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Antje Czerwinski (Hrsg.): Demenz

Cover Antje Czerwinski (Hrsg.): Demenz. WEKA MEDIA (Kissing) 2005. 120 Seiten. ISBN 978-3-8276-4311-7. 74,00 EUR.

Inkl. CD-ROM und 20 Farbfolien. Preis zzgl. 7% MwSt.
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Zur Thematik des Buches

Demenz ist das zentrale Thema der Altenpflegeheime und zugleich ein Problem, denn eine fast schon unüberschaubare Fülle an Modellen, Konzepten und Strategien in der Pflege, Betreuung und Organisation werden den Einrichtungen der Altenhilfe offeriert. Mitarbeiter müssen aber in diesen Arbeitsfeldern unterwiesen und fortgebildet werden, wie die Qualitätsvereinbarungen es vorsehen. Verschiedene Vorgehensweisen stehen hierbei zur Auswahl: u. a. eigene Fortbildung durch Mitarbeiter, Fortbildungen durch externe Fortbildner in den Einrichtungen oder in Bildungsstätten. Die vorliegende Publikation geht von dem Anspruch aus, "sofort einsetzbare Schulungsbausteine für die Altenpflege" zu enthalten.

Bei der Autorin handelt es sich um eine Altenpflegerin.

Inhalt

Das Schulungspaket besteht aus verschiedenen Medien: einem Textteil einschließlich drei Fragebögen zu den jeweiligen Bausteinen (ca. 60 Seiten), 20 Folien und einer CD-Rom, die den Textteil und die Inhalte der Folien enthält. Der Textteil ist in zwei Kapitel untergliedert: Grundlagenwissen (Kapitel 1) und Schulungsbausteine (Kapitel 2).

  • Kapitel 1 enthält zu Beginn einige Begriffsklärungen (akute und chronische Verwirrtheitszustände), kurze Hinweise über Demenzen und hierbei besonders über die Demenz vom Alzheimer-Typ und vaskuläre Demenzen, Darstellung des Mini-Mental-Status-Test und des DemTect-(Demenz-Detektion-)Test. Des Weiteren enthält es Ausführungen über therapeutische Maßnahmen, wobei besonders über die medikamentöse Therapie in Anlehnung an einen Beitrag von Jan Wojnar referiert wird. In weiteren Abschnitten des Kapitels werden die Verhaltensweisen und Reaktionen Demenzkranker zu erklären versucht, wobei u. a. auf Ausführungen von Huub Buijssen über die so genannten beiden "Demenzgesetze" bezüglich des Kurz- und Langzeitgedächtnis zurückgegriffen wird.
  • Im Kapitel 2 (Schulungsbausteine) werden Erläuterungen zu den einzelnen Folien gegeben. Die Inhalte der Folien: Verwirrtheit (4 Folien), begriffliche Erklärung der Demenz, Phasen der Alzheimerkrankheit, Demenzformen, Folie über die "beiden Demenzgesetze", gestörte Einprägung, aggressive Verhaltensformen, Maßnahmen bei Aggressivität, depressive Verhaltensformen, Argwohn und Misstrauen, motorische Unruhe (2 Folien), nächtliche Unruhezustände, die eigene Haltung gegenüber Demenzkranken, Grenzen, Tipps zum Umgang mit Demenzkranken.

Kritische Würdigung

Fortbildungsmaterialien über Demenzen und den Umgang mit demenzkranken Heimbewohnern sollten möglichst die Ebene der konkreten Verhaltensweisen, Umgangsstile und Reaktionsweisen der Bewohner als auch der Pflegenden mit der Ebene der theoretischen Zusammenhänge (u. a. neuropathologische Erklärung, Stressverhalten und eingeschränkte kognitive Kompetenzen) dergestalt verknüpfen, dass im Konkreten eines Handlungsvollzuges oder einer demenzspezifischen Verhaltensweise das Allgemeine des Wirkzusammenhanges zwischen erkranktem Gehirn und Verhalten erkannt werden kann. Nur auf diese Weise kann das Verhalten und Reagieren Demenzkranker erklärbar und verständlich gemacht werden im Sinne eines Kausalzusammenhanges.

Ein weiteres Element einer Fortbildung im Bereich Demenzpflege besteht aus der Stärkung der Verhaltenssicherheit der Mitarbeiter und der Sensibilisierung und Reflexion im Umgang mit den Betroffenen.

Zu den Ausführungen des vorliegenden Schulungsmaterials lassen sich folgende Aussagen machen:

  • der Erklärungskontext von Hirn und Verhalten auf der Grundlage neuropathologischer Veränderungen als Bezugsrahmen fehlt in dieser Arbeit völlig.
  • Ebenso fehlen Erläuterungen über den Einfluss von sozialen und räumlichen Milieukomponenten auf das Verhalten der demenzkranken Bewohner.
  • Der Kenntnisstand über die geläufigen Ablenkungs- und Beruhigungsstrategien einschließlich des Vorgehens des Mitgehens und Mitmachens wird nicht aufgeführt.
  • Das reichhaltige Spektrum an Beeinflussungsmöglichkeiten bei den ständig verunsicherten demenzkranken Bewohnern wird nur en passant angeführt.
  • Die Folien sind didaktisch unzureichend aufbereitet dergestalt, dass zuviel Text ohne grafische Darstellung verwendet wird.
  • Die theoretische Grundlage in Gestalt der verarbeiteten Fachliteratur ist sehr begrenzt. Dies zeigt sich auch in den nicht sehr umfangreichen Ausführungen über die einzelnen Aspekte der Demenzen.

Fazit

Es muss leider konstatiert werden, dass die vorliegende Veröffentlichung den Ansprüchen an eine inhaltliche, vertiefende und auch verständliche Fortbildung über das Verhalten Demenzkranker nicht gerecht zu werden vermag.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 28.03.2006 zu: Antje Czerwinski (Hrsg.): Demenz. WEKA MEDIA (Kissing) 2005. ISBN 978-3-8276-4311-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3280.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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