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Hannah Adenauer, Julia Schuchardt: Mein Schematherapie-Journal

Rezensiert von Dr. Philipp Thaler, 17.09.2025

Cover Hannah Adenauer, Julia Schuchardt: Mein Schematherapie-Journal ISBN 978-3-7495-0607-1

Hannah Adenauer, Julia Schuchardt:Mein Schematherapie-Journal. Begleiter für die ambulante Schematherapie. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2024. 152 Seiten. ISBN 978-3-7495-0607-1. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

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Thema

Die Schematherapie zählt zur modernen kognitiven Verhaltenstherapie und zielt auf die Veränderung von Verhaltensmustern, die in Verbindung mit lebensgeschichtlich nicht erfüllten Grundbedürfnissen entstanden sind (12). 

Autorinnen

Dr. rer. nat. Hannah Adenauer ist Psychologin, Psychotherapeutin, Schematherapeutin, Dozentin und Supervisorin für narrative Expositionstherapie. Julia Schuchardt ist ebenfalls Psychologin, Psychotherapeutin, Schematherapeutin, Dozentin und Supervisorin für Schematherapie; sie ist Gründerin und Leiterin des Instituts für Schematherapie Konstanz.

Entstehungshintergrund

Das Journal dient als Reisebegleiter auf dem Weg der Therapie (7) der Vor- und Nachbereitung der Therapiesitzungen. Es enthält Fragen zur Selbstreflexion sowie umfangreiche Übungen.

Aufbau und Inhalt

Das Journal besteht aus drei Teilen: Nach einem Vorwort folgt der erste Teil mit einer Einführung in die Schematherapie (Kapitel 1), emotionale Grundbedürfnisse (Kapitel 2), Schemata (Kapitel 3), Modusmodell (Kapitel 4) und Phasen einer Schematherapie (Kapitel 5). Der zweite Teil dient der Selbstreflexion und bezieht sich auf eigene Symptome und therapeutische Vorerfahrungen (Kapitel 6), das eigene Modusmodell (Kapitel 7), eigene Therapieziele (Kapitel 8) und Ressourcen (Kapitel 9), einen eigenen Notfallplan (Kapitel 10), Selbsthilfestrategien (Kapitel 11) und Therapiereflexionen und Erfahrungen mit den Übungen (Kapitel 12). Im dritten Teil wird eine umfangreiche Sammlung an Übungen für zu Hause geliefert für die Entwicklung passender Wochenübungen: Zuwendung zum Gefühlsmodus, Abschwächung der Kritiker-/​Antreibermodi, Reduktion dysfunktionaler Bewältigungsmodi, Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus sowie Arbeitsseiten. Es folgen Angaben zur Literatur sowie zu den Autorinnen. Das beigelieferte kostenlose Downloadmaterial umfasst Abbildungen, Arbeitsblätter und Journalseiten.

In ihrem Vorwort beschreiben Adenauer & Schuchardt das vorliegende Journal als Einladung, den Prozess der Selbstreflexion im Rahmen der Therapie zu begleiten bzw. zu vertiefen, was u.a. den Einstieg an der Arbeit an alten Gewohnheiten und eingespielten Mustern erleichtere und ein tieferes Verständnis ermögliche (7). Konkrete Fragen zur Selbstreflexion sowie eine Reihe von Übungsvorschlägen dienen der Vor- und Nachbereitung der Therapiesitzungen. Das Journal könne zum Reisebegleiter auf dem Weg der Therapie werden und soll unterstützen, auch indem immer wieder konkrete, erwünschte Ziele formuliert werden (8). Daneben sehen die Autorinnen es für eine gelingende therapeutische Arbeit als wichtig an, sich täglich einige Minuten Zeit zu nehmen für die Bearbeitung der Wochenübungen.

Die Schematherapie (Kapitel 1) sei von Jeffrey Young entwickelt worden, vereine verschiedene therapeutische Ansätze und zähle zur modernen kognitiven Verhaltenstherapie (11). Zu den Kernelementen zähle die Arbeit an maladaptiven Schemata und Modi, die Orientierung an emotionalen Grundbedürfnissen, die Qualität der therapeutischen Beziehung sowie der Einsatz emotionsaktivierender Techniken (Imaginationsübungen, Stühle-Dialoge). Nach Adenauer & Schuchardt gehe es in einer Schematherapie ‚darum zu verstehen, welche emotionalen Grundbedürfnisse in der Lebensgeschichte längerfristig nicht erfüllt wurden, welche maladaptiven Schemata oder Muster dadurch entstanden sind und wie es gelingen kann, diese Grundbedürfnisse eigenverantwortlich in Zukunft besser zu befriedigen‘ (12).

