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Günther Anfang, Kathrin Demmler u.a. (Hrsg.): Mit Kamera, Maus und Mikro

Cover Günther Anfang, Kathrin Demmler, Klaus Lutz (Hrsg.): Mit Kamera, Maus und Mikro. Medienarbeit mit Kindern. kopaed verlagsgmbh (München) 2005. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-938028-57-5.
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Einführung ins Thema

Medienarbeit mit Kindern - auch heute immer noch ein Thema, bei dem Uneinigkeit herrscht: Auf der einen Seite steht die unumstrittene Erkenntnis, dass Kinder heutzutage völlig anders mediensozialisiert sind als es die Generation ihrer Eltern war und aufgrund dessen unbedingt frühzeitig lernen müssen, mit den neuen Medien umzugehen, um in unserer von ihnen durchdrungenen Welt zurechtzukommen; auf der anderen Seite kursieren weiterhin diffuse Ängste darüber, dass Kinder, insbesondere Kindergartenkinder, die zu früh konkret an die "Neuen Medien" herangeführt werden, im virtuellen Raum verbleiben und keine so genannten 'Realerfahrungen' mehr machen: "Computer lernt man früh genug!". Letztere Einstellung gilt nicht nur für Eltern, die sich aufgrund ihres eigenen bedingt kompetenten Umgangs mit den neuen Medien auf solche Ängste zurückgeworfen fühlen, sondern immer auch noch für (sozial-)pädagogische Einrichtungen und Fachkräfte, obwohl 'Medienpädagogik' schon lange auf den Lehrplänen der ErzieherInnen und (Sozial-)PädagogInnen steht. Neben den praktischen Kenntnissen und Fertigkeiten, die man im Umgang mit den 'Neuen Medien' - die ja so neu auch nicht mehr sind - braucht, um Medienarbeit mit Kindern überhaupt umsetzen zu können, fehlt es aber genau so oft an theoretisch fundierten Erkenntnissen, die eine sinnvolle, konzeptionell planbare praktische Medienarbeit mit Kindern für eine verantwortliche Pädagogik begründen. Hier setzt dieses Buch an: Denn es "will Kriterien und Ziele für eine Medienarbeit mit Kindern aufzeigen, die pädagogisch begründet und ausdifferenziert sind" (S. 8). Ziel dieses Buch ist es, "als praktische Handreichung (...) Ideen und Konzepte für die medienpädagogische Arbeit zu vermitteln" (ebd.) und dafür die Grundlagen theoretisch zu fundieren (vgl. ebd.).

HerausgeberInnen

  • Günther Anfang, Medienpädagoge, studierte Pädagogik und Erziehungswissenschaften (M.A.) und für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Seit 1982 ist er Leiter des Medienzentrums München und seit 1994 Leiter der Abteilung Praxis am JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Außerdem ist er Redaktionsmitglied der Zeitschrift medien + erziehung.
  • Kathrin Demmler, Medienpädagogin, studierte für das Lehramt an Grundschulen an der Universität Augsburg. Seit 1999 ist sie medienpädagogische Referentin mit dem Schwerpunkt Multimedia am JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München.
  • Klaus Lutz, Medienpädagoge, ist pädagogischer Leiter des Medienzentrums PARABOL in Nürnberg und Dozent an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule im Studienschwerpunkt Medienpädagogik und Mitglied im Vorstand des JFF.

Aufbau und Inhalt

Beim Lesen lässt sich das Buch grob in drei Abschnitte strukturieren: Theorie, Praxis und Anhang. Insgesamt fünf Kapitel teilen sich wiederum in 27 Einzelartikel und -beiträge von 19 namhaften medienpädagogisch relevanten Autoren von "A-Z" - von Aufenanger bis Zacharias - auf.

