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Günter Gödde, Edith Püschel u.a. (Hrsg.): Psychodynamisch handeln lernen

Rezensiert von Helmwart Hierdeis, 27.12.2023

Cover Günter Gödde, Edith Püschel u.a. (Hrsg.): Psychodynamisch handeln lernen ISBN 978-3-8379-3105-1

Günter Gödde, Edith Püschel, Silvia Schneider (Hrsg.): Psychodynamisch handeln lernen. Grundlinien psychodynamischer Psychotherapie für Ausbildung und Praxis. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2023. 598 Seiten. ISBN 978-3-8379-3105-1. D: 44,90 EUR, A: 46,20 EUR.
Reihe: Bibliothek der Psychoanalyse.

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Herausgeberinnen

Dr. Günter Gödde ist Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in Berlin, Lehrtherapeut und Ausbildungsleiter in der Therapeutenausbildung an der Berliner Akademie für Psychotherapie.

Dipl. Psych. Edith Püschel ist Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis, Lehrtherapeutin, Mitglied der Schwerpunktleitung Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie an der Berliner Akademie für Psychotherapie und Ausbilderin an der Psychologischen Hochschule Berlin.

Dipl. Psych. Silvia Schneider, ist Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis und Lehrtherapeutin an der Berliner Akademie für Psychotherapie und an der Psychologischen Hochschule Berlin.

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Band versteht sich als praxisbezogene Fortsetzung von Günter Göddes 2021 erschienenen „Entwicklungslinien psychodynamischer Psychotherapie“ und der von ihm 2022 mit Edith Püschel und Silvia Schneider herausgegebenen Textsammlung „Psychodynamisch denken lernen“. Aus der Zusammenfassung dieses Kompendiums (10) entwickelt er zusammen mit den beiden Kolleginnen sechs Themenbereiche: I. „Das Theorie-Praxis-Verhältnis in der Psychodynamischen Therapie“ (19–108); II. „Schrittweise Annäherungen an das therapeutische Handeln“ (109–199); III. „Entwicklung therapeutischer Konzepte in Supervision und Selbsterfahrung“ (201–293); IV. „Orientierung an kasuistischen Beispielen“ (295–394); V. „Spezifische Handhabung therapeutischer Prozesse“ (395–483); VI. „Verbindung von Therapieforschung und psychodynamischem Handeln“ (485–598). Jedem Teil geht eine „Einführung“ voraus, die das jeweilige Thema umreißt und die einzelnen Beiträge skizziert.

Auch wenn der Band vom Selbstverständnis der psychodynamischen Therapie bis zu ihrer universitären Einbindung eine nachvollziehbare Logik verfolgt, wird seine Rezeption voraussichtlich nicht in einem Durchgang, sondern, je nach Vorwissen und Interesse, selektiv erfolgen. Dieser Intention sollen die folgenden Konzentrate der Beiträge entgegenkommen:

Das „Vorwort“ (9–16) und die „Einführung“ zu den Beiträgen des I. Teils (19–22) heben noch einmal das Grundverständnis des psychodynamischen Theorie-Praxis-Verhältnisses hervor, in dessen Licht das Nachfolgende zu lesen ist: in wissenschaftstheoretischer Hinsicht die Orientierung am (sozialwissenschaftlichen) „Kontextmodell“ (19) und im Vorrang der Kasuistik vor der Axiomatik, in praxeologischer Hinsicht im Nutzen der eigenen Intuition als Erkenntnisquelle und in der Relativierung einer rigiden Abstinenz. An ihre Stelle tritt eine stets selbstreflexiv in den Blick genommene Haltung, die eigenes Handeln ebenso zulässt wie die Offenlegung von Verletzlichkeit, Präferenzen und persönlichen Eigenarten. „Der Prototyp der psychodynamischen Therapie lässt sich als ‚offener und wenig strukturierter Dialog’ charakterisieren, wobei es darauf ankommt, dass der Patient Neues am Objekt erkennen kann, der Therapeut innovatorisch wirkt und das Innovatorische sich in den neuen Beziehungserfahrungen mit dem Therapeuten findet“ (Gödde, 25, unter Berufung auf Cord Bennecke). Für dessen praxeologisches Profil heißt das: „Ein improvisierend-intuitiver Handlungstyp, eng verknüpft mit ‚implizitem Wissen’, der Rückhalt der Selbsterfahrung sowie die Bereitschaft zur Selbstreflexion ermöglichen es, die Fahrt auf den Stromschnellen einer psychodynamischen Psychotherapie anzutreten und gut durchzuhalten“ (39).

