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Marie-Theres Gallnbrunner, Isolde Schediwy et al.: Kunsttherapie als Selbsterfahrung

Rezensiert von Svenja Rehse, 24.11.2023

Cover Marie-Theres Gallnbrunner, Isolde Schediwy et al.: Kunsttherapie als Selbsterfahrung ISBN 978-3-99002-157-6

Marie-Theres Gallnbrunner, Isolde Schediwy, Marion Bugelnig-Berger, Alexandra Reis: Kunsttherapie als Selbsterfahrung. Ein neuer Blick auf mich. Maudrich Verlag (Wien, München, Bern) 2023. 2. Auflage. 215 Seiten. ISBN 978-3-99002-157-6. D: 28,90 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 26,60 sFr.

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Thema

Das Buch: „Kunsttherapie als Selbsterfahrung – ein neuer Blick auf mich“ gibt einen breiten und praxisnahen Einblick in gestalterische Aufgabenstellungen, die der Selbsterforschung dienen und das eigene Leben mit entsprechend angeleiteten und eingängig erklärten kreativen Impulsen neu entdecken helfen. Dabei gehen die Impulse der Autorinnen über das Zeichen und Malen hinaus und beziehen auch verwandte andere Disziplinen wie Schreiben, Tanz/Bewegung und Körperarbeit ein.

Das Buch bietet eine Fülle an Annäherungen an Themen, die jeden Menschen betreffen und die jedermann/​-frau auch ohne Begleitung bearbeiten und mit den angebotenen Materialien umsetzen kann. Es ist an Einzelpersonen aber auch beraterisch oder therapeutisch Tätige gerichtet. Manche, jedoch wenige Aufgaben erfordern eine*n Partner*in. Alle Aufgabenstellungen sind geeignet, Menschen selbstverantwortlich zu einer kreativ-gestalteten Aussage zu inspirieren. Tiefgängigere Themen finden sich daher wenige, und diese sind jeweils mit dem Verweis auf mögliche und ggf. nötige Therapie wie fachliche Begleitung ausgewiesen. So kann das Buch generell frei genutzt und die Aufgaben persönlich-individuell-eigenständig durchgeführt werden.

Es kann gleichermaßen auch ein Einstieg sein, sich mittels des Buchs an die angebotenen Methoden zu gewöhnen und ggf. später eine geschulte Begleitung anzufragen, zum Beispiel um auch tiefergelegene Themen gestalterisch auszuloten. Beratende und therapeutisch Tätige können es als Inspirationsquelle nutzen. Es ist also ein Buch, was niedrigschwellig angelegt ist und dennoch Erlebnisse und Erkenntnisse verspricht und zur Weiterarbeit einlädt. Die Selbstachtsamkeit der lesenden und gestaltenden Person und deren Selbstfürsorge werden vorausgesetzt. Die angebotenen Themen sind unverfänglich und ohne Vorkenntnisse aber auch ohne „Angst vor dem Unbewussten“ zu bearbeiten. So ist es ein Buch, das Kraft und Energie als persönliche Ressourcen aktiviert und dazu eine Fülle an methodischen Beispielen für die persönliche Selbsterfahrung anbietet.

Autor:in oder Herausgeber:in

Das Buch „Kunsttherapie als Selbsterfahrung“ ist herausgegeben von einem kunsttherapeutisch ausgebildeten Frauen-„kollektiv“ ARTandMOOR. Es sind Frauen, die sich seit vielen Jahren zusammengeschlossen haben und in die Publikation ihre je eigene kunsttherapeutische Sichtweise und Schwerpunkte einbringen. Die Lebens- und auch Berufsbiografien sind sehr unterschiedlich und tragen daher zu einer Fülle an Herangehensweisen und Impulsen in dem Buch bei. Alle haben, teils mehrere, unterschiedliche Herkunftsberufe und (kunst-)therapeutische Aus- und Weiterbildungen. Vier Frauen: Marie-Theres Gallnbrunner, Isolde Schewidy, Marion Bugelnig-Berger, Alexandra Reis sind Herausgeberinnen, drei: Gabriele Hütter, Siegried Jamning und auch Karin Wetschanow (ARTandMoor assoziiert) sind ausschließlich beitragende Autorinnen.

