Elke Hemminger, Cornelia Heyken et al.: Social Media, Gaming & Digital Streetwork
Rezensiert von Stefan Kühne, 03.09.2025
Elke Hemminger, Cornelia Heyken, Mick Prinz, Jerome Trebing: Social Media, Gaming & Digital Streetwork. Pädagogische Arbeit in Online Communities : Ein Lehrbuch für die Soziale Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2024. 208 Seiten. ISBN 978-3-7799-8220-3. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.
Thema
In den letzten Jahrzehnten haben digitale Medien zunehmend in den Alltag vieler Menschen Einzug gehalten, die Welt ist digitaler geworden. Dies betrifft nahezu alle Lebensbereiche und alle Altersgruppen. Insbesondere Kinder und Jugendliche waren und sind dabei Vorreiter, wenn es um die Nutzung digitaler Medien und die Verwendung digitaler Tools geht. Dieses Buch reagiert auf diese Entwicklungen, indem es als Lehrbuch Studierende der Sozialen Arbeit darauf vorbereiten möchte, digitale Räume für das eigene Arbeitsfeld nutzbar zu machen. Den Fokus legen die Autor:innen dabei auf Social Media, Gaming, Digital Streetwork und die Arbeit in Online-Communities.
Autor:innen
Die Autor:innen sind ausgewiesene Expert:innen für das Thema, Elke Hemminger ist Professorin für Soziologie an der ev. Hochschule RWL in Bochum. Die anderen Autor:innen, Cornelia Heyken, Mick Prinz und Jerome Trebing, sind in relevanten digitalen Projekten der Amadeu Antonio Stiftung tätig.
Entstehungshintergrund
Projekte der Amadeu Antonio Stiftung haben ganz wesentlich die konzeptionelle und praktische Arbeit zu „Digital Streetwork“ geprägt und sie gehören damit zu den Pionieren dieser Form Sozialer Arbeit, die früh erkannt haben, dass digitale Räume als Sozialräume von Sozialer Arbeit adressiert werden können – und sollten.
Aufbau
Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und acht der insgesamt neun Kapitel folgen daher einem didaktischen Aufbau: Den Beginn machen jeweils so genannte Textbausteine, die in das jeweilige Thema überblicksmäßig einführen, danach folgt eine Zusammenfassung, Verständnisfragen, Diskussionsfragen, Arbeitsaufgaben, Quizfragen (die man über einen QR-Code herunterladen kann) und schließlich weiterführende Links und vertiefende Literatur.
Inhalt
Dem Buch ist eine Einleitung mit Gebrauchsanweisung vorangestellt, was für die Benutzung wichtig ist, denn hier werden die verschiedenen Elemente der jeweiligen Kapitel kurz vorgestellt und es wird beschrieben, wie dies in der Lehre eingesetzt werden kann.
Kapitel 1 widmet sich grundlegend der Fragestellung, warum „Technik“ auch für die Geisteswissenschaften relevant ist. Die Leser:innen werden auf einen historischen Diskurs mitgenommen und schließlich bei den Diskussionsfragen zur eigenen Reflexion eingeladen, warum es im Zuge technischer Entwicklungen wichtig ist, darüber nachzudenken, wie wir als technisch geprägte Gesellschaften in Zukunft zusammenleben möchten.
Kapitel 2 beschreibt die wichtigen Begriffe „Digitalisierung“, „Kultur der Digitalität“ und „Digitale Transformation“ und bringt damit Klarheit in verschiedene Konzepte, die sonst oftmals nur als Buzzwords in der Diskussion verwendet werden. Gerade der Hinweis auf Felix Stalders „Kultur der Digitalität“ erweist sich für die Erarbeitung von Konzepten digitaler Sozialer Arbeit als wichtig, wie die Diskussionsfragen und Arbeitsaufgaben am Ende des Kapitels zeigen.
Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang dann auch Kapitel 3, welches sich mit „Medienpädagogik“, „Medienbildung“ und „Medienkompetenz“ befasst. Etwas überraschend wechselt dieses Kapitel dann unvermittelt direkt zu „Perspektiven auf Digital Streetwork“, was zwar inhaltlich passend ist, wobei das Konzept „Digital Streetwork“ allerdings erst später im Buch genauer thematisiert wird (z.B. Kapitel 5).
Kapitel 4 beleuchtet theoretische Perspektiven zu „Soziale Arbeit in der Kultur der Digitalität“ mit den Blickrichtungen „Lebensweltansatz“, „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ und „Soziale Arbeit als Hilfe zur Lebensbewältigung“.
Mit Kapitel 5 wird es dann ab Seite 73 praktisch, nun wird „Digital Streetwork als Arbeitsfeld der Mobilen Jugendarbeit“ vorgestellt. Die Begriffsklärung „online versus digital“ von Seite 9 wird hier noch einmal wiederholt. Grundlage der Inhalte in diesem Kapitel sind dabei die konzeptionellen Überlegungen von Cornelia Heyken und Christina Dinar aus den Jahren 2014 und 2015 (Amadeu Antonio Stiftung), die seitdem stetig beforscht und weiterentwickelt wurden.
