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Marjan Alemzadeh (Hrsg.): Partizipatorische Eingewöhnung

Rezensiert von Dipl. Päd. Nicole Dern, Dr. phil. Bianca Bloch, 08.02.2024

Cover Marjan Alemzadeh (Hrsg.): Partizipatorische Eingewöhnung ISBN 978-3-451-39121-7

Marjan Alemzadeh (Hrsg.): Partizipatorische Eingewöhnung. Übergänge sensibel begleiten. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2023. 192 Seiten. ISBN 978-3-451-39121-7. D: 30,00 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 41,50 sFr.

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Thema

Im Mittelpunkt des Buches steht das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell für die Bereiche Krippe, Kita und Tagespflege als Teil einer Partizipatorischen Didaktik (vgl. hierzu auch Alemzadeh 2021). Ziel des neuen Eingewöhnungsmodelles ist es, Kindern und ihren Familien einen guten Start in die außerfamiliäre Betreuung zu ermöglichen sowie sie in dieser Übergangssituation achtsam, feinfühlig und bedürfnisorientiert zu begleiten. Damit wird für ein Umdenken in der Gestalt plädiert, dass alle Akteur*innen (Kinder, Eltern, Fachkräfte) aktiv am Eingewöhnungsprozess beteiligt werden. Dabei stehen die kindlichen und elterlichen Signale, die wahrgenommen und sensitiv-responsiv beantwortet werden, im Mittelpunkt des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells.

Die Zielgruppe für das 192-seitige Buch stellen v.a. pädagogische Fachkräfte dar. Darüber hinaus sind das vorgestellte Eingewöhnungsverfahren, seine theoretischen Grundlagen und Praxisbeispiele aber auch für angehende Erzieher*innen und Kindheitspädagog*innen sowie Kita-Leitungen, Weiterbildner*innen, Fachberatungen, Lehrende und interessierte Eltern relevant.

Herausgeberin und Autorinnen

Die Herausgeberin Marjan Alemzadeh ist Professorin an der Hochschule Rhein-Waal im Studiengang Kindheitspädagogik und darüber hinaus als Fortbildnerin im Bereich der FBBE (Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung) tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind pädagogische Handlungspraktiken, frühkindliche Bildungsprozesse, Beobachtung und Dokumentation, Transitionen und Partizipatorische Didaktik.

Die Mitautorinnen neben der Herausgeberin haben mit dem Bereich der FBBE zu tun und sind in verschiedenen Kontexten dort tätig: angehende Kindheitspädagoginnen (Studierende), Fortbildnerinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen.

Entstehungshintergrund

Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell wurde von Marjan Alemzadeh entwickelt, beruhend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Pädagogik der frühen Kindheit, der Bindungstheorie, der Transitionsforschung, der prä-/peri-/​postnatalen Psychologie und Traumapädagogik. Geprägt ist das Verfahren durch die pädagogische Grundhaltung des Wahrnehmenden Beobachtens und der damit verbundenen Partizipatorischen Didaktik. Es wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes (März 2021 – März 2023, finanziert von der Winzig Stiftung) erprobt. Dabei wurden elf Eingewöhnungsverläufe in fünf Einrichtungen forschend begleitet und darüber die Perspektive der Kinder, Eltern und Fachkräfte erfasst und aktiv in die Datenerhebung (über Sprachmemos) eingebunden. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden in Form des vorliegenden Praxisbuches zusammengetragen und für die alltägliche pädagogische Nutzung aufbereitet.

Aufbau

Das Praxisbuch beschreibt das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell für die Bereiche Krippe, Kita und Kindertagespflege und nimmt dabei eine theoretische Fundierung vor. Zusätzlich werden viele praktische Beispiele aus dem Bereich der FBBE gegeben, die einen Fokus auf kindliche Lern- und Bildungsprozesse sowie alltägliche Fachkraft-Kind-Interaktionen (auch in schwierigen Situationen) legen.