Emotionale Grundbedürfnisse (Kapitel 2) beziehen sich hier auf die von Jeffrey Young formulierten fünf Grundbedürfnisse (13, 14; mit Verweis auf Young):

  • Sichere Bindung
  • Selbstbehauptung, Autonomie, Identität und Kompetenz
  • Realistische Grenzen und Selbstkontrolle
  • Sich auszudrücken
  • Spontaneität und Spiel

Diese fünf Bedürfnisse werden im ‚Zwei-Beine-Modell‘ von Eckhard Roedinger zu zwei Grundbedürfnissen zusammengefasst (Bindung und Selbstbehauptung). Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Aufgabe zur Selbstreflexion über die als Kind zu kurz gekommenen Bedürfnissen (15).

Anschließend behandeln Adenauer & Schuchardt Schemata (Kapitel 3). Würden in der Kindheit und Jugend emotionale Grundbedürfnisse wiederholt nicht ausreichend befriedigt, bildeten sich maladaptive Schemata aus (16, mit Verweis auf Young). Dies seien Muster oder Lebensthemen, welche unbewusst Wahrnehmung, Gefühle und Gedanken beeinflussen und Handlungsimpulse auslösen. Die Autorinnen beschreiben 18 maladaptive Schemata und gehen dabei auf die das jeweilige Schema begünstigende Kindheitserfahrungen ein, auf die Manifestation des maladaptiven Schemas heute sowie auf die Transformation in ein adaptives Schema (17-24; mit Verweis auf Valente sowie auf Ambauen & Meyer): emotionale Vernachlässigung, Verlassenheit und Instabilität, Misstrauen und Missbrauch, Unzulänglichkeit und Scham, soziale Isolierung und Entfremdung, Abhängigkeit und Inkompetenz, Verletzlichkeit, Verstrickung und unterentwickeltes Selbst, Versagen und Erfolglosigkeit, Anspruchshaltung und Besonders-Sein, unzureichende Selbstkontrolle, Unterordnung und Unterwerfung, Selbstaufopferung, Streben nach Zustimmung und Anerkennung, emotionale Gehemmtheit, unerbittliche Ansprüche und Perfektionismus, negatives Hervorheben sowie Strafneigung.

In der Therapie würden die relevanten Schemata herausgearbeitet und anhand des vorliegenden Journals möchten die Autorinnen ‚eine wache und achtsame Selbstbeobachtung und Selbstreflexion […] schärfen und trainieren‘ (25). Das Kapitel schließt mit einer Übung zur Identifikation eigener Schemata.

Das Modusmodell (Kapitel 4) sei ebenfalls von Jeffrey Young entwickelt worden und bezieht sich darauf, dass wir je nach Situation unterschiedlich denken, fühlen und uns verhalten (26). Schemata würden im Hintergrund aktiviert und ermöglichten die Reflexion intrapsychischer Prozesse. Modi würden im Vordergrund aktiviert, seien teilweise beobachtbar und ermöglichten die Bearbeitung aktueller Zustände. Während das Modusmodell beschreibe, was wir in der jeweiligen Situation denken, fühlen, spüren und tun, würde das Schemamodell erklären, warum wir in bestimmten Situationen im Alltag so intensiv reagieren (26). Adenauer & Schuchardt stellen die verschiedenen Modi vor und orientieren sich dabei am Modell von Eckhard Roedinger (27-31): Gefühlsmodus (Kindmodus), Kritiker-/​Antreibermodus, Dysfunktionale Bewältigungsmodi (Unterordnungsmodus, Vermeidungsmodus, Kampfmodus) sowie gesunder Erwachsenenmodus.

