Ulrike Glöckner: Konzeptionsentwicklung für den Ganztag
Rezensiert von Beate Lutze, 28.12.2023
Ulrike Glöckner: Konzeptionsentwicklung für den Ganztag. Profil schärfen und Qualität definieren.
Verlag Herder GmbH
(Freiburg, Basel, Wien) 2023.
127 Seiten.
ISBN 978-3-451-39441-6.
D: 25,00 EUR,
A: 25,80 EUR,
CH: 35,90 sFr.
Reihe: Theorie.
Thema
Mit dem Ganztagsförderungsgesetz soll ab August 2026 der Rechtsanspruch für Grundschulkinder ab der ersten Klasse, bis 2029 bis einschließlich der vierten Klasse gewährleistet werden. Dies bedeutet einerseits den Ausbau der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote an Grundschulen, andererseits erfordert dies von den Teams die Erarbeitung einer Konzeption, um diesem pädagogischen Anspruch gerecht zu werden. Dieses Buch unterstützt Leitungskräfte und Teams mit fachlichen Grundlagen und didaktischen Vorschlägen für diesen Entwicklungsprozess.
Autor*innen
Ulrike Glöckner ist Erzieherin und Dipl. Sozialpädagogin. Sie war Lehrbeauftragte an der ev. Fachhochschule Freiburg für u.a. für Qualitätsmanagement und Teamentwicklung in den Studiengängen „Pädagogik der frühen Kindheit“ und „Soziale Arbeit“. Sie ist Inhaberin, Beraterin, Referentin und Coach der „impulse Akademie“.
Entstehungshintergrund
Das Buch ist im Verlag Herder erschienen und führt in den einzelnen Kapiteln mit Hintergrundwissen und Methodenvorschlägen durch die einzelnen Bestandteile einer Konzeption für das Bildungs- und Betreuungsangebot an Ganztagsgrundschulen. Dabei wird zum einen die Bedeutung und zum anderen ein sinnvoll und konkret strukturierter Aufbau einer Konzeption dargestellt. Die Aktualität des Buches ergibt sich durch die Änderungen im SGB VIII § 24 mit dem Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab August 2026.
Aufbau
Nach dem einführenden Abschnitt zu Bedeutung und Aufbau einer Konzeption für den Ganztag, werden die einzelnen Konzeptionsbausteine in den folgenden Abschnitten erläutert. Alle Abschnitte enthalten fachliches Hintergrundwissen, rechtliche Grundlagen und verschiedene Methodenvorschläge für die Erarbeitung der Bausteine. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Teamprozesse und die Einbindung beteiligter Personenkreise und Kooperationspartner*innen gelegt. Die Abschnitte für die Bausteine werden am Ende abgerundet durch die Kapitel zu Qualitätsmanagement und Evaluation, um einen Weiterentwicklungsprozess zu gewährleisten. Wichtige Informationen sind am Rand mit Stichpunkten versehen oder in Rahmen zusammengefasst und farblich abgehoben.
Inhalt
Das Buch gibt mit seinem Aufbau einen Überblick, welche Elemente in der Konzeption dargestellt werden sollten und stellt viele Methoden vor, wie diese Abschnitte erarbeitet werden können. Wichtige Informationen wie gesetzliche Grundlagen, Definitionen, Hinweise und Tipps werden farblich hervorgehoben und mit Tabellen und Abbildungen sinnvoll ergänzt. Durch Stichworte am Rand lassen sich auch im Erstellungsprozess hilfreiche Abschnitte schnell wiederfinden.
Das erste Kapitel widmet sich den Grundlagen der Konzeptionserstellung. Dabei werden neben einer Definition und Notwendigkeit einer Konzeption auch eine sinnvolle Struktur und machbare Planung vorgestellt. Dabei wird die Struktur in einzelne Konzeptionsbausteine aufgegliedert, die am Rand auch auf die folgenden Kapitel verweisen. Neben formalen Fragestellungen wie Formulierungshilfen und Layout werden verschiedene Methoden der Erarbeitung im Team erläutert. Ein gesonderter Abschnitt befasst sich mit Rolle und Verantwortung der Leitung in diesem Prozess.
Die folgenden Kapitel beleuchten die einzelnen Konzeptionsbausteine. Der erste umfasst die Rahmenbedingungen und die Strukturqualität. Hier wird fachlich begründet und aufgelistet, welche Fakten die Rahmenbedingungen für die jeweilige Einrichtung darstellen. Dazu gehören beispielsweise die Erzieher*in-Kind-Relation und die nutzbaren Räumlichkeiten. Einen besonderen Aspekt bilden die gesetzlichen Grundlagen von Kinderrechten über SGB VIII bis hin zu den Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer, die in diesem Abschnitt übersichtlich dargestellt werden, sodass diese auszugsweise in der Konzeption eingebunden werden können.
