Isabell Götz, Michael Giers: Die Wohnung in der familienrechtlichen Praxis
Rezensiert von Wolfgang Schneider, 02.12.2025
Isabell Götz, Michael Giers: Die Wohnung in der familienrechtlichen Praxis. Miete - Eigentum - Wohnungsüberlassung - Verfahren.
Gieseking Verlag Verlag Ernst und Werner Gieseking GmbH
(Bielefeld) 2024.
3. völlig neu bearb. Auflage.
280 Seiten.
ISBN 978-3-7694-1311-3.
D: 59,00 EUR,
A: 60,70 EUR.
Reihe: FamRZ-Buch - 25.
Thema
Die gemeinsame „Scholle; wie Götz und Giers die Wohnung bezeichnen, ist nicht nur Lebensmittelpunkt, sondern auch Ausgangspunkt zahlreicher Streitigkeiten im Miet- und Familienrecht: Von der Anmietung bis zu den Folgen bei Trennung/​Scheidung in diesem Buch alle Varianten Berücksichtigung. Ergänzt werden die Ausführungen mit Fällen, Praxistipps, Checklisten, vielen Formulierungshilfen für Anträge und Verfahren sowie Kosten.
Autor:in
Prof. Dr. Isabell Götz ist Vorsitzende Richterin a.D. am OLG Ottobrunn. Dr. Michael Giers ist Direktor des Amtsgerichts Neustadt am Rübeberge a.D.
Aufbau und Inhalt
Neben den üblichen Formalia teilt sich das Buch in zwei Hauptteile auf.
Teil 1: Rechtsverhältnisse an der gemeinsamen Wohnung - Begründung, Änderung, Beendigung
Hier geht es um grundlegend zivilrechtliche Dinge im Themenkomplex Wohnung im Rahmen einer Partnerschaft: Wie sieht die Situation aus, wenn nur ein:e Partner:in der Alleinmieter ist? Thematisiert werden zum Beispiel die Haftung für den Mietzins oder der Einbezug des Nichtmieters in die Schutzwirkung des Mietvertrages, aber auch Fragen nach Ausgleichsansprüchen, Besitzrechten und Besitzschutz des Nichtmieters und die Situation für die zurückbleibende Person beim Versterben des:der Mieter:in
Teil 2: Gerichtliche Regelung der Alleinnutzung einer Wohnung im Konfliktfall - die Wohnungsüberlassung durch das Familiengericht
In diesem Teil wird deutlich, welche Berührungspunkte Recht und Soziale Arbeit miteinander haben können, wenn es in familienrechtlichen Angelegenheiten um die Wohnung geht – zum Beispiel bei Trennung und Scheidung mit Kindern oder auch bei häuslicher Gewalt; Themen, die im Beratungsprozess eine wichtige Rolle spielen können. Hierbei spielt besonders die Wohnungszuweisung im Rahmen von Gewaltschutzverfahren eine zentrale Rolle. Es wird deutlich, dass eine Zuweisung an das Opfer zur alleinigen Nutzung nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen und Wahrung der Verhältnismäßigkeit erfolgen kann. So muss es tatsächlich eine vorsätzliche Gewalttat oder eine massive Drohung gegeben haben. Eine Wohnungszuweisung ist dagegen nicht möglich, wenn die Tat nicht vorsätzlich erfolgte oder keine Wiederholungsgefahr besteht. Eine Wohnungszuweisung kann – wenn allerdings weitaus seltener in der Praxis vorkommend – im Rahmen von Kinderschutzverfahren nach §§ 1666, 1666a BGB erfolgen. Denn das Familiengericht kann Weisungen gegen Dritte oder eben Eltern(teile) aussprechen, die durch ihr Verhalten das Kindeswohl gefährden. Als mögliches Mittel steht hier ebenfalls die Wohnungsverweisung, die sogenannte „go-order“ zur Verfügung. Aber natürlich müssen es nicht immer diese dramatischen Fälle sein, in denen das Thema Wohnung eine Rolle spielt. Manchmal geht es auch um friedliche Trennungen. Hier können zum Beispiel Nutzungsentschädigungen ein Thema werden, wenn nur eine Person die Wohnung nach der Trennung weiter nutzt.
Diskussion
Auch für juristische Laien fällt schnell auf, dass Götz und Giers offensichtlich lückenlos alle Berührungspunkte, die der eigene Wohnraum, im Falle des Zusammenlebens zweier Menschen haben kann, zusammengetragen haben. Gerade die Mischung des juristischen Basiswissens mit Fallbeispielen, Tipps und Checklisten macht ein bisweilen hochkomplexes juristisches Thema nachvollziehbar. Eine optimale Gliederung und Gestaltung sorgen dafür, dass die Leser:innen schnell finden, was sie suchen – hier begeistert auch ein wirklich aussagekräftiges Stichwortverzeichnis
Fazit
In übersichtlicher Form komprimiertes juristisches Wissen: Auch wenn sich der Titel prinzipiell an Jurist:innen wendet, ist er gerade in Sachen Wohnungszuweisungen auch für Fachkräfte der Sozialen Arbeit interessant, die beispielsweise Fälle häuslicher Gewalt begleiten.
Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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