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Stefan Schanzenbächer: Gewalt stoppen mit Konfrontation

Cover Stefan Schanzenbächer: Gewalt stoppen mit Konfrontation. Techniken für Prävention und Täterarbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2006. 160 Seiten. ISBN 978-3-7841-1615-0. 32,00 EUR, CH: 48,00 sFr.

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Einführung

Schon wieder ein neues Buch über die Konfrontative Pädagogik? Diese Frage werden zumindest diejenigen stellen, die berufliche und wissenschaftlich intensiv in das Thema involvier sind. In der Tat ist die Frage berechtigt. Denn das neue Buch von Stefan Schanzenbächer widmet sich dem Thema Konfrontative Pädagogik. Der Begriff Konfrontative Pädagogik ist ziemlich neu, weil bis Ende der 1990er-Jahre Veröffentlichungen zu diesem Thema unter Anti-Aggressivitäts-Trainings subsumiert wurden. Der Terminus Konfrontative Pädagogik wird sehr stark von Jens Weidner geprägt, mit dem Ziel, die Konfrontative Pädagogik als eine Theorie der Sozialen Arbeit zu etablieren. Ziel der Methode ist es, mittels konfrontativer Intervention bei sozial auffälligen und gewalttätigen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, die mit gängigen sozialpädagogischen Maßnahmen nicht erreicht werden bzw. nicht erreicht werden können, eine Verhaltensänderung zu erreichen. Die Methode versteht sich nicht als Allheilmittel in den pädagogischen Settings, sondern als eine weitere Säule der Methodenvielfalt.

Wozu ein neues Buch, wenn man bedenkt, dass im April 2006 ein neuer Sammelband von Kilb/Weidner/Gall unter dem Titel "Konfrontative Pädagogik in der Schule" erschienen ist? Alleine der Autor des angezeigten Buches hat zwei weitere Bücher "Anti-Aggressivitäts-Training auf dem Prüfstand", (Centaurus-Verlag: Herbolzheim 2003, vgl. die Rezension) und "Gewalt ohne Ende" (Lambertus-Verlag: Freiburg 2004, vgl. die Rezension) veröffentlicht. Zumal angemerkt werden muss, dass der neue Sammelband von Kilb u.a., auch wenn das Konzept auf den schulischen Kontext ausgerichtet ist, wirklich nichts Neues bietet. Auch das neue Buch von Stefan Schanzenbächer bietet keine bahnrechende Neuigkeiten. Das ist auch nicht das Ziel des Buches. Das Neue bzw. das  Innovative an dem Buch von Schanzenbächer ist die Tatsache, dass der Praktiker/die Praktikerin endlich visuell - mittels eines Begleit-DVDs - zu sehen bekommt, wie die Umsetzung des deskriptiven Materials vorgenommen wird.

Entstehungshintergrund und Autor

Der Autor merkt zu Recht an, dass es bisher noch kein Material gibt, anhand dessen gelernt werden kann, wie man konfrontativ arbeitet. Diese Lücke wird mit dem veröffentlichen Buch und dem DVD geschlossen. Der Autor, Dr. phil, Dipl.-Pädagoge und Dipl.-Theologe, ist ein sehr erfahrener Anti-Aggressivitäts-Trainer. Er war von 1993-2000 Leiter des Cartprojektes des Caritasverbandes Frankfurt a .M. und seit 2000 Projektleiter von Boxenstopp - Anti-Gewalt-Training für Jugendliche des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V. Darüber hinaus ist er langjähriger Referent in der Aus- und Weiterbildung. Sicherlich hat diese Kombination - die praktische Arbeit mit Jugendlichen und Multiplikatorentätigkeit - dazu beigetragen, dass ein sehr praxisnahes Buch und ein DVD, in dem die Methode sehr eindrucksvoll und konkret vorgeführt wird, entstanden ist. 

Inhalt und Diskussion

Im Wesentlichen ist das Buch in zwei Kapiteln aufgeteilt.

