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Sabrina Amanda Hancken: Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit

Rezensiert von Farina Eggert, 10.12.2025

Cover Sabrina Amanda Hancken: Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit ISBN 978-3-8252-6015-6

Sabrina Amanda Hancken: Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2023. 2., durchgesehene Auflage. 147 Seiten. ISBN 978-3-8252-6015-6. D: 21,00 EUR, A: 21,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
Reihe: UTB - 6015.

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Thema

Die Arbeit mit Beziehungen bildet das Fundament professioneller Sozialer Arbeit. Dieses Lehr- und Arbeitsbuch richtet den Fokus genau darauf: Wie entstehen professionelle Beziehungen? Welche Kompetenzen brauchen Sozialarbeiter*innen? Und wie lassen sich Beziehungsgestaltung und professionelle Haltung systematisch erlernen? Hancken positioniert das Thema klar innerhalb aktueller Professionalisierungsdebatten, insbesondere vor dem Hintergrund neoliberaler Umbauprozesse, die den Fokus auf das Individuum im Sozialstaat gefährden (S. 10–11).

Autor:in

Sabrina Amanda Hancken ist Diplom-Sozialarbeiterin/​-Sozialpädagogin, M.A. Soziale Arbeit und Professorin für Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Merseburg (S. 6). Ihre Schwerpunkte liegen in professionsbezogenen Grundlagen der Sozialen Arbeit und psychosozialen Arbeitskontexten. Diese Expertise prägt die klare didaktische Struktur und die praxisnahen Beispiele des Bandes.

Entstehungshintergrund

Das Buch erscheint als UTB-Lehrwerk und ist erkennbar für den Einsatz im Studium sowie in der Weiterbildung konzipiert. Die Autorin setzt auf einen hohen Anteil an Reflexions- und Übungsaufgaben, weil Beziehungen nicht nur theoretisch verstanden, sondern praktisch eingeübt werden müssen (S. 10). Die zweite Auflage reagiert auf gewachsene Anforderungen an Beziehungsarbeit in komplexer werdenden Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit.

Aufbau

Das Buch umfasst sieben Kapitel, die schrittweise von historischen Grundlagen bis zur Praxis professioneller Beziehungen führen (S. 6–7).

  • Einleitung – Begründung der Relevanz und Verortung im Professionalisierungsdiskurs.
  • Soziale Arbeit als Beziehungsprofession – historische Entwicklung und Rolle von Beziehung (S. 13–18)
  • Kompetenzen von Sozialarbeiter*innen – zentrale Modelle und Kompetenzprofile.
  • Therapeutische Beziehung & Bindungstheorie – Bedeutung sicherer Bindung und Herausforderungen (S. 56–69; 63–64).
  • Grundlagen sozialer Beziehungen – Konzepte, Abgrenzung Beratung/​Therapie, wissenschaftliche Erkenntnisse (S. 72–92)
  • Gestaltung professioneller Arbeitsbeziehungen – Gesprächstechniken, Einflussfaktoren, Fallbeispiele (S. 95–133)
  • Ausblick – gesellschaftliche Trends und ihre Bedeutung für Beziehungsarbeit (S. 135–138)

Inhalt

Das Buch eröffnet laut Autorin mit einem Vorwort, in dem sie betont, dass Menschen als soziale Wesen auf Beziehungen angewiesen seien (S. 8). Professionelle Beziehungsgestaltung sei jedoch kein intuitiv gegebenes Talent, sondern ein erlernbares Handwerk. Aus diesem Grund würden Übungen und Reflexionsaufgaben jedes Kapitel begleiten und sich insbesondere an Studierende der Sozialen Arbeit richten (S. 10).

Einleitung

In der Einleitung stellt Hancken heraus, dass Soziale Arbeit untrennbar mit Beziehungsarbeit verbunden sei und eine tragfähige Arbeitsbeziehung nicht zufällig entstehe, sondern reflektiert und methodisch gestaltet werden müsse (S. 13, 19). Sie weist zudem darauf hin, dass neoliberale Restrukturierungen den humanistischen Anspruch Sozialer Arbeit zunehmend unter Druck setzten (S. 11). Wesentliche Fragen für die Profession seien daher, wie Beziehungen gelingen könnten, wie Nähe und Distanz ausbalanciert würden und wie Studierende entsprechende Kompetenzen erwerben könnten.

