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Ralf Stapelfeldt: Ist der Mensch ein Computer?

Rezensiert von Dr. Antje Flade, 24.06.2026

Cover Ralf Stapelfeldt: Ist der Mensch ein Computer? ISBN 978-3-7329-1039-7

Ralf Stapelfeldt:Ist der Mensch ein Computer? Die philosophische Kontroverse zwischen Daniel C. Dennett und Thomas Nagel. Frank & Timme (Berlin) 2024. 165 Seiten. ISBN 978-3-7329-1039-7. D: 29,80 EUR, A: 29,80 EUR, CH: 44,70 sFr.
Reihe: Philosophie, Naturwissenschaft und Technik - Band 17.

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Thema

In dem Buch aus der Reihe Philosophie, Naturwissenschaft und Technik des Verlags wird die naturalistische Theorie des amerikanischen Philosophen Daniel C. Dennett über das Wesen des Geistes und Bewusstseins des Menschen ausführlich erläutert und im Anschluss daran der anti-materialistischen Theorie des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel gegenübergestellt.

Autor

Ralf Stapelfeldt hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Berufsbegleitend zu seiner Managertätigkeit hat er ein Philosophie-Studium aufgenommen und sich in diesem Zusammenhang mit der Theorie des Geistes von Dennett befasst.

Inhalt

Die Theorie des Geistes von Dennett wird ausführlich dargestellt und dann mit der Theorie von Nagel konfrontiert. Im einleitenden ersten Kapitel wird die Grundfrage gestellt, inwieweit die mentalen Phänomene Intentionalität und Bewusstsein naturwissenschaftlich erklärt werden können.

Im zweiten Kapitel werden Dennetts naturalistische Theorie sowie die zentralen Aspekte des Naturalismus skizziert. Das naturalistische Programm beruht auf den Axiomen, dass es nichts Übernatürliches gibt, dass die Naturgesetze allgemein gültig sind, dass man allein mit empirischen Methoden zu Erkenntnissen gelangen kann und dass die darwinistische Evolutionstheorie eine heuristische Ausgangsbasis ist. Vorläufer, darunter insbesondere Hume, werden angeführt, die ähnlich wie Dennett gedacht und argumentiert haben.

Im dritten Kapitel wird Dennetts Theorie des Geistes ausführlich erläutert. Mentale Phänomene sind die Intentionalität, das Bewusstsein im Sinne von Wachheit, das bewusste Erleben und das Ich-Bewusstsein. Dennett geht davon aus, dass es außerhalb der physikalisch zu beschreibenden Realität nichts ontologisch Zusätzliches gibt und dass alle Realität das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels mechanischer, aus elementaren Teilchen bestehender Bausteine ist. Er weist darauf hin, dass die Evolution immer komplexere Systeme geformt hat. Auch der Geist geht, wie Dennett postuliert, nicht über die empirisch erforschbare Natur hinaus. Ein zentraler Begriff ist Intentionalität, denn hier geht es um die dem Psychischen innewohnende Eigenschaft der Gerichtetheit auf etwas. Die Erforschung des Bewusstseins sollte nicht subjektiv introspektiv, sondern objektiv von außen erfolgen, dabei jedoch subjektive Erfahrungen einbinden. Dennett bezeichnet einen fiktiven Ort im Gehirn, an dem alle Bewusstseinsinhalte wie auf einer Leinwand präsentiert werden, als kartesisches Theater. Dieses Theater ist eine reine Fiktion, was die neueren neurowissenschaftlichen Erkenntnisse belegen. Statt dieses einen Orts sind es neuronale Netzwerke, komplexe miteinander verwobene neuronale Aktivitäten im Gehirn, die, wie Dennett ausführt, das Bewusstsein und die Selbstrepräsentation, das „Ich“, entstehen lassen. Dazu heißt es bei Stapelfeldt: „Das Selbst wird von ihm nicht eliminiert, sondern zu einer narrativen Approximation biografischer Muster zerebraler Stimulierung mit kausaler Potenz erklärt“ (S. 77).