Die Reihe der Beispiele für theoretische Vertiefungen und Erweiterungen eröffnet Rolf Schumacher (45 ff.) mit einem Rekurs auf das szenische Verstehen als Möglichkeit der Übertragungsanalyse, der zugleich als Beleg dafür dienen soll, dass das psychodynamische Geschehen mit quantitativen Methoden nicht angemessen erfasst werden kann. Für Michael Ermann (59 ff.) steht im Zentrum des Therapieverständnisses der „intersubjektive Ansatz“ – in dem Sinne, „dass das Selbst nur als Produkt einer wechselseitigen Bezogenheit verstanden und verändert werden kann“ (47). Das gilt für beide Seiten des therapeutischen Verhältnisses, und nur auf diesem Wege kommt es für ihn zu einer „Analyse auf Augenhöhe“ (72). Wolfgang Wöller (79 ff.) sieht im psychodynamischen Beziehungsverständnis die wichtigste Ressource (81), wie überhaupt die „Ressourcenaktivierung“ darauf abzielt, Menschen, die an ihrer „Selbstwirksamkeit“ zweifeln, „wieder den Zugang zu den vorhandenen, aber nicht unmittelbar verfügbaren Kompetenzen und Erfahrungen zu verschaffen“ (79). Werner Pohlmann schließlich (S. 95 ff.) sieht eine Aufgabe der psychodynamischen Therapie darin, der Genese von „verkehrte(n) Lösungen“ (105) nachzugehen und erweitert das Repertoire der Techniken über die Deutung hinaus durch die Schaffung von „Spielräume(n) […] mit dem Therapeuten als Mitspieler“ (123).

Hinweise auf therapeutische Handlungsformen finden sich zwar auch im eben referierten Abschnitt, der zweite thematisiert sie aber nun ausdrücklich. Timo Stork und Inka Montan (131 ff.) sehen in „Widerständen“, das heißt in all dem, was nach Laplanche/​Pontalis „in den Handlungen und Worten des Analysierten sich dem Zugang zu seinem Unbewussten entgegenstellt“ (131), die „Wegweiser“ (ebd.) zu den inneren Konflikten und im „szenischen Verstehen“ (138) den geeigneten Schlüssel zu den Quellen verborgener Ängste. Inge Seiffge-Krenke (149 ff.) und Reinhard Lindner/​Meinolf Peters (163 ff.) weisen auf Besonderheiten in den Therapien mit Adoleszenten bzw. mit alten Menschen hin. Bei Untersuchungen zur Gruppe der 18-25-jährigen habe sich, so Seiffge-Krenke, herausgestellt, „dass die klassischen Kriterien für das Erwachsenenalter […] sich auf das dritte Jahrzehnt verschoben“ (156) hätten. Die Therapie habe es demnach mit Leidensformen zu tun, die sich aus dem impliziten Bewusstsein für eine verzögerte Entwicklung – „Semiautonomie“ (150) – ergäben. Dies erfordere spezielle Formen der „Unterstützung, Begrenzung […] und Trauerarbeit“ (156). Lindner/​Peters verweisen auf die „wachsende Vulnerabilität“ (164) alter Menschen, insbesondere mit Blick auf das Lebensende, ihre Schwierigkeit, „das Mentale des Gegenüber zu erfassen“ (166), und das gesteigerte Bedürfnis nach Beziehungen, begleitet von „reifen Abwehrformen“ (165). Besondere Aufmerksamkeit verdiene das komplexe Übertragungsgeschehen mit seinen Überlappungen von Eltern-, Geschwister- und Enkelübertragungen, das insbesondere jüngere Therapeuten vor Probleme stellen könne. Edith Püschel (181 ff.) beschließt den Abschnitt mit der Empfehlung, die Wahrnehmungen und Eindrücke bei der Präsentation und Analyse psychodynamischer Zusammenhänge zu protokollieren und schriftlich auszuwerten. Die von ihr entwickelten Leitfäden sollen „zur theoriegeleiteten Bewertung des Beobachteten führen“ (188) und nicht zuletzt „systematischer Selbstanalyse dienen“ (197).