Soziale Arbeit – eine Beziehungsprofession

Hancken macht in Kapitel 2 deutlich, dass Soziale Arbeit historisch wie gegenwärtig als Beziehungsprofession verstanden werden müsse. Die Profession habe sich aus verschiedenen Wurzeln entwickelt: Während die Sozialpädagogik aus Jugendhilfe und Erziehung hervorgegangen sei, habe die Sozialarbeit ihren Ursprung in der Armenfürsorge und der Unterstützung von Familien. Erst mit der Wende zum 20. Jahrhundert sei es zu einer Verberuflichung gekommen, die schließlich in die institutionalisierte Ausbildung an Fachschulen, Hochschulen und Universitäten mündete (S. 13–18).

Im Studium der Sozialen Arbeit spiele laut Hancken die Inter- und Transdisziplinarität eine zentrale Rolle. Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Ethik und Recht würden die theoretische Grundlage bilden, auf deren Basis professionelle Beziehungsgestaltung überhaupt erst möglich werde. Besonders die Fähigkeit zur ethischen Reflexion sowie die Entwicklung einer professionellen Haltung seien grundlegende Bestandteile akademischer Qualifikation (S. 24–27.).

Mit Blick auf die Bologna-Reform beschreibt die Autorin, dass die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen eine deutliche Verschiebung hin zur Kompetenzorientierung mit sich gebracht habe. Diese neue Ausrichtung fordere stärker, dass Studierende am Ende ihres Studiums bestimmte Fähigkeiten nachweisen könnten. Gleichzeitig seien Praxisphasen verkürzt worden, was die Profession vor neue Herausforderungen stelle (S. 25–28).

Überdies zeigt Hancken, dass gesellschaftliche Entwicklungen wie Individualisierung, Globalisierung und soziale Prekarisierung neue, oft komplexe Problemlagen hervorbrächten (S. 28 f.). Diese Veränderungen seien in allen Handlungsfeldern spürbar und verlangten von Sozialarbeitenden eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen, insbesondere in der Beziehungsgestaltung (S. 25–26, 34–35).

Ein Fallbeispiel aus dem psychiatrischen Kontext veranschaulicht schließlich, wie zentral eine professionelle Haltung und ein strukturierter Erstkontakt für den Aufbau tragfähiger Arbeitsbeziehungen seien (S. 34 ff., S. 117 ff.).

Sozial kompetent in die Praxis starten – Handlungskompetenzen in der Sozialen Arbeit

Nach Hancken erfordere professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit ein Bündel an vielseitigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, das zur Bearbeitung unterschiedlicher Problemlagen befähigen solle (S. 42).

Die Begriffe „Handlungskompetenz und Schlüsselkompetenzen“ würden dabei häufig synonym verwendet. Als Grundlage zitiere sie Franz E. Weinert, dem zufolge Schlüsselkompetenzen dann vorlägen, wenn Personen über kognitive Fähigkeiten zum Problemlösen sowie über Bereitschaften verfügten, diese in variablen Situationen verantwortungsvoll anzuwenden (S. 47).

Die Autorin unterscheidet nach Heiner (2018) vorweg zwischen bereichsbezogenen Kompetenzmustern (Fall-, System- und Selbstkompetenz) und prozessbezogenen Kompetenzmustern, die das problemlösende Handeln betreffen (S. 47–48). Zu Letzteren zählten Interaktions-/​Kommunikationskompetenz, Analyse-/​Planungskompetenz sowie Reflexions-/​Evaluationskompetenz, die nach Heiner in einem zirkulären Prozess zusammenwirkten (S. 47–48).

Professionelle Handlungskompetenz in der modernen Sozialen Arbeit verstehe sich darüber hinaus als Fähigkeit zu Multiperspektivität und konzeptioneller Weiterentwicklung (S. 47 f.). Maus, Nodes und Röh (2013) würden dies erweitern und sozialarbeiterische Kompetenz als die Fähigkeit beschreiben, unterschiedliche Fähigkeiten im Hilfeprozess zu professioneller Unterstützung zu verknüpfen (S. 47 ff.). Hancken betont, dass in diesem Zusammenhang die Bologna-Reform eine wichtige Rolle spiele, da sie Qualifikationsrahmen geschaffen habe, die Anforderungen an Profession und Ausbildung systematisierten (S. 25 ff.).