Im vierten Kapitel beschreibt der Autor die nicht-materialistische Theorie Nagels und dessen Kritik an einer materialistisch ausgerichteten Philosophie des Geistes. Nagel kritisiert die Auffassung, dass das Geistige des Menschen auf Physik reduzierbar ist, denn das Psychische sei etwas, das mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht erfasst und nicht verstanden werden kann. Die Argumente von Nagel geht Stapelfeldt systematisch durch. Eines der Argumente ist die nicht zulässige psychophysische Reduktion: Zum Beispiel sind Schmerzen weitaus mehr als nur feuernde Nervenfasern im Gehirn; sie werden bewusst erlebt. Nagel stellt den Naturalismus argumentativ infrage, wohingegen es Dennett als anthropozentrische Hybris bezeichnet, den Menschen als besonderes, außerhalb der Naturgesetze stehendes Wesen zu verstehen.

Im fünften Kapitel, überschrieben mit „Der Blick auf uns selbst“, stellt der Autor die beiden Positionen nochmals einander gegenüber. Nagel, der das Bewusstsein für etwas fundamental anderes als alle Phänomene auf der Welt hält, scheint zu befürchten, dass es dann, wenn Menschen als Maschinen bzw. Computer aufgefasst werden, keinen Grund mehr geben würde, diese als Menschen zu behandeln. Dennett sieht hier keine Gefahr, sondern die Möglichkeit, zu tieferen Einsichten in die Komplexität unseres Geistes zu gelangen. Ein starker Wissenschaftsoptimismus ist nach Ansicht des Autors charakteristisch für Dennetts Sicht auf die Welt.

Diskussion

Stapelfeldt stellt die Theorien des Geistes zweier bekannter zeitgenössischer Philosophen einander gegenüber. Nach Ansicht von Nagel können der Materialismus und naturalistische Vorstellungen das Bewusstsein nicht erklären, während Dennett den Menschen mit einer Maschine bzw. einem Computer vergleicht. Die Auffassungen sind konträr, was auch in der Polemik zum Ausdruck kommt, mit der von Seiten der Kontrahent:innen nicht gespart wird. Es wird deutlich, dass es unterschiedliche Zugänge und Perspektiven gibt, um geistige Prozesse wie Bewusstsein und Intentionalität zu erklären. Wenn es im Schlusskapitel heißt, dass es Dennett keinesfalls um die Elimination der zentralen Aspekte des Menschseins geht, sondern dass er bestrebt ist, diesen Aspekten in einer materialistischen Welt Raum zu geben, dann wird damit die Kontroverse durchaus etwas entschärft. Am Schluss weist Stapelfeldt auf den Wissenschaftsoptimismus von Dennett hin, der besagt, dass man zu Erkenntnissen über den menschlichen Geist nur im Schulterschluss mit der Wissenschaft gelangen kann. Wahrscheinlich hat Dennett dabei vor allem die Neurowissenschaft und die KI-Forschung im Sinn gehabt. Mit der rasanten Fortentwicklung von KI gewinnt die Theorie von Dennett zunehmend an Boden, während die anti-materialistische Theorie des Geistes von Nagel letztlich ohne Fortsetzung ist. Vor allem in Anbetracht der Diskussion über künstliche Intelligenz ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Computer hochaktuell und ebenso die Frage, wie sich der Mensch verändert, wenn er sich in einen Cyborg verwandelt, ein Mischwesen, das auf ein digitales Equipment angewiesen ist. Wie Dennett und Nagel diese Entwicklung kommentieren – falls sie es tun –, hat Stapelfeldt nicht mitgeteilt.

Fazit

Die Frage, ob der Mensch ein Computer ist, die bereits im Titel des Buches anklingt, wird von zwei zeitgenössischen Philosophen unterschiedlich beantwortet. Deren Theorien des Geistes, die sich mit den Phänomenen Intentionalität und Bewusstsein auseinandersetzen, werden ausführlich geschildert und vergleichend einander gegenübergestellt. Für philosophisch weniger geschulte Leserinnen und Leser ist die vom Autor gebotene detaillierte philosophische Debatte über die Beschaffenheit des menschlichen Geistes keine leichte Kost.

Rezension von
Dr. Antje Flade
Psychologin, Sachbuchautorin
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Es gibt 60 Rezensionen von Antje Flade.

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ISSN 2190-9245