Dem Untertitel des Buchs entsprechend konzentrieren sich Annekathrin Berger und Gerald Kurz (205 ff.) auf den Professionalisierungskontext und begründen, gestützt auf Fallbeispiele, ihr Postulat von einer „strukturierend-zielgerichtet(en)“ und „prozessoffen-autonomiegewährend(en)“ Haltung des Therapeuten (212 ff.). Dieter Rau-Luberichs (243 ff.) beruft sich bei der durch Fallbeispiele angereicherten Diskussion zur Körperlichkeit in der Supervision auf Vorarbeiten von Tilman Moser und Günter Heisterkamp. Den Körperausdruck bei anderen wahrzunehmen und die eigene körperliche Resonanz zu spüren, sind für ihn „Suchbewegungen“, über die „der seelische Konflikt sich in Raum und Zeit in Szene setzen (soll), um dann mentalisiert werden zu können“ (259). Wie er an Fallbeispielen aus Kindertherapie und Ausbildungssupervision demonstriert, praktiziert Jochen Willerscheidt (261 ff.) – gleichfalls unter Bezugnahme auf Heisterkamps individualpsychologisches Konzept der „Mit-Bewegung“ (vgl. 262) – eine „leibfundierte psychodynamische Psychotherapie“ (261) als Erweiterung des vertrauten Austauschs von Sprache und Deutung. Markus Schirpke verbindet unter dem Titel „Erlebnisorientierte psychodynamische Gruppenselbsterfahrung“ (279 ff.) psychoanalytische Symbolarbeit mit „Techniken und strukturierende(n) Elemente(n) zur Selbsterfahrung“ (S. 291) aus anderen therapeutischen Konzepten (z.B. Katathymes Bilderleben), auch wenn deren Wirkungen auf Gruppenprozesse noch nicht hinlänglich erforscht sind.

Falldarstellungen spielen zwar schon in den vorangegangenen Beiträgen eine illustrierende oder heuristische Rolle, im folgenden Abschnitt liegt der Fokus aber aus didaktischen Gründen in ihrer idealtypischen Eigenart. Günter Gödde (301 ff.) geht es bei der Analyse von bekannten Beispielen (Mitscherlich, Thomä, Argelander, Kohut) darum, neben dem üblichen Blick auf den Patienten und das therapeutische Geschehen eine „intersubjektive Perspektive“, d.h. „das wechselseitige Erleben“ (303) ins Spiel zu bringen. Dieser Intention folgend und weil „wir auf der therapeutischen Bühne des inneren Dramas unserer Patientinnen und Patienten selbst Teil der Szene sind“ (325), reflektiert Silvia Schneider (325 ff.) das szenische Erscheinen einer Liebesbeziehung im Therapieprozess und damit letzten Endes in der therapeutischen Beziehung selbst. Auch in Anna-Lena Bröckers Darstellung des therapeutischen Prozesses mit einer psychotischen Patientin (347 ff.) liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Gegenübertragungsreaktionen. Die Autorin liest sie als fortlaufende Sensibilisierung für den Sinn der krankhaften Selbstinszenierungen, die sie fähig macht, für die Betroffene die angemessenen Schritte auf dem Weg zur Autonomie zu finden. Johanna Sänger (363 ff.) beschreibt ihre Bemühungen, in den Erzählungen eines hypochondrischen Patienten „Lebendiges“ (368) und „Existenzielles“ (370) aufzuspüren, um seine Fixierung auf (vermeintliche) Krankheitssymptome aufzulösen. Ihr Resümee: „Psychodynamisches Handeln […] ist Lernen und bleibt vielleicht immer ein Versuch“ (363). „Psychodynamische Filmanalyse“ (377 ff.) nennt Michael Over seine (u.a. von Ralf Zwiebel angeregten) Überlegungen, „sein eigenes Selbst, seinen Leib und seine Übertragungen als Instrument“ zu nutzen, „um Erkenntnis über das Objekt (Patientin, Kunstwerk) zu erlangen“ (379), hier über Stanley Kubricks Film „The Shining“ (1980), der für ihn das Potenzial hat, den Betrachter/​Analytiker „mit der anderen Seite der Vernunft […], dem Wahnsinn“ (392) zu konfrontieren.