Hieraus ergibt sich eine Zweiteilung des Buches:

  1. Theoretische Einbettung (Teil 1): Stellt die Phasen des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells sowie die theoretischen Grundlagen vor. Zudem wird auf traumatische Erfahrungen im Eingewöhnungsprozess und notwendige Rahmenbedingungen für erfolgreiche Eingewöhnungen eingegangen. Darüber hinaus findet eine Einordnung des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells in die Partizipatorische Didaktik statt.
  2. Praktische Beispiele (Teil 2): Hier werden detailliert vier Eingewöhnungsverläufe nach dem Partizipatorischen Eingewöhnungsmodell beschrieben, die unterschiedliche Schwerpunkte haben bzw. den Fokus auf bestimmte Aspekte im Eingewöhnungsprozess legen (feinfühlige, inklusive, sicherheitsgebende und selbstständigkeitsgeprägte Eingewöhnung).

Gerahmt werden diese durch ein Vorwort (von Regina Remsperger-Kehm) und eine Einleitung sowie ein Schlusswort (durch die Herausgerberin).

Inhalt

Nach einem Geleitwort von Regina Remsperger-Kehm „Bereit für den Abschied?! – Kinder und Eltern feinfühlig begleiten“ wird in der Einleitung (Marjan Alemzadeh) auf den Entstehungshintergrund sowie die Notwendigkeit des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells eingegangen und das begleitende Forschungsprojekt, aus dem die praktischen Eingewöhnungsbeispiele stammen, vorgestellt. Die Struktur des Bandes wird kurz dargestellt. Eine Danksagung findet ebenfalls statt.

Teil 1 „Theoretische Einbettung“ des Buches besteht aus fünf Kapiteln, die auf verschiedene Aspekte von Eingewöhnung allgemein und des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells im Speziellen eingehen.

Im ersten Kapitel beschreiben Marjan Alemzadeh, Brigitte Forstner und Andrea Möllmann „Die Bedeutung einer bindungssensiblen Eingewöhnung“. Dabei wird zunächst kurz das Grundverständnis einer Partizipatorischen Didaktik dargestellt, bevor auf die Grundlagen der Bindungstheorie (u.a. Feinfühligkeit, Bindungsorganisation, Bindungs- und Explorationsverhalten, Bindungspersonen, sichere Basis und sicherer Hafen) eingegangen wird. Anschließend wird beschrieben, wie durch responsives Antwortverhalten (der pädagogischen Fachkraft) der Aufbau weiterer tragfähiger Beziehungen (neben der zur primären Bindungsperson) erfolgen kann und wie mit Hilfe des wahrnehmenden Beobachtens die Bedürfnisse der Kinder, aber auch der Eltern feinfühlig erkannt sowie sensitiv-responsiv begleitet werden können. Das letzte Unterkapitel ist von Corinna Scherwath verfasst und beschäftigt sich thematisch mit der „Selbststabilisierung – die Grundlage, um Familien emotional zu begleiten“. Dabei geht es darum, „wie die Fachkraft mit sich sein kann, um anschließend gut bei den Kindern und Eltern sein zu können“ (S. 20) und somit emotionale Sicherheit geben zu können. Dabei wird auf die Aspekte Selbstregulation und Ko-Regulation sowie die Stufen der Selbststabilisierung eingegangen. Die im ersten Kapitel dargelegten Grundlagen werden immer wieder in Bezug zum Partizipatorischen Eingewöhnungsmodell gesetzt und zu dessen Begründung genutzt.

Im Beitrag „Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell“ (Kapitel 2) werden zunächst von Marjan Alemzadeh die grundlegenden Überlegungen und theoretischen Hintergründe beschrieben, auf denen dieser interdisziplinäre Ansatz beruht. Auch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Münchener und Berliner Eingewöhnungsmodell angesprochen. Den Hauptteil des Kapitels bildet die sehr anschauliche und praxisorientierte Vorstellung der sieben Phasen des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells, die von Anna Lena Wollny begleitend illustriert wurden. Das konkrete Vorgehen bei der Umsetzung in der Einrichtung ist durch die praktischen Hinweise, Beispiele, Reflexionsfragen und Vorschläge sehr greifbar. Hierin eingebettet sind thematisch passend und ergänzend zwei Exkurse: „Peer-Interaktionen“ von Marjan Alemzadeh und „Gefühle dürfen sein“ von Kathrin Hohmann. Abschließend wird auf die Ziele des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells in der Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Eltern und seine Vorteile eingegangen.

