Antje Demmert: Schematherapie
Rezensiert von Dr. Thomas Wilke, 14.10.2024
Antje Demmert: Schematherapie. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial.
Beltz Verlag
(Weinheim, Basel) 2023.
150 Seiten.
ISBN 978-3-621-28931-3.
D: 35,00 EUR,
A: 36,00 EUR.
Reihe: Therapie-Basics.
Thema
Das Buch Therapie-Basics: Schematherapie von Dr. Antje Demmert bietet eine praxisorientierte Einführung in die Schematherapie, einer dritten Welle der Verhaltenstherapie, die besonders bei Persönlichkeitsstörungen und anderen tiefgreifenden psychischen Problemen angewendet wird. Die Schematherapie kombiniert verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische und erlebnisbasierte Techniken und fokussiert sich auf maladaptive Schemata, die früh im Leben entstehen und im Erwachsenenalter zu emotionalen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten führen. Das Buch möchte Therapeut:innen den Zugang zur Schematherapie erleichtern und bietet praktische Werkzeuge sowie theoretische Grundlagen.
Autorin
Dr. Antje Demmert ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie zertifizierte Schematherapeutin. Sie arbeitet seit 2022 in einer psychiatrischen Gemeinschaftspraxis in Lübeck und ist als Supervisorin und Dozentin tätig.
Entstehungshintergrund
Das Werk entstand im Rahmen der „Therapie-Basics“-Reihe, die sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedene therapeutische Ansätze kompakt und praxisnah darzustellen. Die Schematherapie hat in den letzten Jahren weltweit an Bedeutung gewonnen, vor allem durch die Integration neuer Konzepte und Techniken, die auch schwer erreichbare Patientengruppen adressieren. Die Autorin stützt sich in ihrem Buch sowohl auf ihre klinische Erfahrung als auch auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Schematherapie, wie sie in randomisierten Studien nachgewiesen wurden.
Aufbau
Das Buch ist in zwei große Teile unterteilt: Der erste Teil bietet eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der Schematherapie, inklusive ihrer Entstehung, Indikationen und Techniken. Der zweite Teil widmet sich der praktischen Anwendung der Therapie anhand von Beispieldialogen, praxisorientierten Tipps und Übungen. Ergänzend dazu enthält das Buch eine Vielzahl von Arbeits- und Informationsblättern, die Therapeut:innen im klinischen Alltag unterstützen können.
Die Struktur des Buches:
- Was ist Schematherapie? – Grundlagen, Entwicklung und therapeutische Techniken.
- Schematherapie im Einsatz – Praktische Fallbeispiele, Strategien und Übungen.
Inhalt
Im ersten Teil widmet sich die Autorin den theoretischen Grundlagen der Schematherapie. Dabei beginnt sie mit der Entstehungsgeschichte dieser Therapieform, die in den 1990er Jahren von Jeffrey Young entwickelt wurde. Dieser Abschnitt legt die Basis für das Verständnis, indem er die Verbindung zur kognitiven Verhaltenstherapie aufzeigt und erklärt, warum die Schematherapie besonders geeignet ist, um tief verwurzelte, in der Kindheit entstandene emotionale Probleme zu behandeln. Demmert beschreibt die zentralen Konzepte der Schematherapie, darunter maladaptive Schemata, die sich aus nicht erfüllten emotionalen Grundbedürfnissen entwickeln, sowie die verschiedenen Modi, die in der therapeutischen Arbeit eine wichtige Rolle spielen. Dabei wird der Leser in die grundlegenden Begriffe wie Schemata, Modi und emotionale Grundbedürfnisse eingeführt. Diese Konzepte werden detailliert erklärt und durch praxisnahe Beispiele veranschaulicht.
