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Phyllis Grosskurth, Gudrun (Übersetzer) Theusner-Stampa: Melanie Klein

Rezensiert von Dr. Thomas Kowalczyk, 12.11.2025

Cover Phyllis Grosskurth, Gudrun (Übersetzer) Theusner-Stampa: Melanie Klein ISBN 978-3-8379-3242-3

Phyllis Grosskurth, Gudrun (Übersetzer) Theusner-Stampa: Melanie Klein. Ihre Welt und ihr Werk. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2023. 620 Seiten. ISBN 978-3-8379-3242-3. D: 54,90 EUR, A: 56,50 EUR.
Reihe: Bibliothek der Psychoanalyse.

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Thema

Melanie Klein wird als Pionierin der Kinderanalyse betrachtet. „Die Psychoanalyse bei Kindern galt lange Zeit als nicht durchführbar. Melanie Klein stellte als eine der ersten hierzu genaue Beobachtungen an und löste mit ihren Erkenntnissen eine Debatte über das psychoanalytisch Machbare aus“, fasst Goddemeier, C. (2010) in einem Nachruf die Leistung von Melanie Klein zusammen. Einer weiteren Öffentlichkeit bekannt ist die Rivalität zwischen Melanie Klein und Anna Freud, die eingebettet war in Auseinandersetzungen zwischen den österreichischen, deutschen, britischen (und letztlich auch amerikanischen) psychoanalytischen Gesellschaften. Im vorliegenden Werk beschreibt Phyllis Grosskurth unter detailreicher Auswertung posthum zugänglicher Quellen das Leben von Melanie Klein inmitten dieser kontroversen Zeit. Das Buch trägt daher den Untertitel „ihre Welt und ihr Werk“ und geht weit über eine Biographie hinaus. Das vorliegende Buch ist eine sorgfältig redigierte Neuauflage der deutschen Ausgabe von 1993.

Autorin

Phyllis Grosskurth (1924 – 2015) war eine kanadische Schriftstellerin. Neben ihrer Studie über Melanie Klein verfasste sie mehrere Biografien sowie eine kontroverse Untersuchung zu Sigmund Freud und seinem engsten Umfeld (Klappentext, Psychosozial-Verlag).

Aufbau

Das Buch beinhaltet 6 Teile, die chronologisch geordnet sind und wesentliche Stationen im Leben Melanie Kleins zusammenfassen sowie einen umfangreichen Anhang:

  • Teil I: von Wien bis Budapest, 1882 – 1920
  • Teil II: Berlin, 1920 – 1926
  • Teil III: London, 1926 – 1939
  • Teil IV: Cambridge und Pitlochry, 1940 – 1941
  • Teil V: Die kontroversen Diskussionen, 1942 – 1944
  • Teil VI: Die Nachkriegswelt, 1945 – 1960
  • Anhang u.a. mit Zeittafel, einem unveröffentlichten Dokument, Werkverzeichnis

Die 6 Teile beinhalten 2 – 5 Kapitel, welche thematisch überschrieben sind. So ist Teil II beispielsweise unterteilt in die Kapitel 1. Der Schützling, 2. Vorhölle und 3. Verbannung. Auf diese Weise hat Grosskurth das umfangreiche Werk sowohl chronologisch als auch thematisch sehr greifbar strukturiert.

Inhalt

Teil I: Von Wien bis Budapest, 1882 – 1920:

Melanie Kleins Person bot ein Thema, das für die Mythenbildung wie geschaffen war. Da sie über ihre Vergangenheit scheinbar Stillschweigen bewahrte, in der Gegenwart aber unbeugsame Selbstsicherheit ausstrahlte, weckte ihr ganzes Wesen Mutmaßungen und Verdacht. […] Melanie Klein war eine Frau mit einer Mission. 1914 las sie Freuds Abhandlung Über den Traum (1904) und von da an war sie fasziniert und bekehrt von der Psychoanalyse und widmete sich ihr gänzlich. […] und während des größten Teils ihrer Karriere war die Frau nicht von ihrem Werk zu unterscheiden“ (S. 3). Grosskurth schlägt gleich zu Beginn des Kapitels den gemeinsamen Bogen von Leben und Werk. Anhand sorgfältiger Quellenauswertung bringt sie zunächst Licht in die ersten 38 Jahre des Lebens von Melanie Klein und wirkt der o.g. Mythenbildung entgegen. Melanie Klein wurde als jüngstes von vier Kindern jüdischer Eltern geboren, ihr Vater war Arzt, ihre Familie stammte aus Lwiw, Ukraine (Vater) und Warbotz, Slowakei (Mutter); sie selbst wurde am 30. März 1882 in Wien geboren, damals noch Teil Österreich-Ungarns. Das Familienleben ist von multikulturellen Verhältnissen geprägt und einem wechselhaften Stadt-Land-Leben. Kleins Mutter, Libussa Reizes dominierte das Familienleben – auch nach deren Heirat mit Arthur Klein, mit dem sie drei Kinder hatte. Melanie Kleins Bruder, Emmanuel ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Außerordentlich intelligent, aber schon als Kind an Herzproblemen erkrankt und 1925 in Genua verstorben, war er ihre erste Liebe – die wohl weit über Bruderliebe hinausging. Ein weiteres Kapitel ist ihrer Ehe mit Arthur Klein gewidmet. Diese war voller Spannungen und durch viele depressive Episoden Melanie Kleins geprägt. 1910 begann Melanie Klein eine Analyse bei Sándor Ferenci in Budapest, der sie ermutigte, sich mit der Psychoanalyse zu beschäftigen, obwohl sie keine formale Ausbildung hatte und diese auch nie nachholte.

Teil II: Berlin, 1920 – 1926:

Als Arthur Klein 1919 zum Leben und Arbeiten nach Schweden ging, zog sie nicht mit ihm, vielmehr beschreibt sie selbst es als „Vorspiel zu unserer endgültigen Trennung (S111).“ Grosskurth zitiert für den weiteren Verlauf aus der Biographie von Melanie Klein: „Anfang des Jahres 1922 kam ich also in Berlin an. Meine Tochter, die in der slowakischen Stadt, wo ich bei meinen Schwiegereltern gewohnt hatte, ihr Abitur bestanden hatte, zog zu mir, und so waren meine drei Kinder bei mir. Sie ging an die Berliner Universität, um Medizin zu studieren, und ich begann langsam, als Psychoanalytikerin Fuß zu fassen“ (S. 111). Tatsächlich aber waren die Kinder sehr oft nicht bei ihrer Mutter. Phyllis Grosskurth erklärt diese verklärende Darstellung von Melanie Klein mit Schuldgefühlen, da sie ihre Kinder sehr oft nicht begleitet hatte.

Um sich einen Namen zu machen, begann sie mit der Analyse ihres Sohnes Erich, der damals 5 Jahre alt war. Sie verschwieg in den Veröffentlichungen allerdings, dass es sich um ihren Sohn handelte, ebenso analysierte sie ihren Sohn Hans, allerdings nicht systematisch. Später analysierte sie Kinder bereits ab einem Alter von 2 Jahren. Sie absolvierte eine 2. Lehrtherapie bei Karl Abraham, der 1910 die Berliner Psychoanalytische Vereinigung und das dazugehörige Lehrinstitut gegründet hatte. Sie nahm auch am ersten internationalen Kongress 1920 in Den Haag teil. Trotz großer privater und beruflicher Schwierigkeiten begann Melanie Klein mit großem Ehrgeiz in der Psychoanalyse Fuß zu fassen. Ihr Statement war „Ich glaube nicht, dass es zu eitel ist, wenn ich sage, dass ich die Anfänge der Kinderanalyse in Berlin eingeführt habe (S. 115).“ 1922 fand auch ihre erste Begegnung mit Sigmund Freud statt: „Er schien sich nicht für das zu interessieren, was sie ihm erzählte, und sie hatte den Eindruck, er sei mit seinen Gedanken woanders. (S. 160).“

Ihre Tochter Melitta, die ab 1921 Philosophie, dann Medizin studierte, nahm sie in den 20er Jahren oft zu psychoanalytischen Veranstaltungen mit. Später entwickelte sich ein stark rivalisierendes Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, dass im lebenslangen Zwist endete. Eine unglückliche Liebesbeziehung, der Tod ihres Förderers Karl Abraham und offener Spott von Seiten Wiens gegen die Laienanalyse führten bei Melanie Klein schließlich zum Schluss, „ … dass Berlin für sie kein angemessener Ort mehr war (S. 176)“