Entstehungshintergrund

Die gemeinsame Ausbildung zur phronetischen Kunsttherapeutin nach Irmgard Maria Starke (1980er Jahre) an der Wiener Schule für Kunsttherapie brachte das Autorinnenkollektiv zusammen. Phronetik steht für eine ganzheitliche Methodik aus energetischen, systemischen und tiefenpsychologischen Elementen in Theorie und Praxis mit dem Ziel die Selbstheilungskräfte des Menschen zu wecken, zu fördern und zu stärken. Körper-Seele Geist-Einheit und die Qualität menschliche möglicher Beziehung stehen für diesen Ansatz, der auch in dem vorliegenden Buch deutlich und durch Beispielaufgaben deutlich gemacht wird.

ARTandMOORE gründete sich nach gemeinsamen Arbeitstreffen im Ibner Moor, was auch dem Namen Pate stand. Kennzeichnend und maßgeblich auch für die Beiträge im Buch sind die folgenden Leitlinien der Zusammenarbeit des Autorinnenkollektivs und ebenso Kennzeichen ihrer Arbeit mit KlientInnen:

  • Ein gemeinsames Suchen mit allen Sinnen im „Innen“ und „Außen“ – im „Zwischen“.
  • Ein Bergen und Entbergen von Sicht- und Unsichtbarem,
  • Ein Schließen von Lücken
  • Ein Überwinden von Sprachlosigkeit, Ein Schaffen von Nähe und Distanz
  • Führt vom Einzelerleben zum geteilten Erleben,
  • Bietet Beistand,
  • Ermöglicht Raum für Diskurs – Konsens – Dissens…
  • Schafft Sinn, Sinnzusammenhänge und Bedeutungsgeschichten.

Aufbau

Das Buch „Kunsttherapie als Selbsterfahrung“ mit Hardcover umfasst 215 Seiten, gedruckt auf stabiles, hochwertiges Papier und mit teils farbiger Aufmachung der Schrift, Farbseiten und Bildern sowie Zeichnungen zu den Übungen. Weiterer Bonus sind bereitgestellte Audiodateien, die auf der letzten Seite in die kostenfreien Facultas App leiten, einmal per Link, als Bild und QR-Code zum Download.

Der gemeinsame Weg und der Wunsch, die Reflexion über sich selbst die als überaus bereichernd erlebt wird, mit vielen Interessierten zu teilen liegt dem Projekt zugrunde. Trotz ihrer unterschiedlichen Ausbildungswege und Werdegänge verbindet alle Autorinnen eine gemeinsame Fortbildung als Phronologische Kunsttherapeutin, die das vorliegende Buch: „Kunsttherapie als Selbsterfahrung“ letztlich hervorgebracht hat.

Der Einstieg über die persönlichen Intentionen weckt Interesse und die Frauen sind am Ende des Buches mit Foto und Lebenslauf/​Kunsttherapeutischen Schwerpunkt anschaulich und individuell porträtiert. Es sind unterschiedliche und bunte Lebensläufe und Themenschwerpunkte, die neugierig machen auf deren Impulse für die kreative Gestaltungen.

Folgerichtig decken die Gestaltungskapitel einerseits Bereiche des Ich-Seins und der Persönlichkeit wie:

  • Teil I Annähern
  • Teil II Vertiefen und Verdichten von Erleben
  • Teil III Mein Ich, wie zeigt es sich?
  • Teil IV Atem – Kunst, ein Sprechen und Hören
  • Teil V Magie, unartig sein, Chaos
  • Teil VI Identität zeigt sich im Ich, und Du, im Wir
  • Teil VII Innenwelten, Außenwelten, Gefühlswelten
  • Teil VIII Tiefer tauchen, Schätze bergen zwischen Schreiben und Gestalten

ab und bieten andererseits auch verschiedene methodische Bereiche.

