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Armin Schneider, Carmen Jacobi-Kirst (Hrsg.): Demokratie von Anfang an

Rezensiert von Victoria Röblitz, 24.06.2024

Cover Armin Schneider, Carmen Jacobi-Kirst (Hrsg.): Demokratie von Anfang an ISBN 978-3-8474-3036-0

Armin Schneider, Carmen Jacobi-Kirst (Hrsg.): Demokratie von Anfang an. Partizipation leben in der KiTa. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2024. 217 Seiten. ISBN 978-3-8474-3036-0. D: 26,00 EUR, A: 26,80 EUR.

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Thema

Der Sammelband führt in die Thematik der Demokratiebildung und Partizipation in KiTas ein. Die Autor:innen ermutigen dazu die eigene demokratische und partizipative Haltung zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dabei berichten sie von ihren Erfahrungen und zeigen verschiedene Möglichkeiten zur Partizipation- und Demokratieförderung in der Kindertagesbetreuung auf. Ebenso stellen sie aktuelle Ergebnisse aus Forschungsprojekten vor.

Autor:innen und Herausgeber:innen

Prof. Dr. Armin Schneider ist Sozialarbeiter, Diplom-Pädagoge und Theologe sowie Berater für Personal- und Organisationsentwicklung. Ebenfalls ist er als Direktor des Institutes für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit (Rheinland-Pfalz) und als Hochschullehrer tätig.

Carmen Jacobi-Kirst ist Sozialpädagogin, Sozialpädagogische Beratung und Fachaufsicht für Kindertagesstätten beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz tätig und ebenfalls in der Hochschullehre beschäftigt.

Die Mitautor:innen sind im Bereich der FBBE (Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung) beschäftigt und dort in verschiedenen Kontexten tätig.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband ist in fünf Abschnitte gegliedert, die sich aus Beiträgen verschiedener Autor:innen zusammensetzen.

Der erste Abschnitt des Buches liefert einen Überblick zu den Grundlagen und Haltungen der Demokratiebildung und Partizipation. Partizipation wird zum einen als ein wichtiger Baustein der Kinderrechte und zum anderen als eine Haltung beschrieben. Sie bedeutet, dass Kinder an Entscheidungen, die sie selbst und die Gemeinschaft betreffen, aktiv beteiligt werden (vgl. S. 15 f.). Ziel ist es, „Kinder in die Lage zu versetzen eigene Entscheidungen treffen zu können und auch Verantwortung für gemeinschaftliche Interessen der Gruppe zu übernehmen“ (S. 16). Die Fähigkeit und Bereitschaft der Kinder zur Mitbestimmung hängt stark von dem Grad der Selbstbestimmung und Teilhabe ab, den sie in ihren Einrichtungen erleben (vgl. S. 16). Gesetzlich ist die Mitwirkung im SGB VIII § 8 und § 22, im 16. Kinder- und Jugendbericht sowie in den Kinderrechten verankert. Um Teilhabe im KiTa-Alltag zu leben, sollten pädagogische Fachkräfte eine hohe Professionalität auf verschiedenen Ebenen aufweisen. Dies impliziert zum Beispiel eine professionelle Haltung, Empathie sowie geeignete Organisation, Strukturen und Prozesse in der Institution (vgl. S. 16 f.). Wesentlich ist in diesem Zusammenhang auch die Selbstreflexion und die Selbstfürsorge, da diese dabei helfen können die angemessene und wertschätzende Beteiligung der Kinder sicherzustellen (S. 18 ff.). Das Verständnis einer partizipativen Pädagogik wird durch aufgeführte Beispiele und Impulse erleichtert.

Im zweiten Abschnitt wird der Fokus auf verschiedene Perspektiven gelegt. Anna Battke und Marina Swat geben in ihrem Beitrag eine Einführung in die Bedeutung der „FaKiB“ (Fachkraft für die Perspektive der Kinder im Kita-Beirat). Die zentrale Frage lautet dabei, wie die Perspektive der Kinder in allen sie betreffenden Angelegenheiten nachhaltig berücksichtigt werden kann (vgl. S. 47). In Rheinland-Pfalz übernimmt diese Rolle die „FaKiB“, deren Wirksamkeit von verschiedenen Kompetenzen abhängt.

