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Erich Schützendorf: In Ruhe alt werden können? Widerborstige Anmerkungen

Cover Erich Schützendorf: In Ruhe alt werden können? Widerborstige Anmerkungen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2005. 124 Seiten. ISBN 978-3-938304-05-1. 14,90 EUR, CH: 27,00 sFr.
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Inhalt

Der durch mehrere Publikationen und Aufsätze sowie durch umfangreiche Praxistätigkeit ausgewiesene Autor (Jahrgang 1949) nimmt das eigene Älterwerden zum Anlass für eine Reihe teils humorvoller, teils sarkastischer Betrachtungen über die Realität des Alterns. Mit viel Selbstironie werden die Anzeichen des Altwerdens der eigenen Person beschrieben. Die Diskrepanzen zwischen den in der Gesellschaft herrschenden Altersbildern und der Realität des Alterns werden mit vielen vergnüglichen Spitzen aufs Korn genommen. Gnadenlos werden der altersbedingte körperliche und geistige Verfall und der damit verbundene wachsende Zugriff der einschlägigen Versorgungs- und Pflegeinstitutionen den Lesern vor Augen geführt. Dabei scheut sich der Autor auch nicht, gemeinhin Unaussprechliches zu thematisieren, etwa dann, wenn er den Demenzverlauf oder die Pflegesituation nach einem Schlaganfall aus der Innenperspektive des Betroffenen schildert - z.T. in grotesker, aber eindrücklicher Überzeichnung. Auch der Tod als Bestandteil der Perspektiven des Alterns wird thematisiert.

Was das Buch für gerontologisch Interessierte lesenswert macht, ist die Fähigkeit des Autors, die subjektive Beschreibungsebene mit kritischen Bezügen auf  die Alternstheorien der letzten 35 Jahre zu verbinden. Viele dieser Theorien werden locker und ohne belehrenden Beigeschmack ins Spiel gebracht. Dabei wird auch die Zeitbedingtheit mancher - z.T. zentraler - gerontologischer Auffassungen deutlich, etwa der Disengagement-Theorie der 70er/80er Jahre. Erfrischend ist dabei, dass der Autor aktuellere Theorieansätze - etwa die Aktivitäts-Theorie - durchaus auch in ihrer Bedeutung relativiert. Auf diese Weise gelingt es ihm, die jeweiligen Betrachtungen durch Theorieaspekte zu vertiefen, ohne dabei in die Nähe dogmatischer Betulichkeit zu geraten. Unter der Hand lernen die Leser dennoch eine Menge über die Alternswissenschaften.

Gegen Ende des Büchleins spitzen sich allerdings die Horrorszenarien derart zu, dass sich dem (ebenfalls nicht mehr jungen) Rezensenten doch die Frage stellt, ob der Autor nicht zu sehr im Bannkreis der Schwierigkeiten und Störungen des Alterns gefangen bleibt. Schließlich könnte das Alter auch als ganz normale Lebensphase gesehen werden. Es sind wohl die verstörenden Erfahrungen langjähriger Professionalität des Autors in der Arbeit mit Alten Menschen, die das dezidierte Fragezeichen des Titels "In Ruhe alt werden?" begründen.

Fazit

Das Buch kann allen Leserinnen und besonders (da spürbar aus männlicher Lebenswelt geschrieben) Lesern empfohlen werden, die sich mit der Frage des eigenen Alterns oder des Altwerdens Angehöriger auseinandersetzen. Es ist sicher auch eine gewinnbringende Lektüre für beruflich in der Pflege oder im sozialen Bereich Tätige, die das eigene Handeln auch einmal aus (selbst-)kritischer Distanz betrachten wollen. Auch für den Studien- und Lehrbetrieb an Hochschulen ist es eine interessante Bereicherung.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Brömse
Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziales)


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Zitiervorschlag
Michael Brömse. Rezension vom 22.08.2006 zu: Erich Schützendorf: In Ruhe alt werden können? Widerborstige Anmerkungen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2005. ISBN 978-3-938304-05-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3166.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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