Sabrina Amanda Hancken: Gerechtigkeitskompetenzen in der Sozialen Arbeit
Rezensiert von Prof. Dr. Christian Schröder, 07.12.2023
Sabrina Amanda Hancken:Gerechtigkeitskompetenzen in der Sozialen Arbeit. Vandenhoeck & Ruprecht Brill Deutschland GmbH (Göttingen) 2023. 119 Seiten. ISBN 978-3-8252-6137-5. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 29,50 sFr.
Reihe: UTB - 6137. Soziale Arbeit, Sozialpädagogik.
Thema
Der Band beschäftigt sich mit Gerechtigkeitskompetenzen in der Sozialen Arbeit und versteht Soziale Arbeit als Profession, die auf den Menschenrechten basiert und gesellschaftliche Entwicklungen angesichts sozialer Gerechtigkeit betrachtet. Die Autorin argumentiert, dass angesichts des Übergangs zu einem aktivierenden Wohlfahrtsstaat seit den 1990er-Jahren die Entwicklung von Gerechtigkeitskompetenzen bei angehenden Sozialarbeiter*innen verstärkt werden sollte. Das Buch bietet eine theoretische Einführung in das Thema und regt mit Fallbeispielen zur Reflexion über eine gerechte Praxis in der Sozialen Arbeit an.
Aufbau
Es ist in 6 Kapitel unterteilt, beginnend mit einer Einleitung (Kapitel 1). Die ersten drei Kapitel (Kapitel 2–4) vermitteln grundlegende Kenntnisse über Soziale Arbeit, Menschenrechte und Gerechtigkeit im sozialstaatlichen Kontext. Kapitel 5 illustriert anhand von zwei Fallvignetten, wie Gerechtigkeitskompetenzen erlangt werden können, und untersucht die Einflussfaktoren auf diese Kompetenzen. Kapitel 6 führt in verschiedene Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit ein und diskutiert Strategien zur Bewältigung sozialer Ungleichheiten durch partizipative Praxis. Das Buch schließt mit einem kurzen Fazit in Kapitel 7.
Inhalt
Die ersten drei Kapitel bieten eine knappe Einführung in die Grundlagen der Sozialen Arbeit, ihre Verortung im Sozialstaat, Arbeitsmethoden und -felder sowie die Konzepte der Menschenrechte und sozialen Gerechtigkeit. Es wird betont, wie eng Soziale Arbeit mit der Entwicklung hin zum aktivierenden Sozialstaat verbunden ist, was gelegentlich dazu führt, dass sie selbst Menschenrechte verletzt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Gerechtigkeitskompetenzen zu erwerben. Kapitel 5 beleuchtet, wie sich soziale Ungleichheiten in den begrenzten Handlungsräumen der Adressat*innen manifestieren. Die Wahrnehmung von Recht und Unrecht wird als zentrale Gerechtigkeitskompetenz hervorgehoben, die stark vom Demokratieverständnis, Menschenbildern und den Machtgefügen in helfenden Arbeitsbeziehungen abhängt. Im letzten Kapitel (6) werden soziale Ungleichheiten in verschiedenen Arbeitsbereichen diskutiert, und Ansätze zur Reduzierung dieser Ungleichheiten durch partizipative Praxis werden erörtert.
Diskussion
Insgesamt ist der Band gut lesbar und eignet sich meiner Meinung nach auch für Bachelorstudierende der Sozialen Arbeit. Dennoch sind viele Fragen eher an Personen mit praktischer Erfahrung gerichtet. Trotz der grundlegenden Einführung bleibt das Buch aufgrund seiner Kürze an vielen Stellen oberflächlich. Die gestellten Fragen regen nur teilweise zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den Inhalten an, da sie mitunter bereits weitergehendes Vorwissen voraussetzen. Im Literaturverzeichnis fehlen leider einige der im Text referenzierten Quellen.
Fazit
Zusammenfassend greift der Band ein zentrales Thema der Sozialen Arbeit auf, zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie Gerechtigkeitskompetenzen entwickelt werden können, und verknüpft dies mit der sozialarbeiterischen Praxis. Dennoch bleibt er an vielen Stellen oberflächlich und konzentriert sich nur auf die Einzelfallhilfe. Insbesondere in Bezug auf die Arbeitsformen der sozialen Gruppenarbeit und der Gemeinwesenarbeit besteht Potenzial, das vorgeschlagene Reflexionsmodell weiterzuentwickeln. Besonders für Bachelorstudierende mit ersten Praxiserfahrungen ist das Buch sicherlich bereichernd.
Rezension von
Prof. Dr. Christian Schröder
Professor für Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Fakultät für Sozialwissenschaften
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