Wie sich die Devise „Flexibilität auf der Basis einer sicheren theoretischen Fundierung“ (Gödde, 398) in der Therapie ausgewählter Krankheitsbilder umsetzen lässt, verdeutlichen die nachfolgenden Beiträge: Hans-Werner Rückert (401 ff.) entwickelt zum Thema „Prokrastination“ aus der sozialwissenschaftlichen, belletristischen und klinischen Literatur und auf der Grundlage selbstreflexiver Überlegungen zu Erfolg und Misserfolg in der Arbeitswelt Empfehlungen für den Umgang mit Arbeitsstörungen. Amely Wahnschaffe (419 ff.) sucht im Fall einer depressiven Symptomatik – gleichfalls mit dem Blick auf die eigene Geschichte – nach Möglichkeiten der „Feinabstimmung zwischen Verstehen und Aktivierung“ (431) und damit nach einer Versöhnung von zwei „scheinbar widersprüchlichen therapeutischen Haltungen“ (431). Als „Wanderer zwischen zwei Welten“ (437), d.h. zwischen dem medizinischen und dem psychologischen System, sieht Arnulf Müller (433 ff.) Patienten nach Herzoperationen an. „Hörend“ (442 ff.) und „fühlend“ (444 f.) sucht er bei ihnen eine behutsame Vereinigung bzw. Wiedervereinigung von Herz und Seele zu erreichen. Die Behandlung eines Patienten mit „Persönlichkeitsstörung“ (Regulierungs- und Bestrafungszwängen) regt Michael Heine (451 ff.) an, über Erfordernisse der psychotherapeutischen Haltung allgemein (457 ff.) und im Hinblick auf das vorgestellte Krankheitsbild (460 ff.) nachzudenken. Sie gipfeln in der „Bereitschaft, mit dem Patienten mitzuleiden […], und sich dennoch die Fähigkeit zu bewahren, nicht […] dadurch gelähmt zu werden […]“ (463). Für Jann E. Schlimme (467 ff.), der diesen Themenbereich abrundet, sind Psychosen verstehbar und (nicht-medikamentös) behandelbar, wenn man ihren „emotionalen Subtext“ (471) aufsucht. Sie erweisen sich dann als (untaugliche) Bewältigungsversuche für unerträgliche Spannungen in Beziehungen. Es gehe darum, auch mit über das Analytische hinausgehenden speziellen Techniken „die eigenen Regulationsfähigkeiten von Gefühlen in Beziehungen zu entwickeln“ (480). Für ein gelingendes „Junktim“ zwischen „Therapieforschung und Psychodynamischem Handeln“ bietet der letzte Themenkomplex mehrere Beispiele: In einem Auszug aus dem 2. Band ihres Lehrbuchs der psychoanalytischen Therapie (2006) stellen Helmut Thomä und Horst Kächele (493 ff.) „Philosophische Überlegungen zum Problem einer ‚guten Stunde’“ an und nehmen besonders „die kurative Veränderung des Patienten, die durch die Interaktion mit dem Analytiker vermittelt wird“ (493), in den Blick. Marie-Luise Alder und Michael M. Franzen (513 ff.) plädieren für die Zusammenarbeit von Gesprächsforschung und psychoanalytischer Praxis. Als fruchtbare Methode sehen sie die „mikroanalytische Beobachtung von therapeutischer Kommunikation“ (519) an. Heinrich Deserno, Sascha Oerter, Maja von Strempel und Sabrina Bergner (521 ff.) verstehen den therapeutischen Prozess gleichfalls vor dem Hintergrund eines „Kontext-Modells“, weil es dem „Kontingenzprinzip Rechnung (trägt), wonach etwas Bestimmtes möglich, aber nicht unbedingt nötig ist“ (548). Auf das nämliche Paradigma stützt sich auch Thomas Munder (551 ff.) und leitet daraus eine „pluralistische Sicht“ des psychodynamischen Handelns ab. Sie legt nahe, „unsere Entscheidung für oder gegen Theorien auch als Ergebnis unserer Versuche anzusehen, eigene Erfahrungen zu verarbeiten oder einer solchen Erfahrung auszuweichen“ (552). Edith Püschel (563 ff.) hält es für unabdingbar, die aus der „Kritischen Theorie“ hervorgegangene „kritische Theorie des Subjekts“(563) nicht aus dem Auge zu verlieren. Ansonsten bestehe „die Gefahr, belastende Lebensbedingungen im Verlauf einer psychotherapeutischen Behandlung aus den Augen zu verlieren und durch allmähliche De-thematisierung die strukturellen Probleme der Gesellschaft zu individualisieren“ (564). Peter Theiss-Abendroth (583 ff.) schließlich verweist auf die Schwierigkeit der Psychoanalyse, sich im Hochschulbetrieb gegen die Widerstände von akademischer Psychologie und Psychiatrie zu behaupten. Er hält sie für umso unverständlicher, als „die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie […] zu den wissenschaftlich anerkannten Behandlungsverfahren (gehören)“ (584). Die Universität müsse sie also in Forschung und Lehre zulassen und die Spannung zwischen der Heterogenität des Methodenverständnisses einerseits und der dominanten Logik der Evidenzbasierung andererseits aushalten – die Psychoanalyse allerdings auch.

