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Marie-Luise Conen (Hrsg.): Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen?

Rezensiert von Prof. Dr. Jutta Harrer-Amersdorffer, 07.03.2024

Cover Marie-Luise Conen (Hrsg.): Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen? ISBN 978-3-7841-3677-6

Marie-Luise Conen (Hrsg.): Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen? Eine Streitschrift von Marie-Luise Conen. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. 64 Seiten. ISBN 978-3-7841-3677-6. D: 9,00 EUR, A: 9,30 EUR.
Hrsg. v. Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge.

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Thema

Maria-Luise Conen greift in ihrer Streitschrift die Fragestellungen nach der Qualitäts- und Konzeptionsentwicklung in den aufsuchenden Erziehungshilfen auf. Im Zentrum stehen vorwiegend die Anforderungen an die Aufsuchende Familientherapie. Die Autorin setzt sich kritisch mit den gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich der aufsuchenden Erziehungshilfen auseinander und verweist auf inhaltliche und strukturelle Herausforderungen für die Weiterentwicklung dieser Unterstützungsleistungen.

Autor:in

Marie-Luise Conen, Dr. phil., Diplom-Pädagogin, Diplom-Psychologin, M.ED. (Master of Education, Temple University); Fortbildnerin, Supervisiorin, Paar- und Familientherapeutin, Leiterin des Context-Instituts für systemische Beratung und Therapie in Berlin (Ausführungen vom Klappentext übernommen).

Entstehungshintergrund

Der Titel ist in der Reihe „Soziale Arbeit kontrovers“ erschienen. Ziel der Schriftreihe ist es, aktuelle Themenstellungen der Sozialen Arbeit in kompakter und handlicher Form aufzugreifen und für das Themenfeld eine Orientierungshilfe zu bieten. Die Ausgangslage bildet dazu eine provokante oder rhetorische Fragestellung, die dazu einlädt, eigene Vorannahmen oder vermeintliche Sicherheiten zu hinterfragen und aufzulösen. Die Veröffentlichung widmet sich der Frage: „Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen?“.

Aufbau

Das nur knapp 60 Seiten dünne Heft ist in sieben Hauptkapitel untergliedert und wird von einleitenden Gedanken sowie einem Ausblick abgerundet.

Marie-Louise Conen startet zunächst mit einer Problembeschreibung zur aktuellen Situation der aufsuchenden Erziehungshilfen und geht dann zu einem historischen Rekurs zur Entwicklung der Sozialpädagogischen Familienhilfe sowie der Aufsuchenden Familientherapie über. Die Ausführungen zur Aufsuchenden Familientherapie werden im vierten Kapitel von der Beschreibung der starken Zunahme dieser Hilfeleistung sowie den theoretischen Grundprinzipien des Zugangs ergänzt. Im fünften Kapitel reflektiert die Autorin zunächst kritisch die Verortung der therapeutischen Unterstützungsleistung im Kanon der Jugendhilfe. Davon ausgehend leitet Conen zum inhaltlich umfangreichsten Kapitel über. Das sechste Kapitel kann als Hauptteil der Schrift verstanden werden. Inhaltlich dicht beschreibt die Autorin den gegenwärtigen Entwicklungsstand sowie die Tendenzen, welche in der Entwicklung der Aufsuchenden Familientherapie zu erwarten sind. Diese Ausführungen fasst die Autorin im siebten Kapitel pointiert zusammen und formuliert davon ausgehend weiterführende Fragestellungen, welche auch im inhaltlich abschließenden Kapitel erneut diskutiert und aufgegriffen werden.

Inhalt

Maria-Luise Conen beginnt die Streitschrift zunächst mit einer Problembeschreibung. Ausgehend von der SGB VIII-Reform im Jahr 2021 verdeutlicht sich die Notwendigkeit der qualitativen Weiterentwicklung der aufsuchenden Erziehungshilfen. Gerade durch den rechtlich gesicherten Einbezug der Eltern in das Hilfegeschehen ist eine aktive Beratung und Unterstützung dieser unumgänglich. Diese Qualitätsentwicklung in diesem Feld blieb bisher jedoch aus. Veränderungen im Hilfeplanverfahren, wie die bereits zu Beginn einer Fremdunterbringung zu benennende Perspektivklärung werden seitens der Fachkräfte nicht reflektiert oder kritische thematisiert, obwohl diese durchaus als Bedrohungsmoment gegenüber der Herkunftsfamilie verstanden werden kann. Gerade für die aufsuchenden Familienhilfen beschreibt die Autorin ein eher ängstliches Festhalten und die Sicherung der eigenen Trägerexistenz zulasten einer konzeptionellen Weiterentwicklung der Hilfeleistung.

