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Thomas Rauschenbach, Thomas Mühlmann et al. (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfereport 2024

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 17.05.2024

Cover Thomas Rauschenbach, Thomas Mühlmann et al. (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfereport 2024 ISBN 978-3-8474-3044-5

Thomas Rauschenbach, Thomas Mühlmann, Christiane Meiner-Teubner, Sandra Fendrich, Sebastian Volberg et al. (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfereport 2024. Eine kennzahlenbasierte Analyse mit einem Schwerpunkt zum Fachkräftemangel. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2024. 260 Seiten. ISBN 978-3-8474-3044-5.

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Thema

Der Kinder- und Jugendhilfereport 2024 analysiert die Situation der Kinder- und Jugendhilfe anhand der wichtigsten sozial- und bildungsstatistischen Kennzahlen, etwa zur Inanspruchnahme, zu Trägern, zu Einrichtungen, zum Personal oder zu den Kosten. Dadurch bietet die Publikation einen zuverlässigen und aktuellen Überblick über die Entwicklung in der gesamten Kinder- und Jugendhilfe, ihren wichtigsten Arbeitsfeldern und Leistungen. Thematischer Schwerpunkt des Reports 2024 sind Analysen und Perspektiven zum aktuellen Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland.

Herausgeber:innen

Die Autor:innengruppe besteht aus rund 20 Mitarbeiter:innen des Deutschen Jugendinstituts und der Technischen Universität Dortmund, die als Forschungsverbund die verschiedenen Landesstatistiken zur Jugendhilfe mit all ihren Facetten auswerten.

Aufbau und Inhalt

Kein Bereich des Bildungs- und Sozialwesens hat zuletzt so an Bedeutung gewonnen wie die Kinder- und Jugendhilfe. Ein deutlich stärker in den Fokus geratener Kinderschutz, ein zeitweilig starker Anstieg an unbegleiteten ausländischen Minderjährigen, ein erheblich ausgebauter ASD sowie eine – gewiss nicht zuletzt – massiv expandierende, unverzichtbar gewordene Kindertagesbetreuung belegen eine nachhaltig veränderte gesellschaftliche Stellung einer modernen Kinder- und Jugendhilfe. Innerhalb nur eines Jahrhunderts hat die Kinder- und Jugendhilfe hierzulande die Größenordnung des gesamten Schulwesens erreicht.

Als zentrale Publikation der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik bündelt der Kinder- und Jugendhilfereport 2024 die gegenwärtige Lage der Kinder- und Jugendhilfe und bereitet die jüngeren Entwicklungen systematisch auf, für die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt ebenso wie für zentrale Arbeitsfelder. Grundlage dieser Bilanz sind die Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Schwerpunktthema dieses Reports ist zudem der akute Fachkräftemangel, der aus den Perspektiven Ausbildung und Personalvorausberechnung analysiert wird.

Aber werfen wir einen konkreten Blick in den Inhalt. Neben dem Schwerpunktthema Fachkräftemangel werden Kennzahlen zu den Oberthemen Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe, Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe (Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfe u.a.), Weitere Aufgabenbereiche der Kinder- und Jugendhilfe (zum Beispiel Inobhutnahmen, Amtsvormundschaften) sowie Kommunale Jugendämter und Allgemeiner Sozialer Dienst dargestellt.

An dieser Stelle sollen nun drei Kennzahlen exemplarisch näher beschrieben werden aus den unterschiedlichen Kapiteln. So zeigt sich zum Beispiel im Themenfeld Kindertagesbetreuung bis zum Schuleintritt (§ 22 bis § 24 SGB VIII), dass zwischen 2009 die Ausgaben – ohne Horte – von 15,5 Milliarden Euro auf 40,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 gestiegen sind. Dabei ist es vor allem der Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder, für den die Kosten der öffentlichen Hand förmlich explodiert sind. Wurden hierfür 2009 noch 15,2 Milliarden Euro (die anderen 0,3 Milliarden Euro entfielen auf die Kindertagespflege) aufgewendet, waren es 2021 38,9 Milliarden Euro (1,7 Milliarden Euro Tagespflege). Die Autor:innen haben für das Jahr 2021 versucht, die Ausgaben in diesem Sektor für die Bundesländer zu vergleichen. In den ostdeutschen Flächenländern wurden im betreffenden Jahr zwischen 7.300 und 9.700 Euro pro Kind in Kindertageseinrichtungen berechnet, in den westdeutschen Bundesländern sind es zwischen 10.900 und 12.100 Euro.

