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Kristina Böhlke: Vom Mindset zum Bodyset

Rezensiert von Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe, 26.01.2024

Cover Kristina Böhlke: Vom Mindset zum Bodyset ISBN 978-3-86980-709-6

Kristina Böhlke: Vom Mindset zum Bodyset. Mit Körper-Biologik Emotionen selbstwirksam aktivieren und führen. BusinessVillage (Göttingen) 2023. 246 Seiten. ISBN 978-3-86980-709-6. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 36,95 sFr.

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Thema

Im Vorwort zu diesem Buch erklärt die Autorin, „warum Emotionen eine körperliche Angelegenheit sind und wie du dir diesen Umstand sehr praktisch zunutze machen kannst. (Sie verspricht)… du bekommst eine körperliche Gebrauchsanweisung zur Steuerung deiner Emotionen.“ (S. 13)

Wer kennt das nicht? Situationen, die emotional aussaugen; emotional wiederholt in dieselbe Falle laufen. Wie wäre es, „wenn du solche Situationen oder Personen an deinen Körper delegieren könntest, … wenn Gefühle und Emotionen … zusammenschrumpfen auf eine Antwort, die du mit einer Einstellung deines Körpers vornehmen kannst – mit deinem Bodyset?“ (S. 11)

„Der Körper hat oft eine Lösung, wenn der Verstand die Frage noch gar nicht richtig in Worte fassen kann.“ (S. 12) Logik ist immer langsamer als die Emotion. „Die Erfahrung, den eigenen Emotionen nicht mehr hilflos ausgesetzt zu sein, ist sehr stimulierend. … Es vermittelt eine neue emotionale Sicherheit … eine neue Ebene von Selbstwirksamkeit und – … Selbstermächtigung.“ (S. 10) Es ist die Wiederentdeckung angeborener Fähigkeiten.

Dieses Buch will einen anderen Blick auf Emotionen vermitteln und den Kopf entlasten. Die sogenannte Körper-Biologik sei sowohl hilfreich für Menschen, die sehr viel wahrnehmen als auch solche, die eher sachlich und nüchtern daher kommen.

Autorin

Kristina Böhlke ist promovierte Biologin, Emotionstrainerin und Organisationsberaterin. Sie war als Führungskraft unter anderem Staatsrätin in der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung.

Entstehungshintergrund

Die Autorin suchte nach einer Systematik für Intuition, Bauchgefühl und emotionale Kompetenzen. Dabei stieß sie auf ein Emotionstraining für Schauspieler:innen und entwickelte nach und nach diese „hier vorgestellte Gebrauchsanweisung für Emotionen … um tatsächlich Situationen … zu verstehen …, um … Botschaften … mit mehr Resonanz zu senden“(S. 15).

Aufbau

Das Buch hat 241 Seiten und neun Kapitel. Die ersten drei Kapitel befassen sich theoretisch mit Kommunikation und Emotion:

  • Kommunikation vom Kopf auf die Füße gestellt
  • Deine angeborene Menschenkompetenz wach küssen
  • Emotionen – Komplexitätsreduktion „Made by Body“

Das nächste Kapitel umfasst

  •  Eine körperliche Gebrauchsanweisung für die biologischen Grundemotionen

Die Kapitel fünf bis acht differenzieren diese Gebrauchsanweisung weiter aus:

  • Die Haltung bestimmt die Haltung – und umgekehrt
  • Deinen Körper eichen – die Selbstwahrnehmung schärfen
  • Der Ton macht die Musik
  • Wenn du die Emotion meisterst, meisterst du die Situation

Das letzte Kapitel beinhaltet:

  • Zusammenfassung und Ausblick

Das Buch endet mit einer Literaturliste.

Inhalt

Kapitel 1: Kommunikation vom Kopf auf die Füße gestellt.

In diesem Kapitel wird der Aufbau des Buches, der „Rote Faden“ der Körperlogik-Kette und die daraus folgenden Schwerpunkte genauer vorgestellt.

Ein Mensch kann nicht nicht kommunizieren! Kommunikation ist der Austausch von Information. Worte sind dabei nur Krücken – und evolutionsmäßig der jüngste Weg neben Körpersprache, Mimik und Emotion.