Für ein tieferes Verständnis dieser These leitet Conen in diesem Zusammenhang zum zweiten Kapitel, dem historischen Rekurs, über, in dem sie die Entwicklungslinie der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) skizziert und auf deren ehrenamtlichen Ursprung im Sinne einer kompensatorischen Hilfe für Familien in Notsituationen verweist. 1991 wurde die Hilfe dann in den Kanon der Erziehungshilfe aufgenommen, wobei im Zentrum nach Aussage der Autorin noch immer die kompensatorische Unterstützung als Zielsetzung formuliert werden kann. Veränderungen hinsichtlich der Qualifikation der Fachkräfte kamen nicht durch die Forderung nach einem höheren Qualitätsanspruch in der Begleitung der Familie, sondern hatten ihren Ursprung in bürokratischen und finanziellen Erwägungen. Konzeptionell blieb die Unterstützungsleistung und Ausrichtung der SPFH weitgehend offen. Statt Herausforderungen inhaltlich zu begegnen, wurden schwierige Themenstellungen als Ausschlusskriterien für die Hilfeleistung formuliert.

Im dritten Kapitel wird diese inhaltliche Stagnation der SPFH weiterführend aufgegriffen. Deutlich wird hier, dass sich die Hilfeleistung inhaltlich nicht auf mögliche Veränderungspotenziale innerhalb der Familienstruktur konzentriert, sondern Aufgabenstellungen zur Sicherung des Familiensystems übernimmt. So sind auch die Gespräche im Rahmen der Hilfeleistungen von Ratschlägen und teils normativ ausgerichteten Hinweisen geprägt. Diese Ausrichtung verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich Fachkräfte in dieser Hilfeform befinden. Durch die Ersatzfunktionen, welche die Fachkräfte übernehmen, entsteht eine implizite Veränderungserwartung an die Eltern. In diesem Zusammenhang merkt Conen kritisch an, dass bis heute flächendeckende Wirkungsnachweise im Bereich der SPFH fehlen. Zwar wurden mögliche Erfolgsfaktoren im Zuge von Modellprojekten herausgearbeitet, wie die Beziehungsgestaltung zwischen Fachkraft und Familie, die Qualifikation und Berufserfahrung der Fachkraft sowie der umfassende Einsatz von Supervision in der Fallarbeit, diese finden jedoch kaum Niederschlag in der Trägerlandschaft. Ausgehend von dieser Analyse prognostiziert Conen auch künftig eine Abwärtsspirale, was die Qualität der Hilfeleistung betrifft. Durch die hohe Arbeitsbelastung im Bereich des Allgemeinen Sozialdienstes wird die Situation der Familie ebenso unzureichend eingeschätzt wie die Leistungsfähigkeit bestimmter Hilfeleistungen.

Aufbauend auf den Gedanken zur Leistungsfähigkeit der kompensatorischen Ausrichtung der SPFH verweist Conen auf die Entwicklung der Aufsuchenden Familientherapie (AFT) und stellt die theoretisch-methodischen Grundannahmen im vierten Kapitel näher vor. In dieser Hilfeleistung stehen nicht der Ausgleich und das Ableisten von Ersatzfunktionen für die Familie im Zentrum, sondern die Veränderung des Familiensystems. Diese veränderte Ausrichtung fand auch im Zuge der Erziehungshilfe Zuspruch, sodass die AFT als Hilfeleistung weitgehend etabliert werden konnte.