Ein weiterer Datensatz, der hier Erwähnung finden soll, ist jener zu Inobhutnahmen nach § 42 SGB VIII, aufgrund von Kindeswohlgefährdungen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind hierin nicht enthalten. 2022 sprachen die Jugendämter 29.848 Inobhutnahmen aus nach festgestellten Kindeswohlgefährdungen, was einem statistischen Wert von 20,9 Kinder und Jugendlichen pro 10.000 Personen der altersgleichen Bevölkerung bedeutet. 2010 waren es noch 24.711 Inobhutnahmen, was 18,5 von 10.000 Minderjährigen entsprach. Die am stärksten betroffenen Altersgruppen in 2022: 14–16 Jahre (6.339 Inobhutnahmen, 16–18 Jahre (5.701 Inobhutnahmen) sowie die unter Dreijährigen (4.706 Inobhutnahmen). Diese drei Altersgruppen machen über die Hälfte der Gesamtzahl aus.

Da das Schwerpunktthema dieses Kinder- und Jugendhilfereports der Fachkräftemangel ist, soll auch eine Statistik aus diesem Kapitel Einzug in diese Rezension halten – und zwar die Zahl des pädagogischen Personals in der Kinder- und Jugendhilfe nach Berufsabschlüssen. So betrug die Zahl der Erzieher:innen 2006/2007 293.178, während es 2020/22 bereits 518.210 Personen mit diesem Abschluss waren – eine Steigerung von 77 Prozent. Ähnlich sieht es bei Sozialarbeiter:innen aus. Dort stiegt die Zahl von 2006/2007 (58.327) um 79 Prozent im Zeitraum 2020/22 auf 104.665 Beschäftigte. Die Gesamtzahl aller Berufsgruppen der Kinder- und Jugendhilfe, die als Fachkräfte gelten, stieg in diesem Zeitraum auf 85 Prozent. Lag die Zahl 2006/2007 noch bei rund einer halben Million Menschen waren es in der Vergleichsphase rund 15 Jahre später bereite 985.000 Beschäftigte. Die Autor:innen sprechen von einer „beachtenswerte[n] und außergewöhnliche[n] Personalexpansion“ (S. 247), benennen aber auch klar, dass das fehlende Personal anhand dieser Tabelle nicht aufgezeigt werden kann.

Diskussion

Der Kinder- und Jugendhilfereport 2024 ermöglicht der Fachöffentlichkeit, der Politik, der Wissenschaft und Akteur:innen im Bereich der Ausbildung einen zuverlässigen und aktuellen Überblick über die Arbeitsfelder und Aufgabengebiete. Er stellt einen ebenso zuverlässigen wie unverzichtbaren Kompass für eine nach wie vor unübersichtliche, zuletzt jedoch ausgesprochen dynamische Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung. Für viele Arbeitsfelder und Aufgabenbereiche werden die wichtigsten Kennzahlen durch zahlreiche Abbildungen übersichtlich aufbereitet: Adressat:innen und Inanspruchnehmende, Einrichtungen und Träger, Personal und Kosten werden in Zeit- und Bundesländervergleichen verständlich dargestellt und analysiert. Was auf den ersten Blick alleine aufgrund der Masse der Daten erschlagend wirkt, ist bei näherem Hinsehen sinnvoll aufgebaut, übersichtlich dargestellt und verständlich beschrieben. So gelingt jenseits der subjektiv gefühlten Lage der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland ein statistisch fundierter Überblick, der den Finger in die Wunde legt, der aber gleichzeitig auch viel Potenzial beinhaltet, Lösungswege für aktuelle Problemlagen zu finden. Man muss sich nur trauen, sich auf die Zahlen einzulassen.

Fazit

Ein Standardwerk, das anhand objektiver Daten belegt, wie es um die Kinder- und Jugendhilfe bestellt ist – und das in einer trotz der unglaublichen Masse an Zahlen und Fakten in einer übersichtlichen und lesbaren Art und Weise. So wichtig auch für Praktiker:innen und nicht bloß für die Wissenschaft und Politik!

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 72 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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Zitiervorschlag
Wolfgang Schneider. Rezension vom 17.05.2024 zu: Thomas Rauschenbach, Thomas Mühlmann, Christiane Meiner-Teubner, Sandra Fendrich, Sebastian Volberg et al. (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfereport 2024. Eine kennzahlenbasierte Analyse mit einem Schwerpunkt zum Fachkräftemangel. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2024. ISBN 978-3-8474-3044-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/32101.php, Datum des Zugriffs 15.06.2024.


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