Die Themen und Methoden sind frei wählbar und sprechen die Lesenden möglicherweise auch unterschiedlich stark an: das Buch erfordert grundsätzlich keine chronologische Bearbeitung und die Vielfalt der Themen und Methoden kann und darf zu eindeutigen Präferenzen führen. So fordert und fördert bereits der Einstieg in die eigene Arbeit Entscheidungen und beinhaltet ebenso eine klare, vielleicht auch spontane Einschätzung über Vorlieben und Abneigungen – zum Beispiel, wenn man das Buch nach aktueller Stimmung und Lebensthema nutzen und nicht komplett und nacheinander durcharbeiten möchte. Nicht alle Kapitel sprechen alle Lesenden gleichermaßen an, doch die Möglichkeit, sich langsam einzuarbeiten und dann auch an fremdes Gebiet anzunähern und auch Ungewohntes auszuprobieren ist ein Reiz des Buches. Dennoch macht eine chronologische Bearbeitung inhaltlich Sinn.

Das Buch beginnt mit einer übersichtlichen Einleitung von insgesamt 43 Seiten, in der der Prozess des Buches und die Produzentinnen aber auch Tipps zum Arbeiten, Impulse zu Umgang, der Gestaltung und einführende Worte zu Körperlichkeit, Sprache und Kreativität anschaulich beschrieben sind.

Alle acht Kapitel des verbindet eine vorangestellte, pastellfarbige Buchseite von Marie-Theres Gallnbrunner, betitelt „Farbgedicht“, zu der jeweils dieselben folgenden Fragen gestellt und in ca. 10 Minuten Zeitvorgabe/​Schwierigkeitsgrad I beantwortet werden: Wie wirkt diese Farbe auf Sie? Welche Assoziationen haben sie dazu? Wie würden Sie diese Farbe nennen? Die farbige Seite lädt Sie dazu ein, ein Gedicht hineinzuschreiben, zu kritzeln, zu zeichnen. Insgesamt beinhaltet das Buch sieben dieser Farbseiten, die geschriebenen Worte dürfen am Ende miteinander verglichen werden. Dabei sind folgende Leitfragen genannt: Wie sehr haben Sie sich auf die unterschiedlichen Schwingungen einlassen können? Gab es eine Farbschwingung, die Ihnen näher war; eine andere, die Ihnen eher fremd ist? Wie hat die Farbe das von ihnen Geschriebene schließlich beeinflusst?

Die Farbschwingungen umfassen die Töne im Bereich lila und Variationen, rosa und Variationen und ein blaugrauton. Diesbezüglich Standpunkte und Worte zu finden ist eine der vielen spannenden Aufgaben und Herausforderungen des Buches.

Es bietet weiterhin über 70 kurze und längere Übungen und fokussiert durchgängig das Thema Achtsamkeit, auf sich selbst hören und sich selbst mitteilen. Hierzu werden Bilder, Zitate, Kurzanleitungen geboten. Audio-Übungen, Gestaltungsvorlagen und weiterführende Links sind als Bonus beigefügt.

Inhalt

Das Buch: Kunsttherapie als Selbsterfahrung. Ein neuer Blick auf mich führt in acht Kapiteln durch die verschiedenen musisch-ästhetisch-künstlerischen Möglichkeiten und Methoden, das eigene Leben und die eigenen Gefühle zu spüren und mittels einfacher gestalterischer Techniken in Bild, Wort, Tanz, Meditation umzusetzen und so neu und anders zu erleben. Darüber hinaus bietet es eine umfangreiche Einleitung, in der das Buch nicht nur vorgestellt wird, sondern auch als Anleitung zur Handhabung wichtige Impulse gibt und Lesende sehr intensiv auf die selbstständige Arbeit mit dem Buch vorbereitet. Weiterhin gibt es einen Anhang mit Materialien für die Übungen, eine umfangreiche Literaturliste zur persönlichen Weiterarbeit und Vertiefung sowie Informationen über die Herausgeberinnen und Autorinnen und ihren fachlichen Hintergrund. Audiodateien mit Link und QR-Code zum kostenfreien Download sind ebenfalls enthalten.

Die einzelnen Kapitel bieten jeweils mehrere Übungen zu einem Oberthema und können nach Belieben ausgewählt und ausprobiert werden. Eine Partnerin oder Therapeutin ist bei den vorgestellten Übungen tatsächlich nicht vonnöten. Einige wenige Übungen können zu zweit durchgeführt werden, aber jede Reflexion ist durch die genau dargestellte und entsprechende Anleitung auch alleine möglich. Nur bei biografischen Themen, die tiefer gehen könnten, wird jeweils angemerkt, dass professionelle Hilfe gesucht werden sollte wenn das Thema alleine zu komplex wird. Auch die Möglichkeit, gezielt Freunde und Bekannte um eine Rückmeldung zu bitten ist als Vorschlag inkludiert.

