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Ulrike Geiger, Katharina Heimerl (Hrsg.): Kommunizieren in Palliative Care und Hospizarbeit

Rezensiert von Prof. Dr. habil. Gisela Thiele, 06.06.2024

Cover Ulrike Geiger, Katharina Heimerl (Hrsg.): Kommunizieren in Palliative Care und Hospizarbeit ISBN 978-3-946527-58-9

Ulrike Geiger, Katharina Heimerl (Hrsg.): Kommunizieren in Palliative Care und Hospizarbeit. Empathisch sorgen und in Beziehung sein. der hospiz verlag Caro & Cie. oHG (Esslingen) 2024. 284 Seiten. ISBN 978-3-946527-58-9. D: 49,00 EUR, A: 50,40 EUR.

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Thema und Autoren

Dieses Buch soll Akteur*innen, die im Kontext Hospiz und Palliative Care haupt- und ehrenamtlich begleitend tätig sind, Hilfestellung und Handwerkszeug, die Kommunikation betreffend, geben.

Der Sammelband dient dazu, Kommunikation in Zusammenhang mit Begleitung und Begegnung am Lebensende in seiner Vielfältigkeit abzubilden. Im ersten Teil des Buches geht es um die zwischenmenschliche Beziehung- da, wo Kommunikation beginnt und sich zirkulär als dynamischen Prozess zwischen den Beteiligten gestaltet.

Der zweite Teil ist ein praktischer Helfer. Hier bilden zahlreiche Autor*innen ihre Erfahrungen zu Kommunikation in ihren jeweiligen Bereichen ab und beschreiben, wie wertschätzende Kommunikation gelingen kann. Es wird unter anderem deutlich: An Demenz erkrankte Frauen und Männer brauchen etwas ganz anderes, als junge schwerstkranke Menschen.

Zuletzt darf der Diskurs zu Kommunikation nicht fehlen – dies stellt den dritten Teil in diesem Werk dar. Die Sorgearbeit in Palliative Care ist eine, die stets ethisch reflektiert werden sollte – dies geht nur im ethisch abwägenden Gespräch.

Herausgeber sind Ulrike Geiger, Fachkrankenschwester für Anästhesie und Prof. Dr. Katharina Heimerl, Habilitation in Palliative Care und Organisationsentwicklung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist neben einem Geleitwort und einem Vorwort Einleitung in drei Teile von verschiedenen Autoren gegliedert.

Im „Geleitwort“ wird betont, dass die Beiträge aus dem ambulanten, teilstationären und ambulanten Bereich kommen und die Sprachlosigkeit an und aufgreifen. Im „Vorwort“ der Herausgeberinnen steht, dass dieses Buch Hilfestellung und Handwerkszeug bezüglich der Kommunikation bieten soll.

Teil 1 „Ein Grundverständnis von Sorgebeziehung – damit wertschätzende Kommunikation gelingen kann“ ist die Überschrift und beginnt mit dem ersten Kapitel, das sich „Kommunikation heißt in Beziehung sein“ nennt. Im Kontext von Palliativ Care sollen hier die Sorgebeziehung mit ihren spezifischen Aspekten genauer abgebildet werden – als Basis für eine gerechte und empathische Beziehung zu den nahestehenden Betroffenen.

Weiter geht es mit nonverbaler Kommunikation. Nonverbale Kommunikation sei soziale Sprache. Sie schwingt in der Begegnung immer mit und macht so den Hauptteil aller Kommunikation überhaupt aus. Im Alter oder bei schwerer Krankheit nimmt unser Bedarf an Sorge wieder zu und ein neues Verständnis von den Dingen der Welt und von sich selbst wird erlangt. Um Betroffene auf ihrem Weg begleiten zu können, braucht es eine umfassende kommunikative Haltung. Transparenz, Aufrichtigkeit, Authentizität, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Verbindlichkeit, Zuwendung, Toleranz, Offenheit sowie Akzeptanz. Mit dieser Haltung kann es gelingen ein Getragen-Sein-Gefühl und eine Verbindung zu den Betroffenen aufzubauen.

Care wird als die Lösung für unsere universelle Verletzlichkeit angesehen. Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf die Grundformen der Kommunikation. Hilfreiche Kommunikation mit und mit und über Gefühle. Kommunikation mit und über Gefühle wird dort stattfinden können, wo die Begleiter Gefühle anerkennen und ressourcenorientiert wahrnehmen und handeln. Gegenseitige Berührung geht zu Herzen und hat dort ihren Ursprung. Sie ist der elementarste Zugang zum Mitmenschen, setzt allerdings auch Vertrauen voraus.