Das aus der Kommunikationstheorie bekannte Eisbergmodell wird umgedreht. Damit bringt die Autorin die „unbewussten Elemente von Kommunikation in eine körperlogische Reihenfolge. Die Reihenfolge der Elemente leitet sich aus dem Tempo ab, mit dem diese aktiv werden. Das Basiselement ist die Persönlichkeit …, es folgen die Emotionen … der Körper mit Körpertonus, Bewegungsmuster, Mimik und Gestik, gefolgt von der Atmung, die zusammen mit der muskulären Spannung die Stimme beeinflusst und am Ende das Wort“ (S. 20).

„Die Körperlogik-Kette beginnt mit der Persönlichkeit eines Menschen.“ (S. 22) Auf einen Impuls von außen reagieren wir individuell und unterschiedlich mit einer Emotion (Kapitel 2).

Die Aktivierung der Emotionen wird detailliert dargestellt und eingeübt (Kapitel 4). Der körperliche Zugang zur Emotion erstreckt sich auf Körper, Atmung, Stimme und Wort. Ist dieser Zusammenhang erst wiederentdeckt, kann er sofort genutzt werden. „Die Fähigkeit, auf alle primären Emotionen sofort zugreifen zu können, vergrößert deine emotionale Agilität und dein nutzbares Verhaltensrepertoire.“ (S. 32)

Zur Bedeutung der Atmung für das vegetative Nervensystem sagt die Autorin (Kapitel 7): „Man kann anhand der Stimme sehr gut hören, wie es einem Mitmenschen geht.“ (S. 23) So senden wir Informationen

  •  „durch das, was wir sagen
  • durch das, was der Körper sagt,
  • und dadurch, wie das Gesagte klingt.“ (S. 23)

Sie erklärt: „Jederzeit die richtigen Worte zu finden – das lässt sich am wirksamsten über die Emotion steuern“, (S. 24) und die gezielte Arbeit mit Emotionen ist Persönlichkeitsentwicklung und macht so unbewusstes Verhalten trainierbar (Kapitel 8).

Und „Wie mache ich Unbewusstes trainierbar?“ (S. 27) Dazu braucht es körperliche Durchlässigkeit, Selbstwahrnehmung und die Aktivierung der gewünschten Emotion. An Beispielen wird immer wieder erläutert, wie sich über das Bodyset auch das Mindset verändern lässt.

2. Kapitel: Deine angeborene Menschenkompetenz wach küssen

Wir lernen, was Empathie ist und wie der Körper – als Verbindung von Innen- und Außenwelt – als Resonanzkörper nützlich sein kann, denn „Wer die Emotion meistert, meistert die Situation.“ (S. 64)

Empathie ist „die ursprüngliche, vorsprachliche Form der interindividuellen Verbindung (de Waal 2011)“ (S. 38) und „Laut Duden… die Fähigkeit und die Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen“ (S. 39) Es ist wichtig die „feine Balance zwischen Mit-Fühlen einerseits, aber andererseits nicht Mit-Leiden zu finden. … Zu einer gut entwickelten Empathie gehört auch, dass ich in der Lage bin, meine eigenen Emotionen gut zu regulieren.“ (S. 39) Die Autorin beschreibt die Bedeutung der emotionalen Intelligenz nach Goleman und entwickelt daraus für ihr Körper-Biologik Konzept folgenden Vierklang:

  1. „Selbstwahrnehmung
  2. Selbststeuerung
  3. Fremdwahrnehmung (nach Goleman ‚soziales Bewusstsein‘)
  4. Fremdsteuerung (nach Goleman ‚Beziehungsmanagement‘)

Das Wunderbare ist: Alle Ebenen dieses Vierklangs nutzen die gleichen körperlichen Fähigkeiten“ (S. 41).

Im Folgenden wird die Funktion von Intuition am Beispiel des Bauchgefühls als unbewusste biologische Resonanz, ausgelöst durch Spiegelneuronen, erläutert. Der Begriff Bauchgefühl steht für die Verbindung von Magen-Darm-Trakt und Gehirn mittels des Vagus-Nerves (Kapitel 3). „Mithilfe der Kenntnis und bewussten Unterscheidbarkeit der Emotionen als Handlungstreiberinnen im körperlichen Sinne bekommt dein Bauchgefühl System“ (S. 44). Und lässt sich nach der Gebrauchsanweisung (Kapitel 4) dann auch einsetzen.

