer Ausbildungsstation, das die Handlungskompetenz der Auszubildenden und somit eine prozessorientierte Pflege fördern kann. Die Wichtigkeit des praktischen Lernorts sowie eine gut strukturierte Lernortkooperation werden in den Ausführungen besonders deutlich.

Autorinnen

Frau Filipe und Frau Wöbeking sind Studierende der Hamburger-Fern-Hochschule (HFH).

Entstehungshintergrund

Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit haben sich beide Autorinnen mit der Etablierung einer Ausbildungsstation und einer anschließenden eigenen Konzeptentwicklung beschäftigt. Beide Autorinnen sind durch ihre Tätigkeit an einer Pflegeschule und als freigestellte Praxisanleiterinnen in einem Krankenhaus der Maximalversorgung motiviert, dass Auszubildende das eigenständige Handeln lernen und Sicherheit erlangen.

Inhalt

Das Buch ist eine wissenschaftliche Arbeit, die sich nach folgenden Kapiteln gliedert:

In der Einleitung beschreiben die Autorinnen die Problemherleitung und ihre Motivation, sich mit folgender Forschungsfrage zu beschäftigen: Wie muss eine Ausbildungsstation konzipiert sein, um die Handlungskompetenz der Auszubildenden zu fördern und so eine prozessorientierte Pflege zu erreichen?

Das Kapitel Methodik beschreibt die Literaturrecherche in ausschließlich deutschen Schriften.

Das Kapitel Theoretische Herleitung beschäftigt sich mit Begriffsdefinitionen, die für den theoretischen Rahmen der Bachelorarbeit von Relevanz sind. Begriffe wie: Ausbildungsstation, Handlungskompetenz, Pflegeberufegesetz werden beschrieben und in den inhaltlichen Kontext gesetzt. Zudem zeigen sie Möglichkeiten der Pädagogik und Didaktik auf, die die Selbstständigkeit fördern und den Auszubildenden die Möglichkeit geben, in Bezug auf den Lerngegenstand zu handeln. Es findet eine theoretische Auseinandersetzung mit methodischen Ansätzen der Unterrichtsgestaltung statt, dessen Ziel Handlungsorientierung ist. Zur Veranschaulichung stellen die Autorinnen in einem Artikulationsschema Möglichkeiten der Umsetzung dar. Die Rolle der Praxisanleiterin als didaktische Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis wird zentral herausgestellt. Im Kapitel Vergleichende Betrachtung der Konzepte etablierter Ausbildungsstationenwerden 3 unterschiedliche Konzepte einer Ausbildungsstation beschrieben. Erläutert und verglichen werden die Konzepte der

  • Charité,
  • der Heidelberger Ausbildungsstation (HIPSTA).
  • der ARTEGRIS Fachschule für Gesundheitsberufe in Mühlheim.

In einem Zwischenfazit stellen die Autorinnen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Konzepte dar und beleuchten

  • die Bezeichnung
  • deren Etablierung im praktischen Alltag
  • die Zielsetzung der Konzepte
  • die Dauer der Umsetzung
  • die betreuenden Personen
  • die Vorbereitungsphase
  • Geräte und Materialien und die
  • die Evaluation.

Im Kapitel Konzeptionalisierung einer eigenen Ausbildungsstation stellen die Autorinnen ihr eigens entwickeltes Konzept „360° – Pflege in Ausbildungshand“ vor. Dieses Konzept einer Ausbildungsstation ist auf die Bedürfnisse des Pflegeberufegesetzes ausgerichtet und soll das ganzheitliche Pflegeverständnis der Autorinnen widerspiegeln. Im Mittelpunkt steht das selbstständige Pflegehandeln des Auszubildenden und dessen Eigenverantwortlichkeit für sein Handeln. Pflegen und Lernen werden ganzheitlich betrachtet. Erläutert werden das Lehrkonzept und das Ausbildungsverständnis, die strukturellen Rahmenbedingungen, die Vorbereitung und Durchführung des Projektes, die Evaluation und die Möglichkeit, solch ein Projekt finanziell fördern zu lassen.