Diese Entwicklung wird im fünften Kapitel genauer skizziert. So wird deutlich, dass die Einführung des therapeutischen Ansatzes im Zuge der Erziehungshilfen nicht unumstritten ist. Kritische Stimmen sehen darin die Individualisierung der Problemstellungen zulasten der Familien. Nicht mehr die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden innerhalb der Arbeit mit den Familien aufgegriffen, sondern die Hilfeleistung zielt auf die Veränderung des individuellen Bewältigungsverhaltens. Dem stellt Conen entgegen, dass gerade durch eine qualifizierte Hilfeleistung, welche sich auf die Veränderung des Potenzials der Familien konzentriert, die Familien zur Inanspruchnahme der eigenen Rechte und Ansprüche befähigt werden. Damit es eben nicht um eine Individualisierung und Diskriminierung einzelner Familien aufgrund der gegebenen sozioökonomischen Ausstattung komme, ist auch die Reflexion der Finanzierungsgrundlage der Hilfeleistung notwendig. Eine möglichst einfache Finanzierung der AFT über § 35a SGB VIII im Sinne einer Eingliederungshilfe, welche den individuellen Anspruch aufgrund von Benachteiligung ins Zentrum stellt, würde die Themenstellung verschärfen. Sie spricht sich deshalb klar für die Verortung der Unterstützungsleistung in § 27 Abs. 3 SGB VIII aus. Dadurch stehe auch rechtlich-formal nicht die individualisierte Wiedereingliederung, sondern die Befähigung der Eltern im Fokus.

Im sechsten Kapitel setzt sich Conen kritisch mit der gegenwärtigen Entwicklung der AFT auseinander. Die Hilfeleistung steht vor inhaltlichen und strukturellen Herausforderungen, welche die Autorin dezidiert aufgreift. Ursprünglich war die AFT konzeptionell auf Familien in Krisensituationen ausgerichtet, welche eine hohe Mehrfachbelastung aufweisen. Conen spricht in diesem Zusammenhang von „Multiproblemfamilien“. Gerade in der Arbeit mit diesen Familien ist die Soziale Arbeit gefragt, da sich die Profession durch eine kontextbezogene Denkweise auszeichnet. In der Arbeit mit hochbelasteten Familien ist die AFT als besonders relevant zu beschreiben, da diese Hilfeform über eine kompensatorische Hilfeleistung hinausgehe und durch den aufsuchenden Charakter auch Personengruppen erreiche, welche aufgrund von Resignation und Hoffnungslosigkeit nicht aktiv Hilfeleistungen suchen würden. Gegenwärtig hat sich der Fokus jedoch deutlich verschoben und es stehen vermehrt Mittelschichtsfamilien im Zentrum, bei denen die Erziehungsberatung als unzureichend angesehen wird, jedoch gleichzeitig hohe Chancen für das Einlassen und den Erfolg der AFT prognostiziert werden. Angesichts angespannter Finanzlagen geht dies zulasten von „Multiproblemfamilien“ in komplexen Herausforderungslagen. Weiter beschreibt die Autorin den mangelhaften Einbezug der Kinder in den Hilfeprozess sowie eine fehlende Mehrgenerationsperspektive. Diese Perspektive ist eine Besonderheit der therapeutischen Arbeit und bietet die Möglichkeit nicht nur die gegenwärtigen Problemstellungen aufzugreifen, sondern auch an internalisierten Annahmen zu arbeiten und diese zugunsten der eigenen Kinder zu überwinden. Dieser Ansatz erfordert eine umfassende Ausbildung und Qualifikation der Fachkraft, was jedoch nicht mehr flächendeckend gewährleistet ist. Neben der teils schlechten Ausbildungslage beschreibt Conen den Trugschluss, dass bei der Supervision der Fachkräfte gespart werden könnte. In den Finanzierungsstrukturen wird weitgehend lediglich die Fachleistungsstunde mit den Familien berücksichtigt. Eine weitere Auseinandersetzung und Reflexion des Fallgeschehens sind häufig nicht vorgesehen. Diese Entwicklung kann pointiert zusammengefasst als fatal beschrieben werden. Dies lastet die Autorin jedoch nicht den Fachkräften im Allgemeinen Sozialdienst, sondern den politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. Auch im Allgemeinen Sozialdienst wird sowohl an Fort- und Weiterbildung als auch an Supervision stark gespart, sodass sich bei den Fachkräften dort kaum Bewusstsein für die Notwendigkeit entwickeln kann.

