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Eckhart Neumann: Resonanz und spontane Entwicklung in der Psychotherapie

Rezensiert von Ursula Rasch, 07.07.2025

Cover Eckhart Neumann: Resonanz und spontane Entwicklung in der Psychotherapie ISBN 978-3-8379-3282-9

Eckhart Neumann: Resonanz und spontane Entwicklung in der Psychotherapie. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2023. 160 Seiten. ISBN 978-3-8379-3282-9. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.
Reihe: Therapie & Beratung.

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Thema

Die psychotherapeutische Beziehung ist bekannterweise einer der zentralsten Wirkfaktoren von Psychotherapie. Der Autor überträgt das aus der Soziologie von Hartmut Rosa beschriebene Resonanz Konzept auf die therapeutische Beziehung und beschreibt auf der Basis dieses Konzepts und mit spannenden Beispielen veranschaulicht Mikrofacetten des therapeutischen Heilungs- und Entwicklungsprozesses.

Autor

Eckhart Neumann, Dipl.-Psych., ist im Erstberuf Musiktherapeut. Inzwischen arbeitet er als Lehranalytiker und Psychotherapiegutachter. Er ist und war sowohl an Beratungsstellen tätig, arbeitet im klinischen Bereich und in freier Praxis. In zahlreichen Publikationen beschäftigt er sich mit Psychoanalyse, Kunst und Behandlungstechnik.

Buchaufbau und Inhalt

Das Buch ist in 8 große Kapitel aufgebaut, die jeweils wieder unterteilt werden.

Nach einer Einführung in die Thematik geht der Autor auf wichtige Begriffe detailliert ein: er führt den Begriff Resonanz ein und beschreibt ihn ausführlich, Formen von Resonanz werden dargestellt und Herr Neumann legt dar, was das Ausbleiben von Resonanz bedeutet.

Im Anschluss führt der Autor wichtige Grundlagen aus: Der Begriff Resonanz wird ausführlich – aus der soziologischen Sicht von Hartmut Rosa – erläutert aber auch im Zusammenhang mit der modernen Hirnforschung beschrieben. Der Autor geht dabei auf flankierende Grundlagen wie Mentalisierung, die Bindungstheorie, die Wichtigkeit von Selbstaktualisierung und Emergenz in der menschlichen Entwicklung – um nur einige zu benennen – genauer ein und beschreibt sowohl Dimensionen affektiver, als auch entwicklungsfördernder und entwicklungshemmender Resonanz. Dabei verlässt Neumann die bequemere, lineare Denkweise von Ursache und Wirkung und führt seine Leser zu einer systemischen Betrachtungsweise von Psychotherapie, in der Begriffe wie z.B. Attraktor Trajektorie oder Emergenz bedeutungsvoll sind und so ausführlich wie mit vielen Beispielen veranschaulicht und nachvollziehbar, beschrieben werden. Der Weg führt nun über die System- und Bindungstheorie zu Dimensionen affektiver, entwicklungsfördernder oder -hemmender Resonanz und schließlich zur Auseinandersetzung mit der Frage, wie – auf der Basis all dieser Grundlagen – in einer resonanten therapeutischen Beziehung so viel Sicherheit entstehen kann, dass diese für die jeweiligen Patienten entwicklungsfördernd ist. Hierbei werden – unter Beachtung einiger wichtiger psychodynamischer Wirkfaktoren – die Begriffe interpersonelle und intrapsychische Resonanz ausführlich beleuchtet.

Bevor der Autor in einem letzten Kapitel den beschriebenen Prozess in dem Gedanken: „wir Menschen sind nicht als Einzelwesen geschaffen. Nur in Begegnungen voller emotionaler Resonanz entwickeln wir uns – und das lebenslang.“ S. 167) zusammenfasst, widmet er sich im vorletzten Kapitel ausführlich dem Thema Behandlungspraxis.

Neumann veranschaulicht hier mit Beispielen aus Kultur und Alltag und auf der Basis der eingeführten Grundlagen und Begriffe den therapeutischen Prozess. Er stellt viele Fragen, aus denen sich, Antwort gebend, entwicklungsfördernde Gelingensbedingungen für einen resonanten therapeutischen Prozess herauskristallisieren.

Diskussion

Ich betrachte das Buch als eine ungemein sorgfältige Auseinandersetzung mit der Thematik, die den Leser in viele neue Perspektiven führt. Dies finde ich gleichermaßen spannend als auch wichtig, es stellt die Grundlage dafür dar, im therapeutischen Prozess lebendig zu bleiben und für jeden neuen Fall eine „eigene Therapie“ zu entwickeln.

Das Buch bietet ein Betrachten eigentlich bekannter Prozesse unter vielen neuen Blickwinkeln, auf der Basis neuer und ungewohnter Begriffe, nicht linear, sondern in unterschiedlichste Zusammenhänge gestellt.

Die Leser sind aufgefordert, sich einzulassen, neue Begriffe zu verstehen und in die altbekannte tägliche Arbeit der Psychotherapie zu übertragen.

“Thinking outside the Box” prägt die Lektüre dieses Buchs.

Die Darstellung dieser neuen Sichtweisen gelingt dem Autor phantastisch. Therapeutische Prozesse werden in Facetten betrachtet, langsam, sehr genau, nahezu mikroskopisch und äußerst spannend, mit faszinierenden Beispielen, häufig aus der Musik oder auch dem therapeutischen Alltag.

Das Konzept, das der Autor entwickelt, lässt keine neue Theorie entstehen. Herrn Neumann glückt allerdings eine ergänzende, erweiterte Perspektive auf therapeutisches Geschehen, ähnlich wie wenn man einen sehr bekannten Raum einfach einmal von einer anderen Seite her betritt.

Diesen Effekt empfinde ich persönlich bedeutsam und interessant zugleich, da ich glaube, dass eine gute Psychotherapie immer auch mit neuem betrachten, sich neu einlassen, einen Fall von ungewohnter Perspektive her denken in Verbindung steht.

Fazit

Das Buch von Eckhart Neumann ist keine leichte Kost, sondern eine Lektüre, in die man sich vertiefen und mit der man sich auseinandersetzen muss. Dann aber betrachte ich dieses Buch wie eine spannende Supervision, auf die man immer wieder einmal zurückkommt und von der man lange zehrt.

Rezension von
Ursula Rasch
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Es gibt 2 Rezensionen von Ursula Rasch.

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ISSN 2190-9245