Der DBSH beschreibt in seinem Werk „Schlüsselkompetenzen der Sozialen Arbeit“ (vgl. Maus/Nodes/Röh 2013) sehr genau, welche Fähigkeiten Sozialarbeitende nach ihrem Studium mitbringen sollten. Das Buch gilt deshalb als eine Art Referenzrahmen – sowohl für professionelle Praxis als auch für die Entwicklung von Studieninhalten.

Wichtig ist dabei nicht nur das Beherrschen einzelner Kompetenzen. Entscheidend ist die Fähigkeit, diese Kompetenzen im Hilfeprozess miteinander zu verknüpfen. Erst dieses Zusammenspiel bildet professionelle Handlungskompetenz im eigentlichen Sinne. Insgesamt werden neun Kompetenzmodule herausgearbeitet, die zusammen das berufliche Kompetenzprofil von Sozialarbeitenden definieren:

  • Darauf aufbauend beschreibt die Autorin die strategische Kompetenz, die die Fähigkeit umfasse, geplant, gezielt und unter Einbeziehung des vorhandenen Fachwissens sowie der Ressourcen der Adressat*innen zu handeln. Strategisches Handeln bedeute, Ziele transparent zu verfolgen, Erfolge nachzuweisen und interdisziplinär zu arbeiten (S. 48).
  • Die Methodenkompetenz setze laut Hancken die Fähigkeit voraus, planmäßig, reflektiert und mit passenden Verfahren der Sozialen Arbeit zu handeln (S. 49–50). Sie mache darauf aufmerksam, dass der Methodenbegriff zunehmend ausdifferenziert sei: Aus den klassischen „drei Methoden“ (Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit) seien inzwischen vielfältige Arbeitsformen, Methoden und Techniken geworden, etwa im Case Management oder der Straßensozialarbeit (S. 49).
  • Die sozialpädagogische Kompetenz solle verdeutlichen, dass pädagogische Inhalte wieder stärker im Studium verankert werden müssten. Diese Kompetenz beziehe sich auf Theorien der Jugendhilfe, pädagogische Praxis, Elternarbeit und Medienpädagogik. Hancken betont, dass Sozialarbeit und Sozialpädagogik stärker zusammenwachsen sollten (S. 49).
  • Die sozialrechtliche Kompetenz sei essenziell, da Sozialarbeitende regelmäßig mit rechtlichen Fragestellungen konfrontiert seien. Dazu gehörten Kenntnisse über Gesetze wie SGB II, V, VIII oder XII ebenso wie Grundlagen zu Schweigepflicht, Datenschutz oder Garantenpflicht (S. 49 f.).
  • Die sozialadministrative Kompetenz umfasse laut Hancken die Fähigkeit, mit Verwaltungssystemen umzugehen, da Sozialarbeitende häufig mit Kostenträgern, Leistungsbehörden oder Verwaltungseinheiten kooperieren müssten (S. 50).
  • Darüber hinaus hebe die Autorin die Bedeutung der personalen und kommunikativen Kompetenz hervor. Personalität beziehe sich auf die Fähigkeit, mit der eigenen Person professionell zu arbeiten — etwa Empathie, Selbstreflexion oder das Erkennen persönlicher Grenzen. Kommunikationskompetenz betreffe die Fähigkeit, nonverbale und verbale Kommunikation bewusst einzusetzen, Beziehungen gestalten zu können und Diskursfähigkeit sowie respektvollen Umgang zu zeigen (S. 50).
  • Die professionsethische Kompetenz umfasse die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, Berufswerte und Rollenverständnis. Hancken verweist dabei auf den „Code of Ethics“ des DBSH als wichtigen Orientierungsrahmen für professionelles Handeln (S. 51).
  • Die sozialprofessionelle Beratungskompetenz bezeichne der DBSH als eine zentrale Kernaufgabe der Sozialen Arbeit. Sie sei wertorientiert, theoretisch fundiert und professionell strukturiert. Im Mittelpunkt stehe die Unterstützung bei der Alltagsbewältigung, wobei Beratung in der Regel in größere Hilfeprozesse eingebettet sei und nicht isoliert stattfinde (S. 51).
  • Die Kompetenz zur Praxisforschung und Evaluation verweise auf die Fähigkeit, das eigene Praxisfeld systematisch zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Sozialarbeitende müssten Forschungsfragen klar formulieren, ein Explorationsfeld bestimmen und geeignete Methoden auswählen können. Ziel sei es, Erkenntnisse zu gewinnen, die unmittelbar zur Verbesserung sozialarbeiterischer Handlungspraxis beitragen (S. 51).