Diese Überlegungen greift die Autorin im siebten Kapitel weiter auf. Die finanzielle Ausstattung in der Jugendhilfe ist an vielen Stellen unzureichend. So wird beispielsweise von vielen Trägern implizit gefordert, dass sie für die aufsuchenden Erziehungshilfen Personal vorweisen, welche beispielsweise eine systemische Fortbildung mitbringen, ohne dass dies finanziell berücksichtigt wird. Auch im täglichen Handeln verdeutlicht sich der enge und qualitätsbehindernde Rahmen dadurch, dass exemplarisch nicht flächendeckend eine Vergütung der Wegezeit der Fachkräfte sowie die Vor- und Nachbereitung der Fälle Berücksichtigung findet. Die prekäre Situation führt jedoch nicht zu einer Kooperation der Träger, um sich gemeinschaftlich gegen die bestehenden Rahmenbedingungen zu wehren und für eine bessere Ausstattung einzustehen, sondern schlägt sich in einem starken Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen Anbietern nieder. Teils werden Hilfeleistungen via Ausschreibung an den günstigsten Anbieter vergeben, was nicht nur fachlich, sondern auch ethisch gravierende Fragestellungen aufwirft.

Im achten Kapitel wirft Conen die Frage nach der Ausrichtung und dem Vorgehen innerhalb der Hilfeleistung auf. Soll die Aufsuchende Familienarbeit linear-kompensatorisch arbeiten oder systemisch ausgerichtet sein? In der Herangehensweise und dem Umgang mit kompensatorischen Ersatzhandlungen sieht die Autorin die zentrale Unterscheidung zwischen den Hilfeformen der SPFH und der AFT. Während Fachkräfte der AFT Ersatzhandlungen als Anlass zum Gespräch und zur Weiterarbeit verstehen und diese deshalb eher als Mittel zum Zweck zu verstehen sind, ist die SPFH rein auf diese Ersatzhandlungen beschränkt. So richtet sich die AFT eher an den Ressourcen und Möglichkeiten der Familie aus, während die SPFH weitgehend defizitorientiert arbeitet. Hier lohnt sich ein kritisches Hinterfragen der Ausrichtung der Hilfeleistungen. Hinsichtlich weiterführender Frage zur Finanzierung und zur Qualitätsentwicklung sieht die Autorin gegenwärtig Entwicklungen. Die Fachöffentlichkeit wendet sich mehr und mehr der Themenstellung zu und so wird die qualitative Weiterentwicklung auch im Rahmen von Positionspapieren und Fachtagen aufgegriffen. Mit diesem eher optimistischen Ausblick beschließt die Autorin ihre Streitschrift.

Diskussion

Die Veröffentlichung setzt an einer zentralen und aktuellen Themenstellung an. Die Frage nach der Qualität in der Jugendhilfe könnte angesichts der Fachkräfte- und Angebotsentwicklung kaum aktueller sein. Zu Recht verweist die Autorin auf den Boom und die fortwährende Zunahme der Hilfeleistungen, ohne dass konzeptionelle Überlegungen oder Rahmenbedingungen überprüft und kritisch hinterfragt werden. Die Veröffentlichung ist trotz des eher weitgefassten Titels weitgehend auf die Aufsuchende Familientherapie fokussiert. Dies begründet Conen vorwiegend mit der Zielsetzung und Ausrichtung der Hilfeleistung. Die SPFH wird im Sinne der Autorin weitgehend als kompensatorische Hilfeleistung verstanden, bei welcher nicht das Veränderungspotenzial der Familie, sondern vorwiegend der Systemerhalt im Zentrum steht. Inwieweit dies dem Verständnis der Hilfeleistung entspricht, muss an dieser Stelle jedoch offenbleiben. So verweist Andreas Gut (2022), auf welchen sich die Autorin u.a. in ihren Ausführungen bezieht, deutlich auf die definitorische Breite der SPFH, die weit über eine kompensatorische Hilfeleistung hinausreicht, wobei jedoch nicht die qualifikatorischen Erfordernisse und Bestimmungen einer Aufsuchenden Familientherapie erfüllt sind. Als Zielsetzung der Hilfeleistung wird bei Gut beispielsweise die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit, aber auch die Selbstbefähigung der Familien benannt. Dass gerade diese fachliche Vielgestaltigkeit eine zentrale Problemstellung für die Weiterentwicklung der aufsuchenden Familienhilfe, besonders innerhalb der Sozialpädagogischen Familienhilfe sind, stellt auch Matthias Müller (2017) heraus. Die Vielgestaltigkeit spiegelt sich auch im fachlichen Selbstverständnis der Fachkräfte dieser Hilfeleistung wider, welche sich selbst häufig als „Multitool“ (Harrer-Amersdorffer 2022) mit vielgestaltigen Arbeitsaufträgen und unklarer Zielsetzung verstehen.

