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Robert Wreschniok: Das große Buch der Strategie

Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 10.06.2024

Cover Robert Wreschniok: Das große Buch der Strategie ISBN 978-3-8006-7197-7

Robert Wreschniok: Das große Buch der Strategie. Von der Reformation bis zur digitalen Transformation. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2024. 176 Seiten. ISBN 978-3-8006-7197-7. 29,80 EUR.

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Thema und Zielsetzung

Diese Publikation zeigt anhand ausgewählter Beispiele von der Luther’schen Reformation bis hin zur digitalen Transformation, wie selbst die komplexesten Strategien in einem Big Picture visuell verständlich gemacht werden können. Strategie wird von den Autoren als spannende Geschichte über die Zukunft der eigenen Organisation erzählt und dann als großes Bild, dem Big Picture, visualisiert:

Es gilt hier ein paar Schritte zurückzutreten, einen Überblick zu gewinnen und den Kontext zu verstehen. Die Herausforderung dabei ist, die Zusammenhänge so gut zu begreifen, dass sie ganz einfach und für jeden an der Transformation Beteiligten verständlich erklärt werden können.

Strategien und die sich daraus entwickelnden Transformationen werden jeweils als spannende Geschichte dargestellt, die eine Organisation über den Weg in ihre eigene Zukunft erzählt. Setzt man diese Geschichte bildlich um, so entsteht das Big Picture. Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist die zunehmende Komplexität. Die Antwort auf Komplexität lautet Kontext. Und genau das ist es, was die Big Pictures leisten (sollen). Ein Großteil der Unternehmen sind heute von einer Experten- oder Ingenieurs-Kultur geprägt. Beim Thema Strategie und Strategie-Aktivierung wird jedoch eine der größten Stärken vieler erfolgreich in diesen Unternehmen arbeitenden Menschen zur Falle: Der Blick für das Detail. Denn bei Strategie geht es nicht darum, noch tiefer ins Detail zu gehen und den Fehler in Zeile 2340 Spalte 27 einer Excel Tabelle zu finden. Die Herausforderung dabei ist es, die Zusammenhänge so gut zu begreifen, dass sie ganz einfach und für jeden an der Transformation Beteiligten verständlich erklärt werden können.

Autor

Robert Wreschniok forscht und berät zu Fragen der Strategieaktivierung und der Transformation von Organisationen. Seit über 18 Jahren unterstützt er führende internationale Unternehmen und Hidden Champions aus dem Mittelstand bei der Organisation, Vermittlung und Aktivierung ihrer Unternehmensstrategie. Er ist Vorstand des Clusters für Innovation und digitale Transformation (CIDT).

Aufbau und Inhalt

Der Autor geht davon aus, dass ein Großteil der Mitarbeiter:innen und Beteiligten die strategische Ausrichtung des jeweiligen Unternehmens nicht kennen und bei „Veränderung“ oder „Change“ gehen viele Personen auf die Barrikaden bzw. in den Widerstand. In zehn Beispielen werden Unternehmensstrategien und Wege der Realisierung von den Führungskräften und Berater:innen der jeweiligen Unternehmen jeweils auf wenigen Seiten sichtbar und leicht begreifbar dargestellt:

  1. Die Reformation ist als Startschuss für neues Denken an den Beginn gesetzt. Wolfgang Huber war Präsident des Kirchenrates in Düsseldorf und zeigt, wie eine epochale Geisteshaltung Menschen, Märkte und Glauben bis heute prägt. Er geht von Luther aus, der vorgelebt, gezeigt und anschaulich gemacht hat, was es bedeutet, diese neuen Leitprinzipien bzw. -planken ernst zu nehmen. War damals der Ablasshandel der Stein des Anstoßes, so ist es heute etwa die Umweltkrise.
  2. Unter dem Titel „Neuer Kurs auf stürmischer See“ zeigt Andreas Hähndel, Vorsitzender des Vorstands des Banken-Prüfverbandes, wie es gelingen kann, in kürzester Zeit ein Unternehmen auf neue Herausforderungen auszurichten. Bei voller Fahrt einen komplexen, trägen Tanker in ein agiles Forschungsschiff zu verwandeln. Was gilt es zu bewahren, was hinter sich zu lassen? Zwei Fragen die transparent für alle zu beantworten sind. Ein neuer Leitsatz kommt dazu: „Gemeinsam sichern wir die Zukunft!“
  3. Wie man die Energiewende selbst in die Hand nehmen kann, beschreibt Frank Meyer als CEO E.ON Italien. Er sieht es als Privileg mit einem Team „ganz normaler“ Menschen Außergewöhnliches zu leisten. Es gilt einen Fokus zu verfolgen, der dem Potenzial der Mitarbeiter:innen eine Richtung gibt. Jedes Big Picture bricht mit einem Teil der Vergangenheit. Positionierung ist notwendig und wichtig.
  4. Vom Produkt zum System ist das Thema von Reinhard Ploss. Er beschreibt, wie eine neue Perspektive auf die Welt und den Markt die Innovationskraft einer Organisation neu definiert. Es braucht zwei Betriebssysteme: das der Produktion und der Kunden. Es gilt das Denken von morgen ins Heute zu bringen.
  5. „So weit sind wir noch nie gesprungen.“ Laura Marsi, Global Head of HR Strategy & Transformation Allianz SE, beschreibt wie dem größten Versicherungskonzern der Welt die digitale Transformation gelang. Von der lokalen Company zum internationalen Dienstleister galt es gleichzeitig Effizienz und Qualität durch Standardisierung zu steigern. Es benötigt Mut und die Fähigkeit, Fehler transparent zu machen.
  6. Wenn der Erfolg der Gegenwart nicht zufrieden machen darf. Manfed Gößl, GF der IHK München und Oberbayern, schreibt über den Prozess in einer Industrie- und Handelskammer, die die Zukunft des Industriestandortes nicht dem Zufall überlässt. Es gilt das große Ganze im Auge zu behalten, wobei der Erfolg der Gegenwart die Gefahr der Zukunft ist. Gleichzeitig ist der Gesamterfolg begründet in der regionalen Dynamik. Zukunft kann ohne Nachhaltigkeit nicht mehr gedacht werden.
  7. Über die Beschleunigung von Strategie. Lisa Kirberg, CEO Day7, beschreibt den digitalen Weg, die Menschen mit auf die Reise zu nehmen. Im ersten Schritt gilt es eine komplexe Strategie in ein verständliches Konzept zu übersetzen, im zweiten Schritt in ein Big Picture zu übersetzen und im dritten Schritt darauf eine Plattform zu stellen, Durch die Plattform soll die Zusammenarbeit gestärkt und die Strategie mit vielen kleinen Interventionen lebendig werden.
  8. Vom Sanierungsfall zu einer der 500 wertvollsten Banken der Welt. Wie eine Bank im Norden ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte schrieb – vom ehemaligen CEO der Hamburg Commercial Bank (HCOB) Stefan Ermisch. Als Führungskraft muss man sich die Finger schmutzig machen. Die Silos erfordern Umstrukturierung. Alle wurden gefordert, alle mussten sich stellen, Schritt für Schritt Mauern abbauen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
  9. Über die Kraft des Zweifels und wahren Fortschritts: Laura Bechthold vom Bavarian Foresight-Institut beschreibt wie sich die Generation Y mit Vordenkern aus der ganzen Welt auf die Suche nach einer erstrebenswerten Zukunft machte. Die Zukunft beginnt in der Vergangenheit. Zukunftsfähiger Fortschritt muss innerhalb natürlicher Ressourcengrenzen passieren. Das ökonomische Modell muss überarbeitet werden: vom Shareholder Value zum Shared Value. Der Impact wird zu definieren sein.