Therapeutische Beziehungsgestaltung

Hancken führt in Kapitel 4 aus, dass therapeutische Beziehungskonzepte wichtige Orientierungspunkte für die professionelle Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit bieten könnten. Professionelle Beziehungen unterschieden sich laut der Autorin klar von freundschaftlichen: Sie seien zielgerichtet, zeitlich begrenzt, asymmetrisch und durch institutionelle Rahmenbedingungen strukturiert, während Freundschaften auf Gegenseitigkeit und Freiwilligkeit beruhten (S. 56). Diese Differenz mache eine reflektierte Balance von Nähe und Distanz notwendig.

Weiter betont sie, dass therapeutische Beziehungen aktiv gestaltet würden. Sie unterlägen klaren Rollen, Regeln und Zielen und dienten der Unterstützung von Veränderungsprozessen. Zentrale Haltungen wie Empathie, Akzeptanz und Echtheit (kongruentes Verhalten) — in Anlehnung an Carl Rogers — seien dabei entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und eine belastbare Arbeitsbeziehung herzustellen. Gleichzeitig würden äußere Faktoren wie institutionelle Vorgaben oder gesellschaftliche Erwartungen die Beziehung mitprägen (S. 57–59).

Einen Schwerpunkt legt Hancken auf die Bindungstheorie nach Bowlby. Sie zeige, dass frühe Bindungserfahrungen das spätere Beziehungsverhalten prägen würden. Die vier klassischen Bindungsmuster — sichere, unsicher-vermeidende, unsicher-ambivalente und desorganisierte Bindung — hätten direkte Auswirkungen darauf, wie Menschen in professionelle Beziehungen einträten. Studien würden nahelegen, dass Bindungsmerkmale weitgehend stabil seien und die Wirksamkeit psychosozialer Hilfen beeinflussen könnten (S. 61–63).

Zudem stellt Hancken heraus, dass Beziehungsgestaltung im professionellen Kontext von typischen Herausforderungen geprägt sei. Dazu zählten motivationale Schwierigkeiten, Widerstände, Abhängigkeiten, Rollenunklarheiten und Beziehungsabbrüche. Diese Phänomene würden nicht als Scheitern verstanden, sondern als natürlicher Bestandteil professioneller Beziehungsgestaltung, der reflektiert und methodisch begleitet werden müsse (S. 63 ff.).

Zum Abschluss hält die Autorin fest, dass Bindungswissen eine wesentliche Grundlage professioneller Beziehungsgestaltung darstelle und dass therapeutische Erkenntnisse sinnvoll auf die Soziale Arbeit übertragen werden könnten, sofern sie reflektiert und zielgruppenbezogen angewendet würden (S. 68).

Grundlagen der Beziehungsgestaltung

Hancken stellt in Kapitel 5 grundlegende theoretische Ansätze vor, die für das Verständnis sozialer Beziehungen und deren professionelle Gestaltung relevant seien. Dazu zählten unter anderem Austauschtheorien, systemtheoretische Perspektiven sowie Netzwerkansätze, die verdeutlichten, dass Beziehungen stets in soziale Strukturen und Wechselwirkungen eingebettet seien (S. 71 ff.).

Auf dieser Basis leitet die Autorin ab, dass professionelle Sozialarbeit sowohl individuelle als auch strukturelle Faktoren berücksichtigen müsse, um Beziehungen wirksam zu gestalten (S. 72 ff.).

Im weiteren Verlauf grenzt Hancken Beratung von Therapie ab. Sie betone, dass Beratung niedrigschwelliger und alltagsnäher sei, während Therapie gesetzlich reguliert sei und der Behandlung psychischer Erkrankungen diene. Beide Formen beruhten jedoch auf professionellen Beziehungen und setzten eine klare, reflektierte Haltung voraus (S. 82 ff., S. 85).