Ein wichtiger Verweis der Autorin ist der Einbezug der organisatorisch-institutionellen Ebene und die damit implizite Forderung einer stärkeren Kooperation der Träger sowie eine stärkere politische Positionierung zur kritischen Reflexion und Einforderung einer besseren Ausstattung der Erziehungshilfen. Bezugnehmend auf Albert Scherr (2018) kann herausgestellt werden, dass Professionalisierung keine heroische Einzelleistung sein kann, was sich vor allem im Bereich der Aufsuchenden Familienhilfen verdeutlicht. Eine unzureichende Einbindung in organisationale Strukturen, das zunehmend verkürzte Angebot zur Supervision sowie eine zunehmende Arbeitsintensität aufgrund vielgestaltiger Problemlagen innerhalb der Fallarbeit sind mit Blick auf die Qualitätsentwicklung klar als kontrainduktiv zu benennen. Die Veröffentlichung greift trotz der Kürze zentrale Entwicklungsbedarfe gerade im Bereich der Aufsuchenden Familientherapie auf. Offen bleibt die Fragestellung, inwieweit sich die Sozialpädagogische Familienhilfe als eine der zentralen Erziehungshilfen losgelöst oder kooperativ zum therapeutischen Zugang konzeptionell positionieren muss, um nicht verkürzt als kompensatorische Hilfe ohne den von der Autorin bemängelten Wirkungsnachweis verstanden zu werden.

Fazit

Die Streitschrift unter dem Titel „Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen?“ lädt zur Diskussion und dem kritischen Blick auf die Hilfeleistungen ein. Der Fokus liegt eher auf der Aufsuchenden Familientherapie. Hierbei werden sowohl inhaltliche Schwerpunkte als auch zu erwartende Entwicklungen kompakt vorgestellt und kritisch diskutiert.

Literatur

Gut, Andreas (2022): Theoretische Grundlagen, konzeptionelle Entwürfe und strukturelle Rahmenbedingungen. In: Gut, Andreas/​Langness, Anja/Ley, Thomas/​Pothmann, Jens (Hrsg.): Aufsuchende sozialpädagogische Familienhilfe. Berlin: Lambertus. S. 13–235.

Harrer-Amersdorffer, Jutta (2022): Fachliches Handeln in der Fallarbeit. Eine empirische Studie über den Stand der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Opladen, Berlin, Toronto: Budrich.

Müller, Matthias (2017): Sozialpädagogische Familienhilfe: aufsuchende familienbezogene Hilfen [online]. Verfügbar unter: https://www.sgbviii.de/files/SGB%20VIII/PDF/S174.pdf.

Scherr, Albert (2018): Professionalität: Ein Qualitätsmerkmal von Organisationen. In: Sozial Extra (1/2018). S. 8–13.

Rezension von
Prof. Dr. Jutta Harrer-Amersdorffer
Professorin für Theorie und Handlungslehre der Sozialen Arbeit, Technische Hochschule Nürnberg
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Es gibt 15 Rezensionen von Jutta Harrer-Amersdorffer.

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Zitiervorschlag
Jutta Harrer-Amersdorffer. Rezension vom 07.03.2024 zu: Marie-Luise Conen (Hrsg.): Wo bleibt die Qualität in den aufsuchenden Erziehungshilfen? Eine Streitschrift von Marie-Luise Conen. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. ISBN 978-3-7841-3677-6. Hrsg. v. Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31558.php, Datum des Zugriffs 16.04.2024.


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