Verena Holz, Helge Kminek et al. (Hrsg.): Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Umbruch?
Rezensiert von Dr. Monika Wilkening, 10.05.2024
Verena Holz, Helge Kminek, Mandy Singer-Brodowski (Hrsg.): Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Umbruch? Beiträge zur Theorieentwicklung angesichts ökologischer, gesellschaftlicher und individueller Umbrüche. Verlag Barbara Budrich GmbH ( Opladen, Berlin, Toronto) 2024. 213 Seiten. ISBN 978-3-8474-2736-0. D: 50,00 EUR, A: 51,40 EUR.
Schriftenreihe Ökologie und Erziehungswissenschaft der Kommission Bildung für nachhaltige Entwicklung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE).
Thema
Das Buch setzt sich mit aktuellen ökologischen, gesellschaftlichen und individuellen Umbrüchen und ihrer Bedeutung für Bildung Erziehung und Lernen im Kontext nachhaltiger Transformationsprozesse auseinander.
Herausgeber:innen
Die Herausgeber*innen Kminek und Singer-Brodowski sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt und der FU Berlin; Holz ist Lehrerin in Berlin.
Entstehungshintergrund
Die Beiträge gehen aus der Tagung der Kommission Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) im Jahre 2022 an der Goethe-Universität Frankfurt hervor.
Das Buch wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Abtlg. Bildung für nachhaltige Entwicklung
Aufbau
Das Buch (überwiegend auf Deutsch, einige Aufsätze auf Englisch) beginnt mit einer Einleitung der Herausgeber:innen ins Thema und in die folgenden Einzelaufsätze von verschiedenen Referent*innen, bevor die Aufsätze in 3 Teilen angeordnet folgen:.
- Bildungs, lern- und erziehungstheoretische Beiträge
- Zu den Folgen für BNE (Bildung für eine nachhaltige Entwicklung) durch gesellschaftliche Megatrends und soziale Bewegungen (mit Folgen für die Bildung)
- Zum Potenzial von konkreten Lernumgebungen und Bildungsbereichen für BNE
Am Ende des Buches stehen eine kurze Literaturliste und Angaben zu allen Autor*innen.
Inhalt
Die Einleitung weist hin auf Studien zu ökologlischen Umbrüchen (Klimawandel, Verlust der Biodiversität, chemische Verschmutzung), sozialen und politischen Umbrüchen (Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, Erstarken anti-demokratischer autoritärer Regime, Gefährdung von Demokratien durch Fake News und Verschwörungstheorien, Chancen und Risiken der Digitalisierung) und konkreten Lernumgebungen und Bildungsbereichen mit ihrem Potenzial für Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Fragen für die Forschung über Bildung für nachhaltige Entwicklung werden aufgeworfen, von denen viele in den folgenden Einzelaufsätzen aufgegriffen werden.
Bildung ist allgemein zu verstehen, jedoch geht es auch um schulische Bildungskonzepte.
Das Ziel des Buches ist, das Forschungsfeld „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ weiterzuentwickeln.
Exemplarisch zum 1. Aufsatz aus Teil 1: Nohl: Bildung, Gemeinwohlerziehung oder politische Erziehung für nachhaltige Entwicklung: Nohl schreibt über transformative Bildung, über einen radikalen Wandel von menschlicher Gesinnung und Praxis zu den Klimakatastrophen, die „freiwillig und aus persönlicher Überzeugung“ daraus entfaltet werden.
Die Rezensentin widmet sich nun im Detail und exemplarisch für alle Aufsätze den dreien aus dem Teil 3, da sie aufgrund ihrer schulischen Tätigkeit dazu den engsten Bezug herstellen kann.
Molitor schreibt über Naturerfahrungsräume als Spielorte für Stadtkinder (in der frühen Bildung, am Beispiel Berlin-Spandau, -Hellersdorf, -Buch, wo spezielle Naturerfahrungsräume geschaffen wurden) und als Lebensraum für Pflanzen und Tiere in der Stadt. Die Kinder wurden mithilfe von eigenen Fotos (Fotostreifzug) zu Leitfragen und halbstrukturierten Interviews qualitativ befragt. Diese Räume können zur Persönlichkeitsentwicklung und gesundem Aufwachsen beitragen sowie überfachliche Kompetenzen fördern. Viele informelle Lernprozesse finden statt. Auch regen die Naturerfahrungsräume zum Wohlergehen, zum Klimaschutz und zur biologischen Vielfalt an. Deshalb wird vorgeschlagen, die Schaffung von Naturerfahrungsräumen eng in die Stadtplanung und -entwicklung zu integrieren.
Weseleck untersucht individuelles Engagement von Lehrkräften in der Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (Nachhaltigkeitsziele im UNESCO-Programm von 2015) durch Analyse von Gruppeninterviews. Wünschenswert wäre eine stärkere curriculare Verankerung des Konzepts und als Querschnittsaufgabe der Schulentwicklung, damit es von der gesamten Schulgemeinde getragen wird. Gezielte Fortbildungen und Unterrichtsmaterial sind vonnöten. Auch partizipative Aktionsforschung im Klassenzimmer kann die Ziele unterstützen.
Taube/​Costa fokussieren aktuelle erziehungs- und bildungswissenschaftliche Umbrüche in der Datenerhebung und -nutzung. Qualitativ vorliegende Daten von unterschiedlichen Qualitäten von Rahmenbedingungen, didaktischen Herangehensweisen und Lernprozesse unterschiedlicher Akteur*innen können reanalysiert werden. Die Autorinnen schlagen u.a. die Kombination mit quantitativen Analysen vor.
Diskussion
Die Aufsätze von der Tagung an der Goethe-Universität 2022 zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sind in ihrem Inhalt und ihrem Aufbau sehr unterschiedlich, aber allen ist die ökologische, gesellschaftliche und individuelle Notwendigkeit inne, dringend auch im Bildungsbereich zu handeln.
Umfangreiche Fragestellungen werden diskutiert. Fragen zur künftigen Forschung an Hochschulen, darunter Bildungsforschung; Komplexität und Nicht-Prognostizierbarkeit sowie hohe Dynamik der Entwicklungen werden aufgeworfen (z.B. Aufsatz Nohl).
Umfangreiche Untersuchungsdesigns werden vorgestellt (z.B. Molitors qualitative Designs, bestehend aus Triangulation verschiedener Methoden, oder Taubes/​Costas Triangulation von qualitativen und quantitativen Designs)
Fazit
Durch intensive Diskussion aktueller Problematiken und vielfältige Anregungen sehr unterschiedlicher Ansätze in der Aufsatzsammlung kann das Forschungsfeld „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ weiter geöffnet und damit weiterentwickelt werden. Wissenschaftler:innen verschiedener Fachgebiete sowie Politiker:innen und andere Personen, die über nachhaltige Entwicklung im Bereich der Bildung und Erziehung forschen, haben hier die Gelegenheit, aus einem großen Angebot auszuwählen und sich inspirieren zu lassen.
Rezension von
Dr. Monika Wilkening
Oberstudienrätin i.R., Fortbildnerin und Autorin
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Es gibt 19 Rezensionen von Monika Wilkening.





