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Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement. Zwischen Wirtschaftlichkeit und [...]

Cover Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement. Zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 355 Seiten. ISBN 978-3-531-14613-3. 22,90 EUR.
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Einführung in das Thema

Auch wenn es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass Soziale Arbeit heutzutage nicht mehr ohne verantwortliches Kostendenken auskommt, bleibt doch auch eines wahr: Wer in Not ist, bedarf professioneller Hilfe. Und diese Hilfe kostet etwas. Und das sind in einer ökonomisierten Welt eben Ressourcen. Schonender Umgang mit Ressourcen - jawohl. Aber ganz ohne geht die Chose nicht! In diesem Spagat bewegt sich Soziale Arbeit heute mehr denn je. Die Spannung zwischen sozialarbeitlicher Fachlichkeit und ökonomischer Rechenhaftigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Beiträge des von Herbert Schubert nun in zweiter Auflage im Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden heraus gegebenen (und in fünf seiner Beiträge auch verfassten) Sammelbandes "Sozialmanagement". Der Untertitel benennt den letztlich unaufhebbaren Konflikt "Zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen".

Entstehungshintergrund

Bereits die erste, noch bei Leske + Budrich Leverkusen erschienene Auflage dieses Sozialmanagement-Bandes von 2001 thematisierte im Zuge der damals aktuellen Ökonomisierungsdebatte die Vereinbarkeit bzw. die Unvereinbarkeit von Sozialer Arbeit und betriebswirtschaftlicher Rechenhaftigkeit. Der als Professor am Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Köln sowie als Privatdozent am Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung der Universität Hannover lehrende Dr. phil et Dr. rer. hort. habil.  Herbert Schubert versuchte bereits damals, den Konflikt zwischen sozialer Fachlichkeit und manageriellem Denken in elf Beiträgen auf 182 Seiten abzustecken. Inzwischen sind mit der Verstärkung des Wettbewerbs zwischen öffentlichen, freigemeinnützigen und privatgewerblichen Sozialarbeits-Trägern, mit dem Voranschreiten von Neuen Steuerungsmodellen, Budgetierung, Kontraktmanagement, Outsourcing, Controlling und Doppik neue ökonomische Leistungs- und Steuerungstechniken auf die Soziale Arbeit zugekommen. Das hat Herbert Schubert veranlasst, die zweite Auflage seines Sozialmanagement-Bandes  mit nun 17 Kapiteln in den vier Abschnitten Ausgangssituation, Management, Steuerung und Finanzierung und in 355 Seiten auf das Doppelte auszuweiten.

Aufbau und Inhalte des Buches

Der Band Sozialmanagement enthält in den vier Abschnitten Ausgangssituation, Managementperspektiven, Unterstützung der Steuerung sowie Finanzierung und Rechnungswesen folgende Kapitel:

  1. Herbert Schubert: Sozialmanagement zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen - eine Einführung
  2. Klaus Hofemann: Handlungsspielräume des Neuen Steuerungsmodells
  3. Brigitte Dorst: Sozialmanagement aus der Frauen- und Geschlechterperspektive
  4. Herbert Schubert: Zur Logik des modernen Managementbegriffs
  5. Conrad von Fürstenberg: Qualitätsmanagement
  6. Peter Vermeulen: Privatisierung und Ausgliederung sozialer Einrichtungen
  7. Michael Urselmann: Sozialmarketing
  8. Herbert Schubert: Kontraktmanagement
  9. Sandra Nüß: Projektmanagement
  10. Herbert Schubert: Netzwerkmanagement
  11. Herbert Schubert: Controlling
  12. Sandra Biewers: Sozialplanung als Schnittstelle zwischen Controlling und sozialer Arbeit
  13. Klaus-Dieter Pruss: Stärkung der pädagogischen Arbeit durch Controlling
  14. Holger Spieckermann: Evaluation
  15. Gerd Sadowski: Finanzierung in der sozialen Arbeit
  16. Sandra Biewers: Neues Kommunales Rechnungswesen
  17. Hans J. Nicolini: Kostenrechnung

Bei der Herleitung der Ausgangssituation für die sozial-manageriellen Notwendigkeiten schildert Herbert Schubert eingangs erstens den Übergang zur ökonomischen Steuerung in der Sozialwirtschaft; die Balance zwischen sozialer Fachlichkeit und ökonomischer Wirtschaftlichkeit sei zu finden und zu wahren. Klaus Hofemann beschreibt sodann zweitens die Elemente des Neuen Steuerungsmodells NSM mit dem Zwang zu Zielformulierung, zu Steuerungs-, Kontroll- und Überprüfungs-Mechanismen. Brigitte Dorst fordert drittens den Zugang der in der Leitungsebene noch unterrepräsentierten Frauen zur oberen Managementebene.

