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Thomas Prünte: Brücken bauen

Rezensiert von Katharina Voth, 16.07.2025

Cover Thomas Prünte: Brücken bauen ISBN 978-3-7495-0431-2

Thomas Prünte: Brücken bauen. Das Geheimnis von Nähe und Distanz in der Partnerschaft. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2023. 192 Seiten. ISBN 978-3-7495-0431-2. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

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Thema

Das Buch thematisiert unter Einbezug psychologischer Erkenntnisse und sozialer Theorien das Verhältnis von Nähe und Distanz in einer Partnerschaft.

Autor:in oder Herausgeber:in

Thomas Prünte ist Dipl.-Psychologe und seit Jahren als Psychotherapeut, Autor und Berater in Hamburg tätig. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Ergründung eines sinnvollen, glücklichen Lebens. In seinen Werken stellt er unterschiedliche Einflussfaktoren auf das Leben vor und gibt Hinweise auf einen Umgang mit diesen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in 11 Kapitel und ist unterteilt in zwei Themenkomplexe. Der erste Themenkomplex befasst sich mit Formen der Distanz. Der zweite Bereich legt den Fokus auf die Formen der Nähe. Das Buch schließt mit Techniken ab, die eine Ausgewogenheit in dem Nähe-Distanz-Gefüge fördern können. In allen Kapiteln werden Paare vorgestellt, die ihre aktuelle Situation innerhalb der Beziehung beschreiben. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es Reflexionsfragen, die die Leserschaft zum Nachdenken animieren sollen.

Inhalt

Der Autor beginnt sein Werk zunächst mit dem Begriff der Distanz, denn nur durch das Erleben von Distanz kann Nähe zugelassen werden. Das Erleben von Distanz entsteht im menschlichen Sozialisationsprozess durch ein erstes Abkoppeln von den Bezugspersonen in der Kindheit. Diese Prozesse werden bis ins Erwachsenenalter immer wieder durchlaufen und neu ausgerichtet. Distanz in der Beziehung ermöglicht eigene Freiräume für Interessen und Vorlieben zu wahren und einen distanzierten Blick auf das Beziehungsgefüge zu richten. Distanz kann unter Umständen problematisch werden, sei es durch räumliche oder emotionale Trennung. Thomas Prünte bringt hier konkrete Beispiele, wie Fernbeziehungen, Abschiedssituationen oder Projektionen auf den Partner ein. Eine schwierige Distanz kann dazu führen, dass sich Partner fremd werden und nicht mehr aufeinander zugehen. Eine Schlüsselrolle nimmt dann die Kommunikation und das Mitteilen der eigenen Bedürfnisse ein. Unter Einbezug anderer Psychologen, Wissenschaftler und Therapeuten, z.B. Dr. Anke Birnbaum oder Prof. Guy Bodenmann beschreibt der Autor Verhaltensweisen, die zu einer Distanzierung des Gegenübers führen.

Anschließend stellen interviewte Paare vor, wie Nähe sich für sie anfühlt. Die wesentlichen Faktoren sind hierbei Aufmerksamkeit, Humor, Körperlichkeit und Gespräche. Der Mensch ist von Geburt an abhängig von einer guten Nähe, die den Nährboden für die weitere Entwicklung legt und prägt. Die Nähe zu einem anderen Menschen führt weiterhin zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Die Nähe zu sich selbst wird als längste Beziehung im Leben eines Jeden gesehen. Hierbei geht es darum eigene Wünsche und Bedürfnisse zu kennen und sich als Person wahrzunehmen. Nicht immer ist dieser Prozess einfach und schmerzfrei, er bringt einen aber näher zu sich selbst und fördert die Selbstakzeptanz. Je nach Bindungserfahrungen im Kleinkindalter, kann Nähe ebenfalls zu Problemen führen. Anhand der verbreiteten Bindungstheorien nach Ainsworth, Bowlby und Howe gibt der Autor einen detaillierten Einblick in seine therapeutische Arbeit. Erfahrungen aus der Kindheit und aus früheren Beziehungen können Ambivalenzen in der Nähe-Distanz-Empfindung führen. Diese müssen aufgearbeitet werden, um ein Loslösen von ihnen zu ermöglichen. Symbolisch greift der Autor hier den Titel des Werkes auf. In Partnerschaften gilt es immer Brücken zu bauen und einander die Möglichkeit zu geben das Nähe-Distanz Verhältnis neu auszurichten. Wie das gelingen kann, beschreibt der Autor in den letzten beiden Kapiteln. Es ist ein fortwährender Prozess, in dem es gilt, eine gute Balance zu finden; „…nicht zu viel und nicht zu wenig…“ (S. 14).

Diskussion

Partnerschaften und Beziehungen sind, entgegen dem aufgezeigten Bild in den sozialen Medien, nicht perfekt. Im Verlauf einer langjährigen Partnerschaft kommt es immer wieder zu Nähe und Distanz. Thomas Prünte greift dieses wichtige Thema in seinem Buch auf und führt der Leserschaft vor Augen, dass diese Wechselwirkung in jeder Art von Partnerschaft vorkommt. Anhand realer Beispiele aus seiner Psychotherapiepraxis beschreibt der Autor die Begriffe und gibt konkrete Hinweise, wodurch sich Nähe und Distanz bedingen. Hier wird die Möglichkeit geboten, sich mit Hilfe von Zusammenfassungen und Fragen zum Ende eines jeden Kapitels selbst zu reflektieren und eigene Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. Der Autor macht der Leserschaft Mut, eine Partnerschaft nicht gleich auf Eis zu legen, wenn es schwierig wird, sondern im Austausch mit dem Gegenüber zu bleiben. Wer sich mit sich und seinen zwischenmenschlichen Beziehungen auseinandersetzen möchte, findet daher in diesem Buch gute Anreize und Erkenntnisse aus der Psychologie.

Fazit

Das Werk des Autors bringt anhand von realen Beispielen aus bestehenden Partnerschaften die Begriffe von Nähe und Distanz näher. Mittels Übungen und Reflexionsfragen können Leser:innen ihre eigenen Beziehungsgefüge analysieren, um eine Balance in der eigenen Partnerschaft zu finden. Die Inhalte sind anschaulich, lebensnah und plausibel niedergeschrieben und spiegeln vielfältige Beziehungsformen wider, sodass sich eine breite Leserschaft mit diesen identifizieren kann.

Rezension von
Katharina Voth
Staatlich anerkannte Kindheitspädagogin B.A.
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Es gibt 1 Rezension von Katharina Voth.

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ISSN 2190-9245