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Mirjam Müller: Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren

Rezensiert von Dr. Michael Wutzler, 24.01.2024

Cover Mirjam Müller: Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren ISBN 978-3-593-51764-3

Mirjam Müller: Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren. Strategien für die ersten Berufungsverfahren. Campus Verlag (Frankfurt) 2023. 228 Seiten. ISBN 978-3-593-51764-3. D: 27,00 EUR, A: 27,80 EUR.

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Thema

Ungeachtet der anhaltenden Debatten über die prekären Rahmenbedingungen von Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen, der stagnierenden Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und der Forderung nach mehr Dauerstellen an Hochschulen bleibt die Berufung auf eine Professur das zentrale akademische Karriereziel. Dennoch haben Wissenschaftler:innen meist kaum Einblick in die internen Abläufe und Entscheidungsprozesse von Berufungsverfahren, sofern sie nicht selbst die Chance hatten, Mitglied einer Berufungskommission zu sein. Gemäß dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021 war im Jahr 2018 nur jede 22. Bewerbung auf eine Professur erfolgreich. Mit „Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren“ bietet Mirjam Müller für Postdocs in unterschiedlichen Karrierephasen – unabhängig davon, ob sie sich erstmals oder wiederholt auf eine Professur bewerben – nun einen grundlegenden Überblick über die zentralen Faktoren, Abläufe und Anforderungen in Berufungsverfahren, der zudem zahlreiche nützliche Tipps für Bewerber:innen enthält.

Autorin und Entstehungshintergrund

Mirjam Müller ist freiberufliche Coachin und Trainerin sowie Personalentwicklerin im Bereich Postdocs an der Universität Konstanz. Im Buch verbindet sie ihre Erfahrungen als Referentin eines Universitätspräsidenten und als Mitglied von Berufungskommissionen und bringt Erkenntnisse aus der Entwicklung von Leitlinien für Berufungsverfahren sowie aus zahlreichen Workshops und dem Austausch mit Trainingsteilnehmenden ein. Müllers aktuelle Ausführungen bauen auf ihren bisherigen Publikationen zur Karriereplanung in der Wissenschaft (2014) und zu alternativen Berufswegen für Promovierte (2017) auf.

Aufbau

Das Buch umfasst neben der Einleitung und dem Schlusswort fünf zentrale Kapitel. Kapitel zwei behandelt umfassend die einzelnen Schritte eines Berufungsverfahrens. Die drei wesentlichen Phasen für Bewerber:innen eines Berufungsverfahren, nämlich die schriftliche Bewerbung, die persönliche Vorstellung und die Berufungsverhandlung, werden in den Kapiteln drei bis fünf noch einmal einzeln behandelt. Das Kapitel sechs widmet sich dann den Besonderheiten von Berufungsverfahren an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Im Anhang werden neben Literaturhinweisen und Internetressourcen auch weiterführende Informationen zu Beratungsangeboten aufgenommen. Dazu gibt es ein Muster für Anschreiben, eine mögliche Struktur des Lebenslaufes und Lehrportfolios, eine Auflistung typischer Fragen in Kommissionsgesprächen zu unterschiedlichen Themenbereichen sowie eine Checkliste für Berufungsverhandlungen.

Inhalt

Das einführende Kapitel (S. 9–17) hebt drei grundlegende Ratschläge hervor (S. 15–17), die Müller für eilige Leser:innen voranstellt, und die zunächst allgemein formuliert die Essenz der nachfolgenden detaillierten Kapitel bilden. Die an dieser Stelle knapp formulierten, vielleicht banal klingenden Ratschläge werden im Durchgang durch die Kapitel mit zahlreichen Hinweisen und differenziert Empfehlungen unterlegt. Notwendig für einen erfolgreichen Bewerbungsprozess sind demnach:

  1. eine professionelle und passgenaue Bewerbung,
  2. ein professorables Auftreten auf Augenhöhe und
  3. die Aktivierung des eigenen Netzwerkes.

