Gunter Groen, Dorothe Verbeek: Wieder besser drauf!
Rezensiert von Dipl. Soz.-Päd. (FH) Mathias Stübinger, 17.09.2026
Gunter Groen, Dorothe Verbeek: Wieder besser drauf! Wie du mit Stimmungstiefs und Depressionen umgehen kannst. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2024. 3., überarbeitete Auflage. 143 Seiten. ISBN 978-3-86739-346-1.
Reihe: Balance ratgeber.
Thema
Die erste Auflage des vorliegenden Buches aus dem Jahr 2018 wurde bereits auf socialnet rezensiert (vgl. https://www.socialnet.de/rezensionen/​24234.php). Die Auflagen weisen hinsichtlich ihrer thematischen Ausrichtung und der grundlegenden Zielperspektive keine wesentlichen Unterschiede auf.
Bedauerlicherweise bleibt festzustellen, dass Depressionen bei Kindern und Jugendlichen sowohl zu den häufigsten als auch zu den am schwersten zu erkennenden psychischen Erkrankungen gehören. Sie können erhebliche Auswirkungen auf das Leben, das Lernen und die gelingende Entwicklung junger Menschen haben.
Unverändert zählen leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Zu beobachten sind dabei steigende Fallzahlen. Betroffen sind etwa 1 % der Kinder im Vorschulalter und ca. 2 % der Grundschulkinder. Etwa 5–12 % aller Jugendlichen erkranken an Depression, wobei im Jugendalter Mädchen dreimal so häufig wie Jungen an einer Depression leiden. Häufig ergibt eine differenzierte Diagnostik, dass die Depression mit weiteren seelischen Erkrankungen verbunden ist – wie Angststörungen, Essstörungen oder ADHS (vgl. hierzu https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/​depression-in-verschiedenen-lebenslagen).
Es gibt – so Gunter Groen und Dorothee Verbeek im Vorwort ihres Buches – viele gute und nachvollziehbare Gründe, durch die junge Menschen in emotionale Krisen und schwierige Lebenslagen geraten können. Nachdem es viel Mut braucht, um sich seinen Schwierigkeiten zu stellen, soll der vorliegende Text verständliche Informationen zu Traurigkeit und Depression zusammentragen und hilfreiche Strategien zum Umgang mit diesen Herausforderungen vorstellen (S. 7).
Autorenteam
Im Buch finden sich auf dem Klappentext lediglich sehr kurze Angaben zu Autor und Autorin.
Dr. Gunter Groen ist seit 2010 Professor für Psychologie mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie und Kinder‑ und Jugendpsychotherapie; er vertritt u.a. die Lehrgebiete Psychotherapie und Beratung, Entwicklungspsychologie oder den Theorie-Praxis-Schwerpunkt „Kinder‑ und Jugendpsychiatrie/​Klinische Kinderpsychologie“ (vgl. https://www.haw-hamburg.de/person/​gunter-groen/).
Dr. Dorothee Verbeek ist Psychologische Psychotherapeutin, Dozentin und Supervisorin mit eigener Kinder‑ und jugendtherapeutischer Praxis in Lübeck. Sie hat in Bildungswissenschaften promoviert und lehrt als Professorin für Soziale Arbeit an der IU Internationale Hochschule (siehe https://www.iu.de/hochschule/​lehrende/​verbeek-veronika/).
Aufbau und Inhalt
Im Anschluss an ein kurzes Vorwort, in welchem kurz die Ergänzungen zu den bisherigen Auflagen benannt sind, skizzieren Gunter Groen und Dorothee Verbeek, Warum es sich lohnen könnte, dieses Buch zu lesen. Zur Konzeption der Veröffentlichung zählt der Zugriff auf vielfältige Arbeitsblätter, Checklisten und Informationsmaterialien über deinen speziellen Downloadbereich zum Buch (https://psychiatrie-verlag.de/wp-content/​uploads/2024/05/Downloadmaterial_Wieder_besser_drauf_2024.pdf).
Im Folgenden ist der Text untergliedert in sechs unterschiedlich umfangreiche Hauptkapitel mit insgesamt 36 Zwischenüberschriften. Konzeptionell werden die Leser:innen mit dem informellen Du angesprochen. Eine formal, wissenschaftlich korrekte Gliederung fehlt.
