Florian Kluger, Heidi Fischer (Hrsg.): Mit Menschen arbeiten
Rezensiert von Prof. Dr. Nicolas Schöpf, 30.09.2025
Florian Kluger, Heidi Fischer (Hrsg.):Mit Menschen arbeiten. Berufliche Bildung in Erziehung, Teilhabe und Pflege : Festschrift 50 Jahre Institut für Soziale Berufe Ravensburg. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2023. 350 Seiten. ISBN 978-3-7841-3571-7. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR.
Reihe: Soziale Arbeit.
Herausgeber:innen
Florian Kluger, Prof. Dr. theol. habil., Dipl.-Theologe und M.A. Pädagoge, Honorarprofessor für Angewandte Theologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 2020 - 2023 Direktor und Geschäftsführer des IfSB, seit 2023 Stiftungsvorstand der Stiftung Kloster Hegne und Geschäftsführer des Klosters Hegne.
Heidi Fischer, Dipl.-Sozialpädagogin, Heilpädagogin, M.A. Erwachsenenbildung, Schulleitung der Fachschule Heilpädagogik am Institut für soziale Berufe Ravensburg, Stellvertretende Institutsleitung; Vorsitzende Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Heilpädagogik Baden-Württemberg, Vorstandsmitglied im Berufs- und Fachverband Heilpädagogik (BHP) e.V.
Entstehungshintergrund
Der von Florian Kluger und Heidi Fischer herausgegebene Sammelband „Mit Menschen arbeiten. Berufliche Bildung in Erziehung, Teilhabe und Pflege“ erschien 2023 anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Instituts für Soziale Berufe Ravensburg, das aus mehreren Berufsfachschulen und Fachakademien und einer Akademie für Fort- und Weiterbildung besteht. Das Institut – um die Vorstellung des Sammelbandes vom Ende her mit dem letzten Aufsatz zur Geschichte der Einrichtung zu beginnen – ist ein Ausbildungszentrum für die berufliche Ausbildung in sozialen Berufen, insbesondere in den Bereichen Erziehung, Teilhabe und Pflege. Das Institut ist in katholischer Trägerschaft und Mitglied im Caritas Verband Rottenburg-Stuttgart und mit dem eigenen Höchststand im Jahr 2022 Ausbildungsort für über zweitausend Lernende.
Aufbau und Inhalt
Der Sammelband richtet sich an ein fachliches Publikum und bezieht sein Profil von dem Jubiläum des Ausbildungszentrums für soziale Berufe u.a. der Erziehung, der Heilerziehungspflege, der Heilpädagogik oder der Pflege. Dementsprechend ist der Band in drei Teile gegliedert:
Der erste Teil „Zur Geschichte der Berufsbilder/​-ausbildungen“ bietet fünf Beiträge zur Geschichte der Berufsbildung und Berufsausbildung in sozialen Berufen. Im Einzelnen werden die Entwicklungen in der Jugend- und Heimerziehung, der Heilerziehungspflege, der Heilpädagogik und der Pflege vorgestellt. Die Beiträge erläutern nachvollziehbar und verständlich die unterschiedliche Geschichte und Entwicklung der Professionalisierung der Berufe und der dazu gehörenden Ausbildungsgänge. Dabei gehen die Beiträge auf Unterschiede zwischen den Berufsbildern genauso ein wie auf historische Gemeinsamkeiten. Sie beschäftigen sich darüber hinaus auch mit der Konzeption und den Inhalten der Ausbildungsgänge und folgen insgesamt einem historisch-systematischen Ansatz. Zudem gehen die Autoren:innen des ersten Teils auf die aktuelle berufspolitische Situation und Perspektiven ein und beziehen hier in geringem Umfang auch empirische Daten mit ein.