Kapitel Zwei „Das Verfahren“ (S. 18–55) beschreibt nacheinander zunächst zwölf formale Schritte des Ablaufs von Bewerbungsverfahrens: von der Freigabe der Stelle und der Einsetzung der Berufungskommission, über die Ausschreibung, Auswahl und Einladung, die Anhörung sowie externe Gutachten bis hin zu den Listenvorschlägen, Gremienabstimmungen, der Ruferteilung, der Berufungsverhandlung und der Rufannahme sowie der Ernennung. Im Anschluss daran erläutert Müller die Zusammenstellung von Berufungskommissionen und die Auswahlkriterien für Berufungen. Deutlich wird dabei auch, welche Rolle Personenkonstellationen in den Fakultäten und Kommissionen und individuelle Interessen in der inhaltlichen Ausgestaltung einer Professur spielen. Besonders wertvoll ist die Rekonstruktion von durch Bewerber:innen beeinflussbare und nicht beeinflussbare Faktoren des Prozesses. Auch wenn die Möglichkeiten, Einfluss auf die Arbeit der Berufungskommission zu nehmen, so ihr Fazit, begrenzt bleiben (S. 49). Dies betrifft insbesondere äußere Umstände wie hochschulpolitische Einflüsse, die Stimmung in der Kommission oder individuelle Interessen und Agenden der Kommissionsmitglieder.

Kapitel Drei „Die schriftliche Bewerbung“ (S. 56–113) geht von der Recherche und der Einschätzung von Stellenausschreibungen, über professionelle Layouts für Anschreiben, die wichtigsten Rubriken im Lebenslauf bis hin zur gelingenden Darstellung des eigenen Profils detailliert auf die notwendigen Bewerbungsunterlagen ein. Im Zentrum des Kapitels steht die Herausforderung, in Anbetracht vielschichtiger Stellenanforderungen, eine passgenaue Bewerbung zusammenzustellen. Es werden zahlreiche Gestaltungs- und Formulierungsvorschläge mitgegeben und zudem aufgezeigt, wie die unterschiedlichen Aspekte des eigenen Profils wie bspw. interdisziplinäre Erfahrung, Drittmittelakquise, internationale Kooperationen, Transferaktivitäten oder die eigenen Forschungsschwerpunkte gewinnbringend dargestellt und verzahnt werden können. Neben der Diskussion von Einzelaspekten wird dabei ein besonderes Augenmerk auf das Forschungsprofil (inklusive Forschungskonzept) und das Lehrportfolio gelegt.

Kapitel Vier zeigt die wesentlichen Verfahrenselemente und Anforderungen „der persönlichen Vorstellung“ (S. 114–155) bei der Anhörung der Berufungskommission auf. Hierbei bespricht Müller zentrale Elemente des Fachvortrags, der anschließenden Diskussion und des Kommissionsgesprächs. Sie bleibt jedoch nicht dabei stehen, sondern geht darüber hinaus aber auch auf weitere mögliche Elemente der persönlichen Vorstellung ein und greift derart auch wichtige informelle Gelegenheiten des Austauschs und der Präsentation auf: das Gespräch mit Studierenden, die Lehrprobe, die Führung durch das Institut oder ggf. das Mittag- oder Abendessen mit der Kommission und die Prüfung von Führungs- und Sozialkompetenzen. Hierzu gibt sie u.a. Vorschläge zu Auftreten und Haltung während der Anhörung, zur Themenwahl oder dem Zeitmanagement für den Fachvortrag, greift darüber hinaus aber auch typische Diskussionsfragen der Kommission auf und liefert zugleich Antwortstrategien mit.

Kapitel Fünf bespricht schließlich die einzelnen Schritte der „Berufungsverhandlung“ (S. 156–180). Über den formalen Verlauf hinaus skizziert Müller hier sowohl mögliche Verhandlungspartner:innen und -gegenstände, als auch die Erarbeitung des Konzeptpapiers für die Professur und wägt dabei unterschiedliche Verhandlungsstrategien ab. Insbesondere Letzteres ist für Neulinge in Berufungsverhandlungen für deren Vorbereitung, aber auch für Wissenschaftsmanger:innen in Beratungen wertvoll.

Die kürzeren Kapitel Sechs zu den spezifischen Anforderungen einer „Bewerbung auf Fachhochschulprofessuren“ (u.a. Praxiserfahrung und Lehre) (S. 181–187) und Sieben zu generellen „Bewerbungsstrategien“ (S. 188–196) runden das Buch ab. Letzteres geht u.a. explizit auf die Sondierung des Bewerbungsmarktes und die Bedeutung von Vertretungsprofessuren ein.