„Es ist Übungssache, die emotionale Verfassung des anderen bewusst wahrzunehmen und in meine Kommunikation einzupreisen.“ (S. 54)

Es hilft sich „klar zu machen, dass hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis steckt und hinter jedem Bedürfnis die Veranlagung der Persönlichkeit. Mich … darauf einstellen zu können, entweder, indem ich meinem Gegenüber emotional entgegenkomme oder indem ich bewusst einen anderen energetischen Trigger setze, beschleunigt die Arbeit ungemein.“ (S. 63)

3. Kapitel: Emotionen – Komplexitätsreduktion „Made by Body“

Hier werden die Emotionen entwicklungsbiologisch erklärt und der Zusammenhang bzw. Unterschied zu Gefühlen wird dargestellt. Am Ende gibt die Autorin den Emotionen Freude, Trauer, Lust, Angst, Aggression, Ekel neue Namen, die den biologischen Nutzen beschreiben und damit auf die Arbeit in Kapitel 4 hinführen.

Was ist eine Emotion? Mithilfe der Empathie wird eine Emotion wahrgenommen, als körperlicher Zustand, als Energie, die in Bewegung umgesetzt werden will. So definiert die Autorin Emotionen als Handlungstreiber. Wie das auf der Körperebene funktioniert, wird anhand der Polyvagal-Theorie nach Porges erklärt. Entscheidend dafür ist der Vagusnerv, der das Gehirn mit allen Organen im Körper verbindet.

Emotionen sind ansteckend (im Gegensatz zu Gefühlen) und im ganzen Körper anwesend. „oder warst du schon einmal nur im linken Arm traurig?“ (S. 74) „Gefühle, das ist zunächst ein Abbild dessen, was in deinem Körper abgeht und als Zweites die Interpretation deines Gehirns dazu.“ (S. 75) Das vermischt sich dann mit Erfahrungen, Bewertungen und so entstehen Gefühle, auch unerwünschte.

Eine Tabelle und eine Frageliste (S. 80) erleichtern die Unterscheidung von Emotion und Gefühl. Ebenso erläutert die Autorin, dass es keine negativen Emotionen gibt. Emotionen dienen (immer) der Selbstermächtigung.

„Um sprachliche Verwechslungen und das Triggern von individuellen Gefühlen zu vermeiden“, gibt die Autorin den Emotionen neue Namen, diese lauten:

  • „die Loslassemotion
  • die Vertrauensemotion
  • die Kreativitätsemotion
  • die Risikoemotion
  •  die Durchsetzungsemotion
  • die Abgrenzungsemotion“ (S. 83)

„Mit diesen sechs Grundemotionen … lässt sich jede (herausfordernde) Situation unmittelbar in deinem Sinne beeinflussen.“ (S. 85)

Der Zugang über den Körper ist schneller und nachhaltiger. Im nächsten Kapitel folgen Übungen dazu.

4. Kapitel: Eine körperliche Gebrauchsanweisung für die biologischen Grundemotionen

Dies ist das Herzstück des Buches.

Wie funktioniert die wirkliche Ver-Körper-ung der Emotion? „Der körperliche Zugang … besteht … darin, das zugehörige innere Organ zu aktivieren und die getriggerte Energie in alle Körperteile strömen zu lassen.“ (S. 89) Diese Körpertechnik basiert auf der Beteiligung des autonomen Nervensystems an sozialen Interaktionen. Normalerweise sind die Basis- Emotionen unbewusst, deshalb ermuntert die Autorin, diese vielleicht nur schwach wahrnehmbaren Veränderungen zuzulassen.

Sie bietet dafür mehrere Zugänge an und stellt die sechs genannten Emotionen nach folgendem Schema vor:

  1. Biologischer Nutzen der Emotion
  2. Unterschiedliche Intensitäten (mittels Tachometer dargestellt)
  3. Gebrauchsanweisungen (die körperliche Umsetzung inklusive Mimik)
  4. Somatische Marker
  5. Typische Gefühle der Emotion (eigentlich: die ausgelöst werden)?
  6. Einsatzgebiete der Emotion mit einem Beispiel

Ich stelle hier als Beispiel die Abgrenzungsemotion näher vor.