Teil III: London, 1926 – 1939:

Mit 44 Jahren, 1926 kam Melanie Klein in England an und blieb dort dauerhaft. Dort hatte sie mit Ernest Jones, dem Gründer der London – (1913) später British Psychoanalytical Society (1919) einen mächtigen Förderer. Jones war zugleich ein enger Vertrauter Sigmund Freuds und organisierte 1938 dessen Flucht aus Wien. Im Rückblick benannte Edward Glover (1965), ein Gegner von Melanie Klein, dass die Ankunft Melanie Kleins zusammenfiel mit Profilierungsbedürfnissen der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft: „ […] empfand die Vereinigung ziemlich anmaßenden Stolz darauf, dass sie wirklich neue Ideen entwickelte, daher akzeptierte sie Melanie Kleins Vorstellungen. Die Mitglieder waren beeindruckt von dem Nachdruck der Empfehlung Jones‘ […] (S190).“ 1927 erschien von Anna Freud ‚Einführung in die Technik der Kinderanalyse‘ und in der Folgezeit kamen die substantiell unterschiedlichen Auffassungen von Anna Freud und Melanie Klein in zahlreichen, teils erbitterten Stellungnahmen, Vorträgen und Veröffentlichungen zu Tage. Phyllis Grosskurth widmet dieser Kontroverse einen großen Umfang des III. Teils. „Der wesentliche Unterschied lag in der Tatsache, dass Anna Freud Kinder als Wesen betrachtete, die völlig anders waren als Erwachsene, während Melanie Klein überzeugt war, dass Kinder noch weitgehend vom Unbewussten regiert werden, und die Analyse des Unbewussten als ihre Hauptaufgabe ansah. […] Sie betonte, die Spieltechnik sei das wesentliche Mittel, an das Unbewusste des Kinders heranzukommen (S. 208f).“

Im März 1938 beschlossen die Psychoanalytiker:innen der Wiener Vereinigung, dass sie fliehen sollten. Zusammen mit zahlreichen Berliner Kolleg:innen flohen viele nach England. 1938 waren schließlich ein Drittel der Analytiker:innen der Britischen Vereinigung vom Kontinent, inklusive Siegmund und Anna Freud. Ernest Jones begab sich in den Hintergrund und Melanie Klein hatte es zunehmend schwerer. Bei Kriegsausbruch zog sie zu Susan Isaacs nach Cambridge.

Teil IV: 1940 - 1941 Cambridge und Pitlochry:

„Es war eine Ironie des Schicksals, dass Melanie Klein sich einem Bündnis ihrer unversöhnlichsten Feinde genau in dem Augenblick gegenübersah, als sie allmählich aus ihrer langen Zeit der Depression wieder aufzutauchen schien. Ihre infantile Paranoia wurde reaktiviert – ein Phänomen, das sie erkannte – und sie brachte einige ihrer Empfindungen in die Abhandlung über das Trauern ein, die sie am 2. August auf dem Pariser Kongreß vortrug (S. 315).“

Die Zeit in Cambridge und Pitlochry war eine Auszeit von den Kämpfen in der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft und intellektuell eine sehr produktive Zeit für Melanie Klein. Insbesondere entwickelte sie ihre Gedanken zur depressiven Position und zur Innenwelt des Kindes weiter und konsolidierte sie. Menschlich betrachtet, erholte sie sich von ihrer eigenen Depression, in die sie der Tod ihres Sohnes Hans (1934) gestürzt hatte.