Der zweite Teil des Bandes „Theorie und Einzelfragen sozialer Berufe“ enthält sieben Fachbeiträge, die ausgewählte theoretische Aspekte sozialer Berufe bearbeiten. Eröffnet wird der zweite Teil mit einem Beitrag zur Fragwürdigkeit der Geschlechterbindung des Pflegeberufs, der die „Legende“ der Pflege als weiblicher Beruf historisch aufarbeitet und in einen aktuellen berufspolitischen Kontext stellt. Darüber hinaus geht es in diesem Teil des Sammelbandes um die berufliche Identität in der Sozialen Arbeit, um die „Kunst des guten Rates“ und die Bedeutung von Beratung in sozialen Arbeitsfeldern, um die Frage der „Spiritualität in sozialen Berufen“ oder um die Begründung von Inklusion und Teilhabe als ein menschenrechtliches Prinzip. Ein Beitrag zur Didaktik beschäftigt sich mit der Förderung der emotionalen Kompetenz durch das Spiel, ein weiterer mit der Frage der Anforderungen, die junge Fachkräfte in den sozialen Berufen an ihren Arbeitgeber stellen – ein Thema, das angesichts des Fachkräftemangels auch im sozialen Bereich ohne Zweifel eine hohe Aktualität hat.
Der dritte Teil des Bandes ist überschrieben mit „Praxiseinblicke und schulische Projekte in der beruflichen Bildung“ und bietet im Wesentlichen, was die Überschrift verspricht: Die Beiträge beschäftigen sich mit dem Institut und greifen ausgewählte Aspekte der Organisations- und Lernentwicklung auf, darunter auch zwei historisch ausgerichtete Beiträge zur Entstehung und Entwicklung des Instituts. Ein Beitrag zur internationalen Ausrichtung des Instituts eröffnet diesen Teil. Thema eines weiteren Beitrags ist die Etablierung einer digitalen Lernkultur in den Ausbildungsgängen des Instituts und damit die Frage nach digitaler Teilhabe und den Möglichkeiten und Potenzialen die Digitalisierung von Lernprozessen bei Förderbedarf. Darüber hinaus wird ein inklusiv ausgerichtetes Musik- und Kunstprojekt einer Fachschule für Heilpädagogik vorgestellt. Drei weitere Beiträge zum besonderen Profil einer christlich-katholischen Fachschule, zu den Entstehungsjahren des Instituts, die auch anhand von Archivbeiträgen beschrieben werden, und zu den historischen Stationen der Entwicklung des Instituts schließen den dritten Teil ab.
Diskussion
Die Beiträge des ersten Teils bieten einen gut gegliederten und informativen Einblick in die historische Entwicklung der Berufsbildung und Ausbildungen. Sie können zwangsläufig nicht detailreich in die Geschichte der Pädagogik einsteigen, liefern aber einen gelungenen Überblick über die vier Berufsbilder Heimerziehung, Heilerziehungspflege, Heilpädagogik und Pflege. Es werden Unterschiede und Abgrenzungen der Berufe deutlich und die Beiträge bieten deshalb einen guten Einstieg in die inhaltliche Beschäftigung mit sozialen Berufen.
Die theoretisch akzentuierten Beiträge des zweiten Teils sind ein Auszug der Vielfalt der Themen und Fragstellungen, die die sozial- und gesundheitswissenschaftliche Forschung gegenwärtig beschäftigen. Die Unterschiedlichkeit an Themen, die dieser zweite Teil bietet, ist einerseits insofern eine Stärke, als viele inhaltlich interessante Aspekte berührt werden, andererseits auch eine kleine Schwäche, als dem Band hier die Systematik und übergreifende inhaltliche Ausrichtung etwas abhanden kommt.
Der dritte praxisorientierte Teil bietet einen Blick in das „Innenleben“ und in die Geschichte des Instituts und versammelt ebenfalls ausgewählte Aspekte und Themen. Hier scheint der Charakter einer Festschrift zu einem Organisationsjubiläum noch etwas deutlicher durch.
Fazit
Der Sammelband bietet für Praktiker:innen und Fachpublikum eine sehr gute Grundlage für die Beschäftigung mit der Geschichte und ausgewählten theoretischen Aspekten sozialer Berufe und ermöglicht zudem einen Blick in die historische Entwicklung und in das „Innenleben“ eines großen Ausbildungszentrums für soziale Berufe.
Rezension von
Prof. Dr. Nicolas Schöpf
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften
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Es gibt 1 Rezension von Nicolas Schöpf.