Im Kapitel Traurig, müde, leer und zu nichts mehr Lust: Kennst Du das? versucht das Autorenteam – unterstützt durch Fallbeispiele – aufzuzeigen, wie sich ggf. aus dem Empfinden von Traurigkeit eine Depression entwickeln könnte. In kurzen Textpassagen wird geschildert, was eine Depression ist, was z.B. mit dem Selbstwertgefühl, in Partnerschaft und Schule passieren kann, wenn sich die Symptome der Krankheit zeigen, und wie es gelingen kann, dass andere verstehen, wie es einer betroffenen Person geht.
Woher kommt die Depression? ist der Frage gewidmet, warum das Risiko, an einer Depression zu erkranken, gerade für Jugendliche und junge Erwachsene erhöht ist, warum das Risiko bei Mädchen ausgeprägter ist als bei Jungen. Gunter Groen und Dorothee Verbeek benennen belastende Lebensereignisse, die eine Depression auslösen können, und verdeutlichen potenzielle Faktoren, die eine Anfälligkeit für eine Depression erhöhen. Visualisiert wird ein Teufelskreis der Depression und die Wechselwirkungen mit anderen Herausforderungen wie Angsterkrankungen, Essstörungen oder dem Konsum von Alkohol und Cannabis.
Im Abschnitt Lass dich nicht unterkriegen! Hilfe suchen und finden werden Informationen zusammengefasst, die aufzeigen sollen, wo und wie Betroffene Hilfen finden können, wenn sie unter einem Stimmungstief leiden. Kurze Stichworte sind Schulsozialarbeiter:innen, Beratungsstellen, Hausärzt:innen bzw. Kinderärzt:innen oder Kinder‑ und Jugendpsychiater:innen gewidmet. Näher eingegangen wird auf Aspekte der ambulanten und stationären (Psycho-)Therapie, auf Perspektiven einer medikamentösen Behandlung und den Umgang mit akuten Hilfen für den Notfall.
Das Kapitel Wie du dir selbst helfen kannst befasst sich mit Möglichkeiten, die Betroffene – neben den Möglichkeiten professioneller Hilfe – selbst unternehmen können, damit es ihnen wieder besser geht. Die Lektüre dieser Passage soll dazu anregen, sich selbst und seine Stimmungen besser kennen zu lernen, was z.B. über ein Stimmungstagebuch visualisiert werden kann. Die Verfassenden skizzieren Säulen der Gesundheit, weisen auf die Notwendigkeit hin, Stress zu reduzieren und Krankheiten zu managen. Verwiesen wird auf die Bedeutung eines gesunden Schlafes oder des Essens für die Seele. Bewegung sowie die gebotene Vorsicht bei Alkohol und anderen Drogen spielen hier ebenso eine Rolle wie die Kontrolle der Nutzung von Handys, Computern oder sozialen Medien.
Gunter Groen und Dorothee Verbeek formulieren den Appell, dass betroffene Kinder und Jugendliche wieder anfangen sollen zu leben, und den Teufelskreis von Traurigkeit, Rückzug und quälenden Gedanken zu durchbrechen. Auch wenn Aktivitäten Überwindung und Kraft kosten, ist es wichtig, zwischendurch etwas Schönes zu erleben, Spaß zu haben und sich einfach einmal leichter und unbeschwerter zu fühlen (S. 86).
Schritte aus dem Teufelskreis heraus könnten drei Schritte sein (die im Text anhand praktischer Handlungsperspektiven skizziert werden):
- Das Erstellen einer Liste mit Aktivitäten, die der Mensch gerne macht.
- Entsprechend dieser Liste wieder aktiv werden
- Auf Erholung achten
Das Autorenteam widmet sich im Weiteren der Frage, was zu tun wäre, wenn negative Gedanken das Empfinden beeinflussen. Sie schildern, wie Gedanken Gefühle beeinflussen (und umgekehrt), wie es gelingen kann, das Gute zu sehen und/oder wie bedeutsam es ist, Sorgen aufzuschreiben und Probleme anzugehen.
Das umfassende Kapitel zur Selbsthilfe verdeutlicht zudem, dass es gelegentlich vorteilhafter sein kann, Probleme und persönliche Lebensumstände zu akzeptieren, als es möglich ist, mit anderen Menschen klarzukommen und/oder eigene Ressourcen und Stärken zu erkennen und zu nutzen.