Der biologische Ursprung ist die Vermeidung schädlicher Nahrung. „Das Bedürfnis nach Distanz kann sich beziehen auf Lebensmittel, aber auch auf die Tante …“ (S. 113) Wir brauchen diese Emotion, um uns abzugrenzen, „je nach Persönlichkeit ist unser Distanzbedürfnis unterschiedlich …“ (S. 114) und die Intensitäten dieser Abgrenzung reichen von cool sein, ironisch sein, kritische Distanz zu klar „Nein“ sagen, weiter zu Abgrenzungsgesten und Abschütteln. Diese Ausprägungen werden auf dem Tachometer grafisch verdeutlicht. „Die Abgrenzungsemotion hat eine rückwärts gerichtete … Abstand-schaffende-Richtung. Diese Energie wird durch den, Richtung Wirbelsäule gezogenen, Magen getriggert. … es geht um Distanz herstellen.“ (S. 116) Die Mimik dazu lässt sich mit „Skepsis“ beschreiben, zur Verdeutlichung dient eine Gesichtsskizze.

Als somatische Marker werden benannt: Die Atmung wird flacher, das Kinn zieht Richtung Hals, der Kopf oder Körper hat einen Impuls sich wegzudrehen. Bei der Beschreibung der Gefühlslage zur Abgrenzungsemotion tauchen unter Umständen Muster anderer Emotionen auf, die mit der Biografie des Menschen zu tun haben: da brauchte jemand andere Strategien, weil auf das Nein ohnehin keiner gehört hat. Hier empfiehlt die Autorin die physische Abgrenzung des einmischenden Organs (quasi eine doppelte Abgrenzung!). Das liest sich vielleicht seltsam: Ich vermute, man sollte das ausprobieren, sonst bleibt es theoretisch und nicht nachvollziehbar. Die Autorin äußert Verständnis für entsprechende Vorbehalte, weil sie die selbst anfangs auch hatte.

Als Einsatzgebiete für die Abgrenzungsemotion werden genannt:

  • „sich einen Überblick verschaffen/den Überblick bewahren
  • auf der Sachebene bleiben
  • Grenzen setzen,
  • ‚Nein‘ sagen – Übergriffe vermeiden.“ (S. 118)

Das Kapitel endet mit einer Übersicht, welchen Nutzen jede Emotion bietet und durch welche Organe sie getriggert (angesprochen) wird. Wenn man die somatischen Marker erkennt, ist eine Steuerung möglich. „Fazit:

  • Jede Grundemotion hat ihr eigenes körperliches Muster und das lässt sich gezielt trainieren.
  • Emotion ist ganzkörperlich und ist die Grundlage für eine authentische Kommunikation.
  • Emotion ist extrem schnell und verändert die Kommunikation sofort.“ (S. 132)

5. Kapitel: Die Haltung bestimmt die Haltung – und umgekehrt

„In der Körperlogik-Kette folgt auf die Emotion der Körper. Der Körper erhält von Persönlichkeit und Emotion konkrete Bewegungsimpulse. … Die dadurch entstehende Körperhaltung beeinflusst meine innere Einstellung, so wie umgekehrt …“ (S. 134).

In diesem Kapitel geht es um die körperliche Durchlässigkeit und die Strukturen, die uns dabei helfen, nämlich Faszien, Brustbein, Zwerchfell, Kehle, Kiefer und Zungenwurzel. Diese Strukturen setzen je nach Funktion unsere Emotion um. (Ich beiße die Zähne zusammen oder atme flach).

Die Autorin beschreibt ausführlich die Muskel-Faszien-Struktur sowie die anderen Organe für die Bedeutung auf unsere Wahrnehmung.

Die folgenden Körper-Übungen, die Autorin nennt sie Body-Hacks, machen durchlässig für die Energie der Emotionen, das fördert die Selbst- und Fremdwahrnehmung, und damit die Wirksamkeit in der Kommunikation.

Die Body-Hacks „Den Alltag abschütteln, Aushüpfen, die Kehle befreien“ kann man als Aufwärmprogramm betrachten. Darauf werden drei Body-Hacks für die Faszien vorgestellt: die Reset-Übung, das Aktivieren der Seitenfaszien und der Faszien der Körper-Vorderseite.

Die Beschreibung des letzten Body-Hack in diesem Kapitel „Aufrecht-entspannte Haltung“ ist sehr ausführlich, auf acht Seiten inkl. Beispiel empfiehlt die Autorin das Üben mit einem Gegenüber, um Feedback zu erhalten. Sie sieht in der „Aufrecht-entspannten-Haltung ein Paradebeispiel dafür, das präzises körperliches Arbeiten eine Hebelwirkung auf andere Bereiche hat.“ (S. 158) Im Ergebnis verbessern sich Präsenz und Ausstrahlung als Voraussetzung für wirksame Kommunikation.

