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Roberto Cavallaro, Cristina Colombo: Fundamentals of Psychiatry for Health Care Professionals

Rezensiert von Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke, 26.06.2024

Cover Roberto Cavallaro, Cristina Colombo: Fundamentals of Psychiatry for Health Care Professionals ISBN 978-3-031-07715-9

Roberto Cavallaro, Cristina Colombo: Fundamentals of Psychiatry for Health Care Professionals. Springer International Publishing AG (Cham/Heidelberg/New York/Dordrecht/London) 2022. ISBN 978-3-031-07715-9.

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Thema & Zielsetzung

Der Titel des Buches gibt bereits unmissverständlich Auskunft über das Thema: Es handelt sich um ein Lehrbuch der Psychiatrie, das sich an Health Care Professionals aus verschiedenen Fachrichtungen wendet. Dazu zählen bspw. Studierende der Medizin und Psychologie genauso wie Studierende anderer Disziplinen wie Pflege und Physiotherapie. Letztendlich soll das Buch aber den psychisch Erkrankten dienen, indem es die o.g. Personengruppen für den Umgang mit der psychiatrisch erkrankten Klientel vor dem Hintergrund diverser mit der heutigen Psychiatrie verknüpften Aspekte sensibilisiert.

Herausgeber bzw. Autor/en

Die Autoren stammen beide von italienischen Universitäten. Beide arbeiten am Department für Psychiatrie der Universität in Mailand. Roberto Cavallaro ist Ordinarius für Psychiatrie und Dekan der Medizinischen Fakultät. Er studierte bereits in Mailand und wurde schließlich Direktor der Allgemeinpsychiatrie. Er publizierte über 100 „Paper“ in (inter-) nationalen wissenschaftlichen Zeitschriften und fungiert als Editor in ebensolchen Zeitschriften.

Cristina Colombo ist ebenfalls Medizinerin und studierte ebenso in Mailand; seit 1988 ist sie Professorin für Psychiatrie an der Universität in Mailand. Sie hat sich auf Mood Disorders spezialisiert und hat zahlreiche Schriften zu unterschiedlichen psychiatrischen Themen mit einem Schwerpunkt auf Mood Disorders veröffentlicht.

Entstehungshintergrund/​Vorgeschichte

Das Buch „Fundamentals of Psychiatry for Health Care Professionals“ scheint aus dem Spannungsfeld der Psychiatrie zwischen Naturwissenschaft und Sozialwissenschaft entstanden zu sein. Die Autoren führen den Lesern im Vorwort ausführlich und dezidiert dieses Spannungsfeld vor Augen. Dazu gehört die Frage nach der Eindeutigkeit psychiatrischer Symptome genauso wie die Zuordnung von bestimmten Aspekten zu sozial determinierten sowie inner-psychisch determinierten „Problem“. Das Buch basiert nach Angaben der Autoren auf diversen Vorlesungen in Studiengängen der Medizin, Psychologie, aber auch Physiotherapie und Pflege sowie den darin stattfindenden Interaktionen mit Studierenden mit verschiedensten (persönlichen) Hintergründen.

Aufbau & Inhalt

Das Buch gliedert sich in ein Vorwort, das Inhaltsverzeichnis sowie den eigentlichen inhaltlichen Teil.

Die Autoren beginnen ihre Betrachtung der Psychiatrie mit einem Vorwort, in dem sie darauf hinweisen, dass auch das neue Diagnostic and Statistical Manual Rev. 5 (DSM-5) keine Definition von „Normal“ oder enthält, sondern vielmehr psychische Krankheit wie folgt definiert: „Disturbances of an individual’s behaviour or of his psychological functioning that are not culturally expected and that lead to psychological distress, behavioural disability, or impaired overall functioning“. Darüber hinaus widmen sich die Autoren ausführlich der Einordnung der Psychiatrie in den gesellschaftlichen Kontext. Sie stellen die Psychiatrie als eine ganzheitliche Disziplin dar.

Nach einer längeren Einleitung folgen die Kapitel, in denen die einzelnen psychischen Erkrankungen und besondere Aspekte aus dem Fach der Psychiatrie ausführlich dargestellt werden. Dabei beginnen die Autoren ihre Betrachtung mit einem Kapitel über die Psychopathologie. Dann folgen Kapitel über Mood Disorders, Schizophrenia, Anxiety-related Disorders und Personality Disorders. Darauf folgen eingehende Betrachtungen von „Adult Consequences of Neurodevelopmental Disorders“ und Eating Disorders, Substance related Disorders und „Organic Mental Disorders and Psychiatric Issues in the Elderly“. Es schließen sich Kapitel über Psychopharmakologie, nicht-pharmakologische Behandlungsweisen, psychiatrische Notfälle und „Psychiatric Legislation and Forensic Psychiatry“ an. Am Ende eines jeden Kapitels werden Literaturempfehlungen (zum Weiterlesen) gemacht.

