Karl Heinz Breier: Hannah Arendt im Gepäck
Rezensiert von Dr. Harald Schmidt, 28.08.2025
Karl Heinz Breier: Hannah Arendt im Gepäck. Sieben Wege zum Politischen. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2024. 144 Seiten. ISBN 978-3-7344-1639-2.
Thema
Das besprochene Büchlein möchte ein Begleiter auf der Entdeckungsreise durch das Gedankengut Hannah Arendts sein, welches sich aus einigen der wichtigsten Klassiker des politischen Denkens speist. Es möchte die Bürgerexistenz in krisenbehafteten Zeiten beleuchten.
Der Autor
Karl-Heinz Breier ist seit 2009 Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Politische Bildung an der Universität Vechta. Davor war er von Süd (München) bis Nord (Kiel) und West (Bonn) bis Ost (Erfurt) in verschiedenen akademischen Stationen in ähnlich forschenden und lehrenden Positionen tätig.
Entstehungshintergrund
Der von seiner Frau inspirierte Buchtitel „Hannah Arendt im Gepäck“ wurde ebenfalls von ihr mit Illustrationen versehen und erschien 2024 in erster Auflage im Wochenschau-Verlag. Zentraler Ausgangspunkt war die Frage nach unseren Chancen, in Krisenzeiten unseren eigenen Bürgersinn zu schärfen. Der Autor fragt, welche Denkgewohnheiten den Kompass unseres politischen Denkens justieren können. Dabei wird er im Dialog zwischen Hannah Arendt und ihren Vorgängern – Klassikern des Politischen Denkens – fündig.
Aufbau
Der Band umfasst 140 Seiten, welche sich auf sieben Kapitel sowie einen „Aufbruch“ und eine „Nachsicht“ verteilen. Der Band verzichtet auf einen wissenschaftlichen Apparat.
Inhalt
Nach einer knappen Hinführung im Rahmen seines Aufbruch-Kapitels werden Leserinnen und Leser zunächst mit zwei Kapiteln zu Sokrates und Aristoteles bis in die griechische Klassik und damit auf die sokratische Suche und in die politeia geführt. Danach gibt es einen Abstecher zum Begründer der modernen Politikwissenschaft, Machiavelli, welcher im Lichte seiner republikanischen Betrachtungen aus den Discorsi erstrahlt. Nach der Tournee von Montesquieu über Rousseau zu Tocqueville wartet das krönenden Finale Arendt auf den Leser und die Leserin. Die knappe Nachsicht des Autors unterstreicht noch eine wesentliche Bürgereigenschaft: Die Freundschaft (Philia), welche eine wesentliche Grundlage für den permanenten Austausch in einer gelebten Zivilisation bildet.
Diskussion
Der Autor fragt in Analogie zum GPS (global positioning system) nach einem PPS, einem political positioning system, welches uns Bürgerinnen und Bürgern einer Republik dabei helfen könne, unser politisches Denken und Handeln kompassartig zu ordnen. Bei den erwähnten Klassikern findet und benennt er wesentliche Komponenten einer gelebten Republik. Dabei fallen die einzelnen Kapitel – ganz dem Stil einer leichten Urlaubslektüre folgend – sehr knapp aus. Das erleichtert den Einstieg für manche Leserinnen und Leser. Zugleich bleibt die immense Herausforderung, die dichten und komplexen theoretischen Strukturen so zu entfalten, dass auch gänzlich unbeleckte Kandidatinnen und Kandidaten Nutzen von der knappen Lektüre ziehen können.
Fazit
Das Buch hält, was es verspricht: Eine unterhaltsame und kurzweilige Urlaubslektüre ist dem Autor gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele, noch nicht zu aktiven Bürgerinnen und Bürgern heran Gereifte sich von den Gedanken der Freunde einer gelebten res publica inspirieren lassen.
Rezension von
Dr. Harald Schmidt
M.A.
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