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Roland Kunz: Das 1X1 der Palliativen Geriatrie

Rezensiert von Heike Kautz, 08.10.2024

Cover Roland Kunz: Das 1X1 der Palliativen Geriatrie ISBN 978-3-946527-49-7

Roland Kunz:Das 1X1 der Palliativen Geriatrie. Praxistipps für Pflegende und Ärzt*innen. der hospiz verlag Caro & Cie. oHG (Stuttgart) 2024. 68 Seiten. ISBN 978-3-946527-49-7. D: 12,90 EUR, A: 13,30 EUR.
Reihe: Palliative Geriatrie in der Praxis - 1.

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Thema

Die Menschen werden immer älter und viele verbringen ihren letzten Lebensabschnitt in einer Pflegeeinrichtung. Das sind teilweise sehr hochbetagte Personen mit oder ohne einer Demenzerkrankung. Um die Lebensqualität bis zum Tod individuell zu gestalten, ist eine hohe, professionelle Fachkompetenz, eine dem Menschen zugewandte Haltung sowie für dieses Setting förderliche Rahmenbedingungen vonnöten. Grundlage des Konzeptes der Palliativen Geriatrie ist die Verbindung von Palliative Care sowie der Geriatrie. Folglich ein ganzheitlicher Ansatz, der je nach Bedarf kurativ, rehabilitativ oder palliativ sein kann. Ein gutes Leben und Sterben sind die Ziele für die Betagten sowie die Begleitung ihrer Angehörigen. Dieses interprofessionelle Konzept, insbesondere für Altenpflegeeinrichtungen, wird verständlich sowie appellierend in diesem Büchlein für Pflegende sowie Mediziner:innen vorgestellt.

Autor

Dr. med. Roland Kunz ist seit Dekaden ein sehr erfahrener Geriater sowie Palliativmediziner in der Schweiz. Er war ehemaliger Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und des Zentrums für Palliative Care im Stadtspital Zürich.

Entstehungshintergrund

Herr Dr. Kunz ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) im deutschsprachig-europäischen Raum. So wird mehrfach auf deren Grundsatzpapiere in der Publikation verwiesen. Diese Auflage ist eine bearbeitete Übernahme der Erstauflage „1X1 der Palliativen Geriatrie“ (2022/2023), die vom Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie/​Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin herausgegeben wurde.

Aufbau und Inhalt

Das 68-seitige und ca. Din A 5 große Büchlein beginnt nach der Inhaltsangabe mit einem Grußwort eines Vorstandsvorsitzenden der FGPG sowie einer Einleitung. Es ist der erste Band einer Reihe zum Thema Palliative Geriatrie.

Das Booklet umfasst drei übergeordnete Themen bzw. Kapitel, die in der Inhaltsangabe durch Seitenzahlen ausgewiesen werden und nicht durch die Kapitelfolge. Der zweite Themenblock und damit das umfassendste Kapitel ist so aufgebaut, dass der Einzug der Bewohnerin bzw. des Bewohners in die Pflegeeinrichtung bis zu dessen Tod beschrieben wird.

Abbildungen sowie Quellen und Literaturtipps werden gesondert aufgeführt.

In der Einleitung (S. 9–10) wird das Ziel des Büchleins beschrieben. Es möchte für die Palliative Geriatrie sensibilisieren und stellt „drei zentrale Säulen“ (Kunz, S. 9) mit einer entsprechenden Kultur vor, um die individuelle Lebensqualität zu erreichen:

  • eine wertschätzende Kommunikation und Beziehung
  • Strukturen, die eine Autonomie und Selbstbestimmung ermöglichen.
  • Adäquate Palliativversorgung

Die Handlungspraxis der Pflegenden sowie Ärzt:innen orientiert sich an dem Verlauf eines Heimaufenthalts. Durch grau unterlegte Hervorhebungen bzw. Kästchen im Text werden Ärtz:innen oder Pflegende direkt in ihrer Profession mit Tipps angesprochen.

Auf den Seiten 11 und 12 werden die „Grundlagen der Palliativen Geriatrie“ dargelegt, d.h. kurative, rehabilitative sowie palliative Bedarfe müssen für jede einzelne Bewohnerin oder Bewohner im Verlauf immer wieder angepasst werden. Ein interprofessioneller und holistischer Ansatz ist Voraussetzung.

Die Inhalte der Seiten 13–21 mit der Überschrift „Palliative Geriatrie im Verlauf des Heimaufenthaltes“ beginnen mit dem Einzug in dieses. Konstruktiv wird auf die vielen Abschiede und Emotionen der Betroffenen sowie der Angehörigen eingegangen und mögliche Traumata angesprochen. Gleichzeitig erfährt die Leserschaft wichtige Assessment-Instrumente sowie Praxistipps. In einer Abbildung zu „Standort- und Zielgespräch“ (Kunz, S. 17) wird die interprofessionelle Zusammenarbeit verdeutlicht und deren Signifikanz hervorgehoben. Die möglichen Notsituationen im Verlauf des Heimaufenthalts werden in der sog. Gesundheitlichen Vorsorgeplanung (GVP) eingeschlossen. Synonyme für Österreich, die Schweiz oder international gebräuchliche Abkürzungen werden benannt und das Konzept erklärt.