Die Einleitung stellt das Thema „Eigene Wege gehen ohne professionelle Begleitung“ ganz an den Anfang. Dies ist ein wichtiger und verantwortlicher Einstieg, um Lesende ins Thema, die Möglichkeiten und Grenzen zu führen, was auch geschieht. Weiterhin umfasst die Einleitung thematische Abschnitte über die Themen:

  • Einstimmen
  • Hemmungen und frei werden
  • Bewerten und Betrachten
  • Austausch
  • Gestalten
  • Material
  • Materialien und damit verbundene Techniken,
  • Körperlichkeit – Leiblichkeit
  • Vom Ahnen zur Sprache
  • Kreativ-künstlerischer Prozess
  • Wirksamkeit
  • Die Kunst der Kunsttherapie
  • Symbole
  • Und jetzt?

Diese Punkte umfassen 43 Seiten und geben Lesenden wertvolle Impulse zum Umgang mit dem Buch. Hier werden Erfahrungen, Werte und Haltung der Herausgeberinnen deutlich. Lesende werden anschaulich und unterstützt von Bildern, Gedichten aber auch zitierter Literatur und zu erster Auseinandersetzung begleitet. Lesende werden direkt angesprochen und durch die Einleitung umfassend auf die eigene Gestaltungs- und Reflexionsarbeit vorbereitet. Der achtsame Umgang und die Selbst-Beobachtung der Prozesse werden eingeleitet und auch mögliche Stolpersteine oder Aspekte, die den Gestaltungsfluss lähmen oder stören könnten werden angesprochen. Einer (S. 13) ist z.B. in lila Fettdruck herausgehoben um Lesende dadurch besonders gut zu erreichen: „Es kann sein, dass für Sie das in manchen Übungen vorgeschlagene tägliche Innehalten nicht machbar ist. In diesem Fall suchen Sie bitte einen Rhythmus, den sie kontinuierlich einhalten können.“

Die Einleitung führt durch alle im Buch dargestellten Methoden und bespricht auf jeweils einer bis drei Seiten Hintergründe und mögliche oder zu erwartende Wirkungen. Die zitierten Gedichte, Impulse aus der Theorie oder auch einfach zitierte Stimmen von KlientInnen helfen, in die Welt des Gestaltens und der Reflexion einzutauchen. Einige farbige Werkbilder bereichern diese einführenden Texte und laden ein, sich bereits mit der Bildsprache vertraut zu machen, ohne dass diese jedoch kommentiert werden.

Kapitel I – „Annähern“ beginnt mit Basisübung zum Wahrnehmen und Einmalen. Dies ist ein behutsamer Einstieg in die selbstständige Arbeit. Besonders in dieser Übung wird sorgfältig jeder einzelne Schritt dargestellt, erklärt und begleitet. Menschen die keine Erfahrungen mit Form, Farbe, freiem Gestalten haben, werden sehr kleinschrittig in die ersten Erfahrungen mitgenommen und können ersten Zugang finden.

Nach der Überschrift sind ein paar erklärende Sätze zum Thema der Übung geboten. Danach folgen – mit Symbolen dargestellt – jeweils die Angaben zur Dauer der Übung in Minuten, der Schwierigkeitsgrad und die Personenanzahl.