Besonders hervorzuheben ist die ausführliche Darstellung der Schemamodi – situativ wechselnde Emotions- und Erlebenszustände, die in vier Gruppen unterteilt werden: kindliche Modi, strafende/​fordernde Modi, Bewältigungsmodi und gesunde Modi. Demmert beschreibt, wie diese Modi in der Therapie erkannt, angesprochen und verändert werden können, um eine langfristige Heilung der zugrundeliegenden Schemata zu ermöglichen. Die Arbeit mit diesen Modi wird als zentrales Element der Schematherapie dargestellt, insbesondere in der Behandlung komplexer Persönlichkeitsstörungen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Hier erläutert Demmert das Konzept des Limited Reparenting, das darauf abzielt, die unerfüllten emotionalen Bedürfnisse der Patient:innen durch eine therapeutische Nachbeelterung zu adressieren. Sie beschreibt ausführlich, wie Therapeut:innen diese Technik anwenden können, um eine sichere und unterstützende Beziehung zu ihren Patient:innen aufzubauen, ohne dabei die professionellen Grenzen zu überschreiten.
Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf die praktische Anwendung der Schematherapie. Demmert bietet hier eine Fülle von Fallbeispielen und Dialogen, die die Umsetzung der theoretischen Konzepte in der Praxis veranschaulichen. Diese Beispiele reichen von der Erstellung eines Modusmodells zu Beginn der Therapie bis hin zu spezifischen Interventionen, wie Stuhldialogen und Imagery Rescripting, die darauf abzielen, emotionale Verletzungen zu heilen und gesunde Verhaltensweisen zu fördern. Besonders nützlich sind die konkreten Formulierungsbeispiele und Hilfestellungen, die es den Leser:innen ermöglichen, die Theorie direkt in ihre therapeutische Praxis zu übertragen.
Ein weiterer wichtiger Abschnitt widmet sich den Indikationen und Kontraindikationen der Schematherapie. Demmert geht dabei nicht nur auf die klassischen Anwendungsgebiete wie Borderline- und narzisstische Persönlichkeitsstörungen ein, sondern beleuchtet auch die Anwendung bei weniger bekannten Indikationen wie chronischer Depression oder Angststörungen. Sie erläutert, welche Patient:innengruppen besonders von der Schematherapie profitieren können und bei welchen Konstellationen Vorsicht geboten ist.
Zum Abschluss des Buches finden sich umfangreiche Arbeits- und Informationsblätter, die als wertvolle Werkzeuge für den therapeutischen Alltag dienen. Diese Materialien unterstützen Therapeut:innen dabei, die vorgestellten Techniken und Konzepte in die Praxis umzusetzen und ihre eigenen Fähigkeiten zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Die Blätter sind klar strukturiert und bieten sowohl theoretische Informationen als auch praktische Übungen, die direkt in der Therapie eingesetzt werden können.
Diskussion
Demmerts Buch bietet eine sehr praxisnahe und kompakte Einführung in die Schematherapie. Besonders hervorzuheben ist der strukturierte Aufbau, der eine schrittweise Einführung in die Thematik ermöglicht. Auch die Mischung aus Theorie und Praxis, besonders die Integration von Fallbeispielen und Übungen, macht das Buch besonders wertvoll für Therapeut:innen in der Ausbildung.
Ein möglicher Kritikpunkt ist jedoch, dass sich die Autorin stark auf die Anwendung im klinischen Kontext fokussiert und dabei weniger auf die zugrundeliegende Forschung eingeht. Zwar werden einige Studien erwähnt, aber die theoretische Tiefe könnte für Leser:innen, die eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung erwarten, etwas zu kurz kommen. Ein weiterer Punkt betrifft die Ausführlichkeit der einzelnen Kapitel. Während einige Themen sehr detailliert besprochen werden, werden andere (z.B. spezifische Kontraindikationen) vergleichsweise oberflächlich abgehandelt.
Fazit
Therapie-Basics: Schematherapie ist ein gelungenes und praxisnahes Werk, das sich besonders an Therapeut:innen richtet, die einen leichten Zugang zur Schematherapie suchen. Durch die klare Struktur und die praktischen Hilfestellungen bietet das Buch eine wertvolle Unterstützung für die tägliche Arbeit mit Patient:innen. Trotz kleinerer Schwächen in der theoretischen Tiefe ist es eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die die Schematherapie in ihrem Repertoire integrieren möchten.
Rezension von
Dr. Thomas Wilke
Professur für Soziale Arbeit an der IU- Internationale Hochschule
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