Daniel Roos zeigt in seinem Artikel, wie demokratische Verhältnisse in der Praxis gestaltet werden können, „mit dem Ziel, Anregungen für die Ausgestaltung einer demokratisch ausgerichteten pädagogischen Praxis zu geben“ (S. 63). Er geht hierbei auf die drei Ebenen der Demokratie ein (vgl. S. 66 f.) und betont ebenfalls die Bedeutung der Selbstreflexion (vgl. S. 71). Anschließend erfolgen einige Praxisbeispiele „frühkindlicher Akteurschaft in demokratischen Aushandlungsprozessen“ (S. 67).

Karin Graeff berichtet von ihren Erfahrungen in der Elternvertretung undbetont, dass auch Erwachsene Demokratie erleben müssen, um sie an Kinder weitergeben zu können (vgl. S. 79). Während ihrer Ausarbeitung geht Karin Graeff auf diverse Erfahrungen von Eltern in Bezug auf Partizipation in ihren KiTas ein und erläutert hierbei die Rolle verschiedener Akteure.

Claudia Theobald unterstreicht mit dem Satz „Nicht für die Kinder, sondern mit den Kindern“ (S. 87) die demokratische Grundhaltung im KiTa-Alltag. Sie beschreibt sechs demokratische Prinzipien, erläutert deren praktische Umsetzung durch Beispiele und reflektiert diese fachlich (vgl. S. 87 ff.).

Die Autor:innen (Sabine Baumgärtner, Ulrike Pohlmann und Stephan Webering) betonen in ihrem Artikel die Verantwortung der Träger für KiTas. Als Praxisbeispiel dient der Kindertagesstätten-Zweckverband Simmern-Rheinböllen. Die Autor:innen thematisieren die Rolle des Trägers und beschreiben, wie dieser eine seiner wichtigsten Aufgaben – die Sicherstellung des Kindeswohls und des Kinderschutzes – erfüllen kann (vgl. S. 99).

Im dritten Abschnitt liegt der Fokus auf den Orten und Strukturen der Demokratiebildung. Beispielsweise nimmt Sissi Westrich Bezug auf den KiTa-Beirat und erläutert dessen Chancen für die Demokratie (vgl. S. 107 ff.).

Die „Kinderrechtebasierte Demokratiebildung in der Fachschulausbildung“ erläutern Kassandra Klumpe und Peter Keßel. In ihrem Artikel stellen sie exemplarische Inhalte des Seminarkonzeptes vor und gehen auf Herausforderungen und Erkenntnisse ein.

Auf die Bedeutung von Partizipation im Übergang geht Melanie Schoening ein. Sie beschäftigt sich mit der Frage, „welchen Stellenwert die Partizipation der Kinder im erfolgreichen Übergang von Kindertageseinrichtung in Grundschule besitzt“ (S. 126). Hierzu greift sie auf erste Ergebnisse der Leitungsbefragung aus dem Modellprojekt „DebÜ“ zurück (vgl. S. 130 f.).

Agnieszka Maluga überprüft die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte und nimmt hierbei Bezug auf Janusz Korczak. Dieser erkannte bereits in den 1920er Jahren, dass die Qualität der Einrichtungen entscheidend für die Entwicklung und Bildung des Kindes ist (vgl. S. 136 f.). In ihren Ausführungen geht Maluga auf das Projekt DemoKiTa ein.

Die Elternbeteiligung „an der Gestaltung des Kita-Sozialraums“ (S. 151) thematisiert Julia Klingenfuß. Sie betrachtet das 2022 durchgeführte Forschungsprojekt „Bedarfsorientierte Kita-Sozialarbeit: Welche Interessen und Ziele bestehen bei Familien, die Kita-Sozialarbeit aufgreifen und unterstützen kann?“ und zeigt im Anschluss daran einige Beispiele auf, wie Familien mit Fluchterfahrung „mehr an der Entwicklung des Kita-Sozialraums“ (S. 151) beteiligt werden können.

Im vierten Unterkapitel Themen präsentiert Rieke Hoffer die aktuelle Studienlage zur Demokratieentwicklung und Partizipation in Kindertageseinrichtungen. Einen besonderen Fokus legt sie dabei auf die Perspektive der Kinder (vgl. S. 165 f.).