  1. Der erste Abschnitt, den ich 'Theorie' nennen möchte, mit den beiden Kapiteln "1. Theoretische Grundlagen" und "2. Von der Medienerziehung zur aktiven Medienarbeit" beschäftigt sich ausführlich mit einer wissenschaftlichen Grundlegung einer mit Kindern durchgeführten praktischen Medienarbeit, die vor allem die Bedeutung der Medien im Alltag und die Rezeptionssituation in Bezug auf Kinder behandelt und in der Zielsetzung einer ganzheitlichen Medienerziehung mündet, die in diesem Kontext die aktive Medienarbeit fokussiert.
  2. Im zweiten - praktischen - Abschnitt mit seinen Kapiteln "3. Beispielhafte Projekte" und "4. Grundlagen der Gestaltung und Technik" werden zum einen konkrete Praxisbeispiele vorgestellt, die - und das ist das Besondere - nicht nur theoretisch beschrieben sind, sondern sich allesamt schon erfolgreich in der Praxis bewährt haben und im Zusammenhang einer teilweise kritischen Darstellung derselben eine starke alltagsnahe pädagogische Relevanz bekommen. Zum anderen werden im vierten Kapitel grundlegende Kenntnisse und Hinweise in Bezug auf generellen Umgang mit "Audio, Foto, Video und Multimedia" gegeben, die dann auf einen Einsatz in der praktischen, projektorientierten Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fokussiert werden und sich in Verbindung mit dem vorangegangenen Kapitel zu einer praktischen Handlungsanleitung für eben solche Projekte auch - und in besonderer Weise - für den Laien darstellen.
  3. Der dritte Abschnitt, dem Anhang, - im Buch das fünfte und letzte Kapitel - besteht einerseits aus dem sehr ausführlichen AutorInnenverzeichnis der VerfasserInnen dieses Buches inkl. Dienstadresse, Telefon- und E-Mail-Kontakt sowie aus einer Adressenliste von so genannten Medienzentren.

Diskussion

"Das Buch richtet sich an alle, die medienpädagogisch mit Kindern arbeiten wollen, egal ob in Kindergarten und Hort, in Kindereinrichtungen im außerschulischen Kontext oder auch in Grund- und Förderschulen" (S. 8). Mit diesem Anspruch verbindet sich eine Erwartungshaltung an eine einfache und präzise Sprache und zugleich pädagogisch fundierten Erkenntnissen sowie konzeptionellen und handlungsorientierten, praktisch umsetzbaren Anleitungen.

Mit der von Aufenanger und Theunert in sehr verständlichen Worten dargelegten theoretischen Fundierung praktischer Medienarbeit mit Kindern mit Blick auf den Einfluss der Medien auf die Kindheit und die altersspezifische Zuwendung von Kindern zu den Medien, eröffnet sich auch und vor allem dem 'Praktiker' ein wissenschaftlicher Zugang zum Thema "Medienarbeit mit Kindern". Von Zacharias wird dieser Zugang aufgenommen und in Bezug auf die Zielsetzungen und Prinzipien ganzheitlicher Medienerziehung in die Frage umformuliert, welche Kompetenzen unsere Kinder in der Medienwelt brauchen (vgl. S. 29ff.). Diese Frage beantwortet er in seinem Beitrag schließlich mit den "10 Prinzipien einer ganzheitlichen Medienerziehung/Medienbildung für Kinder" (S. 44f.), die er hierin "als Teil von Allgemeiner Bildung und des 'Lernziels Lebenskompetenz' zu verankern" (S. 29) versucht und damit einen theoriebezogenen Kreis schließt, der es dem pädagogischen Fachpersonal ermöglicht, praktische Medienarbeit in einen pädagogisch-konzeptionell planbaren Rahmen unter dem Leitziel eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs einzubinden, "der das gesamte Spektrum der menschlichen Fähigkeiten und Werte meint und auch in der Vermittlung umfassen sollte" (S. 37).

Sehr differenziert werden von den beiden MitherausgeberInnen Demmler und Lutz im zweiten Teil der Theorie die besonderen Bedürfnisse, Interessenslagen und Möglichkeiten sowie Grenzen von Kleinkindern, Vorschulkindern, Grundschulkindern bis an die Schwelle von Jugendlichen innerhalb der aktiven Medienarbeit erläutert und theoretisch vertieft. Hierdurch bekommen die im Anschluss vorgestellten Praxisbeispiele ihren theoretischen Bezugsrahmen und bleiben nicht als "isolierte Beispiele" stehen.

Bei den Praxisbeispielen wird sinnvollerweise unterschieden zwischen Audio-, Foto-, Video- und Multimediaprojekten und mit einer kleinen Einleitung in das jeweilige Unterkapitel eingeführt. Besonders auffällig und hervorzuheben ist auch hier wieder der praktische Bezug in Form eines kleinen Steckbriefs, der das Projekt kurz in Stichworten vorstellt und - wo gegeben - eine Veröffentlichungsadresse beinhaltet (oft in Form einer Internetadresse). Da die Projekte alle schon erfolgreich durchgeführt wurden, sind sie in der Regel konzeptionell beschrieben und enthalten am Ende ein durchaus kritisches Fazit in Bezug auf das Ergebnis und/oder den Prozessverlauf. Kritisch anzumerken bleibt, dass sich von 14 vorgestellten Projekten 11 auf das Alter zwischen 6 und bis zu 15 Jahre beziehen und nur zwei ausschließlich auf das Grundschulalter von 6 bis 7 Jahren und ein einziges explizit auf das Vorschulalter, obwohl ein Großteil der Theorie im Buch sich gerade auch mit der praktischen Medienarbeit von Kleinkindern und Vorschulkindern beschäftigt. Die praktische Demonstration dessen bleibt zu wenig berücksichtigt.

