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Ashish Kothari, Ariel Salleh et al. (Hrsg.): Pluriversum

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 15.12.2025

Cover Ashish Kothari, Ariel Salleh et al. (Hrsg.): Pluriversum ISBN 978-3-945959-67-1

Ashish Kothari, Ariel Salleh, Arturo Escobar, Federico Demaria, Alberto Acosta (Hrsg.): Pluriversum. Ein Lexikon des Guten Lebens für alle. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2023. 450 Seiten. ISBN 978-3-945959-67-1. D: 15,00 EUR, A: 15,00 EUR, CH: 15,00 sFr.

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„Die Welt, die wir wollen, ist eine Welt, die in viele Welten passt“

Diese zapatistische Welterklärung, die für die EINE WELT der Vielfalten eintritt, bestimmt das bemerkenswerte, 2019 erstmals bei Tulika Books in New Delhi erschienene Buch. Es werden Weltanschauungen, Theorien und Praxen einer ökologisch sinnvollen, sozial gerechten EINEN WELT in Vielfalt vorgestellt. Gerade in der Welt, in der demokratische und humane Werte immer mehr von ego-, ethnozentristischen, rassistischen und rechtspopulistischen Einstellungen überlagert werden, kommt es darauf an, Schlüsselbegriffe und -haltungen in die Welt zu bringen.

Entstehungshintergrund und Herausgeberteam

Gut leben, besser leben, buen vivir, sumak kawsay (Alberto Acosta, Buen Vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/​20598.php) sind Werthaltungen, die der Menschheitsfamilie aufgegeben sind. Eine Enzyklopädie von Begriffen zu erstellen, die die Welt zusammen halten, ist eine intellektuelle, ethisch-moralische Herausforderung. 120 Expert*innen aus aller Welt unternehmen dies in 110 Beiträgen. Besonders bemerkenswert ist, dass die interkulturelle Ausrichtung des Buches, ursprünglich in Deutschland entstanden und mit der interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeit des Soziologen und Ökonomen Wolfgang Sachs verbunden ist, der auch das Vorwort zum Buch liefert. Der Gründer der indischen Umweltgruppe „Kalpavriksh“, Ashish Kothari, die australische Ökonomin Ariel Salleh, der Anthropologe Arturo Escobar, der Sozial- und Umweltwissenschaftler Federico Demaria und Alberto Acosta geben den Sammelband heraus.

Aufbau und Inhalt

Neben den Vorwörtern wird die Enzyklopädie in drei Kapitel gegliedert: Im ersten geht es um die „Entwicklung und ihre Krisen“ und den globalen Erfahrungen damit. Im zweiten – „Universalisierung der Erde“- werden reformistische Lösungen präsentiert. Im dritten – „Ein Pluriversum der Menschen“ – sind Initiativen und ihre Umgestaltung gefragt.

Es sind Fragen über Sinn, Bedeutung und Wirkung von Entwicklung, die in den unterschiedlichen globalen, zivilisatorischen und ökonomisch-ökologischen Kulturen zum Ausdruck kommen. Sie führen zu kapitalistischer, sozialistischer, freier oder diktatorischer Politik, wie dies der Direktor des nigerianischen Ökologischen Think Tanks „Health of Mother EarthFoundation“, Bassey Nnimmo, mit dem Beitrag „Die Ketten der Entwicklung durchbrechen“ zum Ausdruck bringt: „Um uns aufrichten zu können, müssen wir uns an der Erde festhalten“. Das ist möglich, wenn es gelingt, einen globalen Perspektivenwechsel zu vollziehen, hin zur „Erdsystem-Governance“, die getragen wird von unabhängigen, staatenübergreifenden, internationalen Institutionen und Agenturen (Ariel Salleh).

Es ist das Zauberwort „Nachhaltige Entwicklung“, das ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen möglich macht: „Die Deckung der Grundbedürfnisse für alle innerhalb der planetarischen Grenzen ist die größte Herausforderung für die Menschheit im 21. Jahrhundert“ (Erik Gómez-Baggethun). Eine auf ein „gutes Leben für Alle“ ausgerichtete Wirtschaft muss „biozivilisatorisch“ sein.

Es sind die allgemeingültigen, nicht relativierbaren Menschenrechte, die Pflichten bedingt; weil mehr wird, wenn wir teilen (Elinor Ostrom); und es sind die Herausforderungen, „das Bestmögliche auf lokaler Ebene tun… die Gemeingüter in den Mittelpunkt stellen… menschenwürdige Arbeit schaffen… die Menschenrechte gewährleisten“ (Cándido Grzybowski).

„Hurai“ – Übereinstimmung von Natur und Kultur, von Tier und Mensch, von Haben und Sein (Yuxin Hou). „Konvivialismus“ bedeutet, sich mehr um Konvergenz als um Divergenz zu bemühen, weil es notwendig ist, sofort zu handeln, kapitalistisches Denken und Tun abzustellen, demokratische Werte zu fördern, wirtschaftliches Wachstum relativieren, Ego-, Ethnozentrismus und Populismus verhindern (Alain Caillé). 

Diskussion

Die umfassende Enzyklopädie „Pluriversum“ stellt Weltanschauungen und Auffassungen vor, die sich gegen die vorherrschenden Theorien und Praxen der kapitalistischen, lokalen und globalen Entwicklung richten. Es sind Konzepte, die eine humane Welt und ein gutes, gelingendes Dasein für alle Menschen ermöglichen. Die einzelnen, indigenen und autochthonen Begrifflichkeiten umfassen ähnliche Zusammenhänge; sie drücken auch unterschiedliche Bedeutungen aus. Für Forschung, Lehre und Unterricht stellt das kostengünstige Buch, das auch kostenlos online verfügbar ist, ein intellektuelles Werkzeug dar. Mit dem „Globalen Wandteppich der Alternativen“ werden Gelegenheiten und Räume der Information, der Kommunikation und des Austauschs angeboten.

Fazit

Ein Glossar, ein Abkürzungs- und Autorenregister zeichnen „Pluriversum“ als Handbuch aus.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1736 Rezensionen von Jos Schnurer.

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ISSN 2190-9245