Im Ausblick zeigen die Autoren weitreichende (Lern-) und Entwicklungsmöglichkeiten auf, die mit einer festen Implementierung einer Ausbildungsstation einher gehen könnten. Ausgestattet mit Fachpersonal und Praxisanleiterinnen könnten Auszubildende aller drei Ausbildungsgänge mit- und voneinander lernen, externe Auszubildende könnten in die Ausbildungsstation gewinnbringend integriert werden. Lernangebote könnten für unterschiedliche Wissensstände aufbereitet und angeboten werden. Praxisanleiter könnten während ihrer Weiterbildung praktische Erfahrungen sammeln und ihr in der Theorie erworbenes Wissen anwenden. Auch im Rahmen der geforderten 24 Stunden Pflichtfortbildungen könnten einzelne berufspädagogischen Fortbildungsstunden eingebunden werden. Auch andere Berufsgruppen sowie Teilnehmerinnen von Anerkennungslehrgängen könnten in die Ausbildungsstation eingebunden und unterstützt werden. Zudem zeigen die Autorinnen auf, welche konzeptionellen Möglichkeiten eine Ausbildungsstation in Bezug auf Gestaltung von praktischer Ausbildung bietet.

Im Fazit verifizieren die Autorinnen ihre Forschungsfrage und kommen zu dem Schluss, dass Handlungskompetenz durch selbstständiges Arbeiten gefördert wird und prozesshafte Pflege erreicht werden kann – die Implementierung des Lehrkonzeptes durch Theorie und Praxis ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Diskussion

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, den Pflegeberuf attraktiv zu machen. Der erste Schritt ist eine theoretisch und praktisch gut strukturierte Ausbildung. Am praktischen Lernort soll das in der Theorie erworbene Wissen geübt und angewendet werden. Zudem soll in der Praxis berufliche Handlungskompetenz erworben werden. Das passiert nicht automatisch und ohne Begleitung und Anleitung – eine Ausbildungsstation bietet Auszubildenden einen Ort des Lernens durch Erfahrungen, durch eine strukturierte und inhaltlich angepasste theoretische Vorbereitung kann Wissen vernetzt und angewendet werden, durch Anleitungen und kontinuierliche Reflexion erlebter Pflegesituationen werden Stärken erkannt und Fehler korrigiert werden. Die gesetzlich geforderten 10 % Anleitungszeit werden erreicht – nicht ausschließlich in der Bewältigung des beruflichen Pflegealltags – und können auch geplant und strukturiert durchgeführt werden. Jede Pflegende, die mit Auszubildenden zu tun hat weiß, dass die Umsetzung einer Ausbildungsstation einen hohen Planungs- und Personalaufwand mit sich bringt – eine Lernortkooperation zwischen Pflegeschule und Einrichtung als gegeben immer vorausgesetzt. Trotzdem schaffen es die Autorinnen den Leser neugierig zu machen und für das Konzept zu interessieren. Denn wenn am Ende des Tages ein selbstständig und eigenverantwortlich denkender und handelnder Kollege in meiner Einrichtung bleiben möchte, war die Ausbildung eine Gute und die Ausbildungsstation hat dazu beigetragen, dass der Auszubildende einen großen Benefit für seinen Lernprozess erleben konnte.

Fazit

Eine gelungene Bachelorarbeit mit gut recherchierten Inhalten und einem neu konzipierten Konzept einer Ausbildungsstation. Zu empfehlen für alle Lehrenden und Praxisanleiter:innen in der Pflege, die Lust auf eine gut gestaltete Ausbildung haben. Besonders gelungen sind die weiterführenden Möglichkeiten der konzeptionellen Entwicklung der generalistischen Ausbildung für die unterschiedlichsten Berufsgruppen.

Rezension von
Karin Sauerwein
Stellv. Leitung des Bildungsinstitutes Berufspädagogin im Gesundheitswesen (M.A.) CBG Christliches Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe in Kassel
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Es gibt 3 Rezensionen von Karin Sauerwein.

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Zitiervorschlag
Karin Sauerwein. Rezension vom 25.01.2024 zu: Christina Filipe, Sandra Wöbeking: Handlungskompetenz in der Pflegeausbildung fördern. Konzeptionelle Entwicklung einer Ausbildungsstation. Tectum (Baden-Baden) 2023. ISBN 978-3-8288-4850-4. Reihe: Young academics - Pflegewissenschaft - Band 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/30955.php, Datum des Zugriffs 21.02.2024.


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