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Karl Heinz Brisch, Carlo (Illustrator) Schneider: SAFE ®

Rezensiert von Prof. em. Dr. Matthias Moch, 17.12.2025

Cover Karl Heinz Brisch, Carlo (Illustrator) Schneider: SAFE ® ISBN 978-3-608-98789-8

Karl Heinz Brisch, Carlo (Illustrator) Schneider: SAFE ®. Sichere Ausbildung für Eltern. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2024. 240 Seiten. ISBN 978-3-608-98789-8. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.

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Thema

Das Buch führt (werdende) Eltern in Grundlagen der Bindungstheorie ein, erklärt wichtige Zusammenhänge und gibt zahlreiche Vorschläge für Haltungen und Handlungsweisen, wie Eltern eine sichere Bindung zu ihrem Kind entwickeln und erhalten können.

Aufbau

Das Werk umfasst 240 Seiten und ist in 10 Kapitel gegliedert. Die zwei ersten Kapitel (insgesamt 83 Seiten) haben Grundlagen zur Bindungstheorie zum Gegenstand. Es folgen drei Kapitel zu Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter (60 Seiten). Vier Kapitel befassen sich mit einzelnen Querschnittsthemen. Das letzte Kapitel gibt einen Überblick zu den Inhalten des SAFE-Elternkurses. Jedes Kapitel schließt mit einer kurzen Zusammenfassung ab.

Entstehungskontext

Das Buch ist eine für jede:n Laien verständliche Zusammenfassung der langjährigen Forschungs- und Bildungsbemühungen des Autors in Bezug auf die Befähigung von Eltern zur bindungssicheren Erziehung ihrer Kinder. Es bildet gewissermaßen den Hintergrund eines Elternkurses, der die Entwicklung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind zum Gegenstand hat.

Autor

Karl Heinz Brisch (Jg. 1955), Dr. med. habil., ist Professor an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg und war bis 2020 Vorstand des weltweit ersten Lehrstuhls für Early Life Care. Er leitete viele Jahre lang die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. Haunerschen Kinderspital der Universität München. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie sowie Psychoanalytiker für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Gruppen. Seit vielen Jahren setzt er sich in verschiedensten Engagements für wissenschaftlich fundierte Maßnahmen des Kinderschutzes ein.

Inhalt

Es handelt sich hier um ein Werk, das man am ehesten als illustriertes Lesebuch für werdende Eltern ansehen kann. In leichter, allgemeinverständlicher Sprache werden zentrale, wissenschaftlich belegte Befunde der Bindungstheorie erläutert. Eltern werden – unterstützt durch zahlreiche Alltagsbeispiele – auf die Bedeutung einer sicheren Bindung für eine gesunde Entwicklung des Kindes hingewiesen. Zugleich wird verdeutlicht, welche Folgen eine unsichere Bindung für das Wohlergehen des Kindes hat. „Auch Fachleute unterschiedlicher Berufsgruppen, die mit der Betreuung von Schwangeren, Eltern und Säuglingen beschäftigt sind, können von Inhalten dieses Buches für ihre Arbeit profitieren.“ (S. 18).

Ganz wesentlich tragen die zahlreichen (insgesamt 63) bunten Illustrationen des Künstlers Carlo Schneider dazu bei, dass die Inhalte leicht – und oft auch mit einem Schmunzeln – aufgenommen werden können.

Alle relevanten Aspekte der Bindungstheorie werden alltagsnah besprochen: die Lebenswichtigkeit von Bindung, die Beziehungen zwischen Bindung und Neugier, Voraussetzungen einer sicheren Bindung, Möglichkeiten von Fehlentwicklungen, transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern. Auch das Thema vorübergehende Trennung und die Betreuung durch Babysitter und Tagesmütter wird angesprochen.

Es wird deutlich gemacht, dass Bindung bereits in der Schwangerschaft beginnt und durch besondere Verhaltensweisen der Eltern unterstützt werden kann. Zahlreiche Hinweise werden gegeben zum Umgang mit dem Säugling in Bezug auf Pflege, Spiel, Sprache, Ernährung, Schlafen. Die Veränderung der Rollen der Eltern inklusive möglicher Ängste, Zweifel und Idealvorstellungen wird erläutert.