Weiterhin fasst die Autorin zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse zur Beziehungsarbeit zusammen. Schriften von Abeld und Gahleitner würden hervorheben, dass Vertrauen, kontinuierliche Gespräche, Identitätsentwicklung, Akzeptanz von Ambivalenzen und transparente Rollenmodelle wesentliche Einflussfaktoren für gelingende professionelle Beziehungen seien (S. 89–90).

Zum Abschluss hält Hancken fest, dass Beziehungsarbeit eine Kernkompetenz der Sozialen Arbeit darstelle. Erkenntnisse aus der Psychotherapie seien sinnvoll übertragbar, und die Hochschullehre müsse vielfältige Lernorte bieten, damit Studierende Theorie, Praxis und Reflexion miteinander verknüpfen könnten (S. 92).

Gestaltung einer professionellen Arbeitsbeziehung

In Kapitel 6 erläutert Hancken, dass professionelle Arbeitsbeziehungen nur gelingen könnten, wenn Sozialarbeitende über grundlegende kommunikative Kompetenzen verfügten. Gesprächsführung stelle dabei das zentrale Medium dar, um Beziehung überhaupt herzustellen und zu gestalten. Die Autorin betont zudem, dass Gesprächstechniken - wie aktives Zuhören, lösungsorientierte Fragen oder motivierende Gesprächsführung - nicht beliebig angewendet würden, sondern abhängig von Situation, Persönlichkeit der Adressat*innen und Zielsetzung ausgewählt werden müssten (S. 96 ff.).

Darauf aufbauend beschreibt sie verschiedene Einflussgrößen, die für eine gelingende professionelle Beziehung relevant seien. Dazu zählten unter anderem

  • Rollenbewusstsein,
  • Vertrauen,
  • emotionale Feinfühligkeit,
  • Nähe-Distanz-Regulation,
  • Emotionsarbeit sowie
  • Reflexionsfähigkeit.

Diese Faktoren würden als „Bausteine“ einer professionellen Beziehungsgestaltung dargestellt, die im Arbeitsalltag kontinuierlich miteinander verknüpft werden müssten (S. 106 ff.).

Besondere Beachtung schenkt Hancken der Beziehungsarbeit in psychiatrischen Kontexten. Sie zeige, dass stationäre, teilstationäre und ambulante Settings jeweils eigene Anforderungen mit sich brächten. Zwangskontexte, psychische Krisen, lange Beziehungsdauern oder die Notwendigkeit lebensweltorientierter Unterstützung könnten den Aufbau tragfähiger Beziehungen erschweren, machten ihn aber zugleich unabdingbar. Fallbeispiele würden illustrieren, wie Fachkräfte flexibel, empathisch und reflektiert auf spezifische Herausforderungen reagieren könnten (S. 117 ff.).

Insgesamt hält Hancken fest, dass professionelle Beziehungsgestaltung ein intentionaler, methodischer und reflexiver Prozess sei, dessen Gelingen maßgeblich über den Erfolg sozialarbeiterischer Unterstützung bestimme.

Wie geht es beziehungsweise weiter?

Im abschließenden Kapitel zeigt Hancken, dass zukünftige gesellschaftliche, politische und institutionelle Entwicklungen die professionelle Beziehungsgestaltung weiterhin prägen und herausfordern würden. Veränderungen im Sozialstaat - wie aktivierende Sozialpolitik, Effizienzvorgaben oder verkürzte Hilfezeiträume - könnten zwar Chancen für mehr Selbstbestimmung eröffnen, gleichzeitig aber auch Druck auf Adressat:innen und Fachkräfte erzeugen (S. 135–138).

Die Autorin weist darauf hin, dass zunehmend größere Teams und kollegiale Austauschmöglichkeiten positive Effekte für die fachliche Qualität haben könnten. Gleichzeitig führten prekäre Arbeitsbedingungen oder häufige Personalwechsel dazu, dass stabile, langfristige Beziehungen erschwert würden. In dieser Gemengelage bleibe Beziehungsgestaltung dennoch der zentrale Ausgangspunkt professioneller sozialarbeiterischer Unterstützung - unabhängig von Zielgruppe oder Setting (S. 137).

Hancken fasst zusammen, dass Beziehungsarbeit auch unter sich wandelnden Rahmenbedingungen eine unverzichtbare Grundlage bleibe (S. 135–138). Für die Zukunft der Sozialen Arbeit seien daher kontinuierliche Reflexion, Kompetenzerweiterung und Sensibilität für strukturelle Veränderungen notwendig.

