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Stefan Witte (Hrsg.): Spektrum Erziehungshilfe

Rezensiert von Prof. em. Dr. Matthias Moch, 05.03.2024

Cover Stefan Witte (Hrsg.): Spektrum Erziehungshilfe ISBN 978-3-7841-3358-4

Stefan Witte (Hrsg.): Spektrum Erziehungshilfe. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2022. 245 Seiten. ISBN 978-3-7841-3358-4. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.
Reihe: Beiträge zur Erziehungshilfe - Band 50.

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Entstehungskontext

Das Buch entstand anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Stiftung Kath. Kinder- und Jugendhilfe im Bistum Hildesheim. Diese ist Träger von sechs Einrichtungen des Caritasverbandes in der Diözese Hildesheim mit verschiedenen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe. Überdies umfasst das Angebot auch sonderpädagogische Förderangebote.

Autor*innen

Das Werk umfasst insgesamt die Beiträge von 20 Autor*innen, die teilweise Mitglieder aus dem Management von Einrichtungen, größtenteils aber Mitarbeiter*innen der verschiedenen Angebote mit unterschiedlichen Qualifikationen (Sozialpädagog*innen; Psycholog*innen, Logopädin; Lehrer) sind.

Thema

Das Buch beschreibt insgesamt das weite Spektrum der verschiedensten Formen von Erziehungshilfen. Überdies werden gesetzliche und organisatorische Rahmenbedingungen von Hilfen sowie Aspekte des Qualitätsmanagements behandelt. Quer zu den Arbeitsfeldern werden methodische und konzeptionelle Themen beschrieben.

Aufbau und Inhalt

Das 245 Seiten umfassende Buch ist – nach einem einleitenden Geleitwort – in drei größere Teile gegliedert. Im ersten Teil (2 Beiträge) werden Rechtsgrundlagen, Organisation und Aufgaben des Systems der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland behandelt. Im zweiten Teil (10 Beiträge) gehen die Autor*innen jeweils auf ein spezifisches Feld der Kinder- und Jugendhilfe ein. Im dritten Teil (7 Beiträge) werden Querschnittsthemen angesprochen. Jeder Beitrag umfasst ca. 8 – 12 Textseiten und eine Aufstellung der verwendeten Literatur.

Der erste Teil umfasst gewissermaßen die Rahmung des gesamten Arbeitsfeldes. Die Trägerschaft von Erziehungshilfen, ihre Struktur und ihre Rechtsformen stehen im Mittelpunkt des ersten Beitrags. Aufgaben, Entscheidungsebenen sowie Probleme der Qualitätssicherung und des Personalmanagements werden unter unternehmerischer Perspektive behandelt.

Im zweiten Beitrag werden diese Aspekte vertieft, indem speziell auf Strukturen der Qualitätssicherung, der Finanzierung und der Wirtschaftlichkeit von Hilfeleistungen mit den Stichworten Fachlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit abgehoben wird.

Die im zweiten Teil des Buches unter der Überschrift „Zielgruppen und Angebote der Stiftung“ zusammengeführten Beiträge gehen jeweils spezifisch auf die verschiedenen Angebotsformen ein. Rechtsgrundlagen werden erörtert, statistische Daten genannt und zentrale Aufgaben und Probleme des jeweiligen Arbeitsfeldes kommen zur Sprache. Es fließen auch jeweils unmittelbare Erfahrungen der Autor*innen ein.

„Die Wohngruppe als Lebensraum“ mit ihrer Besonderheit des dauerhaften Aufenthalts und der begleitenden Elternarbeit bildet den Auftakt. Probleme des Clearings und der Rückführung werden angesprochen.

Verschiedene Indikatoren und Umsetzungsformen des begleiteten Umgangs machen die Vielfältigkeit dieses Feldes deutlich und erfordern besonders flexibles Personal.

In rechtlich unklaren und auch in bedrohlichen Situationen bildet die Inobhutnahme ein geeignetes Angebot. Dass sie oft zu lange dauert und eine Gruppe unter einem ständigen Wechsel ihrer Mitglieder leidet, sind besondere Spezifika.

Die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge stellt die Kinder- und Jugendhilfe vor besondere rechtliche, organisatorische und qualifikatorische Herausforderungen. Dabei werden in einem weiteren Beitrag die Erfahrungen und das Erleben von betroffenen jugendlichen Mädchen in einer „internationalen Mädchenwohngruppe“ in den Mittelpunkt gestellt.