Der Teil 2 ist mit dem Titel „Orte – Setting – Beziehungen“ überschrieben und beginnt über den Nutzen einer personenzentrierten Förderung von Prognosebewusstheit. Für ein Festhaltung an der Hoffnung spricht Einiges. Hoffnung fördert das Bewältigungsverhalten, die psychologische Anpassungsfähigkeit und die Lebenszufriedenheit. Die Maxime sollte sein – das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein. Weitere Ausführungen wie viel Hoffnung es noch gibt. So geht es im ärztlichen Gespräch immer, auch am Lebensende, um die medizinischen Fakten, auf das, was auf diesen Menschen noch zukommen kann, um die Prognose über die verbleibende Lebenszeit. In einem narrativen und hermeneutischen Verständnis ist Hoffnung ein sinnstiftendes Element.

Viele Menschen wünschen sich ein Leben und auch Versterben zu Hause. Mit der eigenen Häuslichkeit verbinden sie Sicherheit, Geborgenheit, Ruhe und Normalität. Für die kranke Person geht es um den nahenden Tod, für Kinder, Eltern von Angehörigen um das Weiterleben. Es ist eine Zeit geprägt von Widersprüchen. Erschwerte Kommunikation ist die Konsequenz. Durch systemische Ansätze können wir gemeinsam mit ihnen auf ihre Lebenswelt schauen und können in Zusammenhängen von ihren Problemen erfahren.

Danach wird der KOMMA- Ansatz zur personenorientierten Unterstützung in der häuslichen Palliativversorgung vorgestellt. Eine lebensbedrohliche Erkrankung im jungen Erwachsenenalter stellt nicht nur die Erkrankten vor besondere Herausforderungen, sondern auch die täglichen Begleiter. Ebenso die Tatsache, dass die Erkrankten oft im gleichen Alter wie die Pflegekräfte oder dem der eigenen Kinder sind, drängt Sinnfragen auf.

Es folgen Ausführungen über die Kommunikation mit Menschen mit Demenz. Verbale Sprache geht nicht nur verloren, es kann auch sein, dass es zu Wortneuschöpfungen, sogenannten Neologismen kommt. Die Ehrenamtlichen seien einfach da, ohne Zeitdruck, ohne Absicht. Ihre Leistung ist eine andere und ihre Form der Kommunikation ist eine andere. Es soll eine Gesprächskultur ohne Ausübung von Macht entstehen.

Es gäbe eine große Unsicherheit über die zu der jeweiligen Zeit gültigen rechtlichen und institutionellen Vorschriften im Zusammenhang mit assistiertem Suizid oder auch freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. Todeswünsche sind ein komplexes Phänomen, dessen Gründe und verschiedene Ausprägungen sehr variabel sind. Zudem ist neben dem Todeswunsch häufig auch gleichzeitig ein Lebenswunsch vorhanden. Diese intrapsychische Ambivalenz spricht auch dafür, dass der Todeswunsch kein stabiles überdauerndes Phänomen ist.

Der Trauerprozess von Menschen mit chronischen oder todbringenden Krankheiten umfasst das gesamte krankheitsbedingte Verlusterfahrung und beginnt in der Regel bereits mit der Diagnosestellung. Was der konkrete Verlust jeweils bedeutet, lässt sich nur im Zusammenhang mit der jeweiligen Lebensgeschichte verstehen. Ein fortschreitend Kranker ist – längst vor der Terminalphase – immer wieder auch ein trauernder Mensch. Doch Trauer ist prinzipiell keine Krankheit, die „behandlungspflichtig“ ist.

In den darauffolgenden Ausführungen wird das Kommunikationsmodell OpTEAMal vorgestellt, wo es um multiprofessionelle Teams geht, die zusammenarbeiten. Das Team sollte sich darauf verständigen, den Todeswunsch nicht auflösen zu wollen, sondern einen Raum zu bieten, in dem ein anderes Denken – damit der verzweifelte Mensch nicht verstummt und womöglich im Verborgenen und allein seinen Wusch umsetzt.

Diskussion

Es ist ein interessantes und vielversprechendes Buch, das konkrete Handlungsanweisungen für entsprechende Situationen vorhält. Es ist ein praxisleitfaden, die einzelnen Situationen in den Blick nimmt, wie in welchen Handlungsoptionen vorgegangen oder reagiert werden sollte. Sehr nachvollziehbar sind die Tatsachenberichte der betroffenen Menschen, die authentisch und einfühlend dargestellt werden. Das Versprechen, dass dieses Buch Hilfestellung und Handwerkszeug sein soll, wird vollkommen eingelöst.

Fazit

Es ist eine Publikation, in der ein spezifisches, bisher relativ seltenes wissenschaftliches Thema aufgegriffen und bearbeitet wird – das der Kommunikation im Sterbeprozess. Es ist äußerst interessant, wissenschaftlich und theoretisch komplex abgefasst und doch für viele Betroffene gut les- und verstehbar.

Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Es gibt 199 Rezensionen von Gisela Thiele.

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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 06.06.2024 zu: Ulrike Geiger, Katharina Heimerl (Hrsg.): Kommunizieren in Palliative Care und Hospizarbeit. Empathisch sorgen und in Beziehung sein. der hospiz verlag Caro & Cie. oHG (Esslingen) 2024. ISBN 978-3-946527-58-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/32168.php, Datum des Zugriffs 15.06.2024.


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