Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.: Welche Jugendhilfe brauchen Jugendliche?
Rezensiert von Bastian Basse, 04.03.2026
Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.: Welche Jugendhilfe brauchen Jugendliche?
Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV
(Berlin) 2024.
88 Seiten.
ISBN 978-3-7841-3702-5.
Ausgabe 1/2024 - Archiv für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit.
Thema
Das Themenheft, im Jahr 2024 herausgegeben von Prof. Dr. Peter Buttner im Auftrag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. wirft auf 82 Seiten kurze Schlaglichter auf verschiedene Bedarfe im Bereich der Kinder‑ und Jugendhilfe. Dabei fokussieren die Beiträge zum Teil einzelne Angebotstypen und Zielgruppen. Andere Beiträge umreißen Eigenschaften, welche zielgruppenunspezifisch zum Gelingen von Angeboten der Jugendhilfe beitragen.
Herausgeber
Herr Prof. Dr. Buttner lehrt seit 1997 an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Er ist Professor für Soziale Arbeit mit chronisch kranken und behinderten Menschen und ehemaliges Mitglied des Präsidiums des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.
Der eingetragene Verein versammelt laut eigener Auskunft über 2.000 Mitglieder, u.a. bestehend sowohl aus Einzelpersonen als auch aus Bundesländern, Landkreisen, Städten, Gemeinden und Spitzenverbänden mit Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege. Satzungsgemäßer Zweck ist die Förderung auf unterschiedlichen Gebieten der Sozialen Arbeit.
Aufbau
Neun Beiträge von unterschiedlichen Autor:innen füllen die insgesamt 82 Seiten des Sammelbandes. Dabei stehen die Beiträge jeweils allein und sind durch keine weitere inhaltliche Clusterung untereinander organisiert.
Inhalt
In dem Editorial von Ekin Deligöz, zum Veröffentlichungszeitpunkt Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, werden die im Sammelband folgenden Beiträge unter den Themenbezug des KSJG gestellt. Dessen gesetzliche Ausgestaltung sei im geltenden Koalitionsvertrag vereinbart und müsse nun erfolgen.
Die Beiträge selbst folgen unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. So nehmen vier der Artikel spezifische Zielgruppen in den Fokus, charakterisieren deren Bedarfslage und leiten daraus Anforderungen an spezifische Angebote der Kinder‑ und Jugendhilfe ab.
Prof. Dr. Melanie Groß beispielsweise befasst sich mit intersektionaler Mädchenarbeit – sie gibt einen Überblick über die Herausforderungen, mit denen diese Gruppe in der Gesellschaft konfrontiert ist. Dabei setzt sie auch einen Schwerpunkt auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie „das Erstarken rechter Denkweisen und Strömungen […]“ und leitet daraus Notwendigkeiten und Antworten auf Haltungsfragen für die Soziale Arbeit ab. Je ein weiterer Beitrag befasst sich mit Jugendlichen mit Armutserfahrungen, mit von Vereinsamung oder psychischen Belastungen betroffenen Jugendlichen und mit geflüchteten jungen Menschen.
Zwischen weiteren vier Beiträgen, welche allgemeine Ansprüche formulieren, die sie der Kinder‑ und Jugendhilfe insgesamt stellen – unabhängig von der spezifischen Zielgruppe des einzelnen Angebotes – befindet sich ein Text von Noemi Heister und Helen Ghembremicael. Unter der Überschrift „Orte der Partizipation und Selbstbestimmung schaffen: inklusive Kinder und Jugendarbeit“ wird eine Herleitung verwendet, welche auch als Slogan für die gesamte Herausgabe fungieren könnte: „Was braucht eine inklusive Kinder‑ und Jugendarbeit? Jugendliche mit Behinderungen sind in erster Linie Jugendliche – sie wünschen sich Freiräume zur Entfaltung […]“.
Diskussion
Alle neun Beiträge des herausgegebenen Heftes eignen sich als Grundlage dafür, ein Verständnis für die Notwendigkeiten einzelner Angebotstypen der Kinder‑ und Jugendhilfe oder auch allgemein notwendiger Charaktermerkmale ebendieser Angebote zu vermitteln. In sich funktionieren die Einzelbeiträge und geben ein gut argumentiertes und nachvollziehbares Schlaglicht auf das jeweils gewählte Fokusthema.
Im Vergleich untereinander entsteht der Eindruck, dass die Zielvorstellungen der Verfassenden der Einzelbeiträge voneinander abweichen und die Beiträge eher nebeneinanderstehen als auf eine gemeinsame Argumentationslinie hin ausgerichtet sind. Eine stärkere Bezugnahme der Beiträge aufeinander, kombiniert mit einer rahmenden Strukturierung innerhalb des Sammelbandes, hätte zusätzliche Erkenntnisse ermöglichen können. Diese Einordnung bleibt jedoch der Leserschaft überlassen.
Fazit
Der Sammelband bietet ohne Anspruch auf Vollständigkeit nachvollziehbare Einzelbeiträge zu unterschiedlichen zielgruppenspezifischen und ‑unspezifischen Bedarfslagen und Anforderungen der Kinder und Jugendhilfe. Das Heft eignet sich damit für einen schnellen, stichprobenartigen Einblick in einzelne Themenfelder der Kinder und Jugendhilfe. Die zielgerichtete Bearbeitung einer konkreten Leitfrage lässt es allerdings vermissen.
Rezension von
Bastian Basse
Mailformular
Es gibt 1 Rezension von Bastian Basse.