10.Abschließend beschreibt Robert Wreschniok, CEO des TATIN Institute für Strategy Activation über das Geheimnis Menschen für neue Ziele zu gewinnen.

Abgeschlossen wird die Publikation mit einem Kapitel „Vom Big Picture zu den Tiny Interventions“ und der Fragestellung, warum am Anfang das große Ganze und in der Umsetzung die kleinen Schritte zählen.

Diskussion

Verdienstvoll ist das Zusammenstellen der Vielfalt der verschiedenen Beispiele beginnend bei der Reformation über die Versicherung und IT-Bereich bis hin zum Sanierungsfall – ein buntes Programm, eine Vielfalt an Unternehmen und strategischen Wegen – in den jeweiligen Settings. Inwieweit die grafische Gestaltung so aufwändig gestaltet sein muss, soll hier nicht besprochen werden. Der Leserkreis für diese Publikation dürfte eher klein sein, da das Thema Strategie weitgehend für Führungskräfte oder Unternehmensberater von größerem Interesse sein dürfte – auch wenn die Relevanz auch für Mitarbeiter:innen im operativen Bereich erkennbar ist/wäre. Spannend ist jedenfalls die strategische Ausrichtung der Unternehmen und deren Vorgangsweise in der Transformation. Die Publikation zeigt sehr deutlich auf, dass die Arbeit mit Unternehmensstrategien von Personen mit Mut und Weitsicht geleistet werden muss. Eine theoretische Basis scheint nicht immer vorhanden zu sein. Es fehlt der Non-Profit-Bereich genauso wie der Public Bereich. Dies liegt vielleicht nicht nur am Hintergrund des Autors, sondern auch am Zustand der Sozialwirtschaft. Ein Umlegen auf diesen „vierten Sektor“ der Gesamtwirtschaft wäre gerade zum jetzigen Zeitpunkt eine spannende und lohnende Aufgabe sowie eine gewaltige Herausforderung.

Fazit

Im Buch wird eine interessante Aneinanderreihung von Beispielen für strategisches Handeln in einem übergroßen Format sichtbar. Die Beispiele sind vielfältig und gut gewählt, wobei eine theoretische Verortung dieses bunten Strausses an Fallbeispielen nicht erfolgt. Diese Leistung muss durch die Leser:innen selbst erbracht werden. Als Lehrbuch ist das Buch für Fortgeschrittene und einschlägig vorbelastete Personen als Reflexionsmöglichkeit sehr zu empfehlen. Spannend wäre eine Übertragung des Themas „strategische Ausrichtung“ und deren vielfältige Umsetzung im Sozialbereich – vielleicht ein neues Feld für weitere Publikationen im Bereich der Sozialwirtschaft, aber auch für Führungskräfte.

Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement an der FH Oberösterreich, Department für Sozial- und Verwaltungsmanagement und ist Berater insbesondere für die prozessbasierte Optimierung und Neugestaltung von sozialen Dienstleistern
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Es gibt 117 Rezensionen von Paul Brandl.

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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 10.06.2024 zu: Robert Wreschniok: Das große Buch der Strategie. Von der Reformation bis zur digitalen Transformation. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2024. ISBN 978-3-8006-7197-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/32197.php, Datum des Zugriffs 15.06.2024.


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