Nicole Auferkorte-Michaelis, Frank Linde et al.: Feedback für den Lehralltag
Rezensiert von lic. phil Kathrin Pirani, 29.07.2025
Nicole Auferkorte-Michaelis, Frank Linde, Annette Ladwig, Henning Haschke, Maiken Bonnes: Feedback für den Lehralltag. Lehren und Lernen im Dialog.
Verlag Barbara Budrich GmbH
(Opladen, Berlin, Toronto) 2023.
122 Seiten.
ISBN 978-3-8252-6131-3.
D: 12,90 EUR,
A: 13,30 EUR,
CH: 16,90 sFr.
Reihe: Kompetent lehren - Band 15. UTB - 6131. Hochschullehre.
Thema
Der utb.-Band XV aus der Reihe „Kompetent lehren“, herausgegeben von Sabine Brendel, richtet sich an Hochschuldozierende, die mit dem gezielten und variantenreichen Einsatz von Feedback-Prozessen ihre Hochschullehre und das Lernen der Studierenden optimieren wollen. Den theoretischen Ausführungen liegt ein dialogorientiertes Verständnis von Feedback zugrunde, wie es Hattie & Timperley 2007 in The Power of Feedback beschreiben. Es werden verschiedene wechselseitige Feedbackprozesse zwischen Studierenden und Lehrenden wie auch Feedbackprozesse zwischen Peers, seien es Studierenden-Peers oder Dozierenden-Peers dargestellt. Formative und summative Feedback-Prozesse werden einander gegenübergestellt und beide auf die Anforderungen an gute Hochschullehre bezogen. Die knapp gehaltene Darstellung der theoretischen Grundlagen wird durch eine beachtliche Sammlung von praxiserprobten Steckbriefen von Feedback-Methoden ergänzt. Die Steckbriefe erleichtern die Übertragung ein eigene Lehr- und Unterrichtskontexte.
Autor:in oder Herausgeber:in
Dr. Nicole Auferkorte-Michaelis, Maiken Bonnes, Henning Haschke und Annette Hintze arbeiten am Zentrum für Hochschulqualitätsentwicklung (ZHQE) an der Universität Duisburg-Essen. Prof. Dr. Frank Linde forscht und lehrt an der Technischen Hochschule Köln. Die Autor:innen verfügen über z.T. langjährige Erfahrung im Bereich Lehre und Unterricht im Hochschulkontext.
Aufbau
Die knapp 120 Seiten starke Publikation ist in zwei Teile gegliedert: Ein einleitender Theorieteil adressiert auf 60 Seiten verschiedene Zwecke und Nutzungsformen von Feedback zur Optimierung von Lehre und Lernen. Im zweiten Teil werden auf gut 50 Seiten insgesamt 24 Feedback-Methoden nach einem einheitlichen Schema dargestellt. Die Methoden-Steckbriefe enthalten auf meist zwei Seiten systematisch dargestellte Beschreibungen der Instrumente und Methoden, praxisnahe Tipps sowie Übertragungshilfen auf weitere Kontexte der Hochschullehre.
Inhalt
In der Einleitung, Kapitel 1, legt das Autor:innenteam sein Verständnis von Feedback dar: Lehrende werden eingeladen, ihre Studierenden als Dialogpartner:innen in Feedback-Prozesse einzubinden, damit Lehrende und Lernende gemeinsam Verantwortung für Lehren und Lernen übernehmen.
Das Kapitel 2 (Lehrende mit Studierenden im Dialog über Lehrveranstaltungen) empfiehlt Dozierenden, studentische Rückmeldungen zu Lehrveranstaltungen systematisch und variantenreich zu erheben und diese, sorgfältig ausgewertet, als Basis für den ergebnisorientierten Dialog mit Studierenden zu nutzen. Ob als formatives Instrument zur Stärkung von studentischem Lernen im Semesterverlauf oder als summatives, retrospektives Instrument zur Evaluation der Lehrveranstaltung konzipiert, Feedback-Prozesse unterstützen Lehrende, die in ihrem Unterricht eingesetzten Methoden und Materialien den Lernbedürfnissen der Studierenden anzupassen.
In Kapitel 3 (Feedback auf Leistungen für den Lernerfolg nutzen) wird elaboriert, wie Studierende die nötige Feedback-Literacy erwerben, um aus Rückmeldungen zu ihrer Leistungserbringung Schlussfolgerungen für ihr weiteres Lernen ziehen zu können. So sollen Studierende im Semesterverlauf verschiedene Formen von Feedback kennenlernen und die Rückmeldungen der Dozierenden zu ihren Leistungen mit den vorab kommunizierten Lernzielen, Erfolgskriterien und Schwellenpunkten in Beziehung setzen.