Der zweite Konzeptionsbaustein bezieht sich auf die Orientierungsqualität, den pädagogischen Grundannahmen. Hierin geht es um die Erarbeitung des Leitbildes mit dem Bild vom Kind und der gemeinsamen pädagogischen Haltung. Dazu wird in diesem Abschnitt der Bildungs- und Erziehungsbegriff im Kontext Ganztagsgrundschule als Lern- und Lebensraum genauer beleuchtet. Hervorzuheben ist, dass die Themen Partizipation, Inklusion und Kinderschutz als Bestandteile der Konzeption gesondert vorgestellt werden. Die vorgeschlagenen Methoden unterstützen die Verständigungsprozesse im Team in der Entwicklung einer gemeinsamen Haltung.
Der dritte Konzeptionsbaustein befasst sich als Prozessqualität mit den besonderen Möglichkeiten der jeweiligen Einrichtung der didaktischen und methodischen Umsetzung. Hier werden die Möglichkeiten für Spielen und Lernen oder der Bildungsanregungen und Entwicklungsmöglichkeiten durch die Räume erarbeitet. Die vorgestellten Methoden eignen sich gut, um an den individuellen Erfahrungen und Vorstellungen der einzelnen Teammitglieder anzuknüpfen und einen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Neben Tagesablauf geht es um Angebote und Projekte, die von ihrem Verständnis her hier noch einmal definiert werden. Hervorzuheben ist in diesem Abschnitt, dass bestimmte Themen gesondert aufgegriffen werden wie z.B. die Gestaltung des Mittagessens, die Betreuung von Hausaufgaben, die Kinderkonferenz als Methode der Partizipation und auch das Beschwerdemanagement.
Der vierte Baustein bezieht sich auf Kooperationen. Ein Schwerpunkt betrifft die Arbeit im Team und in multiprofessionellen Teams innerhalb der Ganztagsschule. Die Methoden eröffnen hier den Zugang zum Verständnis von Teamarbeit und Feedbackkultur. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Familien einerseits und mit verschiedenen Einrichtungen und Trägern im Sozialraum andererseits.
Wichtig sind die letzten beiden Kapitel mit Qualitätsmanagement als Konzeptionsbaustein V und der Evaluation zur Weiterentwicklung der Konzeption. Für beides wird die Bedeutung und Notwendigkeit aufgezeigt und verschiedene Methoden der Evaluation vorgestellt. Durch diese beiden Kapitel wird der gesamte Erstellungsprozess planbar und zeitlich strukturierbar, sodass die Konzeptionserarbeitung zu einem stetigen Prozess der Weiterentwicklung werden kann.
Diskussion
Das Buch eröffnet einer Leitung und dem Team die Möglichkeit, die Erarbeitung einer Konzeption für den Ganztag inhaltlich, methodisch und zeitlich als gemeinsamen Entwicklungsprozess zu planen und zu gestalten. Durch den Aufbau und die klare Strukturierung mit den Konzeptionsbausteinen und den möglichen bzw. nötigen Themen ist es für alle ein planbarer und überschaubarer Prozess. Bemerkenswert ist die Methodenauswahl, die die Partizipation der Beteiligten ermöglicht, aber auch individuelle Zugänge und Erfahrungen zur Diskussion bringt. Dadurch erhöht sich die Chance auf die Entwicklung einer gemeinsamen pädagogischen Haltung in der Konzeption.
Der gesonderte Blick auf einzelne Unterthemen in den Konzeptionsbausteinen wie z.B. die Gestaltung des Mittagessens oder die Haltung zur Hausaufgabenbetreuung können dazu beitragen, dass das Team sich auf den Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung gut einstimmt und die Rahmenbedingungen in der Einrichtung mitgestaltet. Positiv ist auch der Abschluss mit Qualitätsmanagement und Evaluation, um die weiteren Schritte auch mit den Beteiligten zu planen, um die gemachten Erfahrungen und vielleicht auch veränderten Bedingungen zu evaluieren und in der Konzeption als Team weiter zu entwickeln.
Fazit
Das Buch ist eine starke Handreichung für Leitungskräfte und ihre Teams in Einrichtungen des Ganztags. Es ermöglicht die Erstellung eines Handlungsleitfadens und Zeitplans für die Konzeptionserstellung. Die vorgestellten Methoden sind vielfältig und variabel einsetzbar, sie befördern die Teamentwicklungsprozesse, die partizipative Konzeptionsentwicklung und die Berücksichtigung und Einbindung der Kooperationspartner*innen in und um die Grundschule.
Rezension von
Beate Lutze
8 Jahre Leitung der offenen Ganztagsbetreuung der Schinkel-Grundschule, seit 2019 Lehrkraft an der Fachschule für Sozialpädagogik des Pestalozzi Fröbel-Haus Berlin
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