Das Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe umfasst auch gemeinsame Wohnformen für Mütter und ihre Kinder. Die Mütter haben in der Regel eigene, frühere Erfahrungen mit der Jugendhilfe. Nicht nur die durchaus verschiedenen Anliegen der Kinder und der Mütter, sondern auch die Bedarfe des Zusammenlebens in einem Haus und das Einbeziehen der weiteren Herkunftsfamilie und von Partnern der Mütter stellen besondere Herausforderungen dar.

Zwei Beiträge befassen sich mit Einrichtungen aus dem sonderpädagogischen Bildungsbereich: In Sprachheilkindergärten werden Vorschulkinder mit Sprachentwicklungsstörungen diagnostiziert und spezifisch gefördert. Förderschulen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung bieten nicht nur jungen Menschen besondere Bildungsangebote, sondern ermöglichen auch Studierenden des Lehramt für Sonderpädagogik praktische Erfahrungen unter fachlicher Anleitung zu machen.

Der Beitrag „Selbständig Leben“ zum Thema „Übergangsbegleitung aus der stationären Erziehungshilfe“ beinhaltet neben einem umfassenden Aufgabenkatalog einen mehrseitigen Bogen zur Selbst- bzw. Fremdeinschätzung von Jugendlichen zur Beurteilung ihrer Fähigkeiten zum selbstständigen Leben.

Der letzte Beitrag dieses Buchteils hat ein Modell der Pflegeelternberatung zum Gegenstand. Mithilfe spezifischer Beratungsmethoden werden Pflegeeltern von Fachkräften unterstützt.

Der dritte Teil des Buches ist mit „Pädagogische Aufgaben und Leitbilder“ überschrieben. Darin befasst sich ein längerer Beitrag mit Grundfragen und praktischen Beispielen zur Partizipation junger Menschen in Erziehungshilfen. Dass sich die Kinder- und Jugendhilfe auch verstärkt mit dem Thema Gewalt auseinandersetzen muss, machen die Artikel zur Gewaltprävention und zur Arbeit mit traumatisierten Kindern deutlich. Diese Themen werden wiederum anhand praktischer Beispiele erläutert. Die inhaltlichen Teile des Bandes werden abgerundet durch jeweils einen Artikel zur Biografiearbeit; zu religionspädagogischen Ansätzen sowie zur Erlebnispädagogik.

Eine Übersicht zu den einzelnen Einrichtungen der Stiftung mit Kurzprofil und Kontaktdaten schließt den Band ab.

Diskussion

Das Werk bietet insgesamt einen Überblick zu den verschiedensten Formen von Hilfen im Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, wie sie von einzelnen Einrichtungen im Rahmen der katholischen Stiftung umgesetzt werden. Die Beiträge beschreiben nicht nur die einzelnen Tätigkeitsfelder, ihre rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen. Sie beinhalten auch zahlreiche Beispiele aus der alltäglichen Arbeit der Fachkräfte, die hier selbst als Autor*innen auftreten. Berücksichtigung finden auch die organisatorischen und verwaltungstechnischen Aspekte in der Leitung von Einrichtungen und Trägerschaften. Alle Beiträge des gesamten Buches sind einzuordnen in die sozialpädagogische Arbeit unter der Gesamtorganisation einer kirchlichen Stiftung, deren Aufgaben und Funktionen dargelegt werden.

Fazit

Von einer Lektüre profitieren in erster Linie Leser*innen, die sich einen Überblick über praktische Formen von Erziehungshilfe verschaffen wollen. Durch die fundierten, mit Fachliteratur unterlegten Berichte „von der Basis“ erhalten sie sehr unmittelbare Einblicke in Rahmenbedingungen und Praxis. Weiterhin werden bereichsspezifische Probleme und einrichtungsspezifische Konzepte hervorgehoben, die oft auf langjährige Aufbauphasen zurückblicken. Bedauerlicherweise konnten die neuesten Entwicklungen in der Gesetzgebung der Kinder- und Jugendhilfe nicht (mehr) berücksichtigt werden.

Rezension von
Prof. em. Dr. Matthias Moch
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Es gibt 27 Rezensionen von Matthias Moch.

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Zitiervorschlag
Matthias Moch. Rezension vom 05.03.2024 zu: Stefan Witte (Hrsg.): Spektrum Erziehungshilfe. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2022. ISBN 978-3-7841-3358-4. Reihe: Beiträge zur Erziehungshilfe - Band 50. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31537.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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