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Christian Büttner, Joachim von Gottberg u.a. (Hrsg.): Krieg in Bildschirmmedien

Cover Christian Büttner, Joachim von Gottberg, Magdalena Kladzinski (Hrsg.): Krieg in Bildschirmmedien. Zur politischen Orientierung Jugendlicher zwischen Inszenierung und Wirklichkeit. kopaed verlagsgmbh (München) 2005. 230 Seiten. ISBN 978-3-938028-55-1. 16,80 EUR.
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Das Thema

Das Buch verdankt seine Entstehungsgeschichte einem auch vor Gericht geführten Aufsichtsverfahren zwischen der Medienanstalt Berlin-Brandenburg und dem Sender ProSieben über  die gesetzlichen Jugendschutzvorschriften, die sich auf die Ausstrahlung des Antikriegsfilms "Der Soldat James Ryan" bezogen.

Zu den Autoren

Dr. Christian Büttner ist Projektleiter im Arbeitsbereich "Friedenspädagogik / Konflikt-psychologie" der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.  Joachim von Gottberg ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSK). Magdalena Kladzinski ist Gastforscherin an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und promoviert über demokratische Lernziele in der Grundschule.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Teile.

  1. Im ersten Teil des Buches  werden zwei Texte angeboten, die eine wissenschaftliche Einführung in die Thematik "Krieg in Bildschirmmedien"bieten. Büttner und Kladzinski gehen der Frage nach, ob es überhaupt möglich ist, in den Medien Krieg "objektiv" dazustellen. Es gelingt ihnen aufzuzeigen, dass sich in Kriegs- und Krisenzeiten Massenmedien stets zwischen Information, Desinformation und Zensur bewegen. Folge davon ist eine mediale Kriegswirklichkeit, die nicht identisch ist mit der Realität des Krieges. In einem zweiten Beitrag thematisiert Kladzinski die Gestaltungsprinzipien von Krieg in Filmen, Nachrichten und Computerspielen.
  2. Im zweiten Teil des Buches wird die Darstellung von Krieg problematisiert. Gefragt wird danach, welche Rollen Medien, Politik und Militär im Rahmen ihrer Selbst- und Fremdinszenierung in der Öffentlichkeit spielen. Wiederum ist es zuerst Kladzinski, die Interessen, Interessenkonflikte und Abhängigkeiten der genannten drei Systeme thematisiert. Der anschließende Beitrag von Mikat berichtet über die Praxis der Jugendmedienschützer und erhellt, welche Dilemmata und Schwierigkeiten bei der Interpretation von Filminhalten und ihrer vermuteten Wirkung auf Jugendliche auftreten können. Im Beitrag von Hilse über den Alltag der Gutachtenerstellung wird anschaulich, wie kompliziert es ist, ein Urteil über die Altersfreigabe bei Computerspielen zu fällen. Die Bestimmungen des Jugendmedienschutzes am Beispiel des Internet bearbeiten Frank und Rausch, die dabei verdeutlichen, wie schwierig es sein kann, den Spagat zwischen Pressefreiheit und Jugendmedienschutz zu realisieren. Nochmals ist es ein Beitrag von Büttner und Kladzinski, welcher sich mit den langfristigen, nicht materiellen Kriegsfolgen am Bespiel der Kriegsveteranen beschäftigt.
  3. Der dritte, praxisbezogene Teil des Buches thematisiert in sechs Beiträgen unterschiedliche Facetten zum Thema "Krieg in den Bildschirmmedien", die bei der Produktion von Nachrichten für Kinder und der Erstellung von Datenbanken zu Kriegsfilmen nützlich sein können. Der Beitrag von Götz liefert anhand internationaler Programmbeispiele Strategien für die Gestaltung von Kindersendungen. Horst wiederum beschäftigt sich mit der Geschichte des Kriegsfilms. Bezugnehmend dazu gibt es als Zugabe eine dem Buch beigelegte CD-ROM, die eine Filmdatenbank der wichtigsten Kriegs- und Antikriegsfilme enthält. Gleiches gilt für den Beitrag von Gieselmann, der materialreich darstellt, wie das Bild vom "sauberen" Krieg in Computerkriegsspielen konstruiert wird. Büttner und Kladzinski präsentieren in ihrem letzten Beitrag eine interessante explorative Befragung von Jugendlichen der Klassen 9 und 12. Spannend ist u.a. das Ergebnis, dass Jugendliche durchaus kritisch mit dem Thema umgehen und sehr wohl die Strategien der Kriegsverherrlichung und -verharmlosung erkennen, trotzdem aber diese Spiele schätzen. Gugel stellt in seinem Beitrag von ihm konzipierte didaktische Zugänge in vier Lernbereichen (Analysieren und Verstehen; Experimentieren und Produzieren; Beeinflussen und Manipulieren; Kennen und Bewerten) vor, wobei sich dazu kopierfähige Materialien ebenfalls auf der CD-ROM befinden. Last but not least beschreibt Krautz in seinem Beitrag ein kunstpädagogisches Unterrichtsprojekt aus der Zeit des Irakkrieges 2003. Im Sinne einer produktiven Friedenserziehung wurden hier mit Schülern Bilder aus dem Internet kreativ bearbeitet.

Zielgruppen

Das Buch eignet sich hervorragend für Menschen, die beruflich oder privat regelmäßig mit älteren Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Speziell denke ich an Lehrer/innen, Sozialpädagog/innen, Erzieher/innen, aber auch an engagierte Eltern. Da Bildschirmmedien inzwischen nicht nur zur Alltagserfahrung von Heranwachsenden gehören, sondern auch zur Standardausrüstung im Kinderzimmer, kann es hilfreich sein, nicht nur gut informiert zu sein, sondern auch noch über gute Argumente und Positionen für einen angemessenen Umgang mit diesen Medien zu verfügen.

Fazit

Es ist ein sehr informatives Buch, verständlich geschrieben und quellenmäßig gut belegt. Die beigelegte CD-ROM mit Datenbanken zu Kriegsfilmen und Computerkriegsspielen sowie den Materialien zur politischen Bildung macht es darüber hinaus zu einem wertvollen Arbeitsmittel für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 21.02.2006 zu: Christian Büttner, Joachim von Gottberg, Magdalena Kladzinski (Hrsg.): Krieg in Bildschirmmedien. Zur politischen Orientierung Jugendlicher zwischen Inszenierung und Wirklichkeit. kopaed verlagsgmbh (München) 2005. ISBN 978-3-938028-55-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3277.php, Datum des Zugriffs 19.01.2020.


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