Im Kapitel Wie andere dir helfen können, fassen Gunter Groen und Dorothee Verbeek Informationen für unterstützende Eltern, Freund:innen, Lehrkräfte und sonstige Bezugspersonen zusammen. Es geht dabei um eigene Scham‑ und Schuldgefühle der nicht betroffenen Menschen, die Perspektive, wie essenziell es ist, da zu sein und Betroffene ernst zu nehmen. Autor und Autorin skizzieren, was Eltern und Freund:innen oder auch die Schule als Institution tun können.
Hilfreiche Internetquellen und weiterführende Informationen zu Beratung und Therapie sind schließlich im letzten Abschnitt Was sonst noch wichtig ist zusammengestellt.
Diskussion
Das vorliegende Buch bietet einen gut verständlichen Einstieg zu den Herausforderungen, die sich Menschen in traurigen, von Depression geprägten Lebensphasen stellen können. Aufgezeigt werden erste Ideen und Impulse für eine konstruktive Problemlösung und entsprechende Bewältigungsstrategien.
Erkennbar wird die Zielperspektive des Autorenteams, einen anschaulichen, konstruktiven Beitrag zur Sensibilisierung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen und seelischer Belastungssituationen zu leisten.
Gunter Groen und Dorothee Verbeek gelingt es, langjährige Praxiserfahrungen in den Text einzubinden. Dies zeigt sich z.B. in zahlreichen Fallbeispielen, die typische Lebenssituationen veranschaulichen. Ergänzt wird das Buch – wie schon aufgezeigt – durch praxisorientierte Checklisten und Arbeitsblätter, die kostenlos online verfügbar sind, und den Leser:innen die Möglichkeit für erste, eigenständige Reflexionen des eigenen Erlebens ermöglichen.
Ungeachtet dieser positiven Aspekte erscheinen die wissenschaftliche Fundierung, eine differenzierte Quellenarbeit oder konkrete, zielgerichtete und methodisch fundierte Handlungsempfehlungen für professionell Helfende aus dem Bereich der Sozialen Arbeit oder der Kinder‑ und Jugendpsychiatrie doch ambivalent.
Gelegentlich sind Aussagen sehr verkürzt dargestellt – wie z.B. die Aussage zu Beginn einer ambulanten Psychotherapie: „Die Therapeutin weiß viel über Depressionen, wie sie entstehen, was man tun kann, damit wieder besser umzugehen“ (S. 28) oder zu Beratungsstellen: „Beratungsstellen für Familien gibt es in nahezu allen Städten. Dort arbeiten ausgebildete Therapeut:innen. Sie kennen sich mit sämtlichen Problemlagen von Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern sehr gut aus“ (S. 55).
Hier fehlt schon die kritische Diskussion der institutionellen Barrieren, die es in den Unterstützungsstrukturen zu überwinden gibt – wie z.B. die teilweise sehr langen Wartezeiten für ambulante oder stationäre Therapien.
Fazit
Letztlich zeigen die abwechslungsreiche visuelle Gestaltung des Textes mit vielfältigen grafischen Elementen im Comic-Style, Tabellen oder Internetlinks usw., dass das vorliegende Buch nicht primär an Fachkräfte, Lehrende oder Forschende gerichtet ist.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Betroffene und deren Angehörige, die über die Lektüre einen guten, niedrigschwelligen, verständlichen Zugang zur Thematik und Impulse für die eigene Reflexion einer schwierigen Lebenssituation erhalten können.
Für diese große Gruppe der Lesenden kann das Buch eine erste Orientierungshilfe für die konstruktive Entwicklung neuer Lebensperspektiven in schwierigen Zeiten sein.
Literatur
https://www.socialnet.de/rezensionen/​24234.php** (Datum des Zugriffs: 31.07.2026).
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/​depression-in-verschiedenen-lebenslagen (Datum des Zugriffs: 31.07.2026).
https://www.haw-hamburg.de/person/​gunter-groen/** (Datum des Zugriffs: 31.07.2026).
https://www.iu.de/hochschule/​lehrende/​verbeek-veronika/** (Datum des Zugriffs: 31.07.2026).
https://psychiatrie-verlag.de/wp-content/​uploads/2024/05/Downloadmaterial_Wieder_besser_drauf_2024.pdf** (Datum des Zugriffs: 31.07.2026).
Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. (FH) Mathias Stübinger
Diplom-Sozialpädagoge (FH)
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, u.a. in tätig in den Lehrgebieten: Sozialmanagement / Organisationslehre / Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit / Praxisanleitung und Soziale Arbeit für Menschen mit Behinderung.
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Es gibt 37 Rezensionen von Mathias Stübinger.