Kapitel 3 „Wenn es mit der Eingewöhnung nicht klappt – Störungen früher Bindungserfahrungen oder traumatischer Stresszustände“ von Marjan Alemzadeh und Brigitte Forstner richtet den Blick auf mögliche traumatische Erfahrungen bei allen Akteur*innen (Kinder, Eltern, Fachkräfte), die innerhalb der Eingewöhnung reaktiviert werden und sie dadurch erschweren können. Zudem wird thematisiert und kurz beschrieben, welche Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten (in Form von verschiedenen Programmen oder therapeutischen Maßnahmen) es für unterschiedliche (traumatische) Ereignisse gibt, die die Eltern-Kind-Paare belasten. „Ziel ist es, das Beziehungssystem wieder zu stärken.“ (S. 71 f.)

Marjan Alemzadeh beschreibt im vierten Kapitel „Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell als Teil einer Partizipatorischen Didaktik“. Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell geht von einem Bildungsverständnis aus, das das aktive Subjekt in tätiger Auseinandersetzung mit der es umgebenden Welt zentral setzt. Hieraus ergibt sich die notwendige Schlussfolgerung, auch Transitionen – zumindest soweit es planbare Prozesse sind – für das Subjekt als aktive Bildungssituationen zu begreifen. Alemzadeh versteht das von ihr vorgestellte Eingewöhnungsmodell also im größeren Rahmen einer Partizipativen Didaktik verortet, die sich auf eine von Schäfer (2019) beschriebene „Kultur des Lernens“ bezieht. Die in diesem Kontext wesentlichen Aspekte von Selbstbildungs-, Beziehungs-, Sach-, Struktur- und Kulturpotenzialen werden von Alemzadeh jeweils prägnant erläutert und dann in Bezug auf die Eingewöhnung anhand praktischer Beispiele eingeordnet.

In Kapitel 5 stellen Jutta Daum und Marjan Alemzadeh „Notwendige Rahmenbedingungen und Unterstützungen für gelingende Eingewöhnungen“ vor. Die Standards des Partizipatorischen Eingewöhnungsmodells werden im Kapitel als Teil von Orientierungs- und Prozessqualität verortet, die jedoch nicht unabhängig von Strukturqualität zu betrachten sind. So werden in diesem Kontext in je eigenen Unterkapiteln neben der Finanzierungsstruktur und der organisatorischen Umsetzung der Eingewöhnung auch der Personalschlüssel, adäquate strukturelle Rahmenbedingungen und Ressourcen und die Qualifikation pädagogischer Fachkräfte aufgenommen. Als letzter Unterpunkt wird die mögliche digitale Unterstützung betrachtet. Neben einem kurzen Überblick über den möglichen Nutzen von Digitalisierung in Kindertagesstätten und den dafür notwendigen Voraussetzungen werden Tools im Kontext der Eingewöhnung (wie beispielsweise eine vereinfachte Kommunikation mit den Eltern) und Erfordernisse des Datenschutzes in den Blick gerückt. Die einzelnen Punkte des Kapitels werden jeweils in ihrer Bedeutung für qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit – insbesondere im Hinblick auf gelingende Eingewöhnungsprozesse – betrachtet. Der Beitrag schließt mit einem Resümee, welches die Verbindung zwischen kindlichem Wohlergehen und dem Wohlergehen der Fachkräfte im Anschluss an das erste Kapitel des Bandes noch einmal klar benennt und mit den hier dargestellten Aspekten zusammenführt.

Teil 2 „Praktische Beispiele“ des Buches gibt in Kapitel 6 „Eingewöhnungsverläufe nach dem Partizipatorischen Eingewöhnungsmodell“ nach einer kurzen Einführung der Herausgeberin Einblicke in vier unterschiedlich gelagerte Eingewöhnungsprozesse, die im Rahmen des Forschungsprojektes intensiv begleitet und erforscht wurden. Die vier Unterkapitel enthalten jeweils grundlegende Informationen, eine kurze Vorstellung der Einrichtung und die Darstellung des Eingewöhnungsverlaufs in den sieben Phasen des Modells (unterstützt durch Bilder). Die Phasen werden hierbei gemäß dem individuellen Verlauf der Prozesse teilweise zusammengefasst. Nach einigen Phasen regen Reflexionsfragen die Lesenden zum Nachdenken über die eigene Praxis an. Den Abschluss bildet jeweils die schematische Darstellung, die eine Übersicht über den Verlauf der sieben Phasen des Eingewöhnungsprozesses gibt.

