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Karin Schittenhelm: Soziale Lagen im Übergang

Cover Karin Schittenhelm: Soziale Lagen im Übergang. Junge Migrantinnen und Einheimische zwischen Schule und Berufsausbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 333 Seiten. ISBN 978-3-531-14280-7. 29,90 EUR.
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Einführung in das Thema

Die Verfasserin geht der Frage nach, ob Migrantinnen der zweiten Generation nach dem Schulbesuch bei der Ausbildungssuche vergleichbare Risiken haben wie Einheimische. Oder spielen für sie im Verhältnis dazu geschlechtliche oder ethnische Zuschreibungen eine wichtigere Rolle? Sie führt dazu eine umfangreiche Untersuchung durch, in deren Mittelpunkt der Lebensabschnitt junger Frauen nach der allgemeinbildenden Schule bis zur Aufnahme einer beruflichen Erstausbildung einschließlich der ersten Erfahrungen am Arbeitsplatz steht. Methodisch wählt die Autorin qualitative Verfahren der Sozialforschung: teilnehmende Beobachtung, Gruppendiskussion, biographische Interviews. Der theoretische Bezugsrahmen der Untersuchung soll sich dabei einerseits auf die zeitgeschichtliche Einbindung einheimischer und zugewanderter Milieus in soziale Wandlungsprozesse beziehen. Andererseits soll die Frage beantwortet werden, wie sich in Zeiten des Übergangs horizontale Disparitäten ergeben, einschließlich solcher, die von geschlechtlichen und ethnischen Zuschreibungen herrühren.

Inhalt

Zunächst erörtert die Autorin Strukturdaten zur gegenwärtigen Ausbildungsbeteiligung junger Frauen. Sodann diskutiert sie ausgewählte Untersuchungen zur Übergangsphase zwischen Schule und beruflicher Ausbildung. Anschließend wird die Forschungsstrategie dargelegt: So werden soziale Lagen im Übergang  sowie Verlaufsprozesse sozialer Positionierung  diskutiert. Auf die Untersuchungsanlage und die verwandten Methoden wird nur kurz eingegangen, weil diese ausführlich im Anhang behandelt werden.

Die empirischen Ergebnisse werden fall- und themenbezogen ausgeleuchtet. Zunächst stellt die Verfasserin die befragten jungen Migrantinnen vor, die hinsichtlich Alter, Prinzipien der Lebensführung und Orientierungen recht heterogen sind. Auch wird auf ihre Konflikt- und Diskrepanzerfahrungen während des versuchten Übergangs in den Beruf eingegangen. Sodann wird das Herkunftsmilieu der jungen Migrantinnen auf Ressourcen hin untersucht.

Schließlich bezieht die Autorin die einheimische Vergleichsgruppe in die Analyse mit ein und fragt nach Parallelen.

Den Schluss der Untersuchung bildet die Diskussion der Ergebnisse, so u. a. :

  • Chancen und Restriktionen des lokalen Arbeitsmarktes spielen für einheimische und zugewanderte junge Frauen eine zentrale Rolle.
  • Alle Befragten sind in dieser Übergangsphase einer Abfolge von je spezifischen Erfahrungs- und Bewältigungsformen unterworfen.
  • Der Übergang in berufliche Vollzüge bringt für die jungen Frauen Statusveränderungen auch innerhalb der Familien mit sich und erfordert Prozesse der Selbstvergewisserung.
  • Junge Migrantinnen unterscheiden sich dabei nicht unbedingt von ihren deutschen Altersgenossinnen, sie könne sich vielmehr im Hinblick auf konträre Abläufe der Statuspassagen durchaus von anderen Migrantinnen mehr unterscheiden.

Diskussion

Die Autorin legt eine höchst differenzierte Studie zum Statusübergang zwischen Schule und beruflicher Ausbildung vor. Es handelt sich dabei um ihre Habilitationsschrift. Interessierte Leser werden daher vielfältige Anregungen für die Anwendung qualitativer Methoden der Sozialforschung finden. Gleiches gilt für Hinweise zu Studien mit den Themen Statuspassagen, Beteiligung an der beruflichen Bildung sowie Geschlechterdifferenz und Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung. Leser, die den eigentlichen Erkenntnisgewinn der Arbeit suchen, werden ggf. nach dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag fragen. Die Feststellung, daß der lokale Arbeitsmarkt für die Erlangung einer Lehrstelle wichtig ist, dürfte ebenso bekannt sein, wie das Vorhandensein individueller Bewältigungsstrategien beim Übergang in den Beruf. Auch die Feststellung, daß junge Migrantinnen beim gelungenen Abschluß einer Berufsausbildung einen Statuswandel zu bewältigen haben, ist so neu nicht. Gerade diese Tatsache hält ja immer noch viele Eltern mit Migrationshintergrund davon ab, diesen Wandel zu unterstützen; sie streben vielmehr an, durch eine schnelle Verheiratung ihrer Töchter ungeliebten Veränderungen vorzubeugen.

Fazit

Leser, die sich für die Anwendung qualitativer Methoden der Sozialforschung an einem ausgewählte Beispiel interessieren, werden ebenso zu diesem Buch greifen wie solche, die mehr über individuelle Probleme, Wünsche  und Neigungen von jungen Migrantinnen beim Übergang von der Schule in den Beruf wissen wollen.


Rezensent
Dipl.-Sozialwirt Prof. Roderich Kulbach
Ev. Fachhochschule Bochum, Fachbereich Sozialarbeit
Lehrgebiet: Sozialmanagement, Verwaltung und Organisation. EFQM - Assessor


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Zitiervorschlag
Roderich Kulbach. Rezension vom 20.12.2005 zu: Karin Schittenhelm: Soziale Lagen im Übergang. Junge Migrantinnen und Einheimische zwischen Schule und Berufsausbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. ISBN 978-3-531-14280-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3190.php, Datum des Zugriffs 06.12.2019.


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