Die Einleitung nimmt zunächst Begriffsdefinitionen vor und widmet sich dann der historischen Betrachtung der Psychiatrie im weiteren Sinne. Es folgt eine Darstellung der Bestandteile des klinischen Interviews.

Kap. 2 bearbeitet das Thema der „Psychopathologie“ und erklärt, beschreibt und ordnet die einzelnen Aspekte des psychopathologischen Befundes ausführlich ein. Darüber hinaus werden die einzelnen psychopathologischen Symptome aber auch den entsprechenden Erkrankungen zugeordnet und in dem jeweiligen Kontext genauer analysiert. All dies geschieht auf der Basis des AMDP. Hier wird damit die Grundlage für die folgenden Kapitel gelegt.

Das dritte Kapitel widmet sich ausführlich den Mood Disorders/​affektiven Störungen. Das Kapitel ist prototypisch für die weiteren Kapitel. Es beginnt die Betrachtung der Erkrankungsgruppe mit einer kurzen Definition nach DSM-5 und Ausführungen über die Epidemiologie und Ätiopathogenese. Darauf folgend wird das Assessment beschrieben und daraufhin die Clinical Presentation. Dazu werden Beispiele für Fragen aufgezeigt, die den potentiell betroffenen Pat. zu stellen sind. Desweiteren wird der klinische Verlauf beschrieben; auch eine Betrachtung bestimmter/​besonderer Gruppen fehlt nicht (Altersdepression, Depressionen bei Frauen). Schließlich wenden sich die Autoren der Behandlung bzw. den Clinical Interventions zu; dabei gehen die Autoren nicht nur auf die Behandlungsarten (z.B. Medikamente) ein, sondern vielmehr auch auf die Gesamtzusammenhänge der therapeutischen Möglichkeiten (How to manage an antidepressant Therapy). Nach der Ausarbeitung der unipolaren Depression folgen Ausarbeitungen der bipolar affektiven Störungen. Dies erfolgt mit den gleichen Aspekten, die auch bei der Betrachtung der unipolaren Depression berücksichtigt wurden; zudem finden sich Informationen über Komorbiditäten. Wie zu erwarten, wird hier auch die langfristige Therapie beachtet. Schließlich folgen Darstellungen von „Other Mood Disorders“ (z.B. Dysthmie, Premenstrual Dysphoric Disorders).

Das nächste Kapitel (Kap. 4) widmet sich den Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. Entsprechend der Struktur des ersten Kapitels über Mood Disorders beginnt die Darstellung nach einer Einleitung in die Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, worauf Definition und Epidemiologie folgen sowie Ätiopathogenese und die Clinical Presentation; dabei wird auch der Verlauf mit entsprechenden Prodromalsymptomen verdeutlicht. Hinzu kommt ein (Unter-) Kapitel über die Prognose und eine besondere Betrachtung der pharmakologischen Therapie. Auch Informationen über substanzinduzierte Psychosen, schizoaffektive Störungen und „Other Psychiatric Disorders“ werden dem Leser nicht vorenthalten.

Das fünfte Kapitel widmen die Autoren den „Anxiety-Related Disorders“. In der üblichen „Manier“ wird der Leser ausführlich und komplett über Angststörungen informiert. Dabei wird den Besonderheiten der Angststörungen Rechnung getragen. Als Sonderformen werden die generalisierte Angststörung, Panikstörungen sowie die spezifischen Angststörungen dargestellt und ausführlich ausgearbeitet. Eine besondere Beachtung wird den „Somatic Disorders“ bzw. den Somatisierungsstörungen geschenkt. Entsprechend dem DSM werden sodann weitere Störungen in diesem Zusammenhang dargestellt, wie bspw. die Conversionsstörungen/​Conversion Disorders, Factitious Disorders. Schließlich folgt die Darstellung der „Obsessive-Compulsive and related Disorders“ und „Body Dysmorphic Disorders“ und „Hoarding Disorders“, Trichotillomaine, PTSD, Dissociative Disorders.

Mit dem sechsten Kapitel wenden sich die Autoren den Personality Disorders zu. Die Betrachtung beginnt wie üblich mit Definition und Diagnostik; hierbei zeigt sich bereits die Komplexizität dieser heterogenen Erkrankungsgruppe sehr deutlich. Die Darstellung der Klinik erfolgt mithilfe von Fallbeispielen, bevor sich die Autoren der Behandlung zuwenden, die allerdings sehr kurz und eher insuffizient ausfällt.