Bei der Behandlung der eigentlichen Managementtechniken stellt Herbert Schubert  viertens fest, dass modernes Management als Beziehungskultur eine Verantwortungskaskade für alle Ebenen bedeutet. Conrad von Fürstenberg behandelt fünftens unter dem Titel Qualitätsmanagement das Excellence-Modell der European Foundation for Quality Management EFQM, das Total Quality Management TQM und die DIN-ISO-Normen (Deutsches Institut für Normung und International Organisation for Standardisation). Im Outsourcing sieht Peter Vermeulen sechstens die breite Palette von Delegation über nur wirtschaftlicher zu auch rechtlicher Verselbständigung bis zur Fremdvergabe. Mit dem Sozialmarketing darf siebtens nach Michael Urselmanns Vorstellungen durchaus mit Informationen über soziale Ideen und Dienste Einfluss ausgeübt werden. Mittels des Kontraktmanagements sollen achtens Herbert Schubert zufolge mit der Überantwortung von Finanz- und Personalressourcen an untere Sozialorganisations-Ebenen deren motivationale und leistungsorientierten Potenziale gesteigert werden; gewarnt wird allerdings vor der Tendenz zu dispers-auseinanderlaufendem Verhalten der Akteure. Zeit- und ressourcenbegrenzte Aufgabenlösungen will neuntens Sandra Nüß im Projektmanagement für die künftige Weiterentwicklung sozialer Aufgabenerfüllung nutzbar machen. Die Trägervielfalt im Sozialsektor will Herbert Schubert schließlich zehntens mit einem Netzwerkmanagement, das die Konkurrenz zur Kooperation führt (sogenannte Koop-kurrenz) vereinheitlichend stratifizieren und bündeln.

Der sozial-manageriellen Unterstützung und Steuerung dient zunächst das von Herbert Schubert elftens als Informationsbeschaffung zur Entscheidungsstützung beschriebene Controlling; das innerbetriebliche Berichtswesen sollte dabei auch die außerbetrieblichen Potenziale und Perspektiven der sozialen Einrichtungen in den Blick nehmen. Sandra Biewers zeigt zwölftens in ihrem Beitrag zum Verhältnis zwischen Controlling und Sozialplanung, dass das an Wirksamkeit und Ressourcenschonung interessierte Controlling die politisch gewünschte Sozialplanungs-Zielsetzung leichter realisieren lässt. Controlling hilft dreizehntens Klaus-Dieter Pruss zufolge auch dem Pädagogen zu innovieren und zu optimieren. Während Controlling steuert, besteht das Ziel von Evaluation nach Holger Spieckermann vierzehntens in der Beratung - vor allem, wenn es mit dem geschilderten EU-Projektzyklusmanagement zu einem Schlussbericht kommt.

Im letzten Abschnitt über das Finanzmanagement behandelt fünfzehntens Gerd Sadowski das mit der prospektiven Kostenkalkulation für die Träger verbundene Finanzrisiko, das sich in Konflikten mit den Bediensteten und Klienten niederschlagen kann. Die realistische Wertermittlung einer Sozialorganisation sieht Sandra Biewers sechzehntens mit dem Neuen Kommunalen Rechnungswesen der Doppik gegeben. Wie Kostenkalkulation und Kostenverteilung ökonomisch vorteilhaftes Sich-Bewegen sozialer Dienste befördern können, schildert schließlich siebzehntens Hans J. Nicolini in seinem Beitrag zur Kostenrechnung.   

Diskussion

Ein Sammelband hat immer den Nachteil des Verstreuten, der Wiederholung und läuft Gefahr, in seiner notwendigerweise nicht einheitlichen Diktion auseinander zu laufen. Auch in Schuberts Sozialmanagement-Band liest man immer wieder davon, dass Soziale Arbeit effektiver und effizienter werden müsse, dass Kosteneinsparung angesagt sei, die Selbstkostendeckung passé wäre und schlanke Verwaltung und Kundenorientierung das Gebot der Stunde seien. Diese Redundanz spricht immerhin dafür, dass die Autorinnen und Autoren am Ball bleiben. Und in der Tat hat es Schubert durch eine große Zahl an Querverweisen in den 17 Beiträgen seines Bandes verstanden, die Beiträge zusammen zu binden. Den Inhalt der Beiträge gleich zweimal zusammenzufassen - sowohl in Herbert Schuberts einleitendem Beitrag (Seiten 17 bis 25) als auch im Anhang mit den 16 Abstracts (Seiten 341 bis 348) wäre nicht erforderlich gewesen. Unter der  Leitthematik wird durchweg versucht, das managerielle Denken nicht über die Funktion der Dienlichkeit für die Soziale Arbeit zu erhöhen und die Spannung zwischen Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit als das zu belassen, was sie ist: Als unauflösbaren Konflikt, dessen sich jeder im Sozialbereich Tätige bewusst bleiben sollte. Denn das Ideale wohnt nur in Utopia. Dort dürfte es aber soziale Not erst gar nicht geben.