Diskussion

Hanckens Arbeitsbuch überzeugt insgesamt durch eine bemerkenswerte didaktische Klarheit und eine konsequente Ausrichtung auf Studierende und Berufseinsteiger:innen der Sozialen Arbeit. Besonders positiv fällt auf, dass die Autorin die Beziehungsarbeit nicht als selbstverständlich voraussetzt, sondern als erlernbaren, methodisch gestaltbaren Kern der Profession herausarbeitet. Dieser Perspektivwechsel – weg von einer vermeintlichen „Persönlichkeitsfrage“, hin zu einer fachlich begründbaren Kompetenz – ist ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierungsdebatte und schafft Handlungssicherheit für Lernende wie Praktiker:innen.

Auch die Struktur des Buches ist gelungen: Die systematische Verbindung von theoretischen Grundlagen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxisnahen Fallbeispielen ermögliche einen stimmigen Lernprozess für Leser:innen/​Studierende/​Praktiker:innen. Die zahlreichen Reflexions- und Übungsaufgaben unterstützten die Leser:innen dabei, die teils komplexen Inhalte unmittelbar auf eigene Erfahrungen und spätere Berufssituationen zu beziehen. Diese Verzahnung von Theorie, Selbstreflexion und Praxis ist ein besonderer Mehrwert des Buches und sorgt für einen individuell abgestimmten Lernprozess.

Didaktisch wirksam ist zudem, dass Hancken zentrale Beziehungskonzepte - etwa aus der Bindungsforschung oder der klientenzentrierten Gesprächsführung - für die Soziale Arbeit übersetzt, ohne sie zu stark zu vereinfachen. Gerade Studierende, die im Praxisalltag häufig mit Adressat*innen unterschiedlicher Bindungserfahrungen oder Kommunikationsmuster konfrontiert seien, können von dieser fundierten, aber verständlichen Herleitung profitieren.

Gleichzeitig bleibe nicht unerwähnt, dass das Buch an einigen Stellen eine noch stärkere Vertiefung verdient hätte. So würden manche theoretische Modelle - insbesondere zu professionsethischen Dilemmata oder strukturellen Machtverhältnissen - eher skizzenhaft behandelt, obwohl sie für die Beziehungsgestaltung in komplexen psychosozialen Handlungsfeldern zentral seien. Ebenso kann man argumentieren, dass der Fokus stark auf klinisch-psychiatrischen Kontexten liege. Andere Arbeitsfelder wie offene Kinder- und Jugendarbeit, Gemeinwesenarbeit oder Straffälligenhilfe hätten durch zusätzliche Beispiele die Breite der Profession stärker abbilden können.

Trotz dieser kleineren Begrenzungen bleibe Hanckens Buch ein ausgesprochen hilfreiches und vielseitig einsetzbares Lehrwerk. Es ermöglicht sowohl Studierenden als auch Berufseinsteiger*innen oder Berufstätigen eine strukturierte Annäherung an eines der anspruchsvollsten Kernthemen der Sozialen Arbeit: die professionelle Gestaltung von Beziehungen unter zunehmend komplexen gesellschaftlichen Bedingungen.

Für Lehrende eignet sich das Werk außerdem hervorragend als Grundlage für Seminare, da es inhaltliche Tiefe mit didaktischer Offenheit kombiniert.

Insgesamt ist das Buch daher ein überzeugender und praxisrelevanter Beitrag zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit und bietet Anregungen, die sowohl im Studium als auch im Beruf unmittelbar anschlussfähig sind.

Fazit

Hancken legt mit diesem Arbeitsbuch eine fundierte und praxisnahe Einführung in die professionelle Beziehungsgestaltung vor, die zentrale theoretische Grundlagen verständlich aufbereitet und konsequent mit Übungen und Reflexion verbindet. Besonders wertvoll ist der Fokus auf Beziehungsarbeit als erlernbare Kernkompetenz der Sozialen Arbeit. Trotz einzelner Schwerpunktsetzungen bietet das Werk eine überzeugende Grundlage für Studium und Berufspraxis.

Rezension von
Farina Eggert
Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (B.A; M.A), Systemische Beraterin (DGSF)
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Es gibt 18 Rezensionen von Farina Eggert.

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ISSN 2190-9245