Marjan Alemzadeh, Brigitte Forstner und Amelie Jakobs beschreiben in „6.1 Emir – eine von Feinfühligkeit geprägte Eingewöhnung in der Krippe“, den Eingewöhnungsprozess eines Krippenkindes. Hierbei wird auch deutlich, wie sensible Situationen in der Eingewöhnung (wie das Schlafen) im Sinne einer an kindlichen Bedürfnissen und Gewohnheiten orientierten Vorgehensweise gestaltet werden können.

Marjan Alemzadeh, Brigitte Forstner, Andrea Möllmann und Rabea Riesberg zeigen in „6.2 Edda – eine inklusive Eingewöhnung mit viel Freude“ den Eingewöhnungsprozess eines Kindes mit Trisomie 21 in die Kindergruppe einer inklusiven Kita.

In „6.3 Marie – Sicherheit geben trotz ambivalenter Gefühle während der Eingewöhnung“ nehmen Marjan Alemzadeh, Brigitte Forstner und Lauren Schmidt den Start eines Kindes in der Kleinkindgruppe eines Kinderhauses in den Blick, das bereits auf eine abgebrochene Eingewöhnung in einer anderen Kindertagesstätte zurückblickt. Der beschriebene Prozess verläuft aufgrund der feinfühligen Begleitung von Kind und Mutter trotz der (auch biographisch in der schwierigen Schwangerschaft begründeten) Verunsicherung der Mutter positiv.

Im abschließenden Fallbeispiel „6.4 Ida – eine von Selbstständigkeit geprägte Eingewöhnung“ wird von Andrea Möllmann und Brigitte Forstner berichtet, wie der Eingewöhnungsprozess eines vierjährigen Kindes mit Erfahrung in der Tagespflege begleitet durch den Vater in einer inklusiven Kitagruppe verläuft. Hierbei wird auch die familiäre Herausforderung aufgegriffen, während der Eingewöhnungszeit ein Geschwisterkind zu bekommen.

Die im Rahmen des Forschungsprozesses ausführlich dokumentierten Beispiele wurden für die Verwendung im Band gekürzt, zeigen jedoch schlüssig je einen Eingewöhnungsverlauf mit seinen jeweiligen Herausforderungen und demonstrieren, wie individuell dieser ist. Die hier benannten Stichpunkte können aufgrund dieser sowieso schon verdichteten Darstellung die Komplexität des jeweiligen Verlaufs nur bedingt wiedergeben. Es wird deutlich, wie das Modell einer Partizipatorischen Eingewöhnung diese komplexe Individualität auch in schwierigeren Phasen des Prozesses unterstützt, statt an einem starren Verlauf festzuhalten. Die Wichtigkeit, die Signale des Kindes zu lesen und den Stand der Trias Kind – Bindungsperson – pädagogische Fachkraft zu reflektieren, wird hier besonders deutlich.

Eine abschließende Rahmung des Bandes findet durch ein kurzes Schlusswort von Marjan Alemzadeh statt.

Diskussion

„Partizipatorische Eingewöhnung. Übergänge sensibel gestalten,“ schafft einen guten Überblick über die Partizipatorische Eingewöhnung. Der Fokus liegt hierbei auf der Perspektive des Transfers in die Praxis. Hiermit wird ein weiterer Baustein einer partizipatorischen Didaktik theoretisch fundiert sowie praxisnah und vielfältig dargestellt.

Praktische Bezüge in den klar formulierten Beiträgen der theoretischen Einbettung (Teil 1) dienen der Veranschaulichung sowie der Vertiefung der theoretischen Inhalte. Hierzu tragen auch die immer wieder aufgenommenen Querverweise zu anderen Kapiteln bei, die Zusammenhänge verdeutlichen, ohne die eigenständige Verständlichkeit des jeweiligen Kapitels zu schmälern.

Generell ist die Gestaltung der Texte durch das übersichtliche Layout sehr ansprechend. Die Integration von Schaubildern, Infokästen mit Definitionen und Erklärungen, Tabellen sowie eigens angefertigten Illustrationen von Anna Lena Wollny unterstützen die Aussagen der Texte ebenso, wie die aussagekräftigen Farbbilder von Eingewöhnungssituationen in den Praxisbeispielen. Der Transfer in den eigenen praktischen Kontext wird mit Tipps zum Weiterlesen und Reflexionsfragen unterstützt.