Autismuspektrumsstörungen stellen den ersten Fokus von Kapitel 7 dar. Daraufhin widmen sich die Autoren der Erkrankungsgruppe der ADHS und den Intelligenzminderungen. Alle Erkrankungen werden eher kurz, aber dennoch verständlich dargestellt.

Die Essstörungen sind zentraler Bestandteil des achten Kapitels und werden hier in allen Facetten verständlich dargestellt.

Es folgt ein ausführliches Kapitel über Substance Use Disorders (SUD) bzw. Substanzgebrauchsstörungen. Die Betrachtung findet unter den bereits dargestellten Kategorien statt, wobei die Autoren mit der Betrachtung des Alkohols beginnen und sich dann Cannabis zuwenden. Weitere psychotrope Substanzen werden der Reihe nach abgehandelt (Cannabis, Psychostimulants, Opioids, Hallucinogenes). Es fehlen allerdings bspw. die Tranquilizer wie Benzodiazepine oder Tabak gänzlich. Das Fehlen einzelner psychotroper Substanzen ist sicherlich eher ungünstig.

Die organisch psychischen Störungen stehen im Zentrum des zehnten Kapitels. Es wird zunächst mit der Darstellung des Delirs begonnen, dem recht viel Raum gegeben wird. Schließlich wenden sich die Autoren den „Minor and Major Neurocognitive Disorders“ zu, die sie ausführlich betrachten und somit auf dementielle Erkrankungen zu sprechen kommen. In diesem Zuge widmen sie sich den „Mental Disorders of Old Age“ und besprechen hier sehr differenziert diverse psychische Erkrankungen im Alterskontext.

Das elfte Kapitel verlässt die typischen Darstellungsweisen und betrachtet die Psychopharmakologie. Die Autoren beginnen mit einer ausführlichen Darstellung der antidepressiven Pharmakotherapie. Dabei betrachten sie einzelnen Unterkapiteln die einzelnen Aspekte der Pharmazeutika; so geben sie über die Pharmakokinetik genauso Auskunft wie über die Pharmacodynamik, Indikationen, Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen (Psycho-) Pharmaka. Dabei stellen sie die einzelnen Substanzgruppen und teilweise auch die einzelnen Präparate separat dar. Das gleiche, bewährte Vorgehen findet man hinsichtlich der übrigen Psychopharmaka wie Anxiolytika und Sedativa, Barbiturate, Mood Stabilizer sowie Antipsychotika/​Neuroleptika.

Schließlich werden der Pharmakotherapie im zwölften Kapitel die nicht-pharmakotherapeutischen Therapieelemente gegenüber gestellt. Hier geben die Autoren Auskunft über Hirnstimulationsverfahren (z.B. Magnetstimulation) und die Elektrokramptherapie, aber auch über Cognitive Remediation und Cognitive Behavioural Therapy (CBT). Auch die psychodynamische Therapie findet kurz Berücksichtigung.

Psychiatrische Notfälle stehen im Fokus des 13. Kapitels. Das letzte Kapitel stellt dann die forensischen Aspekte mitsamt psychiatrischer Gesetzgebung dar.

Zielgruppe

Das (Lehr-)Buch richtet sich an Studierende aus den Bereichen der Medizin und Psychologie sowie an angrenzende Disziplinen wie Pflege und Physiotherapie. Es soll diejenigen im Umgang mit psychisch kranken Menschen schulen, die mit ihnen im therapeutischen Auftrag in Kontakt treten.

Diskussion

Am (Lehr-)Buch von Roberto Cavallaro und Cristina Colombo ist sicherlich kaum etwas auszusetzen. Die Autoren widmen sich analog des DSM den einzelnen Erkrankungen und bestimmten Besonderheiten der Psychiatrie und Psychotherapie und gehen dabei auf zahlreiche Facetten ein, die sie m.o.w. ausführlich darstellen und dem Leser successive näher bringen.

Fazit

Roberto Cavallaro und Cristina Colombo haben ein sehr ausführliches (Lehr-) Buch erstellt, das das Feld der Psychiatrie in seiner nahezu gesamten Bandbreite abbildet. Sicherlich werden manche Aspekte ausführlicher und andere wiederum weniger ausführlich beleuchtet; dies schmälert aber den exzellenten Gesamteindruck kaum. Schließlich geben sie dem Leser in jedem Kapitel „Anregungen zum Weiterlesen“ im Sinne von ausführlichen Literaturlisten.

Rezension von
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Beratung und Case Management in Prekären Lebenslagen Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Campus Mannheim
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Es gibt 77 Rezensionen von Andreas G. Franke.

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ISSN 2190-9245