Teil IV: Die kontroversen Diskussionen (Controversial Discussions), 1942 -1944:

Die Kapitelüberschrift löst sich – wie auch im nachfolgenden Kapitel – von der Ortsangabe und stellt die inhaltliche Entwicklung in den Vordergrund. „Melanie Klein wurde immer stärker bewusst, dass es für sie unerläßlich war, ihre Gegenwart auf dem Londoner Schauplatz wieder zur Geltung zu bringen, dass sie feste Kommunikationsbahnen zu ihren Mitarbeitern herstellen und dass sie kämpfen musste (S. 359).“ Grosskurth beschreibt in diesem Kapitel den Kampf um die Deutungshoheit über die Psychoanalyse, um die Vorherrschaft in der Psychoanalytischen Vereinigung und letztlich um deren Zusammenhalt. Bezogen auf Melanie Klein lautete die Fragestellung „Waren die Ideen Melanie Kleins eine Weiterentwicklung der Ideen Freuds oder eine Abweichung von ihnen (S. 360)?“

Es traten schließlich drei Lager hervor: die Freudianer, die Kleinianer und die Middle Group, die sich keinem Lager zuordnen ließ und z.T. versuchte zwischen beiden zu vermitteln. Inhaltliche Kontroversen wurden in diesem Feld oft mit unerbittlicher Härte und persönlichem Misstrauen bis hin zu Anfeindungen vorgetragen. Marjorie Brierley brachte schließlich am 10.06.1942 eine Waffenstillstandsresolution ein, die forderte, „[…] sich in Diskussionen persönlichen Angriffen und Unterstellungen zu enthalten. […] Die öffentlichen Beschuldigungen der letzten vier Monate waren beendet, aber natürlich ging hinter den Kulissen alles Mögliche weiter (S. 388f).“ In den Controversial Discussions zur Erörterung wissenschaftlicher Meinungsverschiedenheiten wurden Theorien z.T. besser ausformuliert und auf diese Weise konsolidiert, was zur Entwicklung der Psychoanalyse beigetragen hat. Aber letztlich blieben die Lager bestehen. In der Ausbildung zukünftiger Psychoanalytiker:innen wurden in einer Art „Ladys Agreement“ die Theorien beider Gruppen gelehrt und formal durch die gleichberechtigte Vertretung alle drei o. g. Gruppen in den zentralen Ausschüssen abgesichert. Grosskurth fasst zusammen: „Es ist schwer zu begreifen, dass hochintelligente, gebildete Menschen der Hysterie verfallen konnten, die einige Jahre lang in der Britischen Vereinigung herrschte. Aber man muss sich klarmachen, dass alle Menschen, sogar Psychoanalytiker, denselben Arten von Druck ausgesetzt sind; wenn sie in Gruppen stecken, zeigen sie Wut, Neid und Konkurrenzgebaren, ob die Gruppe eine Gewerkschaft oder eine Bischofssynode ist (S. 455).“

Teil V: Die Nachkriegswelt, 1945 – 1960:

Melanie Klein spricht darüber, dass Freud in ‚Das Unbehagen in der Kultur‘ zugibt, ein Schuldgefühl sei vor einem Gewissen vorhanden, und es stamme nicht von einem entwickelten Über-Ich her. Sie räumt ein, dass ihre Theorien noch sehr viel Nachdenken erforderten, besonders bei der Unterscheidung, die sich aus inneren und äußeren Ursachen ergibt. […] aber sie war bereit, zu akzeptieren, dass das Baby von Anfang an einen vagen Begriff von der Mutter als Ganzes hat (S. 461).“ Sie hatte am Ende des Krieges in England tiefe Wurzeln geschlagen und ging nun daran, zahlreiche Abhandlungen zu verfassen, um ihre Theorien, oft unter Bezugnahme auf Siegmund Freud (wie bei obigem Zitat) zu konsolidieren. Gleichzeitig scharte sie ihre Anhänger:innen umso fester um sich: „Es wurde immer klarer, dass Melanie Klein einen bewußt dafür ausgewählt haben musste, wenn man ein ’Kleinianer‘ sein wollte (S. 473).“ Sie entwickelte sich zu einer Matriarchin, wie Grosskurth per Unterüberschrift mit vielen Zitaten aus unterschiedlichen Quellen belegt, und lehnte auch kleine Abweichungen von ihrer Lehre rigoros ab. Im Februar 1955 gründete sie eine Stiftung zur Förderung der psychoanalytischen Forschung und Lehre auf der Grundlage ihrer Konzepte, den Melanie Klein Trust. 600 Pfund Sterling und die Tantiemen von 16 Beiträgen eines Sammelbandes zu ihrem 70. Geburtstag dienten als Kapital.