Der folgende Teil ist die Beschreibung der Übung genannt „Erfahrungsebene“ (was soll gemacht werden). Im ersten Kapitel weitere Anregungen: Übung – Beschreibung – Wirkung und Prozessbeschreibung eigener Bilder sowie Benennung eigener Bilder aufgenommen und erläutert (S. 48/49). So werden Lesende methodisch-didaktisch vertraut mit der selbstständigen Bearbeitung späterer Aufgaben. Exemplarisch der Text zum Absatz Benennung eigener Bilder: „Benennen Sie nach jeder Übung das, was entstanden ist., und berücksichtigen Sie den Entstehungsprozess. kurz und prägnant. Ein Wort oder ein kurzer Satz. Das wirkt wie ein Anker. Das Erlebte wird dadurch verdichtet und es entsteht eine Anbindung an Körper, Geist und Psyche.“ (S. 49). Mit solcherart erklärenden Aussagen werden Lesende sorgfältig und umfassend auf die gestalterische Arbeit vorbereitet. Generell werden die Prozesse auch auf einer Metaebene betrachtet und erläutert, im Sinne von: was wird angeregt was soll/kann passieren? Das Kunsttherapie-Tagebuch (S. 55) wird erläutert als: „Die Übungen in diesem Buch unterstützen Sie dabei, einen ,neuen Blick' auf sich zu gewinnen. Das schriftliche Festhalten der neu gewonnenen Erkenntnisse, Antworten oder Assoziationen in ihrem individuellen Schreibstil kann für Entdeckungsreise wichtig sein…“.

Die Übungen werden generell im nachfolgenden Raster vorgestellt:

  • Einstimmung,
  • Gestaltungsphase,
  • Schlussbetrachtung,
  • Varianten

Dennoch sind auch zusätzliche Impulse eingeschoben, die z.B. alltagsintegrierende Vertiefungen und ganzheitliche Erfahrungen anregen, z.B. im Impuls: Der Schnelle Blick: „Was auch immer Sie an Ihren Wochenenden tun: schauen Sie doch hin und wieder nach oben. Nehmen Sie ihr Handy zur Hand und fotografieren Sie – ohne lange zu überlegen“ (S. 64). Auch hier werden Fortführungen angeboten: „Der zweite, achtsame Blick, eine Perspektive“, die zur Reflexion, Benennung und Verschriftlichung des Spontanen auffordern und als Drittes „Eine weitere Perspektive“, die durch ein Gedicht unterlegt ist. So werden Lesende zu einem bewussten Wahrnehmen und Nachdenken animiert und angesprochen, mit allen Sinnen durch den Alltag zu gehen und diese Übungen aktiv zu trainieren und zu integrieren. Auf diesem Hintergrund sind alle Übungen auch der weiteren Kapitel gestaltet. Lesende werden eingeladen über Themen nachzudenken, zu philosophieren, die eigene Befindlichkeit dazu auszuloten und ins Tun zu kommen und die Erlebnisse durch die aufeinanderfolgenden Schritte nachhaltig zu verankern. Die Anleitungen sind jeweils sehr direkt und nah an den Prozessen formuliert, sodass das Buch eine authentische Begleitung und viel Unterstützung bietet.

Diskussion

„Kunsttherapie als Selbsterfahrung“ ist ein durchgängig handlungsorientiertes Buch, eine Reise durch verschiedene, musisch-ästhetisch-kreative Methoden und Möglichkeiten und mit unterschiedlichen Impulsen zur Selbsterfahrung.

Durch die umfangreiche Einleitung mit 43 Seiten werden Lesende genau und sorgfältig auf die kommenden Aufgaben und Übungen eingestimmt und sehr intensiv vorbereitet. Sie werden auch zum vertieften Beobachten, Spüren, Nachdenken über Prozesse animiert (Formsprache und Wortsprache (S. 30): „Steht vor dem Sprechen können das Verstehen wollen?… Wenn Sie Gelegenheit haben, nehmen Sie sich doch ein wenig Zeit und beobachten Sie in kleines Kind, das sprechen lernt…“).

Die Erfahrungen der Autorinnen in der therapeutischen Arbeit sind durchgängig deutlich. Alle Kapitelinhalte werden durch direkte Ansprache der Lesenden und einfühlsame Beschreibungen vorgestellt und auch auf einer Metaebene erläutert (Was passiert, wozu ist die Aufgabe gut). Die achtsame Begleitung der Übungen durch die Autorinnen ist durch die sorgfältigen und ansprechenden Anleitungen sehr präsent und spürbar, der Buch hält einen „engen Kontakt“ zu den Lesenden. 