Unter dem Titel „Leben im Heim mit Lebensqualität“ (S. 22–53) wird wiederholend die Individualität der einzelnen Person in den Vordergrund gerückt. Mit hilfreichen Tipps zur maximalen Unterstützung werden physische, psychosoziale sowie spirituelle Bedürfnisse und Bedarfe dargestellt. Das Total Pain Konzept steht im Fokus. Einzelne Symptome wie beispielsweise Atemnot und Übelkeit sowie die Ursachen mit ihren Behandlungsmöglichkeiten werden erklärt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Hinweise auf medikamentöse Nebenwirkungen bei Hochbetagten sowie begründete Alternativen und Applikationsweisen zeigen mit Auflisten der Medikation und Dosisempfehlungen die Effizienz des Textes. Komplementäre Maßnahmen wie beispielsweise die Aromapflege sowie eine empathische Kommunikationstechnik, die Validation, behaupten ihren Stellenwert. Die Krankheitsbilder Demenz, Depression und das akut lebensbedrohliche Delir werden ebenfalls prägnant erläutert und ein Musterbeispiel eines Notfallplans dargestellt.

Der Autor widmet sich abschließend dem Thema „Lebensende“ (S. 52–64) und geht auf Symptome und Behandlung, rechtliche Aspekte sowie auf Sterbewünsche und ihren Umgang ein. Dabei betont er, dass die Äußerungen nicht mehr leben zu wollen, primär der Wunsch nach sozialem Kontakt und einem Gespräch sind. Pflegende und Ärzt:innen haben respektvoll mit diesen Äußerungen umzugehen, um die Person besser verstehen und begleiten zu können. Ein sensibler Umgang mit der Überbringung der Todesnachricht ist eingeschlossen.

Den Abschluss machen das Quellenverzeichnis (S. 65–66), die Kurzvorstellung des Autors, weiterführenden Internet-Adressen (S. 67) und die letzte Seite lädt zur Mitgliedschaft bei der Fachgesellschaft der Palliativen Geriatrie ein.

Diskussion

Das Booklet enthält die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Palliative Geriatrie in der Praxis und spiegelt die jahrzehntelange Erfahrung des Autors wider. Anhand eines Heimaufenthalts, vom Einzug bis zum Tod einer Person, werden die einzelnen Etappen mit Praxistipps für Pflegende sowie für Ärzt:innen unterstützt. Assessments und konkrete Behandlungspfade für die einzelne Person werden hervorgehoben. Diese stärken den Grundsatz, der nicht nur für Personen mit einer Demenz wichtig ist: „wir müssen unsere Realität an die Realität des betroffenen Menschen annähern und nicht versuchen, ihn in unsere Realität [zurück, H.K.] zuführen“ (Kunz, S. 48).

Das Buch ist in der deutschsprachigen Pflegeheimlandschaft ein guter, sehr praxisnaher Wegweiser und liefert Impulse, sich intensiver mit der Palliativen Geriatrie auseinanderzusetzen.

Ein für Deutschland spezifischer Hinweis zu den Vorbehaltsaufgaben der Pflegefachperson seit der generalistischen Pflegeausbildung wäre wichtig. Denn einer Pflegefachperson ist der Pflegeprozess inhärent. Das hat zur Folge, dass die Inhalte des Buches, insbesondere die Multiprofessionalität und damit Netzwerkarbeit, in großen Teilen von der Pflegefachperson im Pflegeprozess koordiniert wird. Dadurch wird die Profession zusätzlich gestärkt.

Obwohl die medizinische Versorgung vordergründig beschrieben wird, lässt sich aufgrund der Praxistipps für die Pflegenden das Wirken im Team sehr gut nachvollziehen. In Deutschland ist die medizinische Versorgung von Heimbewohner:innen anders geregelt als in der Schweiz, Österreich oder Luxemburg. Ein Band 2 könnte dahingehend tiefer auf die pflegerische Praxis eingehen.

Fazit

Dieses handliche Büchlein „Palliative Geriatrie in der Praxis“, Band 1, ist ein gelungener „Praxisanleiter“ und sollte als Pflichtlektüre für Mitarbeitende des gesamten Gesundheitswesens nicht fehlen.

Rezension von
Heike Kautz
M.Sc.N., Pflegewissenschaftlerin, Lehrpersonal am Bildungs- und Forschungsinstitut des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein in Koblenz
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Es gibt 2 Rezensionen von Heike Kautz.

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ISSN 2190-9245