Armin Schneider lenkt den Blick zunächst auf die Stärkung der intrinsischen Motivation und der Arbeit an der entsprechenden Haltung (S. 175). Kritisch betrachtet er verschiedene Perspektiven zur Nachhaltigkeit und verknüpft die Erkenntnisse mit den Ebenen der frühen Bildung. Für „die Arbeit in der Frühpädagogik […] [betont er den Vorantrieb des] Aushandlungsprozess[es] mit allen Beteiligten, vor allem den Kindern, deren Familien und den pädagogischen Fachkräften“ (S. 181).

Stefan Stifano Espósito stellt die 2012 gegründeten Waldpänz in Trier vor. Er legt seinen Fokus auf das Thema der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und reflektiert das Konzept der Waldpänz.

Abschließend gibt Armin Schneider einen Ausblick und formuliert in einer Übersicht Beispiele für neue Verfahren und Methoden. Schneider fasst zusammen, dass sich Demokratie und Partizipation in Kindertageseinrichtungen noch im Prozess befinden und die eigene Haltung als „essentielle Voraussetzung von Partizipation“ (S. 195) gilt. Ebenso „bedarf es Erwachsener und Vorbilder, die Demokratie nicht nur ‚predigen‘, sondern leben und als Modell dienen“ (S. 200).

Diskussion

„Demokratie von Anfang an. Partizipation leben in der KiTa“ bietet einen guten Überblick über die Thematik und erfüllt den von den Herausgebern formulierten Anspruch: Die Lektüre soll „dafür werben und Anleitungen dazu geben […], dass Erwachsene in allen Kontexten der Kindertagesbetreuung an ihrer eigenen demokratischen und partizipativen Haltung arbeiten, um die frühe Förderung überhaupt erst möglich zu machen“ (S. 10).

Die verschiedenen Darstellungen von Erfahrungen und Beispielen ermöglichen dem Leser ein besseres Verständnis für die Bedeutung der eigenen Haltung, die Partizipation und Demokratie fördert (vgl. S. 11). Es wird betont, dass diese eine Grundvoraussetzung für die frühe Förderung von Demokratie und Partizipation in Kindertageseinrichtungen sei. Die Betrachtung verschiedener Möglichkeiten, wie zum Beispiel die „FaKiB“ oder die Elternmitwirkung, bieten Beispiele für die Umsetzung in den Kindertageseinrichtungen. Durch den Einbezug aktueller Forschungsergebnisse erhält der Leser einen übersichtlichen Einblick in die Thematik und wird zum Nachdenken angeregt.

Insgesamt überzeugt die Lektüre durch die praxisnahe Wissensvermittlung und die klaren Aussagen zur Notwendigkeit von Partizipation und Demokratie von Anfang an. Dieses Buch ist besonders für pädagogische Fachkräfte interessant, da sie tagtäglich mit den Kindern in der Interaktion sind, doch auch für den Träger oder Eltern kann dieses Buch anregend sein. Obwohl sich einige theoretische Grundlagen im Laufe der Lektüre wiederholen, bieten die zahlreichen anschaulichen Beispiele wertvolle Einblicke und fördern die Reflexion der eigenen Haltung und Umsetzung in der Praxis.

Fazit

Pädagogische Fachkräfte erhalten in diesem Werk theoretisch fundiertes und praxisnahes Wissen, Hintergründe und Anregungen, das zur praktischen Umsetzung von Partizipation und Demokratiebildung in der KiTa ermutigt.

Rezension von
Victoria Röblitz
Studentin Kindheits- und Sozialwissenschaften (M.A.) an der Hochschule Koblenz, gelernte Erzieherin und Frühpädagogin (B.A.)
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Es gibt 1 Rezension von Victoria Röblitz.

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Zitiervorschlag
Victoria Röblitz. Rezension vom 24.06.2024 zu: Armin Schneider, Carmen Jacobi-Kirst (Hrsg.): Demokratie von Anfang an. Partizipation leben in der KiTa. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2024. ISBN 978-3-8474-3036-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/32161.php, Datum des Zugriffs 25.07.2024.


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