6. Kapitel: Deinen Körper eichen – die Selbstwahrnehmung schärfen

Hier beschreibt Kristina Böhlke die Funktion der fünf Sinnesorgane als Antennen für die Umwelt, sodann als sechsten Sinn die Faszien sowie das Zwerchfell als Resonanzorgan. Vorangestellt wird der Spruch des indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti „Die Fähigkeit, zu beobachten, ohne zu bewerten, ist die höchste Form der Intelligenz“ (S. 166).

Viele Menschen haben verlernt, ihren Wahrnehmungen zu trauen. Die Autorin möchte diese Fähigkeiten wieder mehr ins Bewusstsein heben. Sie beschreibt

  • Sehen für die visuelle Information,
  • Hören fürs Akustische und Nuancen in der Stimme (und damit Stimmung),
  • Riechen für olfaktorische Informationen,
  • die Zunge für das Schmecken und Tasten und
  • die Haut als Temperatur-, Tast- und Schmerzsinn.

Neben bekannten Sprüchen: ‚der hört das Gras wachsen‘, ‚die beiden konnten sich noch nie riechen‘ erhalten wir eine Menge an Hinweisen, wie wir unsere Wahrnehmung genauer beobachten und nutzen können.

Der sechste Sinn, die Faszien, sind durchsetzt „von Hunderten Millionen von Sinnesrezeptoren für die Eigenwahrnehmung … (man) nennt die Faszien ein ‚sensorisches und emotionales Organ‘“(S. 181). So wird auch verständlich, dass die emotionale Verfassung etwas Ganzkörperliches ist.

„Die Wahrnehmungsschärfung hilft dir, aktiv mit Energien im Raum arbeiten zu können.“ (S. 183). Dazu bietet die Autorin wieder ein paar Body-Hacks an.

Wie wird der Körper nun zum Resonanzkörper? Hier kommt das Zwerchfell in den Fokus: Dieser „Wundermuskel ist (nicht nur) verantwortlich für den mechanischen Teil der Atmung“ (S. 192), sondern „trägt zu dem bei, was wir Bauchgefühl nennen“ (S. 193), sofern es empfangsbereit ist. Es wird zum Sinnesorgan, „wenn es um den Raum und die anderen Menschen im Raum geht“ (S. 197).

Auch hier kommen Körperübungen zum Einsatz, vor allem solche aus Schauspiel-Ausbildungen, die ein körperliches Synchronisieren und auf gleicher Frequenz schwingen zum Ziel haben. Solche Übungen eignen sich gut für Teams und Gruppen(-fortbildungen).

7. Kapitel: Der Ton macht die Musik

Hier behandelt die Autorin den Zusammenhang von Atem, Stimme und Wort. Dieser zeigt sich in vielen Alltagssprüchen wie ‚atme erst mal tief durch‘, ‚da bleibt mir die Luft weg‘, oder auch ‚das ist mir zu abgehoben‘, ‚Augen zu und durch‘, ‚Augenhöhe‘ usw. usf.

„Unsere Körper strahlen unsere emotionale Verfassung aus, Mimik und Gestik leisten gute Dienste …“ (S. 215) „Über die Körperlogik-Kette überträgt sich meine aktuelle emotionale Verfassung auf die Art, wie ich klinge“ (S. 200). Denn „Stimmbänder sind letztlich auch nur Muskeln, die … auf die Emotion reagieren …“ (S. 202). „Wenn der Dreiklang Emotion – Körpersprache – Worte zueinander passt, dann bist du authentisch“ (S. 201).

Die Autorin empfiehlt sich zuerst der Atmung als „zentraler Ausdruck deines körperlichen Befindens“ (S. 204) zuzuwenden. Denn umgekehrt lässt sich durch die Atmung der emotionale Zustand beeinflussen. Dies lässt sich mithilfe dreier Body-Hacks trainieren und üben.

Ziel dabei ist es, emotionalen Stress abzuschütteln, Kopf und Körper zur Ruhe kommen zu lassen als Voraussetzung für Präsenz. Dann ist es laut Autorin möglich, verschiedene Emotionsorgane anzusteuern (zu triggern), um bestimmte Botschaften zu kommunizieren. Sie verspricht: „Hast du die richtige Emotion in der Stimme, macht dich das authentisch …“(S. 215). Denn Worte sind nur Krücken und alleine nicht eindeutig. Außerdem verbinden wir je nach Biografie (und auch kulturellem Hintergrund) unterschiedliche Dinge. Damit bekommt der Begriff Körpersprache eine umfassendere Bedeutung, die sich in dem Begriff Bodyset spiegelt. Viele Beispiele helfen bei der Bewusstmachung von Emotionen und runden das Kapitel ab.

