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Judy E. Boychuk Duchscher: Überlebensbuch Pflege

Rezensiert von Dr. Daniela Schlosser, 15.05.2024

Cover Judy E. Boychuk Duchscher: Überlebensbuch Pflege ISBN 978-3-456-86163-0

Judy E. Boychuk Duchscher: Überlebensbuch Pflege. Erfolgreicher Berufseinstieg für Pflegefachfrauen und -männer. Hogrefe AG (Bern) 2023. 191 Seiten. ISBN 978-3-456-86163-0. D: 36,95 EUR, A: 38,00 EUR, CH: 48,90 sFr.

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Thema

Das rezensierte Werk „Überlebensbuch Pflege“ beinhaltet eine aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetze Studie von Judy Duchschner, welche jüngst ausgebildetes Pflegepersonal nach ihrem Erleben, ihrer Verantwortung und ihren Herausforderungen und Chancen eingehend mit der Berufseinmündung als Pflegefachperson befragte. Dabei erhalten die Lesenden einen Einblick in die Lebenswelt der Transition von Pflegestudierenden bzw. -auszubildenden hin zur Pflegefachperson. Besonders deutlich werden dabei die eigentlich notwendigen Unterstützungsbedarfe für die jüngst eingemündeten Pflegefachpersonen, um sie dauerhaft für den Pflegeberuf zu gewinnen. Einen Blick auf diese Unterstützungsmöglichkeiten ist auch aufgrund des derzeit zu verzeichneten Pflegefachkräftemangels in Deutschland unabdingbar.

Autorin

Die Autorin des Werkes ist Judy E. Boychuk Duchschner. Sie ist diplomierte Pflegefachperson und Initiatorin der Organisation „Nursing the future“. Das Buch ist bereits im Jahr 2012 in Kanada unter dem Titel „From Surviving to Thriving“ veröffentlicht worden. Frau Boychuk Duchschner lebt in Kanada und ist vielfache Preisträgerin (u.a. Gesundheitsministerium von Saskatchewan oder der Pflege-Fakultät der University of Alberta) u.a. aufgrund ihrer Forschungsbeiträge zu den Transitionserfahrungen „frisch examinierter“ Pflegefachpersonen (S. 11).

Die Herausgeberin Barbara Müller ist Pflegefachfrau, diplomierte Pflegewirtin und leitet den Bereich Gesundheitsberufe des Hogrefe Verlags.

Entstehungshintergrund

Die Autorin J. E. Boychuk Duchschner wurde im Rahmen ihrer Berufstätigkeit damit konfrontiert, dass mit der Berufseinmündung in den Pflegeberuf nach Absolvierung der Abschlussprüfung oftmals ein sogenannter „Transitionsschock“ erfolgt, welcher in drei „Transitionsstadien“ abläuft. Ihr war es wichtig, zu eruieren, mit welchen Herausforderungen und Emotionen die jüngst berufseingemündeten Pflegefachpersonen während dieser Transition konfrontiert sind und wie sie innerhalb dieser Zeit bestmöglich unterstützt werden können.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Im ersten Kapitel nimmt die Autorin einen Problemaufriss vor und erläutert die Ausgangslage der Pflegestudierenden und -auszubildenden. Dabei wird mit eindrucksvollen Interviewausschnitten die Situation „frisch examinierter“ Pflegefachpersonen mit all ihren Ängsten, Zweifeln und unerfüllten Erwartungshaltungen deutlich.

Im zweiten Kapitel erläutert sie den „Schock der Transition“, den Pflegestudierende bzw. -auszubildende zu bewältigen haben, wenn sie in den Pflegeberuf einmünden. Dabei orientiert sie sich an der Theorie des „Realitätsschocks“ von Marlene Kramer (1974: Reality Schock: Why nurses leave nursing) und ermöglicht einen Einblick in das emotionale, körperliche, intellektuelle und sozio-entwicklungsorientierte Erleben des Transitionsschocks. Zugleich illustriert die Autorin die notwendigen Elemente einer professionellen und erfolgreichen Rollentransition (Stabilität, Vorhersagbarkeit, Vertrautheit, Beständigkeit und Erfolg).

