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Lars Mechler: "Sicher und klar"

Rezensiert von Prof. Dr. Diplompädagoge Andreas Schauder, 23.03.2026

Cover Lars Mechler: "Sicher und klar" ISBN 978-3-8080-0952-9

Lars Mechler: "Sicher und klar". Professionelle Deeskalation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2024. 2. Auflage. 208 Seiten. ISBN 978-3-8080-0952-9. D: 21,95 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 35,60 sFr.

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Thema

Gewalt und Aggressivität von und unter Jugendlichen ist seit Jahrzehnten ein immer wieder diskutiertes Thema, das bereits in vielfachen Publikationen behandelt wurde. Lars Mechlers Publikation nimmt sich der unterschiedlichen Dimensionen und Frageaspekten zu diesem Thema an und verfolgt das Ziel, die Leser:innen auf eine professionelle Handlungsweise im Umgang mit Gewalteskalation vorzubereiten. Er zeigt auf, wie Pädagog:innen „sicher und klar“ agieren und in Eskalationssituationen mit Kindern und Jugendlichen professionell intervenieren sollen.

Autor:in oder Herausgeber:in

Lars Mechler (geb. 1982) ist Lehrer an einer Gesamtschule und unterrichtet Biologie und Sport. Zusätzlich ist er als Trainer und Referent aktiv, ist Anti-Gewalt-/​Deeskalations-Trainer und Systemischer Berater.

Entstehungshintergrund

Gewalttätiges und aggressives Handeln von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Peergroup oder gegenüber pädagogischem Personal steht für Lehrer:innen und Sozialarbeitende – insbesondere in der Kinder‑ und Jugendarbeit – häufig auf der Tagesordnung. Lars Mechler unternimmt den Versuch, die über Jahrzehnte entwickelten erfolgreichen gewaltpräventiven Ansätze und Methoden in der pädagogischen Arbeit aufzuzeigen, sie in einem aktuellen Kontext zu betrachten und beschreibt strukturierte und vorbereitete Interventionsformen. Diese Publikation beinhaltet eine Fülle von fachlichen Ansätzen und Konzepten, die den Leser:innen als Anregung dienen, sich auf gewalttätige Eskalationssituationen vorzubereiten und entsprechend professionell zu (re)agieren.

Aufbau

Das Buch besteht aus sechs Kapiteln, die mit Unterkapiteln und ‑themen ausgearbeitet werden. Das erste Kapitel (A) widmet sich der „Präventiven Deeskalation“, hier werden Grundaussagen, Haltungen und Begrifflichkeiten geklärt bzw. definiert. Kapitel „B“ geht auf die „Deeskalation im Umgang mit instrumenteller Aggression“ ein, bevor im Kapitel „C“ eine „Deeskalation bei aggressiver Hochspannung“ betrachtet wird. Die Kapitel „D“ „Sichernde und schützende Intervention“ (sic!), „E“ „Nachsorge/​Nachkrisenbetreuung“ und „F“ „Systemische Reflexion“ runden die thematische Auseinandersetzung ab. Jedes Unterkapitel wird mit farblich abgesetzten Zitaten oder Thesen ergänzt.

Inhalt

Die inhaltliche Gestaltung dieses Werkes ist kohärent strukturiert und der Autor lädt schrittweise zu einer selbstreflexiven Auseinandersetzung der Lesenden mit dieser komplexen und weitreichenden Thematik ein. Neben den Definitionen, die im ersten Teil aufgeführt sind, nimmt er zügig zu der These Bezug, dass „eine professionelle Einstellung und Vorbereitung auf den Umgang mit ‚aggressivem‘ und herausforderndem Verhalten sowie die systemische Verhinderung/​Reduktion der Entstehung von solchen Verhaltensweisen … ein elementarer Bestandteil eines ganzheitlichen und professionellen Deeskalationskonzeptes (sind)“ (S. 9). Die Reflexion der eigenen Haltung bzw. das Erkennen der „eigenen Anteile“ von Pädagog:innen in Gewaltsituationen steht hier im Zentrum. Diese Perspektive verhilft, sich mit der eigenen Position als Pädagog:in bewusst auseinanderzusetzen und ist Grundlage bzw. Voraussetzung für ein ruhiges und klares Auftreten im „Ernstfall“. Die subjektive Wahrnehmung von Gewalthandlungen mit Eskalationspotenzial muss von Pädagog:innen hinterfragt und analysiert werden, wobei das – in der Sozialen Arbeit seit langem geltende – Prinzip der Trennung von „Person“ und „Verhalten“ eines Kindes/​Jugendlichen zum Tragen kommt.