8. Kapitel: Wenn du die Emotion meisterst, meisterst du die Situation

Jetzt zeigt die Autorin verschiedenste Möglichkeiten der Bodysets als „Körperwerkzeug“ für gelingende Kommunikation. Das geht von Mitarbeitendengesprächen (für beide Seiten) über Nein-Sagen und Konfliktbearbeitung bis zum Bühnenauftritt. Neben diesen situativen Beispielen hilft emotionale Agilität auch im Umgang mit verschiedenen Persönlichkeitstypen. „Finde dein Bodyset, das dich entspannter mit den für dich herausfordernden Personen umgehen lässt.“ (S. 231)

9. Kapitel: Zusammenfassung und Ausblick

Das letzte Kapitel fasst alles Bisherige sehr gut zusammen und eignet sich daher auch, um mal zwischendurch den Zusammenhang zu erinnern oder zu überblicken.

Die Autorin plädiert, die „angeborene Körperintelligenz wieder wach zu küssen“ (S. 235). Das hilft denen, die bereits mit emotionaler Intelligenz gut ausgestattet sind, ihre Intuition noch systematischer zu nutzen. Wer eher unsicher im Spüren ist, lernt „sicher und zuversichtlich durch die eigenen Wahrnehmungen und Emotionen zu navigieren.“ (S. 236)

Diskussion

Für wen ist dieses Buch?

Laut Buchdeckel bietet die Autorin eine „Gebrauchsanweisung für den eigenen Körper“ und verhilft zu emotionaler Agilität, „im Coaching, im Consulting, im Führungsalltag oder vor Publikum.“ Damit ist die Zielgruppe beschrieben.

Das Layout ist lesefreundlich, Grafiken verdeutlichen den Inhalt bei den Emotions-Beschreibungen und Übungen. Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung und konkreten Lesetipps.

Auch wenn sich die Autorin sehr um einen roten Faden bemüht, verwirren die viele Vor- und Rückbezüge und Querverweise manchmal.

Das neue und Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich die (Um-)Benennung der Emotionen. Ob das hilfreich ist (gegen be-wertende Voreinstellungen) oder doch zur Verwirrung beiträgt, kann jede:r für sich selbst herausfinden. Auch die neuen Namen Durchsetzen, Risiko, Loslassen usw. haben Bewertungspotenzial.

Die Einladung zur Reflexion der Emotionen kommt an, die Erfahrung der Körperübungen bleibt theoretisch bzw. hängt von der Initiative der Leser:in ab. Der Begriff Body-Hack sagt mir nicht so zu, ‚praktische‘ oder ‚Körper-Übung‘ oder nur ‚Übung‘ fände ich angenehmer.

Bezugnehmend auf Kapitel 2 letzter Absatz beschleunigt die Arbeit mit dem Bodyset ungemein. Schnell sein ist kein Qualitätsmerkmal an sich. Ist es immer so förderlich zu beschleunigen? Ich kenne auch den Ansatz, dass für eine gelingende Kommunikation Entschleunigung oder Verlangsamung nützlich sein können.

Das Buch setzt eine Menge an Reflexionsfähigkeit und einiges an sozialpsychologischen Kenntnissen voraus. Als Beispiel sei die Diskussion zum Unterschied von Emotion und Gefühl genannt.

Diese „Gebrauchsanweisung“ ist vermutlich erst komplett, wenn man auch die Körperübungen kennenlernt.

Fazit

Mich hat das Buch neugierig gemacht, meinen Emotionen genauer nachzuspüren, und mir mehr Bewusstheit dafür anzutrainieren. Im Februar werde ich daher an einem Workshop der Autorin teilnehmen.

Rezension von
Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe
Mediatorin, tätig im Psychosozialen Dienst der Friesenhörn GmbH
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Es gibt 29 Rezensionen von Sabine Kamp-Decruppe.

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Zitiervorschlag
Sabine Kamp-Decruppe. Rezension vom 26.01.2024 zu: Kristina Böhlke: Vom Mindset zum Bodyset. Mit Körper-Biologik Emotionen selbstwirksam aktivieren und führen. BusinessVillage (Göttingen) 2023. ISBN 978-3-86980-709-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31308.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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