Die drei „Transitionsstadien“ erhalten je ein eigenes Kapitel (drei bis fünf), in welchem auch die damit verbundenen Aufgaben einer jüngst eingemündeten Pflegefachperson dargelegt werden. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich also mit dem ersten Transitionsstadium, dem „Handeln“, und verdeutlicht, dass jüngst eingemündetes Pflegepersonal in den ersten Monaten damit beschäftigt ist, zu lernen, das Handeln zu korrigieren, Nichtwissen zu verbergen und ggf. das Handeln anzupassen. Kapitel vier widmet sich dem zweiten Transitionsstadium, dem „Verhalten“ als Neuankömmling in der pflegerischen Berufspraxis. Die Leserinnen und Leser werden durch die Integration der Interviewausschnitte mit den Zweifeln bezüglich der Berufswahl der jüngst eingemündeten Pflegepersonen konfrontiert. Das zweite Transitionsstadium schließt damit ab, dass die „frisch examinierten Pflegepersonen“ fähig sind, einen realistischeren und somit professionelleren Blick auf die Berufspraxis zu werfen. Sie erleben mehr Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und erreichen somit das Transitionsstadium 3, welches im fünften Kapitel thematisiert wird. Dieses Stadium stellt das Wissen in den Mittelpunkt des Transitionsprozesses, und illustriert das Vertrauen in die eigene Kompetenz. Nach circa neun Monaten wird die Identität als Pflegeperson analysiert. Die Pflegefachpersonen akzeptieren ihre Berufswahl oder sondieren ggf. weitere Einsatz- bzw. Berufsmöglichkeiten aus.

In Kapitel sechs werden abschließend die Anhänge, ergänzende Literaturvorschläge, Informationen zur Autorin (J. E. Boychuk Duchschner) und ein Sachwortverzeichnis aufgeführt.

Zielgruppe

Das Buch spricht vornehmlich Studierende bzw. Auszubildende in der Pflege an und zeigt Unterstützungsmöglichkeiten in der Phase der Berufseinmündung als Pflegefachperson auf. Da diese Unterstützungsmöglichkeiten jedoch oftmals von Lehrenden oder Leitungspersonen initiiert und organisiert werden müssen, kann dieser Personenkreis ebenfalls als Zielgruppe definiert werden.

Diskussion

Das vorliegende Werk besticht durch seine Erzählform. Eindrucksvoll wird die Situation von jüngst berufseingemündeten Pflegepersonen und ihrer Transition vom Studierenden bzw. Auszubildenden hin zu einer Pflegefachkraft illustriert. Vor allem der Einbezug von Interviewausschnitten ermöglicht einen lebhaften Einblick in die Lebenswelt „frisch examinierter“ Pflegefachpersonen. Hilfreiche Querverweise runden die einzelnen Kapitel ab, wenngleich diese doch in übersichtlicher Anzahl verwendet werden. Obwohl das Buch bereits 2012 in Kanada veröffentlicht wurde, so lassen sich die behandelten Inhalte in vielen Teilen auf Deutschland übertragen. Dazu wird an geeigneten Stellen mittels Fußnoten auch auf die Gesetzgebung der BRD verwiesen. Innerhalb der Kapitel eins bis fünf werden oftmals auch Unterstützungsmöglichkeiten/​Handlungsempfehlungen für die jüngst eingemündeten Pflegefachpersonen erläutert. Leider verbleibt die Autorin an vielen Stellen auf der Ebene der berufseingemündeten Person, welche die Verantwortung für ihre eigene Transition trägt. Handlungsempfehlungen für Lehrende und Leitende werden eher weniger in den ersten Kapiteln in die Pflicht genommen. So werden Verantwortungsbereiche von Leitungs- und Lehrkräften vornehmlich erst im Anhang – und hier v.a. im vierten Teil – konkretisiert.

Das Buch beinhaltet ausschließlich Ergebnisse aus der Forschung. Ein Blick auf das Forschungsvorgehen (Forschungsdesign, Stichprobe, Datenerhebung und -auswertung) bleibt aus.

Fazit

Das von Barbara Müller herausgegebene Buch beinhaltet eine in Kanada erschienene Studie. Diese ermöglicht einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt von berufseingemündeten Pflegepersonen. Das Buch beinhaltet Ergebnisse einer Studie von J. E. Boychuck Duchschner, welche ihre gewonnenen Erkenntnisse in drei Stadien der Transition vom Auszubildenden bzw. Studierenden hin zur Pflegefachperson nach Ausbildungs- bzw. Studienabschluss einbettet. Die qualitativen Ergebnisse innerhalb dieses Werkes sind tiefgründig und nachvollziehbar und für angehende Pflegefachpersonen sowie Leitende und Lehrende empfehlenswert. Zusätzlich kann es auch für Studierende eine interessante Lektüre sein, um vornehmlich die dortigen Ausführungen zu diskutieren.

Rezension von
Dr. Daniela Schlosser
Dipl. Berufspädagogin M.A.
Lehrkraft für besondere Aufgaben Fachhochschule Münster sowie Leitung des ZpLL (Zentrum für praktisches Lehren und Lernen)
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Es gibt 1 Rezension von Daniela Schlosser.

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Zitiervorschlag
Daniela Schlosser. Rezension vom 15.05.2024 zu: Judy E. Boychuk Duchscher: Überlebensbuch Pflege. Erfolgreicher Berufseinstieg für Pflegefachfrauen und -männer. Hogrefe AG (Bern) 2023. ISBN 978-3-456-86163-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/31733.php, Datum des Zugriffs 20.05.2024.


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