Diskussion

Mirjam Müller macht in ihrem Buch die Details und Herausforderungen von Berufungsverfahren für Wissenschaftler:innen in unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere sowie für Wissenschaftsmanager:innen anschaulich und leicht verständlich. Das Buch eignet sich hervorragend, um einen allgemeinen Überblick zu bekommen, kann aber auch Schritt für Schritt für die individuelle Vorbereitung in den einzelnen Phasen des Prozesses herangezogen werden. Für die Entscheidung, Vorbereitung und Planung der Bewerbung auf eine Professur ist es eine wertvolle Unterstützung und gibt darüber hinaus Ratschläge, strategische Tipps sowie Dos und Don’ts an die Hand.

Die Besonderheiten einer Juniorprofessur (mit oder ohne Tenure Track) sind immer wieder prägnant in die allgemeinen Ausführungen eingewoben. Ein zusätzliches kurzes Kapitel, das die Besonderheiten zusammenfasst (z.B. zur Potenzialbewertung), wäre hierzu jedoch hilfreich gewesen. Insbesondere auch deshalb, weil Ausschreibungen von Juniorprofessuren Postdocs in einer anderen Phase ihrer Karriere ansprechen als Ausschreibungen von W2- oder W3-Professuren. Inhaltlich finden sich keine Lücken. Ergänzend hätten von Müller lediglich die Erarbeitungskriterien für Promotions-Betreuungskonzepte, die immer häufiger in den Bewerbungsunterlagen mit eingefordert werden, gesondert besprochen werden können.

Gleichwohl der detailreichen Ausführungen verheimlicht Müller an keiner Stelle, dass es neben einer professionellen Bewerbung und einem überzeugenden Auftreten, auch eine Vielzahl nicht beeinflussbarer Faktoren gibt und es ebenso auf fachspezifische Konventionen oder Machtkonstellationen in Kommissionen ankommt (S. 12). Die Diskussion dieser Faktoren ist äußerts hilfreich für eine realistischere Sicht auf die persönlichen Einflussmöglichkeiten. Darüber hinaus ist immer auch ein Quäntchen Glück förderlich.

Die Lektüre des Buches sei allen empfohlen, die planen, sich auf eine Professur zu bewerben. Erfolg in Berufungsverfahren ist damit zwar nicht garantiert, insbesondere in Kombination mit ihrem Buch zur Karriereplanung in der Wissenschaft, erhält man aber grundlegende Informationen für die individuelle strategische Profilbildung und Karriereplanung. Was es nicht ersetzen kann sind die Potenziale persönlicher Netzwerke und den Austausch zwischen Peers (S. 192). Der persönliche Kontakt und die Unterstützung durch Mentor:innen ermöglichen nicht nur Einblicke in universitätsspezifische Abläufe und Eigenheiten, sondern auch individuelles Feedback zu den persönlichen Bewerbungschancen oder die Möglichkeit sich als Kandidat:in ins Gespräch zu bringen.

Fazit

Das Buch gibt einen übersichtlichen Einblick in den Ablauf von Berufungsverfahren und macht von der Freigabe der Stelle bis zur Ernennung detailliert Hintergründe transparent. Mirjam Müller greift unter anderem auch notwendige Erfolgsfaktoren sowie Spielräume auf, bietet Reflexionsfragen zur individuellen Standortbestimmung und gibt strategische Hinweise sowie praktische Tipps zu den einzelnen Phasen eines Berufungsprozesses. Die Lektüre lohnt sich für alle Postdocs, die überlegen oder sich bereits auf eine Bewerbung auf eine Professur vorbereiten.

Rezension von
Dr. Michael Wutzler
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Es gibt 1 Rezension von Michael Wutzler.

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Zitiervorschlag
Michael Wutzler. Rezension vom 24.01.2024 zu: Mirjam Müller: Bewerben auf Juniorprofessuren und Professuren. Strategien für die ersten Berufungsverfahren. Campus Verlag (Frankfurt) 2023. ISBN 978-3-593-51764-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31460.php, Datum des Zugriffs 28.02.2024.


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