Zwei Zitate mögen die weite Spanne zeigen, wie Melanie Klein auf andere wirkte: „Laing sagt, er teile die Einstellung von Sylvia Payne, Marion Milner und Winnicott zu Melanie Klein: eine Kombination aus Bewunderung und Ärger. Was den Brustneid angeht, hat sie nicht mehr Unrecht als Freud mit dem Penisneid oder Margaret Mead mit dem Neid auf den Mutterleib (womb envy) – es war gut, dass jemand auf die Dinge hingewiesen hat. […] Nicht allein Laing hielt ihre Anhänger für eine humorlose, überspannte Clique (S. 568).“ Hana Segal beschreibt eine andere Seite: „‘Sie war selber [sic] eine absolut hervorragende Psychoanalytikerin‘, sie besaß Intuition, kombiniert mit höchster Stabilität der Persönlichkeit als Analytikerin, jemand, mit dem man sehr schwer wetteifern und noch schwerer gleichziehen kann‘ (S. 571).“ Das machte sie bei all ihren Kontakten auch einsam, „[…] ‚selbst unter Freunden oder wenn man Liebe empfängt‘ (S. 583)“ wie sie 1959 in eigenen Worten schrieb. Melanie Klein starb am 22. September 1960 im University College Hospital in London an Dickdarmkrebs. Sie arbeitete bis zum Schluss an neuen und alten Ideen.

Diskussion

Phyllis Grosskurths Biographie von Melanie Klein trägt den Untertitel Ihr Leben und ihr Werk und wird diesem Ansinnen mehr als gerecht. Sowohl ihr Leben als auch ihr Werk werden mit vielen Ausflügen in die Originalquellen in allen Schattierungen illustriert. Stellenweise, z.B. in Teil III und VI schreibt die Autorin so ausführlich über den Einfluss von Zeitgenossen (z.B. Ernest Jones) oder zu Differenzen mit ihnen (Winnicott, Heimann, Bowlby), dass man sich fast in deren Biographien wähnt. Sándor Ferenzci, Karl Abraham, Sigmund und Anna Freud, Alix Strachey, Joan Riviere, Susan Isaacs, Edward Glover, Paula Heimann und viele weitere Psychoanalytiker:innen, mit denen Melanie Klein in Berührung kam, werden sehr facettenreich beschrieben. Das Buch zeichnet die Personen, die Psychoanalytischen Gesellschaften und deren Beziehungen untereinander in ihrer Zeit sehr umfangreich nach. Ebenso detailreich taucht Grosskurth in den Streit zwischen Anna Freud und Melanie Klein um die Deutungshoheit in der Psychoanalyse von Kindern ein. Das Buch entfaltet dadurch insgesamt ein Wechselspiel zwischen Biographie von Melanie Klein sowie Fachbuch und Zeitgeschichte der Psychoanalyse. Dies erklärt auch den Umfang des Buches (651 Seiten), welches dafür zahlreiche Originalquellen – v.a. herauszuheben sind die Briefwechsel und Interviews – ausführlich zu Wort kommen lässt. Dadurch werden Leben und Werk aus vielen unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Phyllis Grosskurth ist damit ein echtes Meisterwerk gelungen.

Fazit

Phyllis Grosskurth beschreibt in diesem Buch die Welt und das Werk von Melanie Klein. Sie verwendet zahlreiche, im Original zitierte Quellen und ermöglicht den Leser:innen so, sich durchgängig ein eigenes Bild zu machen. Biographie, fachliche Inhalte und Auseinandersetzungen sowie die Beziehungswelt vieler bekannter Psychoanalytiker:innen bis in die Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs, werden kenntnisreich ineinander verwoben. Dadurch ist ein Meisterwerk entstanden, welches trotz seines großen Umfangs durchweg spannend zu lesen ist.

Literatur

Goddemeier, C. (2010): 50. Todestag von Melanie Klein: Pionierin der Kinderanalyse. In: https://www.aerzteblatt.de/archiv/​50-todestag-von-melanie-klein-pionierin-der-kinderanalyse-eb436380-1c22-4e64-bf92-8e2d58ae9de4, abgerufen 22.08.2025.

Rezension von
Dr. Thomas Kowalczyk
Geschäftsführer COMES e.V., Berlin
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Es gibt 23 Rezensionen von Thomas Kowalczyk.

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ISSN 2190-9245