Kapitel 6 beschreibt „Pädagogische Standards der Sozialen Arbeit in digitalen Räumen“, Kapitel 7 nimmt das Thema „Datenschutz und Accounterstellung“ in den Fokus und schließlich wird in Kapitel 8 dann noch das wichtige Thema „Gaming und Soziale Arbeit: Digital Streetwork in digitalen Lebens- und Spielräumen“ vorgestellt.
Der Band schließt dann in Kapitel 9 mit der Darstellung von zwei praktischen Aufgaben, die sowohl für den Einsatz in einzelnen Unterrichtsstunden als auch für ein ganzes Semester umgesetzt werden können und welche die im Buch dargestellten Inhalte ausführlicher ausarbeiten sollen.
Diskussion
Es ist ein gutes Zeichen, wenn zu bestimmten, noch jungen Arbeitsfeldern der digitalen Sozialen Arbeit, ein Lehrbuch erscheint, welches sich vom Aufbau her als Grundlage für eine Seminarreihe eignet.
Damit wird deutlich, dass es nach einer Pionierphase nun auch eine reflektierte und beforschte Praxis gibt, die in zahlreichen Fachveröffentlichungen beschrieben wird. Der Anspruch, in einem eher kleinen Band die Themenbandbreite von Social Media, über Gaming und Digital Streetwork hin zur pädagogischen Arbeit in Online-Communities abzudecken, kann jedoch nur bedingt eingelöst werden. Dies liegt nicht an der Fachlichkeit der Autor:innen, sondern eher daran, dass diese jeweils sehr großen Themen auf einem sehr begrenzten Raum abgehandelt werden sollen. Zu jedem Kapitel gibt es einen inhaltlichen Überblick (im Buch „Textbaustein“ genannt), dem dann zahlreiche kleinere Unterteilungen folgen (wie z.B. verwendete Quellen, Zusammenfassung, Verständnis- und Diskussionsfragen, Arbeitsaufgaben, mögliche Ergebnisse der Gruppenarbeit, QR Code zu den Quizfragen, weiterführende Links und vertiefende Literatur, Studien, Podcasts). Dies alles in einem einzigen Kapitel von nur wenigen Seiten unterbringen zu wollen, ist didaktisch gut gedacht, geht jedoch auf Kosten der inhaltlichen Tiefe in manchen Kapiteln.
So besteht das wichtige Kapitel 5 (Digital Streetwork als Arbeitsfeld der Mobilen Jugendarbeit) aus gerade einmal sieben Seiten „Textbaustein“, zwei Seiten verwendete Quellen, mehr als eine Seite Zusammenfassung der sieben Seiten Textbaustein, eine Seite Fragen und Aufgaben und dann noch einmal zwei Seiten weiterführender Literatur.
In Kapitel 6 hätten auch noch Verweise auf die Qualitätsstandards zu digitaler Jugendarbeit der entsprechenden Berufsverbände (z.B. bOJA/DOJ/BAG OKJA) oder auch ein Verweis auf die umfassende Sammlung von Materialien unter http://streetwork.digital gut hineingepasst.
Während die eigene Praxis und unbestrittene Pionierarbeit der Projekte der Amadeu Antonio Stiftung als Grundlage gut genannt und abgebildet werden, wäre für ein Lehrbuch der Sozialen Arbeit auch eine inhaltliche Erweiterung auf andere Akteur:innen wünschenswert gewesen, wie etwa die Forschungsarbeiten der TH Nürnberg zum Thema Digital Streetwork oder eine noch ausführlichere Würdigung der Begleitforschung und der Qualitätsstandards des Bayerischen Jugendrings (Digital Streetwork Bayern).
Auch andere theoretische Ansätze, wie die verschiedenen Kontaktformen bei Digital Streetwork oder die Unterscheidung in content-based und non-content-based Ansätze hätten noch berücksichtigt werden können, da bei vielen Projekt im Bereich Digital Streetwork das Fachwissen zur Erstellung von relevantem Content ganz zentral ist.
Fazit
Mit dem Buch wird der Entwicklung Rechnung getragen, dass digitale Medien und digitale Sozialräume in ihren verschiedenen Formen und Ausprägungen, auch im Studium der Sozialen Arbeit berücksichtigt werden müssen. Es ist als Lehrbuch konzipiert und während die Textbausteine, Fragen und Aufgaben gut in der Lehre umsetzbar scheinen, kann der inhaltlich sehr große Bogen von Social Media über Gaming und Digital Streetwork im Rahmen von gerade einmal 138 Seiten nur bedingt gehalten werden. Begleitend zur Lehre erscheint das Buch dennoch gut geeignet und es ist mit vielen wichtigen Impulsen, inspirierenden Ansätzen und weiterführenden Quellen versehen.
Rezension von
Stefan Kühne
MSc., Lehrbeauftragter für Digitale Soziale Arbeit und Onlineberatung, Herausgeber www.e-beratungsjournal.net
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