So sind die Überschriften spielerisch und wie in einem Gespräch formuliert und zunächst nicht so griffig (z.B. Kapitel 2: „Vertiefen und Verdichten von Erleben“ oder Kapitel.4: „Atem – Kunst – ein Sprechen und Hören“ oder Kapitel 5: „Magie, unartig sein, Chaos“). Lässt man sich auf den Prozess ein, sind sie jedoch poetisch und stimmig gewählt. Sie berücksichtigen kapitelweise jeweils den Prozess des kreativen Selbst-Erlebens und zum den gestalterischen Weg zum Ich, der hier von Selbst-Erfahrungen und dem Ausprobieren geprägt ist und betont nicht therapeutisch ausgelegt ist. Staunen und Spielen und die Vertiefung und Verdichtung der Erfahrungen sind das Thema.

Die acht Themen-Kapitel sind konkret dem Prozess des Gestaltens, der Reflexion und der Erfahrungen entnommen und beschreiben emotionale Zustände des sich-Einlassens. Auch gier wird die große Bandbreite therapeutischer Erfahrungen und Sorgfalt der Autorinnen deutlich, die die zunächst kunsttherapeutisch eingesetzten Übungen explizit für eine selbstständige Bearbeitung umformuliert haben. Die blumigen Überschriften werden durch die Inhaltlichen Unterpunkte, die die einzelnen Übungen benennen, klar und machen Vorfreude und Lust, sich damit auseinander zu setzen. Der roter Faden ist durch den Aufbau vom Einstieg und Einstimmen zu abstrakteren und tieferen Themen und persönlichen Lebensbereichen und -aspekten deutlich erkennbar. Es ist nicht zwingend, macht aber Sinn, das Buch in der dargebotenen Reihenfolge durchzuarbeiten um in den „Genuss“ des dahinterstehenden, ganzheitlichen integrierenden Ansatzes zu kommen.

Kunsttherapie als Methode um Kreativität zu fördern künstlerisch zu arbeiten, zu produzieren aber auch mehr über sich selbst zu erfahren ist für eine zunehmende Menge an Menschen interessant und eine den Alltag aufwertende, bereichernde Erfahrung. Der Ausdruck mittels Bildern und anderen Medien ist eine befriedigende Tätigkeit und eine sinnliche Bereicherung für das Alltagsleben. Insofern trägt das Buch mit seinen vielfältigen Aufgaben und Impulsen zu einer Be-Sinnung und spielerischen Beschäftigung bei. Lesende können bei ehrlicher Auseinandersetzung die Möglichkeiten des ganzheitlichen Erlebens und Spürens wiederentdecken, vertiefen, integrieren. Die Impulse der Autorinnen inspirieren und laden dazu ein.

So ist dieses Buch eine umfangreiche und über das reine Malen und Tonen hinaus gehende Unterstützung und Begleitung. Die Autorinnen bieten bereits mit dem Buchtitel einen Ausblick auf schier unendliches und reiches Material an: das eigene Leben und die gestalterische Arbeit an und mit sich selbst. Explizit ist das Buch mit seinen Impulsen keine Therapie, sondern es ist als Selbererfahrung ausgelegt, dazu bietet es eine Fülle an Anregungen.

Fazit

Das Buch „Kunsttherapie als Selbsterfahrung“ bietet aufgrund der breiten Auslegung des Metiers Kunsttherapie und der Schwerpunktsetzungen der sieben Autorinnen einen bunten Strauß an über 70 Übungsimpulsen und dadurch sehr unterschiedliche Angebote zur Selbsterfahrung – kreativ, ganzheitlich und verbindend. Das Potenzial liegt in der methodischen Vielfalt und Einbezug auch kunsttherapie-angrenzender Disziplinen. Ein inspirierendes Buch mit ganzheitlichen Impulsen, bereichernd für Einzelpersonen und auch therapeutisch Tätige.

Rezension von
Svenja Rehse
M.A., Dozentin Pädagogik (Fach-/Hochschulen) und Kunsttherapie
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Es gibt 11 Rezensionen von Svenja Rehse.

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Zitiervorschlag
Svenja Rehse. Rezension vom 24.11.2023 zu: Marie-Theres Gallnbrunner, Isolde Schediwy, Marion Bugelnig-Berger, Alexandra Reis: Kunsttherapie als Selbsterfahrung. Ein neuer Blick auf mich. Maudrich Verlag (Wien, München, Bern) 2023. 2. Auflage. ISBN 978-3-99002-157-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31330.php, Datum des Zugriffs 17.06.2024.


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