Das Potenzial von kriteriengeleitetem Peerfeedback zwischen Studierenden wird in Kapitel 4 (Studierende ins Gespräch bringen: Peerfeedback gestalten) dargestellt. Mit Nachdruck wird darauf hingewiesen, dass studentisches Peerfeedback, durch Dozierende oder Fachtutor:innen modelliert, angeleitet und in der Durchführung begleitet, studentisches Lernen bedeutend unterstützen und ggfs. Dozierende entlasten kann.
Hauptfokus des Kapitel 5 (Kollegiales Feedback für die Lehrpraxis) ist das Peerfeedback zwischen Dozierenden. Kollegiale Fallberatung, gegenseitige Hospitation in Lehrveranstaltungen oder das Instrument des Lehrportfolio werden als Varianten für respektvollen, konstruktiven Dialog über gelingendes Lehren detailreich beschrieben.
In Kapitel 6 (Zum guten Schluss) wird daran erinnert, „dass Feedback-Literacy ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Entwicklung ist“ (S. 62) und für Feedback-Gebende wie auch für Feedback-Empfangende einen Weg zu erfolgreicherem Lehren und Lernen eröffnet.
In Kapitel 7, dem Praxisteil des Buches, werden 24 Feedback-Instrument alphabetisch sortiert angeboten. Die Steckbriefbeschreibungen folgen dem Schema:
- Name der Methode/des Instruments
- Beschreibung der Methode/des Instruments
- Dauer
- Material
- Durchführung
Gelegentlich werden weitere Tipps oder weiterführende Weblinks angefügt. Bei allen Steckbriefen sind die Quellen angegeben, sodass vertiefende Recherchen möglich sind. Bespiele für die Steckbriefe sind geläufigere Methoden wie Blitzlicht, One-Minute-Paper, Rating-Konferenz, Zielscheibe. Weniger bekannte Methoden ergänzen die Klassiker: Aha!Wand, Rostopschin, Sin-Obelisk und SPINK-Vorwissen aktivieren
Diskussion
Das Buch besticht vor allem durch seinen hohen Praxisbezug. Sowohl im Theorieteil wie auch in besonderem Masse im Teil 2 wird deutlich, dass das Autor:innenteam eigene Lehrerfahrung nutzt, um eine praxis- und erfolgsorientierte Konzeption für den Einsatz von Feedback-Prozessen zur Stärkung von Lehren und Lernen zu präsentieren. Ihr Angebot ist getragen von einer respektvollen und positiven Haltung gegenüber Dozierenden-Peers und Studierenden und wirkt überzeugend. Die praxisnahen Ausführungen im Theorieteil sowie die Steckbriefe motivieren zur Übertragung der Methoden in den eigenen Lehr- und Unterrichtskontext. Für Novizen wünscht man sich eine etwas klarere Abgrenzung der unterschiedlichen wechselseitigen Feedback-Prozesse. Die Feedback-Richtung und damit auch die Setzung, wer Feedback-Gebende und wer Feedback-Nehmende sind, wechseln zuweilen unverhofft innerhalb eines Abschnitts. Auch die Abgrenzung zwischen formativer und summativer Nutzung von Feedback ist mitunter unscharf gezogen. Die Steckbrief-Sammlung wäre noch handlicher als Nachschlagewerk nutzbar, wenn bereits im Inhaltsverzeichnis Hinweise auf Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Methoden gegeben wären.
Fazit
Das handliche, knapp 120-seitige Buch bietet eine Einführung in die theoretischen Grundlagen und Nutzungssituationen von Feedback-Prozessen in der Hochschullehre. Die Publikation enthält anschauliche Schilderungen aus der Lehrpraxis des Autor:innenteams, zahlreiche Tipps sowie zwei Dutzend praxiserprobte Feedback-Methoden in Form von Steckbriefen. Hochschuldozierende finden wertvolle Unterstützung beim Aufbau und der Erweiterung einer lernzielorientierten und dialogbasierten Feedback-Praxis, mit der sie sowohl ihr Lehren wie auch das Lernen der Studierenden optimieren können.
Rezension von
lic. phil Kathrin Pirani
Dozentin für datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. Arbeitsschwerpunkte: Weiterbildungen zum Thema «Lehren und Lernen sichtbar machen» u.a. mit dem Verfahren «Luuise» (Lehrpersonen unterrichten und untersuchen integriert, sichtbar und effektiv»; langjährige Gymnasiallehrerin
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