Im zweiten Teil des praktischen Abschnitts des Buches wird in die "Grundlagen der Gestaltung und Technik" eingewiesen. Dieser 43-seitige Bereich wird wiederum sinnvollerweise in die Gebiete "Audio, Foto, Video und Multimedia" aufgeteilt und besticht durch die kompakten und zugleich sprachlich einfach gehaltenen und gleichwohl präzisen, sehr aufschlussreichen sowie allumfassenden Grundinformationen, die so fundamental sind, dass es sich zur Umsetzung der beschriebenen Medienprojekten fast erübrigt, weitere Literatur hinzuzuziehen. Beispielhaft seien hier die von Fiedler angeführten Grundlagen der Audioarbeit in Bezug auf Interviewtechniken, Reportagen und das "Schreiben für's Hören" und auf die Inhalte des Mitherausgebers Anfang in seinem Beitrag zur Videoarbeit zu den Dramaturgischen Schritten, das Drehbuch, Kamerapositionen und die Produktionsplanung hingewiesen.

Besonders positiv hervorzuheben ist, dass unter der URL www.jff.de/bastelstube (S. 183) eine eigens für dieses Buch geschaltete Webseite im Netz zu finden ist, wo auch entsprechende Software für die Umsetzung der im Buch vorgestellten Projekte zum Download angeboten bzw. auf entsprechende Seiten verlinkt wird, auch wenn diese Links auf der Seite teilweise unkommentiert bleiben und sich dem Leser nicht unbedingt sofort erschließt, welche Software(-empfehlung) sich hinter den entsprechenden Links verbirgt. Eine kapitelweise Aufteilung und kurze inhaltliche Hinweise zu den Links würden hier sehr hilfreich sein. Im genannten Zusammenhang fällt weiterhin negativ auf, dass es bei diesem explizit auf die Praxis ausgerichteten Buch innerhalb der Projektvorstellungen und auch im vierten Kapitel zu den technischen Grundlagen wenig konkrete Softwareempfehlungen überhaupt gibt (z. B. beim nonlinearen Videoschnitt) und im Besonderen für lizenzfreie Software (open source), auf die viele pädagogischen Einrichtungen aufgrund zu hoher Preise der lizenzierten Software aber weiterhin und zunehmend aufgrund von Mittelkürzungen angewiesen sind. Darüber hinaus ließe sich die für das Buch geschaltete - sinnvoll mitgedachte, aber leider nicht konsequent genutzte - Internetseite viel besser für die internetrelevanten Veröffentlichungsadressen der vorgestellten Projekte im Steckbrief verwenden, um der bekannten 'Flüchtigkeit' des Internets sinnvoll zu begegnen: So könnten alle Internetverweise im Buch auf diese eine Seite hinweisen und 'online' die veränderten Links aktualisiert werden. Darüber bliebe die Aktualität des Buches längerfristig gewahrt (die Internetadresse aus dem Projekt "Ohren auf - wie klingt der Wald?" (S. 87) wird beispielsweise nicht mehr gefunden [Stand: 26.01.2007]).

Fazit

Was dieses Buch in besonderer Weise auszeichnet, ist der gelungene Versuch, es als ein explizit für die pädagogische Praxis handlungsanleitendes, konzeptionelles Werk für die beschriebene und anvisierte Zielgruppe zu verfassen. Die Einbettung praktisch-anleitender konkreter Projektvorstellungen in einen wissenschaftlichen, theoretischen Bezugsrahmen unter dem Leitziel eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs verbunden mit der Vermittlung grundlegender technischer Kenntnisse, macht dieses Buch zu einem aktuellen Standardwerk, was in keiner schulischen oder außerschulischen pädagogischen Einrichtung oder in den Fachbibliotheken sozialpädagogischer Akademien/Fachschulen/Hochschulen fehlen sollte.


Rezensent
Dipl.-Soz. Päd. Richard Janz
Dipl.-Soz. Päd. und Medienpädagoge. Dozent an der Hochschule Düsseldorf (HSD) im Modul „Kultur-Ästhetik-Medien“ für das Teillehrgebiet „Neue Medien/Digitale Medien“
Homepage soz-kult.hs-duesseldorf.de/janz
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Zitiervorschlag
Richard Janz. Rezension vom 03.03.2007 zu: Günther Anfang, Kathrin Demmler, Klaus Lutz (Hrsg.): Mit Kamera, Maus und Mikro. Medienarbeit mit Kindern. kopaed verlagsgmbh (München) 2005. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. ISBN 978-3-938028-57-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3183.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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