Insgesamt liegt mit dem Praxisbuch „Partizipatorische Eingewöhnung. Übergänge sensibel gestalten“ ein sehr gut verständliches und anschauliches Werk vor, welches für Tätige in pädagogisch-praktischen Zusammenhängen wie auch für Studierende und Lehrende geeignet ist und dem eigenen definierten Anspruch ein „Praxisbuch“ zu sein, welches die Erkenntnisse anwendungsbezogen zusammenstellt, in allen Punkten gerecht wird. Es bietet für mit dem Konzept einer Partizipatorischen Didaktik Vertraute wie auch für Personen, denen dies noch neu ist, interessante Aspekte, die zum Weiterdenken und Reflektieren einladen. Besonders bemerkenswert ist, dass es den Autorinnen gelingt, auch Themen wie Handlungserfordernisse auf verschiedenen Steuerungsebenen zu adressieren und damit eine über das konkrete Thema des Werkes hinausweisende Perspektive zu stützen, ohne dabei die klare thematische Orientierung verschwimmen zu lassen.

Auch wenn das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell auf den ersten Blick Ähnlichkeiten zum bereits vorhandenen Münchener Modell aufweist, ist es unserer Ansicht nach doch ein neuer Ansatz die Eingewöhnung pädagogisch zu gestalten. Zum einen zeigt sich dies in der theoretischen Fundierung, die einen besonderen Schwerpunkt auf die Bindungstheorie legt, bereits die Geschehnisse in der Schwangerschaft und bei der Geburt mit in den Blick nimmt und somit biografische Ereignisse als relevant für den Eingewöhnungsprozess betrachtet. Zum anderen in der pädagogischen Umsetzung selbst, die die Bedürfnisse der Kinder, Eltern, aber auch Fachkräfte berücksichtigt und aktiv in den Prozess mit einbezieht. Auch wenn alle Eingewöhnungen am Ende die sieben Phasen durchlaufen haben, wird kein Eingewöhnungsprozess dem anderen gleichen, da eine Individualisierung (bspw. im Tempo, im detaillierten Vorgehen, in den Unterstützungen oder in der Zusammenarbeit mit den Eltern) die Normalität darstellt. Möglich wird dies durch eine pädagogische Grundhaltung, die durch feinfühliges, sensitiv-responsives, bedürfnisorientiertes, flexibles, offenes Handeln und Interaktionsverhalten geprägt ist. Dies setzt eine hohe Bereitschaft zur genauen Beobachtung bzw. zum Wahrnehmenden Beobachten und zur (Selbst-) Reflexion auf Seiten der Fachkraft voraus.

Fazit

Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell stellt in unseren Augen eine pädagogische Bereicherung dar, da aufgrund der vertrauensvollen und sicheren Basis zwischen den beteiligten Akteur*innen der Grundstein für zukünftige kindliche Bildungs-, Lern- und Entwicklungsprozesse sowie eine gemeinschaftliche Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelegt wird. Es ist ein weiterer wichtiger Baustein einer Partizipatorischen Didaktik für das Feld der FBBE.

Quellen

Alemzadeh, M. (Hrsg.) (2021): Wahrnehmendes Beobachten. Partizipatorische Didaktik in Krippe und Kindertagespflege. Herder. Freiburgim Breisgau.

Schäfer, G. E. (2019): Bildung durch Beteiligung. Zur Praxis und Theorie frühkindlicher Bildung. Weinheim: Beltz Juventa.

Rezension von
Dipl. Päd. Nicole Dern
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Justus-Liebig-Universität Gießen
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Dr. phil. Bianca Bloch
staatlich anerkannte Kindheitspädagogin (M.A.)
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Es gibt 5 Rezensionen von Bianca Bloch.

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Zitiervorschlag
Nicole Dern, Bianca Bloch. Rezension vom 08.02.2024 zu: Marjan Alemzadeh (Hrsg.): Partizipatorische Eingewöhnung. Übergänge sensibel begleiten. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2023. ISBN 978-3-451-39121-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31244.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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