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Sonja Fücker: »Jeder arbeitet in seiner eigenen Blase«

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 11.06.2025

Cover Sonja Fücker: »Jeder arbeitet in seiner eigenen Blase« ISBN 978-3-96117-151-4

Sonja Fücker: »Jeder arbeitet in seiner eigenen Blase«. Konflikte und Konfliktmanagement im Wissenschaft-Praxis-Transfer. Wolfgang Metzner Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2024. 87 Seiten. ISBN 978-3-96117-151-4. D: 21,90 EUR, A: 22,60 EUR.
Viadrina-Schriftenreihe zu Mediation und Konfliktmanagement - 46.

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Wissenschaft, die Wissen schafft

Im anthropologischen, gesellschaftspolitischen, demokratischen, theoretischen und praktischen Diskurs darüber, dass der anthrôpos ein mit Vernunft ausgestattetes, zur Bildung von Allgemeinurteilen befähigtes Lebewesen ist, wird dem wissenschaftlichen Denken und Handeln eine bevorzugte, innovative Kompetenz zugewiesen.

Entstehungshintergrund und Autorin

Es sind die Notwendigkeiten und Bedürfnisse, Wissen zu erwerben und weiter zu geben. Es sind intellektuelle theoretische und praktische Ansprüche, Wahrheiten und Wirklichkeiten des menschlichen Daseins zu verstehen und zu leben. Es sind die individuellen und kollektiven Fähigkeiten, die es zu erwerben und zu entwickeln gilt. Es gilt, wissenschaftliches Wissen zu nutzen. Wissenstransfer ist Lernen. Weil Wissen entsteht – alltäglich und institutionell. Theorie und Praxis sind zusammenhängende, kollaborative Prozesse: „Alles hängt mit allem zusammen!“. Im inter- und transdisziplinären Wissenserwerb und -nutzung zeigen sich Parallelen und Konflikte. Die Studentin Sonja Fücker von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder legt ihre Masterarbeit mit der launigen Überschrift „Jeder arbeitet in seiner eigenen Blase“ vor. Bei ihrem Mediationsstudium fiel ihr auf, „wie wenig konstruktiv in Wissenschaft und Forschung Konflikte ausgetragen werden“. Es sind Vermeidungsstrategien bis hin zu Verleugnung von Fakten, die sie in einer empirischen Studie aufzeigen.

Aufbau und Inhalt

Es ist die intellektuelle Fähigkeit und Bereitschaft, die humanes Denken und Handeln bestimmt, und es ist die stupide Kakophonie, die es verhindert. Dort, wo Ego-, Ethnozentrismus, Rassismus, Nationalismus und Populismus vorherrschen, kann Wahrheitsfindung und Konfliktmanagement nicht gelingen. Die Nachschau darüber, welche Art von Konflikten den Wissenschaft-Praxis-Transfer beeinflussen bzw. bestimmen; welche Ursachen ihnen zugrunde liegen; wie im Forschungsprozess damit umgegangen wird. Welche Lösungsansätze sich anbieten.

Neben Vorwort und Einleitung wird die Forschungsarbeit in drei Kapitel gegliedert. Im ersten wird der Forschungsstand der WPT aufgezeigt und der theoretische Rahmen erläutert: „Als Königsweg zum Umgang mit Konflikten gelten tragfähige Kompromisse und Formen der egalitären Zusammenarbeit“. Im zweiten Kapitel werden didaktisches und methodisches Vorgehen und analytisches Forschen thematisiert. Es sind Fragebögen, Interviews und Gruppendiskussionen, die Analysen und Lösungsansätze liefern. Schließlich zeigt die Ergebnisanalyse die unterschiedlichen Konfliktverständnisse und -zugänge bei Theoretikern und Praktikern auf. Um zusammenzukommen, bedarf es des kooperativen, empathischen, mediativen Verständnisses und des Bewusstseins, dass der Mensch ein unvollständiges, verletzliches und begrenztes Lebewesen ist (siehe z.B. dazu auch: Angela Janssen, Verletzbare Subjekte. Grundlagentheoretische Überlegungen zur conditio humana, 2019, www.socialnet,sw/rezensionen/​25043.php).

Diskussion

Gefragt sind Reframing, Paradigmenwechsel und die Fähigkeit, Einstellungen und Werte zu reflektieren: Jeder Wert kann nur dann eine konstruktive Wirkung gelangen, „wenn es sich in ausgehaltener Spannung zu einem positiven Gegenwert… befindet (Bernhard Pörksen/Friedemann von Thun, Die Kunst des Miteinander-Redens, 2020, www.socialnet.de/rezensuonen/​26707.php). Nicht direkt, aber indirekt wird auf ablehnende, inkompetente und unwissenschaftliche Einstellungen eingegangen. Es wird vorausgesetzt, dass Wissenstransfer notwendig ist und allgemeinbildend geleistet werden muss.

Fazit

„Herausgefordert wird die etablierte Streitkultur, wenn es menschelt“, wenn in der allgemeinen und akademischen Aufarbeitung Nachlässigkeiten und Lücken erkennbar werden. Die Konfliktdynamik bei der Kooperation zwischen Theoretiker/​innen und Praktiker/​innen gilt es zu erkennen. Und es kommt darauf an, „empirisch informiertes Wissen für die Prävention und Bearbeitung von Konflikten im WPT bereitzustellen“.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1737 Rezensionen von Jos Schnurer.

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ISSN 2190-9245