In diesem Zusammenhang wird die besondere Bedeutung der Kommunikation und deren gewaltdeeskalierenden Potenziale hervorgehoben. Unter Bezugnahme auf das Schulz von Thun’sche Kommunikationsmodell werden exemplarisch Gesprächssituationen betrachtet, bevor konkret auf erprobte Deeskalationsmodelle eingegangen wird. Weiterführende Aspekte wie Risikoeinschätzung, Grundprinzipien einer „deeskalativen Grenzziehung“, Fragen nach Macht, Autorität und Regelsetzungen werden erörtert und detailliert ein „Handlungsleitfaden“ zur Deeskalation bei aggressiver Hochspannung und weitere Interventionsmöglichkeiten vorgestellt.

Abschließend verweist der Autor auf die Notwendigkeit einer „Nachsorge/​Nachkrisenbetreuung“ für Kinder und Jugendliche und auch der betroffenen Pädagog:innen, bevor eine „Systemische Reflexion“ skizziert wird, die hilft, weitere Faktoren mit dynamisierenden Effekten auf eskalierende Gewaltsituationen zu identifizieren. Explizit werden hier „baulich-technische Ursachen, organisationsbedingte Ursachen, Ursachen in der Person des Opfers und Ursachen in der Person des Täters“ genannt.

Diskussion

Das vorliegende Werk lädt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema „Gewalt“ und ihren Ausprägungen ein, mit dem Ziel, das eigene gewaltpräventive und deeskalierende Interventionsrepertoire zu reflektieren. Dabei wird eine stringente Argumentation geführt, die die Lesenden auffordert, vorgeschlagene Ansätze und Methodiken auf ihren eigenen pädagogischen Kontext zu übertragen und entsprechend zu hinterfragen. Leider wird an einigen Stellen der Diskurs nur sehr knapp geführt und lässt eine vertiefende inhaltliche Auseinandersetzung vermissen. So wird beispielsweise unter dem Titel „Präsenz und Aufsicht“ (unter Bezugnahme auf eine ältere Quelle) konstatiert: „Die Kinder und Jugendlichen müssen das Gefühl haben, ständig beaufsichtigt zu werden …“ (S. 109), ohne dass diese These hinterfragt oder diskutiert wird. Die Frage sei erlaubt: Könnte dieses angestrebte „Gefühl“ bei den Jugendlichen nicht auch ein Teilgrund sein, der zu einer eskalierenden Gewalthandlung führen kann, und müsste dies nicht auch in eine, vom Autor geforderte „Systemische Reflexion“, einfließen? Das abschließende Kapitel (E) ist – trotz der relevanten Thematik – viel zu oberflächlich geraten und trägt somit wenig zur intensiven inhaltlichen Diskussion bei.

Trotz dieses kritischen Einwands gelingt es dem Autor sehr gut, die zentrale Bedeutung des Themas „Professionelle Deeskalation“ und einen professionellen, methodisch fundierten Weg aufzuzeigen, sich dieser herausfordernden Aufgabe als Pädagog:in zu stellen und sich professionell darauf vorzubereiten.

Fazit

Insgesamt ein lesenswertes und interessantes Werk. Insbesondere für (sozial-)pädagogische Teams und Professionelle, die sich in die komplexe Thematik von Gewalt, Eskalation und professionellen Interventionen einarbeiten möchten, sei dieses Werk empfohlen.

Rezension von
Prof. Dr. Diplompädagoge Andreas Schauder
Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten und Muttenz
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Es gibt 6 Rezensionen von Andreas Schauder.

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ISSN 2190-9245