Im letzten Drittel des Buches werden einzelne Themen hervorgehoben: Veränderungen und Entwicklungen in der Partnerschaft, Pflege und Betreuung durch andere Personen sowie der gelingende Wechsel zwischen Nähe und Welterkundung.

Ein besonderes Kapitel, welches in dieser zweiten Auflage neu aufgenommen wurde, befasst sich mit dem Einsatz elektronischer Medien zur Aufmerksamkeitssteuerung und Beruhigung des Babys.

Im Schlusskapitel werden die Inhalte des Schulungsprogramms SAFE für werdende Eltern ausführlich dargelegt. Die Zielgruppe und Möglichkeiten zur Weiterbildung zur:m Mentor:in werden beschrieben, ergänzt durch eine Liste mit weiterführender Literatur.

Diskussion

Angesichts einer weiterhin steigenden Anzahl von in den Jugendämtern gemeldeten Kinderschutzfällen sind die Inhalte des Buches von sehr hoher Relevanz. Die Hintergründe für viele Fälle von Vernachlässigung und seelischer Not von Kindern liegen darin begründet, dass Eltern ihrem eigenen Verhalten nicht die Bedeutung zumessen, die es für die Bindungssicherheit des sehr jungen Kindes hat. Insofern sensibilisiert das Buch alle Eltern dafür, wie ihre Haltung und ihr konkretes Tun die Bindungsentwicklung des Kindes unmittelbar und nachhaltig beeinflussen. Dabei greift es durchaus in einfühlsamer Weise – unterstützt durch viele Beispiele – mögliche Grenzen, Zweifel und Nöte von Eltern auf. Die plastischen Darstellungen können Eltern Mut machen, ihre Talente auszuschöpfen und dem Kind eine anregende und von Nähe und Sicherheit geprägte Umwelt zu bieten.

Durch die sprachliche Gestaltung, den persönlichen Duktus des Autors aber besonders durch die lebensnahen und doch emotional ansprechenden Illustrationen distanziert sich das Buch indirekt davon, ein Lehrbuch zu sein. Vielmehr gelingt es dem Autor, Eltern in ihren alltäglichen Belangen anzusprechen und mit Empfehlungen zu begleiten.

Unter bindungstheoretischer Perspektive liegt es nahe, dass die Mutter im Zentrum der Darstellung steht. Die allermeisten dargelegten Aspekte beziehen sich auf ihre Rolle.[1] Väter werden durchaus auch angesprochen, in der Regel als sekundäre Bindungspersonen, die als beruflich eingespannt und weniger verfügbar dargestellt werden. Väter könnten sich daher durch das Buch etwas vernachlässigt vorkommen, vor allem dann, wenn sie – aufgrund gegebener Lebensumstände – früh für einen Säugling sorgen müssen. Väter können ebenso sehr primäre Bildungspersonen für das Kind sein.

Der Text geht insgesamt von der Existenz einer Familie mit Vater und Mutter als Eltern aus. Zwar werden im Vorwort einmal auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften angesprochen, jedoch kann angemerkt werden, dass die Themen Ein-Eltern-Familie oder auch Patchworkfamilie in Bezug auf die Bindungsentwicklung – auch angesichts ihrer demografischen Häufigkeit – durchaus einer etwas erweiterten Einlassung würdig gewesen wären.

Fazit

Das Buch schließt eine wichtige Lücke in der Ratgeberliteratur für werdende Eltern, weil es gesicherte, wissenschaftlichen Erkenntnissen mit vielen praktischen Beispielen aus dem Erziehungsalltag verbindet. Die Form der Präsentation ist sehr ansprechend und erleichtert das Lesen. Es sei allen (nicht nur) werdenden Müttern und Vätern zur anregenden Lektüre empfohlen.


[1] Dies mag auch darin begründet sein, dass sich viele empirische Befunde der Bindungsforschung auf Interaktionen zwischen Mutter und Baby beziehen und dabei der Mutter eine primäre Funktion zu Schutz, Pflege und Ernährung des Babys zugeschrieben wird.

Rezension von
Prof. em. Dr. Matthias Moch
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Es gibt 30 Rezensionen von Matthias Moch.

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ISSN 2190-9245