Diskussion

Der Band bietet ein reichhaltiges Spektrum von Anregungen für (angehende) Analytikerinnen und Analytiker, ihr therapeutisches Denken und Handeln zu überprüfen und gegebenenfalls zu modifizieren. Die theoretischen Vorgaben Göddes waren für die Mitwirkenden offenbar kein Dogma, sondern Impulse, in der Selbstreflexion die Fruchtbarkeit und Angemessenheit ihrer Interaktionen, ihrer körperlichen Präsenz, ihrer Symboldarstellungen und -deutungen, ihrer Gegenübertragungen, ihrer Intuition und ihrer Spontaneität zu überprüfen und die Ergebnisse wieder in die therapeutische Beziehung einfließen zu lassen. Den Vorrang der Kasuistik vor der Axiomatik lassen die meisten ebenso erkennen wie die Orientierung am Kontext-Modell, auch wenn sie das nicht ausdrücklich sagen. Die Hinführungen Göddes und seiner Mitherausgeberinnen zu den sechs Themenkomplexen sind so kompakt und schlüssig, dass die Rezipienten versucht sein könnten, sie „pro toto“ zu nehmen. Damit entginge ihnen aber u.a. die Chance, an den zahlreichen Fallbeispielen und ihrer Verarbeitung das eigene Beziehungsbewusstsein zu schärfen.

Fazit

Günter Gödde, Edith Püschel und Silvia Schneider legen eine informative, aspektreiche und damit anregende Sammlung von Beiträgen zum Psychodynamischen Handeln vor. Die gemeinsame Orientierung so vieler Autorinnen und Autoren an einem psychodynamischen Verständnis der Psychotherapie erschließt Lernenden wie Professionellen eine Fülle von Denk- und Handlungsalternativen, ohne dass dabei die Suche nach dem unbewussten Hintergrund auf beiden Seiten der therapeutischen Beziehung verloren geht.

Rezension von
Helmwart Hierdeis
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Zitiervorschlag
Helmwart Hierdeis. Rezension vom 27.12.2023 zu: Günter Gödde, Edith Püschel, Silvia Schneider (Hrsg.): Psychodynamisch handeln lernen. Grundlinien psychodynamischer Psychotherapie für Ausbildung und Praxis. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2023. ISBN 978-3-8379-3105-1. Reihe: Bibliothek der Psychoanalyse. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31102.php, Datum des Zugriffs 16.04.2024.


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