Lothar Scholz: Spiele im Politikunterricht
Rezensiert von Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen, 21.08.2025
Lothar Scholz:Spiele im Politikunterricht. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2022. 95 Seiten. ISBN 978-3-7344-1424-4. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR.
Reihe: Politik unterrichten. Wochenschau Politik.
Thema
Die Publikation „Spiele im Politikunterricht“ stellt den Einsatz von Spielen und vom Spielen in den Mittelpunkt. Der Autor argumentiert: „Die Möglichkeiten des Spiels, Erfahrungen zu gewinnen, Selbstbewusstsein zu stärken, Kompetenzen zu erwerben und identitätsstiftend zu wirken, räumen dem Spiel einen grundlegenden Platz in pädagogischen Kontexten ein“ (S. 10-11).
Autor
Den Verlagsangaben ist zu entnehmen, dass Dr. Lothar Scholz über umfangreiche Expertise im Bereich der Lehrer:innenfortbildung verfügt. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Methoden politischer Bildung und spielerischen Lernformen im Politik- und Sozialkundeunterricht.
Aufbau und Inhalt
Das 96 Seiten umfassende Büchlein der Reihe „Politik unterrichten“ des Wochenschau-Verlages ist in zwei Teile gegliedert.
Teil 1: Spielen in der Schule. Hier werden lerntheoretische und pädagogische Ansätze zum Einsatz von Spielen im Unterricht dargestellt. Der Autor vertritt einen handlungstheoretischen Ansatz (S. 11). Weitere Merkmale dieses Spielverständnisses sind:
- Im Spiel wird Wirklichkeit kommunikativ und handelnd konstruiert.
- Ein Spiel bedeutet Interaktion und Kommunikation.
- Ein Spiel ist zweckfrei und bleibt für den Einzelnen ohne Folgen.
Wobei letzteres Merkmal im Kontext von Unterricht und Schule differenzierter betrachtet wird (S. 15). Scholz plädiert für einen pragmatischen Ansatz zum Einsatz von Spielen im Unterricht.
Es folgt eine Zusammenfassung der pädagogischen Potenziale von Spielen. Hierzu zählen u.a.: die Motivationssteigerung; die Möglichkeit, das Spiel als ein Handeln auf Probe zu erleben, sowie die ganzheitliche Aktivierung kognitiver, emotionaler, instrumenteller und motorischer Fähigkeiten. Darüber hinaus wird der Bezug zur politischen Bildung aufgenommen, indem Spiele als handlungsorientierte Methoden politischer Bildung eingeordnet werden. Hierzu greift der Autor u.a. auf das Modell der Politikkompetenz nach Detjen et al. zurück.
Der erste Teil wird mit einem vom Autor entwickelten Strukturierungsvorschlag zur Kategorisierung von spielerischen Lernaktivitäten und deren Zusammenfassung nach Spieltypen abgeschlossen (S. 23). Die Zuordnung von spielerischen Lernaktivitäten zu einem Spieltyp erfolgt maßgeblich nach den Kriterien der didaktischen Intention und des Kompetenzerwerbs. Der Autor weist jedoch auch auf die Unschärfen dieser Zuordnung hin.
Scholz unterscheidet sieben Spieltypen:
- Assoziations- und Einstiegsspiele
- Diskussions- und Entscheidungsspiele
- Simulationsspiele
- Interaktions- und Kooperationsspiele
- Wissensspiele
- Szenische Spiele
- Spielerische Produktions- und Präsentationsformen.
Diese Einteilung in Spieltypen bildet die Grundlage für den zweiten Teil des Buches „Spielerische Lernformen im Sozialkunde- und Politikunterricht“. Dieser umfasst die Beschreibung der jeweiligen Spieltypen, die Darstellung konkreter Spielformen sowie Gedanken zur theoretisch-konzeptionellen Rahmung.
An dieser Stelle werden zwei Spieltypen ausführlicher dargestellt.
- Diskussions- und Entscheidungsspiele (S. 35 ff.) umfassen Spiele und Aktivitäten, die auf kontrovers angelegte Kommunikationsprozesse fokussieren. Die Kontroversität bildet das Zentrum der Lernarrangements und ist zugleich didaktisches Prinzip, um Konfliktkompetenz und Urteilsbildung bei den Teilnehmenden anzuregen. Der Autor unterscheidet bei der Darstellung konkreter spielerischer Lernformen zwischen Spielformen, die sowohl von der Thematik als auch vom methodischen Arrangement komplexer und aufwendiger sind (zum Beispiel Pro- und Contra-Debatte, Prioritätenspiel oder Thesenprofil) und Spielformen, die als methodische Zugänge zu einer Problemstellung dienen und spontan zu einer Positionierung herausfordern (zum Beispiel Positionslinie oder Ampelspiel).
- Simulationsspiele weisen folgende Merkmale auf: Sie umfassen problemhaltige und modellhafte Situationen, die Übernahme von interessensgeleiteten Rollen und ein regelgeleitetes, spielerisches Rollenhandeln. Im Vordergrund stehen das Rollenhandeln in einem sanktionsfreien Raum und die Modellsituation, die einen reduzierten Ausschnitt der Wirklichkeit präsentiert. Aufgrund der Komplexität sind die Übergänge zu anderen Spieltypen fließend und die Umsetzung dieser Spielformen ist mitunter voraussetzungsreich. Als konkrete Spielformen werden beispielsweise das Rollenspiel, das Planspiel oder das Tribunal vorgestellt.
Diskussion
Das Buch basiert auf fundierter Recherche und der Expertise des Autors. Insgesamt präsentiert es kompaktes Wissen auf wenig Raum.
Im ersten Teil werden die theoretisch-konzeptionellen Grundlagen zum Einsatz spielerischer Lernformen und das handlungsorientierte Spielverständnis des Autors dargestellt. Der zweite Teil des Buches ist so aufbereitet, dass er als Begleiter bei der Planung von spielerischen Lernarrangements dient. Er bietet eine sehr gute Zusammenstellung konkreter Spielformen, die nach didaktischen Gesichtspunkten, konzeptionellen Überlegungen und verschiedenen Möglichkeiten der Kompetenzentwicklung strukturiert sind. Dadurch wird das Buch auch für Prozesse und Lerngelegenheiten politischer Bildung interessant.
Eine Verbreitung dieses Buches außerhalb des Politik- und Sachkundeunterrichts an Schulen ist sehr gut denkbar und wünschenswert. In spielerischen Lernarrangements verbirgt sich manches Potenzial zur Entwicklung politischer Handlungskompetenzen, wenngleich die Aufwendungen für Vor- und Nachbereitung sowie die Notwendigkeit einer Reflexions- und Methodenkompetenz seitens der Lehrenden an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen.
Fazit
Wer sich über den Einsatz von Spielen im Politikunterricht oder in Prozessen politischer Bildung informieren möchte, erhält einen sehr gut strukturierten Überblick, fundierte konzeptionelle Hinweise und konkrete Impulse für spielerische Lernaktivitäten.
Rezension von
Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen
Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Profession und Organisation an der Alice Salomon Hochschule Berlin
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