  1. Das erste Kapitel trägt den Titel "Grundlagen" und beschreibt in 13 Unterkapiteln die wesentlichen Elemente der Konfrontativen Methode. Da das Hauptanliegen des Autors in der praktischen Umsetzung der Methode liegt, räumt er den Grundlagen "nur" knapp 50 Seiten ein. Hier bespricht der Autor explizit Themen an, die in früheren Veröffentlichung "beiläufig" bzw. implizit angesprochen wurden. Er geht beispielsweise auf Themen "Grenzen der Konfrontation", "Aufgaben und Rollen im Team" oder aber auf "Begleitende Maßnahmen" ein, die in anderen Veröffentlichen entweder kurz oder gar nicht Beachtung fanden. Gerade die "begleitenden Maßnahmen" und die "Grenzen der Konfrontation" sind sehr wichtige Bestandteile der Methode, um nachzuweisen, dass die Konfrontative Methode kein Allheilmittel ist, sondern nur durch die flankierenden und unterstützenden Maßnahmen wirksam ist. Wenn die Grenzen der Konfrontation erreicht sind, muss der Pädagoge die Pädagogin andere Methoden ergreifen, denn Konfrontation kann in bestimmten Kontexten auch kontraproduktiv sein.
  2. Das zweite Kapitel heißt "Training". Dieses Kapitel wird mit "thematische Module", "methodische Module", "situative Module" und "Praxis" in vier Unterkapiteln aufgeteilt. In diesem Kapitel wird sehr konkret und nachvollziehbar das Anti-Aggressivitäts-Training beschrieben. Wie die Unterkapitel dies auch verraten, werden nicht nur die Themen erwähnt und beschreiben, sondern auch die methodischen Vorgehensweisen. Mit den "situativen Modulen" sind die drei wichtigen Module eines Anti-Aggressivitäts-Trainings, Beratung, Kurs und Spiel, gemeint. Im letzten Unterkapitel - Praxis - wird anhand der ausgewählten Themen gezeigt, wie die Konfrontation umgesetzt wird.

Das Buch endet mit "Literaturangaben", "Personalien", "Trainerinnen und Trainer im Film" sowie "Angaben über den Autor".

Zielgruppen

Zielgruppen dieses Buches sind sicherlich Pädagoginnen und Pädagogen, die mit der Zielgruppe praktisch arbeiten sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Wissenschaftlich interessierte werden bei diesem Buch zu kurz kommen.  

Fazit

Der wichtigste Bestandteil des Buches ist der beigelegte DVD, in dem sehr konkret und eindrucksvoll die Methoden des Trainings vorgeführt werden. Die Experteninterviews aus dem Film, wie z. B. Jens Weidner oder Michael Heilemann, werden im Buch an passender Stelle zitiert. Dadurch gewinnt das Buch vielmehr Varianten und Frische, als es ohnehin hat. Es war an der Zeit, dass ein konkretes Buch mit Begleitfilm auf den Markt kommt, um dem diffusen Bild der Konfrontativen Methode mehr Ordnung und Systematik zu verleihen. Es muss dem Autor hoch angerechnet werden, dass ihm trotz des sehr aufwändigen Materials hervorragend ein lesenswertes Buch und ein anschaulicher Lehrfilm gelungen ist. Die Filmauswahl über das Thema war sehr rar und teilweise geprägt aus den 1980er-Jahren mit sensationeller (!) Haarmode der Jugendlichen und Sozialarbeiter (vorne kurz, hinten lang). Diese Filme können wir, die Praktikerinnen und Praktiker, die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und die Lehrenden, endlich ad acta legen, weil der neue Film von Schanzenbächer alle relevanten Bereiche abdeckt.

En lesenswertes, brillant herausgearbeitetes Buch samt DVD, das ich allen Interessierten wärmstens empfehlen möchte. Ihr Geld haben Sie bestimmt sehr gut investiert!


Rezension von
Prof. Dr. Ahmet Toprak
Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften
Homepage www.soziales.fh-dortmund.de
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Zitiervorschlag
Ahmet Toprak. Rezension vom 06.10.2006 zu: Stefan Schanzenbächer: Gewalt stoppen mit Konfrontation. Techniken für Prävention und Täterarbeit. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2006. ISBN 978-3-7841-1615-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3260.php, Datum des Zugriffs 31.03.2020.


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