Der Gefühlsmodus bezieht sich auf (schwierige) Basisemotionen (Angst, Trauer, Ekel oder Wut), die ungefiltert ausgedrückt werden (wie bei Kleinkindern). Der Kritiker-/​Antreibermodus meint problematische Glaubenssätze mit überkritischen Annahmen über die Welt und Andere (z.B.: ‚Die Welt ist schlecht‘) sowie selbstabwertende Einstellungen und überhöhte Ansprüche an sich selbst (z.B.: ‚Ich bin schlecht, dumm, langweilig, langsam‘). Unter dysfunktionalen Bewältigungsmodi würden solche Reaktions- und Verhaltensweisen verstanden, ‚die früher einmal hilfreich waren, heute aber ungünstig (geworden) sind, um schwierige Situationen zu bewältigen‘ (28). Der gesunde Erwachsenenmodus meint ‚die Seite in uns, die flexibel auf schwierige Situationen reagieren kann‘ (30), dieser wird in der Schematherapie gestärkt, ‚damit er den Kritiker- und Antreibermodus besser begrenzen […] und den Gefühls-Modus regulieren kann‘ (31). Das Kapitel schließt mit einer Reflexionsübung zur Erarbeitung eines persönlichen Modusmodells.

Es folgt ein kurzes Kapitel zu den Phasen einer Schematherapie (Kapitel 5). Die Anfangsphase enthält u.a. Fragen zur Symptomatik und Biografie, Psychoedukation, Erstellen des Modusmodells, Erarbeitung von Therapiezielen sowie Erstellen eines Notfallplans (32). Die Hauptphase umfasst emotionsaktivierende und kognitive Techniken sowie therapeutische Hausaufgaben. Die Abschlussphase fokussiert die Stärkung des Erwachsenenmodus und beinhaltet Therapiereflexion sowie ggf. -evaluation.

Die Kapitel im zweiten Teil dienen der Selbstreflexion und enthalten folgende Materialien sowie Download-Versionen: Meine Symptome und therapeutische Vorerfahrungen (35) (Kapitel 6), Mein Modusmodell (36-38) (Kapitel 7), Meine Therapieziele (39-41) (Kapitel 8), Meine Ressourcen (42) (Kapitel 9), Mein Notfallplan (43) (Kapitel 10), Meine Selbsthilfestrategien (44, 45) (Kapitel 11), Meine Therapiereflexionen und Erfahrungen mit den Übungen (46-115) (Kapitel 12). In diesem letzten Kapitel wird Raum gegeben, jede Therapiesitzung schriftlich zu reflektieren (u.a. wichtigstes Thema, Übungen zur Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus bis zur nächsten Sitzung). Dies mündet in eine abschließende Therapiereflexion (116-118).

Im dritten Teil wird eine umfassende Sammlung an Übungen angeboten:

  • Zuwendung zum Gefühlsmodus: u.a. Audiobotschaften an den Gefühlsmodus, Brief an den Gefühlsmodus, Check-in: Gefühle wahrnehmen (121-123),
  • Abschwächung der Kritiker-/​Antreibermodi: u.a. Audiobotschaft an den Kritiker-/​Antreibermodus, den Kritikermodus entlarven, Kritikersätze und hilfreiche Botschaften gegenüberstellen (124-126),
  • Reduktion dysfunktionaler Bewältigungsmodi: u.a. Schema-Modus-Memo, Skills-Ketten einsetzen, Vor- und Nachteile des problematischen Bewältigungsmodus abwägen (127, 128),
  • Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus: u.a. Achtsamkeit, angenehme Aktivitäten, Atemübung (129-140)
  • Arbeitsseiten: Brief an meinen Gefühlsmodus, Schema-Modus-Memo (141-147).

Diskussion

Mit diesem Journal liefern Adenauer & Schuchardt einen Reisebegleiter zur Vor- und Nachbereitung der Therapiesitzungen. Nach einer prägnanten Einführung in die Kernelemente der Schematherapie im ersten Teil, wird im zweiten Teil die Möglichkeit zur schriftlichen Selbstreflexion der einzelnen Phasen der Schematherapie gegeben. Im dritten Teil wird schließlich eine umfassende Sammlung an schematherapeutischen Übungen geliefert. Die Ausführungen sind prägnant und anschaulich, der Aufbau überzeugend und das Buch insgesamt ansprechend gestaltet. Das beigelieferte kostenlose Download-Material rundet den positiven Eindruck ab.

Fazit

Ein ansprechendes Begleitbuch zum Verlauf einer Schematherapie, geeignet für heranwachsende/​erwachsene Patientinnen und Patienten, jedoch durchaus interessant für interessierte Therapeutinnen und Therapeuten für den Einsatz in der Therapie.

Rezension von
Dr. Philipp Thaler
Pädagoge an der Frühförderung Kinderhilfe Treuchtlingen / Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V., in Ausbildung zum psychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten am IVS in Fürth.
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Es gibt 15 Rezensionen von Philipp Thaler.

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ISSN 2190-9245