Über diesem cantus firmus der Gegensätzlichkeit von sozialer Klienten-Förderung und Ressourcenknappheit hätte aber bei der Fülle des Zusammengetragenen - und eher am Jugendhilfe- denn am Gesundheits-Bereich Exemplifizierten - doch argumentativ noch einiges mehr dargereicht werden sollen: So wird in Klaus Hofemanns Beitrag (Nr. 2) bei allem Eintreten für die Schutzbedürftigkeit der Klientel doch die Gefahr übersehen, dass Sozialdienst-Anbieter kraft ihres Expertenwissens auch klientifizieren und sich so als Sekundär-Nachfrager ihre eigene Auslastung sichern können. Die schon in der ersten Auflage im Beitrag von Brigitte Dorst (Nr. 3) erhobene wohlfeile Forderung, mehr Frauen in hierarchische Spitzenpositionen zu bringen, verträgt sich nicht recht mit Herbert Schuberts Sicht (in Beitrag Nr. 3), dass sich im modernen Management die herausragenden Entscheidungen auf der operativen Basisebene der Produkterstellung und eben gerade nicht mehr auf der hohen, normativen Managementebene vollziehen. Hilfreich wären in Conrad von Fürstenbergs Beitrag zum Qualitätsmanagement (Beitrag Nr. 5) Hilfestellungen zum Aufstellen einer Sozialbilanz für konkrete Abbildungen der Ergebnisqualität einer Einrichtung. Schließlich hätte  Hans J. Nicolini in seinem abschließenden Beitrag zur Kostenrechnung (Beitrag Nr. 17) bei der Relativierung des Vorteils der Mengenproduktion in der Sozialen Arbeit auch auf die Kontraproduktivität und Konflikthaltigkeit von Großeinrichtungen hinweisen können (Totale Institution, negative Insassenkultur).

Typografisch ist der umfangreiche Band sorgfältig erstellt. Positiv ist, dass sich an der Spitze eines jeden Beitrags ein Gliederungsverzeichnis findet (bis auf Beitrag Nr. 7 von Michael Urselmann zum Sozialmarketing). Auch ein Literaturverzeichnis ist für jeden Beitrag gesondert erstellt. Hier wäre ein gemeinsames Literaturverzeichnis (wie auch das leider fehlende Stichwortverzeichnis) vorteilhafter; so ist etwa das Lehrbuch der Sozialwirtschaft von Ulli Arnold/Bernd Maelicke fünfmal (noch in seiner ersten Auflage von 1998, wiewohl eine zweite von 2003 existiert) aufgeführt. Die mit einer Anzahl von 66 erfreulich zahlreichen Abbildungen sind oftmals in der Beschriftung sehr klein geraten, so dass man Sehhilfen benötigt; in einigen Fällen unterscheiden sich die unterschiedlichen Grautöne in Alternativen von Balkendiagrammen so wenig, dass sie optisch nicht mehr aussagefähig sind (Legende von Abbildung Nr. 30 auf Seite 155). 

Fazit

Gegenüber der ersten Auflage bedeutet diese zweite Auflage des Sozialmanagement-Bandes ein eindeutiges Plus. Der inhaltlich erfreulich gut koordinierte Band bietet auch dadurch einen guten Einstieg in managerielles Denken, dass man sich die jeweils in sich abgeschlossenen Beiträge von meist knapp 20 Seiten portionsweise zu Gemüte führen kann. Die Leserschaft bekommt hier auf dem Weg zur ökonomisch vorteilhafteren Ausrichtung ihrer Sozialeinrichtungen eine Fülle von deutlich abgesteckten und gut begehbaren Pfaden angelegt. Stellenweise verträgt die Argumentation noch mehr sozialarbeitliche Tiefenschärfe.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 18.04.2006 zu: Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement. Zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-531-14613-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3266.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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